Was passiert wenn zwei Verrückte eine Geschichte schreiben?

 

Das schlaue Vorwort


Zu dieser Seite muss ich vorweg einpaar Sachen erklären. Man stelle sich zwei gelangweilte ICQ Benutzer kurz vorm Bund/ Studium vor. Über ihre geistige Verfassung lass ich euch einfach mal spekulieren. Zu dieser schon kritischen Masse gesellte sich dann noch auf der einen Seite Alice. Alice war alles andere als pflegeleicht, und führte täglich zu geschötzten 20 bis 30 Abbrüchen der Internetverbindung, verbunden mit einem Neustart.
Mit einem Wort: Frustration pur!
Nach 20 wb - thx Ansätzen versuchte der Techniker den Sozi aufzumuntern... (mist! jetzt hab ich mich verraten )
So wurde sie geboren, die unendliche Geschichte!
Seit dem wächst sie jede Woche um ein bis zwei Einträge. (Auch zu finden auf : http://teetasse.pytalhost.de/preview/blog/eintrag/13 ) Von Alice hab ich mich getrennt, der Router läuft wenn er hin u wieder mal Schokolade bekommt (insider ) ich häng an der Uni rum, der Techniker kämpft sich durchs Bundeswehrleben und irgendwie ist zwar alles anders und dennoch alles wie immer^^

 

Kleine Anmerkung:
Es sind keine GTI-Fahrer oder Zombies zuschaden gekommen und Hammah ist abgesehn von ein paar Kleinigkeiten ein familienfreundlicher Ort (am Arsch der Welt^^)

 

 

 

 

Prolog..................................................................................................................................... 2

Kapitel 1: Eine schräge Geschichte beginnt....................................................... 5

Kapitel 2: Etwas Klarheit.......................................................................................... 15

Kapitel 3: Unerwartete Besucher........................................................................ 27

Kapitel 4: Verlustvolle Wohnungswechsel....................................................... 40

Kapitel 5: Verwandtschaft...................................................................................... 60

Kapitel 6: Überraschungen...................................................................................... 77

Kapitel 7: Keine Ruhe.................................................................................................. 95

Kapitel 8: Alte Rivalen.............................................................................................. 116

Prolog

 

Dies ist ein Originalauszug aus einem ICQ-Log zwischen den Autoren, der den Anfang dieses Buches markiert.

 

The Rock, 16.08.2007 15:00:05:

Denk an einen Wasserfall in mitten einer idyllischen Urwaldumgebung mit grünen Palmen. In der Nähe hörst du das Rauschen des Meeres und erinnerst dich an den weißen Sandstrand und das tyrkisblaue Wasser. Die Vögel zwitschern fröhlich und die Sonne scheint warm, aber nicht zu heiß auf dein Haupt herunter...

 

Corax, 15:02:48:

 als der Sonnenstrahl auf den Vogel trifft hört man ein kurzes zischen und ein Brathühnchen fällt vom Himmel und würd das Rauschen sich nicht in ein donnerndes Brausen einer "perfekten Welle" steigern würd ich mir überlegen ob´s nicht n nettes Mittagessen wäre... *grins* positiv-Konditionierung funzt nicht *lach*

 

The Rock, 15:05:09:

In deiner Nähe befindet sich ein kleiner Strauch mit wundervollen, roten Früchten. Du isst welche und fühlst dich entspannt, ein Schluck klarem Wasser aus dem Fuß erfrischt dich und du spürst eine neue Kraft, die die geruhsam durch den tag bringen wird.

 

Corax, 15:07:32:

... als plötzlich ein Geräusch mich aus den träumen reist. Ich seh aus den schmutzigen Fenstern der deutschen Bahn und seh wie wir langsam an meiner Haltestelle vorbei fahren. Es ist der letzte Zug, der Polo steht in Hammah und als wäre es nicht genug, ertönt hinter mir "Ihre Fahrkarte bitte"

 

The Rock, 15:10:54:

In dem Moment schrecke ich noch mal aus dem Schlaf, schweißnass. Der Zug fängt gerade an zu bremsen, bleibt stehen und ich steige gemütlich aus, auch wenn ich noch etwas aufgeregt von meinem bösen Traum bin.

 

Corax, 15:15:18:

Und wie ich blinzelt am Bahnsteig steh und den davon fahrenden Zug hinterher blicke fängt es an zu regnen.  Mit einen Mal wird mir klar, dass mein Regenschirm grad auf dem Weg nach Cuxhaven ist. Fluchend renn ich hinter dem Zug her. In meiner Wut werf ich einen Stein nach ihm. Der getroffene Wagon schwankt, kippt um und geht in mysteriösen Flammen auf. Mein Regenschirm verbrennt und der Geruch von verkohlten Fleisch mischt sich mit den panischen Schreien der Pendler. Ich steh immer noch am Bahnsteig und denk *Scheiße!*

 

 

The Rock, 15:18:02:

In dem Moment sagt mein Kumpel: "Red doch keinen Quatsch!" und haut mir kurz auf den Hinterkopf. "So was würde doch nie im Leben passieren.", meint er und insgeheim kann ich nur leider sagen. Zusammen gehen wir Richtung zu Hause, immer noch mit dem Gedanken spielen, was wäre, wenn tatsächlich der Zug in Flammen aufgehen würde. Doch so ist dem (leider) nicht und wir gehen weiter...

 

Corax, 15:24:36:

bis zu dem verhängnisvollen Zebrastreifen der mich heut noch in Träumen heimsucht. Nur die besten sterben jung, aber warum musste er grade dazu zählen? Warum hat der GTI Fahrer auf Drogen ihn erwischt, warum musste er sich schützend vor mich werfen? Meine Wohnung war nur ein paar Minuten vom Bahnhof entfernt, wir waren schon fast da. Warum hatte die Bahn grade heute keine Verspätung? Es kam mir gleich komisch vor das Sie Rechtzeitig kam, das passierte sonst nie. Wäre sie eine Minute später da gewesen würde er noch Leben.... Viele Sachen gingen mir durch den Kopf als ich den Heimweg alleine fortsetzte. Der Notarzt wollte mir was zur Beruhigung geben, die Sanitäter wollten mich nachhause bringen doch alles was ich wollte war alleine sein und eben doch nicht denn ich wünschte mir er wäre noch bei mir

 

The Rock, 15:28:42:

In diesem Moment bekam ich einen kräftigen Arschtritt, der mich auf den Boden der _Tatsachen_ zurückbrachte. "Na, danke, dass ich sterben darf!" Der Blick sagte alles von ihm, er war stinkesauer. "Was hast du überhaupt mit diesem Zebrastreifen? Da hat es noch nie jemanden erwischt." meinte er zu mir und ich musste ihm wieder insgeheim zustimmen. Und ein Autofahrer, der mit Drogen vollgepumpt war? Um diese Uhrzeit? Nie im Leben.

 

Corax, 15:33:30:

Doch er kannte Hammah nicht. Ein Ort dessen Vergangenheit nur durch seine Gegenwart überschattet werden konnte. Ein Ort, dessen Häuser und gepflegten Vorgärten nur als Fassade dienten um die Grausame Wahrheit zu  vertuschen dass hier alle GTI-Fahrer schon morgens blau waren und das hier die Untoten regierten. Sie ernähren sich von den Träumen und Hoffnungen der wenigen Menschen die es wagten hier zu wohnen, schleichen sich in ihr Bewusstsein und kontrollieren die schwachen unter ihnen, ohne dass sie es selber merken

 

The Rock, 15:40:05:

Doch mit meinem Maschinengewehr, welches panzerbrechende Munition geladen hatte, waren die Untoten und die GTI-Fahrer kein Problem. Der Weg wurde gepflastert mit unzähligen Leichen und Körperteilen, die zufällig abgeflogen waren. Die Munition knackte sogar die aufgepimpten Autos der GTI-Fahrer, die keine Chance hatten zu überleben. So ging ich also mit meinem Kumpel durch Hammah und säuberte, was endlich mal nötig war, die Stadt von allem Dreck, der in ihr hauste. Letztendlich lagen zwar überall tote Untote und GTI-Fahrer, doch ich und mein Kumpel hatten überlebt und der Stadt einen Bärendienst erwiesen. So kamen wir sicher zu Hause an. Die Müllabfuhr erledigt den Rest und säubert die Straßen, dass Hammah in einem nie dagewesenen neuen Glanz erstrahlt. Zur noch mit einer Hand voll Bewohner, aber es würden schon bald neue Menschen hierher ziehen.


Kapitel 1: Eine schräge Geschichte beginnt

 

Doch eines Tages ging ich eine Abkürzung da ich schneller zu Haus sein wollte. Plötzlich stieß ich an den Horizont. Eine Unsichtbare Mauer! Mein Sieg war nur eine gewollte Illusion, hatten sich die Untoten auch meines Bewusstseins ermächtigt oder steckte wohl möglich gar die Regierung dahinter??? Während ich noch mit Fragezeichen über dem Kopf vor der Mauer stand nährte sich von hinten eine schwarze Limousine. Lautlos öffnete sich ein Schiebefenster und als ich mich umdrehte sah ich direkt in den Lauf eines Gewehres, dann wurde alles schwarz.

Es klarte wieder... auch wenn ich nichts sehen konnte. Ich hörte Stimmen. "Musstest du ihr wirklich den Beruhigungspfeil ist Gesicht ballen? Zockst du zu viele Ego-Shooter oder was ist mit dir los... hä?" "Ähm, ich dachte im Gesicht wirkt es schneller." "HAST DU SIE NOCH ALLE??? Na ja, zum Glück für uns, dass die Schwellung in ihrem Gesicht sich wieder vollständig auflöst in den nächsten Stunden, sonst hätten wir ein RIESEN PROBLEM!
Du Depp du. Immerhin ist sie wichtig für die Regierung. Wir müssen sie und die anderen Genies zum Raumschiff bringen. Was glaubst du wäre passiert, wenn die gesehen hätten, dass eins der Genies n Gesicht wie Hackfleisch hat? Aber ist ja noch mal alles gut gegangen. Wir müssen nun los." "Chef, eine Frage noch, wieso machen wir das eigentlich so heimlich und wieso liegt sie jetzt hinten im Kofferraum gefesselt?" "Weil davon absolut niemand etwas mitkriegen soll, selbst die Genies nicht, sonst könnte noch eine riesen Panik ausbrechen. Verstanden?" "Ok, Chef." "Nun gut, dann mal los!" Der Motor startete und ich schlief wieder ein.

Als ich das nächste Mal erwachte spürte ich dass etwas nicht stimmte. Der Wagen schien zu beschleunigen und die Stimmen schienen aufgeregt. Plötzlich gab es einen Ruck, das Auto schleuderte und die Männer schrieen panisch auf. Es ertönten zwei Schüsse, dann wurde es still. Während der Wagen langsam ausrollte versuchte ich mich zu erinnern wo ich war. Mein Gesicht brannte, ich sah nichts und konnte mich nicht bewegen. Dann wurde der Kofferraum aufgerissen und ich wurde herraus gezehrt. "Sie ist die Falsche, scheiße!" brüllte eine Stimme. "Was nun Boss?" "Knallt sie ab und lasst die Leiche verschwinden. Und ähm... räumt hier auf das ist ja ekelig. Musste es unbedingt ein Kopfschuss sein? Die gesamte Gehirnmasse des Fahrers klebt an der Windschutzscheibe! Passt auf das ihr keine Spuren und Zeugen hinterlasst." Er lachte hämisch und ich wurde unsanft in einen anderen Kofferraum verfrachtet.

Das Auto bewegte sich, der Fahrer fuhr viel zu schnell und selbst als es über eine hügelige Straße ging wurde es nicht besser. Plötzlich macht es einen großes Klack und irgendwie wurden die Fahrgeräusche erheblicher lauter. Beim nächsten Hügel gab er sogar extra Gas und plötzlich hebte ich vom Kofferraumboden ab, allerdings war da kein Deckel mehr und ich flog ihm hohen Bogen aus dem Auto.... Der Aufprall war allerdings nicht so hart und das Band über meinen Augen war weggerutscht. Er hatte zum Glück nicht direkt bemerkt, dass ich weg war. Meine Füße waren nicht gefesselt wodurch ich erstmal direkt in den Graben sprang, falls er zurückkommen sollte. Nach einer halben Stunde traute ich mich Richtung Straße und eine nette Frau in einem grünen VW hielt an und half mir aus meinen Fesseln. Außerdem brachte sie mich zur nächsten Polizeistation.

Ich saß überglücklich in der Polizeistation und war froh dass ich soviel Glück gehabt hatte. Die Entführer schienen blutige Anfänger gewesen zu sein, nicht mal Beinfessel! Ich hätte es besser gemacht *muhahahaha*... doch da kam mir ein weit aus erschreckender Gedanke... war das alles geplant? Wo war ich da nur reingeraten? Unsicher sah ich mich um und mein Blick blieb an einem Fahndungsplakat hängen. Die Person kam mir beunruhigend bekannt vor, Locken..., komische Brille... FUCK! Das bin ja ich! Die Polizei hängt auch mit drin. Das war mal wieder klar, es war einfach zu gut gelaufen. Deswegen hatte die Frau am Eingang so überfreundlich gelächelt und diesen komischen roten Knopf unter dem Tisch gedrückt. Vonwegen automatische Kaffeemaschine, das war ne billige Ausrede und ich war drauf rein gefallen. Vermutlich waren Ein- und Ausgänge bereits gesichert... Mir blieb nur eine Möglichkeit hier raus zu kommen... Langsam krempelte ich mir das rechte Hosenbein hoch und löste das Panzertape von der Haut und vom Messer. Zum Glück geh ich nie unbewaffnet aus dem Haus^^ Ich bewegte mich langsam auf die Empfangsdame zu und Lächelte. "Hätten sie auch einen Kaffe für mich" fragte ich freundlich und genoss ihr nervöses Lächeln. Ihr "aber natürlich blieb ihr im Halse stecken als ich plötzlich hinter ihr stand und sie den kalten Stahl an ihrer Kehle spürte.“Ich weiß dass ihr mich beobachtet, keine Bewegung! Öffnet die Tür und gebt mir ein Fluchtfahrzeug wenn ihr hier nicht sehr hartnäckige Blutflecken auf dem Teppich haben wollt" schrie ich in die Kamera die auf mich zoomte. In dem Moment streifte mein Blick wieder das Fahndungsplakat ... Verdammte Kontaktlinsen! Jetzt wo sie wieder richtig sitzt sieht mir das doch gar nicht so ähnlich... Ich schluck während ich das klicken eines Revolvers höre. Irgendwer lud seine Waffe und brüllte "Wir verhandeln nicht mit Terroristen!"

"Überraschung" schrie ich und lies das Messer fallen. "Ihr seit echt darauf reingefallen." und ich fing an zu lachen. Die Polizisten lachten eher nicht, aber anscheinend flogen keine Kugeln mir um die Ohren. Die anderen Polizisten kamen und guckten mich recht komisch an und hielten mich in der Polizeistation fest, bis dann nach einer gewissen Zeit Männer in weißen Jacken vorbeikamen und mir ne Beruhigungsspritze gaben. Trotzdem besser als wenn ich erschossen wäre und so lies ich mich abführen, außerdem würden die ja eh bald merken, dass ich ganz normal bin. In ihrem Art Krankenwagen brachten sie mich zu ihrer netten Anstalt.

Dort angekommen waren die netten Ärzte sehr neugierig. Ich erklärte ihnen dass ich von der Regierung entführt worden war bis andere Männer die Regierungsleute getötet und mich zurück entführt haben. Die Ärzte tuschelten und Wortfetzen wie "Verfolgungswahn" drangen an mein Ohr... Es klang ja auch nicht sehr glaubwürdig. "Das mit der Polizeistation war ein Missverständnis, glauben sie mir. Ich dachte die stecken da mit drin weil ich auf dem Fahndungsplakat war, aber wissen sie was... echt lustig sag ich euch, das war ich gar nicht. Das sah nur so aus, meine Kontaktlinse muss wohl verrutscht sein" versuchte ich es unsicher lächelnd. Wieder ertönte ein Gemurmel "Halluzinationen...!"
"Können Sie mir die Männer beschreiben die sie entführt haben" fragten die Männer in weiß mich.
„Natürlich nicht, ich war ja im Kofferraum, gefesselt und mit Augenbinde!“ rief ich empört.
"Und wie sind sie entkommen?!"
"Nun ja... würden Sie mir glauben wenn ich ihnen sage, dass der Kofferraum sich geöffnet hat, ich unverletzt herausgefallen bin und sich meine Augenbinde gelöst hat? Ach ja und meine Beine waren nicht gefesselt"
"Ähm ja natürlich glauben wir ihnen. Alles ist gut wir sind auf ihrer Seite. Sehn sie sich dieses Fahndungsplakat mal an"
Man reichte mir ein Plakat eines bärtigen Mannes der wie ein fleischgewordener Panzerknacker aussah und ich fluchte auf die Linsen. "Erkennen sie diese Person?"
"Klar das ist der Panzerknacker 176-167" sagte ich mit einem Grinsen in der Hoffnung die angespannte Stimmung lockern zu können doch die Ärzte schienen keinen Humor zu haben. Ein anderer Arzt betrat mit einem Stapel Zettel den Raum. Mist die haben meine Krankenakte schoss es mir durch den Kopf, jetzt ist alles gelaufen...
"Eine letzte Frage hätten wir noch... Was können sie uns über sehr scharfkantige Taccos sagen?" Es Dämmerte mir das ich hier eine ziemlich lange Zeit verbringen würde wenn ich die Ärzte nicht überzeugen könnte das ich in Ordnung wäre. Also raus mit der Wahrheit, das mit den Taccos nehmen sie mir nicht noch mal ab.
Nun Ja wenig später bekam ich viele bunte Smarties und kam in einen tollen Raum mit Matratzen an den Wänden. Es war toll! Ich hatte Ruhe, war in Sicherheit und bekam viele bunte Pillen. Während ich fröhlich mit meiner Liebhabjacke durch den Raum pogte klopfte es und eine Krankenschwester trat ein. Boa sind das geile Pillen heut morgen sah die Alte noch scheiße aus, dachte ich als die Schwester die aus einem nicht jugendfreien Manga entsprungen zu sein schien mich anlächelte.
"Sie haben Besuch"
Eine bekannte Stimme rief nach mir, schlug die Krankenschwester KO und wollte mich aus dem Zimmer zerren.
"Wie du willst hier bleiben?! Ich setz mein Leben für dich aufs spiel, jetzt hör auf dich zu wehren" schrie mich mein Kumpel an während er mich über seine Schulter warf und mich trotz heftigsten Strampeln von diesem wundervollen Ort fort trug. Es war doch so schön friedlich gewesen!


Als hätte er meine Gedanken gelesen meinte er: "Glaubst du, dieser Laden hier wäre ein idyllisches Paradies? Dann hast du noch nicht im Keller vorbei geschaut. Die machen hier Experimente an Menschen!!! Die schlitzen dich auf und versuch dein Gehirn zu manipulieren! Die sind echt krank!!!“ Wehrlos nahm er mich mit zu seinem Auto und wir fuhren erst mal zu ihm, da mein zu Hause vielleicht überwacht würde. Man kann ja nie sicher genug sein. Die Tage danach ohne Smarties waren kein Zuckerschlecken, aber mit einer Portion Wille ging das schon, dass ich danach nicht mehr aufgeputscht durch die Gegen hüpfte, sondern wieder mich normal mit Anderen unterhalten konnte. Die ganze Story von mir müsse verbreitet werden meint mein Kumpel, da die Leute wissen müssen, was die Regierung alles für böse Dinge macht. Und so sollte ich tatsächlich ins Fernsehen kommen. Zwar erstmal nur auf 3Sat, aber immerhin.

Aber ein paar Sätze gingen mir nicht aus dem Kopf. "Weil davon absolut niemand etwas mitkriegen soll, selbst die Genies nicht, sonst könnte noch eine riesen Panik ausbrechen. Verstanden?" was würde passieren wenn ich wirklich ins Fernsehn kommen würde? Mal davon abgesehen dass kaum jemand 3 Sat sieht aber, wäre ich schuld an einer Massenhysterie? "Sie ist die Falsche, scheiße!" hatten die Zweiten Entführer gerufen. Doch wer war dann die richtige? Irgendwo muss ein Genie rum laufen die mir ähnlich sieht und in größter Gefahr schwebt! Scheiß auf deine TV-Karriere rette die Frau, schrie mich mein Innerer Sozi an. Seufzend sagte ich beim Sender ab, vielleicht war es besser so. Schließlich wollte ich die Männer die jetzt irgendwo einen leeren Kofferraum bestaunten, nicht unnötig auf meine Fährte bringen. Zu dieser Zeit wusste ich nicht dass ich beobachtet wurde. Ich wusste auch noch nicht in welchen Krieg der Giganten ich da geraten war doch schon bald sollte ich es erfahren denn ein Fadenkreuz verfolgte jeder meiner Bewegungen wie ein Magnet.


Ich versuchte mir zu überlegen wie ich am besten meine Doppelgängerin finden sollte, doch wie findet man schon jemanden nur anhand eines Gesichtes? Hmm... mir fiel einfach nichts ein, weswegen ich einfach ne Runde mit der Bahn gefahren bin. In der Deutschen Bahn kamen mir immer die besten Ideen, doch auch in der Bahn viel mir einfach nichts ein bis ich plötzlich an einem Bahnhof angekommen war, dessen Name ich noch nicht gehört hatte. Schon komisch, immerhin kannte ich alle auswendig und so viele sind es nun auch nicht zwischen Hammah und Harburg. Auch die Gegend kam mir nicht bekannt vor, doch draußen an der Straße entlanggehend sah ich plötzlich mein Dubel. Ich musste hier raus. Der Zug hielt langsam an und ich stand schon ungeduldig an der Tür bis sich endlich die Verriegelung löste und ich auf dem Bahnsteig sprang. Die Straße musste etwas entfernt sein, also beeilte ich mich und rannte das Stück zurück, doch dort angekommen war die Person verschwunden. Doch sie musste hier irgendwo sein. Doch nach einer Stunde Suchen fand ich sie nicht und ich begab mich erstmal zurück zum Bahnhof um von dort meine weiteren Aktionen zu planen. Ich warf auch einen Blick auf den Fahrplan um zu sehen, wo ich nun genau war und um wie viel Uhr die Züge wieder fuhren, denn ich hatte keinen vorbeifahren hören. Und was ich las verschaffte mir eine Gänsehaut. Nach dem Plan gab es keinen Zugverkehr mehr.

Denn ich war in der Zukunft und der vergilbte Plan zeigte an das im Jahre 2010 durch die Privatisierung nur noch rentable Bahnhöfe angefahren wurden. Ich musste mit dem Zug in ein Zeitloch geraten sein. Dann war die Person auch nicht mein Double. Das war ich in der Zukunft schoss es mir durch den Kopf. Aber wie bin ich hier her gekommen und warum kenne ich diesen Ort nicht wenn ich in der Zukunft hier leben würde?! Und wieder war ich nicht alleine. Ich hatte beim letzten mal Glück gehabt das sich mein Verfolger im Anflug geistiger Umnachtung, den Beruhigungspfeil selbst in den Fuß geschossen hatte. Doch mittlerweile war er wieder aufgewacht und auf meiner Spur. Er schien über das Zeitloch bescheid gewusst haben, oder hatte er es selbst geöffnet? Selbst wenn ich eine Antwort gewusst hätte, es hätte mir nicht geholfen als etwas mein Gesicht streifte und in weiter Ferne hörte ich eine Bekannte stimme. „ Du verfluchter Idiot! Nicht schon wieder! Wie oft soll ich es dir noch sagen? NICHT INS GESICHT!!!!! Nächstes Mal schieß ich, egal was du sagst.“ Und wieder wurde die Welt schwarz.

Konnten sie die Zeit etwa kontrollieren?
Ob sie von dem Anschlag wussten?
viell. war es ja so geplant dass es aussieht als wären sie Tod.
Wahrscheinlich haben sie mir einen Peilsender angeheftet damit sie die anderen bösen Männer verfolgen können die mich im Kofferraum gefangen gehalten haben. Überlegte ich mir als ich wieder zu mir kam und ich die Stimmen zuordnen konnte


Wieder lag ich in einem Kofferraum und wieder mit Augenbinde, doch sie hatten gelernt und nun hatte ich auch Fußfesseln. Allerdings schienen diese Fesseln etwas moderner zu sein, denn sie machten komische Piep-Geräusche. Ich merkte auch erst später dass wir in Bewegung waren, da es nichts polterte und die normalen Fahrgeräusche waren fast nicht zu hören. Wie ich später mitbekam, fuhr man nicht mehr mit Reifen sondern schwebte über den Boden. Die Männer hielten dann irgendwann an und trugen mich aus dem Auto in ein Gebäude. Anscheinend waren wir in einer Stadt, denn ich könnte den normalen Lärm hören, obwohl in unserer direkten Umgebung sich wohl niemand befand und mich mit den fiesen Männern beobachten könnte. Die Beiden brachten mich zu einem Raum, in dem sie mir alle Fesseln abnahmen und auch die Binde. Was ich sah war nicht viel außer einer grauen Wand. Ich drehte mich um und sah nur noch wie eine Tür zuging. So stand ich da in mitten eines kleines Raumes ohne Fenster und nur mit einer Lampe. Es wirkte ganz klar wie eine Gefängniszelle, bloß ohne Gitterstäbe. Ich setzte mich hin und dachte über all die Dinge nach, die mir in dem letzten paar Tagen und Wochen passiert sind. Das konnte doch alles nicht war sein, ich solle jetzt in der Zukunft sein. Zeitreisen, was für ein Witz, doch der Boden fühlte sich zu real an, dass es nur ein Traum sein könnte. Ich hämmerte gegen die Tür, doch nichts war zu hören. Wo war ich bloß gelandet? Nach Stunden wie es mir vorkam ging plötzlich die Tür auf und die beiden Männer von dorthin trugen mich unter heftigster Gegenwehr weg.

Diesmal hatten sie mich und den dicken Mauern nach zu urteilen gab es kein Entkommen von hier. Ich kam wieder in einen Raum ohne Fenster doch diesmal standen ein Tisch und drei Stühle drin. Nun sah ich das erste Mal die Gesichter der beiden Stimmen und war überrascht wie jung die beiden Männer waren. Widerstrebend setzte ich mich und sah die beiden zornig an. "Was wollt ihr von mir?" nuschelte ich, denn meine Gesichtsmuskeln waren teilweise noch recht betäubt. "Dich in Sicherheit bringen?!" entgegnete man mir. "Ich war in Sicherheit bevor ihr mich zweimal angeschossen und entführt habt!" "Das denkst du! Außerdem ... wir Verhören dich und nicht du uns, um das Mal klar zustellen" der Größere leuchtete mir mit der Lampe ins Gesicht. "Was soll das?! Jetzt hör doch mal auf, langsam reichts mir mit dir, du machst nur Ärger, das ist kein PC-Spiel sondern die Realität" raunzte sein Kollege ihn an und stieß ihn in die Rippen. Der Große sah betrübt zu Boden und murmelte "Sry... auch das mit deinem Gesicht, tut mir echt Leid...." "Es tut dir Leid?! Ich sehe aus wie ne Hackfresse und es tut dir nur Leid? Und überhaupt, warum seid ihr nicht Tod?! Ihr solltet Tod sein. Ich mein, dein Gehirn klebte an der Scheibe!"
Die beiden grinsten mich an.
"Hast du es gesehen? Ich denke nicht. Wenn es dir lieber wäre wir wären Tod dann muss ich dich enttäuschen ich für meinen Teil bin sehr lebendig und nun Schluss. WIR haben nun einpaar Fragen an dich"


In diesem Moment gab es ein großes BUMM. Beide schauten verduzt und liefen aus dem Raum, wodurch ich ganz alleine da saß. Sollte ich nun abhauen oder redeten sie tatsächlich die Wahrheit? Ich wusste es nicht und deswegen ging ich nur bis zur Tür und guckte nach draußen. Niemand zu sehen, aber ich konnte Schüsse hören, das klang nicht gut, gar nicht gut. Plötzlich kamen die beiden den Flur rückwärts entlang während sie mit komischen Waffen aufpassten. "Was ist los?" Doch meine Frage wurde ignoriert und sie rissen mich mit sich. "Wir müssen hier weg." Plötzlich sah ich am Ende Leuten um die Ecke geschossen und fingen an zu schießen. Die beiden Männer schossen zurück und rannten mit mir schneller weiter. Nach mehreren Abbiegungen waren wir an der Tür nach draußen angekommen. Draußen stand schon ein Auto, doch die Verfolger waren dicht hinter uns. Wir sprangen alle ins schwebende Auto als die Verfolger durch die Tür kamen und auf unser Auto schossen, doch anscheint war es gepanzert und wir wurden drinnen nicht getroffen. Immerhin war ich nicht mehr im Kofferraum, dachte ich für ne Sekunde an welch einem denkwürdig ungünstigen Moment. Durch das hintere Fenster sah ich, dass wohl Autos von unseren Verfolgern uns hinterher jagten. Unser Auto setzte sich in Bewegung, aber nicht nur nach vorne sondern auch nach oben Richtung Himmel. Ein kleines "Woah" entglitt mir als wir durch die Luft flogen, doch die anderen konnten das auch.

Und waren dabei nicht unbedingt langsamer. "Halt dich fest gleich beschleunigen wir" "Oh ja, darf ich den roten Knopf drücken? Bitte!" ertönte und bevor ich die Bedeutung der Worte begriffen hatte wurde ich in den Sitz gedrückt und die Umgebung schien nur noch aus grünen Streifen zu bestehen. Bäume vermutete ich während ich den Geschwindigkeitskick meines Lebens hatte. Das ganze Adrenalin, das durch meinen Körper schoss ließ mich nicht klar denken. "Geiles Gefährt, oder? Ich will mir von meinem ersten Gehalt auch so eins kaufen" Der Große versuchte mühsam seinen Kopf zu drehen um in meine Richtung zu sehn doch die Schwerkraft hinderte ihn daran. "Dein erstes Gehalt? Ihr seid blutige Anfänger? Ich bin verloren!" stellte ich fassungslos fest. "Falsch. Er ist ein blutiger Anfänger nicht wir. Wenn es nach mir ginge gäbe es auch kein wir" ließ sein Kollege genervt verlauten.
"Ich hab so viele Fragen..." begann ich.
"Und wir haben jede Menge Probleme also erspar mir das jetzt. Ich weiß ja nicht wies bei dir aussieht aber ich möchte primär überleben." Er hatte den Satz noch gar nicht ganz beendet als etwas am Fenster vorbei flog.
"Scheiße sie haben intelligente Raketen" rief der Große. Dann ging alles sehr schnell. Die grünen Streifen beschleunigten, mein Magen wurde mit dem Rest meines Körpers noch tiefer in den Sitz gedrückt und rebellierte. "Schlecht! Raus! Fenster!" versuchte ich meine Lage zu erklären aber dann war es schon zu spät.
Zu spät für den Fahrer um auszuweichen. Es knallte und dann wurde das Gefährt langsamer und beunruhigend ruhig. "Scheiße sie haben uns erwischt, die Elektronik setzt aus! Schleudersitze?" schrie der Große. "Schleudersitze!!!!!" kam die Antwort und bevor ich geschockt "Schleudersitze?!" kreischen konnte, wurde ich samt Sitz senkrecht in die Höhe katapultiert. Das war zu viel des Guten für meinen Magen und mein Frühstück verabschiedete sich im Hohen bogen. Mehrere Lichtblitze durchzogen den Himmel. Ein Fallschirm öffnete sich und der Boden raste weniger schnell auf mich zu. Trotzdem war die Landung ziemlich hart und würde den einen oder anderen Blauen Fleck hinterlassen. Ich stand wackelig auf meinen Beinen und mir ging es immer noch nicht besonders gut. Jemand rief meinen Namen. Wenig später durchbrachen die beiden das Unterholz und standen eben so fertig wie ich, vor mir.
"Was wollten die von uns und warum leben wir noch?" fragte ich matt.
" Du bist die Antwort." antwortete man mir doch auch das verwirrte mich nur zusätzlich.
"Ich bin die Antwort?!" zweifelnd sah ich beide an, doch sie schienen es Ernst zu meinen.
"Ja sie wollen dich, und wegen dir sind wir noch am Leben. Ihnen sind anscheinend die intelligenten Raketen ausgegangen und sie hatten nur noch die kleinen Wärmesuchenden. Sie hätten uns abgeschossen aber dann hast du dich... sagen wir mal erleichtert und die Raketen waren auf Körpertemperatur eingestellt. Dreimal darfst du raten was sie statt uns in die Luft gejagt haben." Kotzen rettet Leben, ich sehe die Schlagzeile schon vor mir, dachte ich und wurde trotzdem rot. Eine peinliche Stille folgte. Irgendwas musste ich sagen um die Stille zu brechen. Und irgendwas musste ich tun um neue Sachen auf zu treiben, stellte ich mit einem Blick auf meine Hose und meiner letzten Mahlzeit fest.
"Warum kennt ihr eigentlich meinen Namen und ich euren nicht? Ziemlich unhöflich sich nicht vorzustellen! Falls ich mal über euch schreibe kann ich doch nicht einfach der Große und sein Kollege sagen. Außerdem... Ich glaub ich brauch andere Klamotten...."


"Das mit den Klamotten könnte etwas schwierig werden, außer du bevorzugst Grünzeug als Kleidung. Der nächste Laden dürfte ein paar Kilometer entfernt sein und unsere Namen tun eigentlich nichts zur Sache, aber es ist eh egal. Also ich bin Rüdiger." sagte der Große. Und sein Kollege meinte: "Und ich bin Karl.“ Ok, die Namen waren jetzt nicht so der Renner, aber immerhin konnte ich sie jetzt mit Namen ansprechen. Doch ich wollte immer noch antworten. "Und was wollen die von mir? Ich bin doch einfach nur... ich." In diesem Moment hört man Motorengeräusche, anscheint waren die Verfolger angekommen und suchten uns wohl. Wir rannten los und somit bekam ich immer noch keine Antwort auf meine Frage, doch mein Leben war mir derzeitig wichtiger als das Wissen und als neue Klamotten. Es fühlte sich zwar recht eklig an, aber wenn man weiß, dass man jederzeit getötet werden kann, ist es dann einem doch relativ egal. Wir Drei rannten und rannten durch den Wald ohne auch nur einmal hinter uns zu gucken. Immer wieder hörte man auch Motorengeräusche über unseren Köpfen, aber die Bäume boten uns jedenfalls guten Sichtschutz. Wenn sie schon hitzesuchende Raketen hatten, dann hatten sie auch sicherlich noch anderes Spielzeug mit den sie uns auch ohne Sichtkontakt aufspüren könnte. Dieser Gedanke sträubte mir die Nackenhaare und ich rannte noch ein bisschen schneller. Doch bald konnten wir alle nicht mehr laufen und so versteckten wir uns erstmal in einer kleinen Mulde zwischen mehreren, größeren Bäumen. Vielleicht bekam ich jetzt ja endlich Antworten auf meine Fragen.

"Warum wollt ihr mich retten und warum? Vor allem warum mich" keuchte ich.
"Wir sind Mitglieder einer Geheimen und mächtigen Organisation. Wir müssen dich schützen weil du eine wichtige Rolle für die Erfüllung einer Prophezeiung aus dem Jahre 2007 spielen könntest."
" Und was ist das für eine Organisation? Freimaurer? Illuminati? Und von was für einer Prophezeiung sprichst du?" Meine Fragen waren immer noch nicht beantwortet und mit jeder ihrer ausweichenden Antworten ergaben sich neue Fragen.
"Der Name tut doch gar nicht zur Sache! Und die Prophezeiung ist auch nicht für deine Ohren bestimmt, noch nicht." wandte Karl nervös ein. Rüdiger hingegen schien redseliger zu sein. "Lass sie doch. Also ich verrate dir den Namen aber versprich mir nicht zu lachen... Wir sind Anhänger der Religion der mächtigen Erdnüsse."
"Die mächtigen Erdnüsse? hrhrhrhrh, muhahaha! Wie klingt das denn? Ist das ne Abkürzung? E.R.D.N.Ü.S.S.E wie Elite R....."
"Nein, einfach nur die mächtigen Erdnüsse und dir Unwissende steht es nicht zu dich über unseren Namen lustig zu machen, ja ihn gar auszusprechen" blaffte Karl mich wütend an.


"Und was werden wir nun machen und was werdet ihr mit mir machen?" Neben dieser Frage schossen mir noch tausend andere durch doch Kopf. Die Antwort war mal wieder etwas ausweichend, aber immerhin etwas.
"Wir werden zu einem geheimen Ort gehen und dort warten."
"Aha?"
"Ja, du musst wissen, so wie hier in der Zukunft die Zeit weitergeht, passiert das auch in der Vergangenheit aus der du kommst. Deswegen werden wir dich hier in der Zukunft so lange beschützen bis der Zeitpunkt der Prophezeiung eintrifft und dich dann zurückschicken."
"Und wie lange wird es denn noch bis zur Prophezeiung dauern?"
"Um ehrlich zu sein, wissen wir es nicht genau."
Na toll, sie wissen es nicht. Wird ja immer besser. Aber was hast das alles bloß mit Erdnüssen zu tun? Wieso nennen die sich Erdnüsse? Was für ein bescheuerter Name, der kann ja nur von einem Trottel kommen. In dem Moment fiel mir wieder mein Kumpel ein. Was macht der jetzt bloß? Ob er mich sucht?

Rüdiger unterbrach mich in meinen Gedanken in dem er meinte, dass wir uns weiterbewegen sollten. Die Luft wäre rein, trotzdem sollten wir vorsichtig sein, man wisse ja nie was für Gefahren hier noch überall lauerten. So zogen wir los ohne eine Ahnung wohin es gehen sollte. Geheimer Ort? Irgendwie ist bei denen alles geheim und mysteriös. Und dabei bin ich doch wohl so wertvoll, aber wissen darf ich nix. Na, danke! Aber besser unwissend als tot.

Aber warum soll ich euch glauben, wenn ihr mir noch nicht mal die Wahrheit sagt" fragte ich die beiden. "Weil wir dich lebendig brauchen , die anderen nicht. Deswegen solltest du besser mitkommen. Es sei denn du möchtest lieber bei denen bleiben." Ja, das war n gutes Argument. Also weiter auf der suche nach einem unbekanntent, geheimen Ort von dem ich hoffte das Rüdiger und Karl zumindest den Weg kannten. Vor allem aber in der Hoffnung das die anderen ihn nicht kannten. "Habt ihr vielleicht trockene Kleidung am geheimen Ort" fragte ich vorsichtig. "Frauen!!!! Wir werden verfolgt und du denkst nur an Klamotten!"

Machos. War ja klar das so ne Aussage von denen kommt. Der Wag schien nie aufzuhören, unserer Verfolger hatten wir wohl unterdessen abgeschüttelt, denn es war rein gar nichts als die natürlichen Geräusches eine Waldes zu hören und das Rascheln der Blätter auf dem Boden unter unseren Füßen. Wir gingen und gingen bis es schon langsam dunkler wurde und die Sonne langsam sich dem Horizont näherte und sich rötlich färbte.
"Ich brauch mal wieder ne Pause." keuchte ich nach dem wir schon länger keine gemacht hatten und meine Füße sich wie Bleiklumpen anfühlten - taub und steif. Die Schuhe waren auch nicht gerade dazu gedacht um damit Kilometer für Kilometer zu Fuß hinter sich zu legen, doch nach der ganzen Rennerei in der letzten Zeit hatten sich die Füße den Schuhen und die Schuhe der Lage angepasst, so dass man fast sagen könnte, dass Füße, Socken und Schuhe sich zu einem Objekt vereint hatten. Ob man mir die Socken aus der Haut rausschneiden müsste? Der Gedanke war nicht gerade angenehm und so prüfte dann doch lieber meine Füße und konnte dann schön die Blasen zählen, die sich gebildet hatten.
"Wie weit müssen wir denn noch?" fragte ich mit einem gepeinigten Ausdruck im Gesicht.
"Nun es ist nicht mehr weit." kam als Antwort, die ich schon mehrfach heute gehört hatte.
"Nicht mehr weit?! Das habt ihr schon die letzten 3 Mal geantwortet! Wisst ihr überhaupt, wo wir hinrennen??"
"Es ist wirklich nicht mehr weit." sagte Karl beschlichtend und fügte hinzu, dass wir noch noch maximal 2 Stunden bis zum Eingang bräuchten.
Wir gingen weiter durch die nicht enden wollenden Wald und es wurde immer dunkler bis nur noch der Mond uns ein wenig Licht bot. An eine Taschenlampe oder so was in der Art hatten die beiden natürlich nicht gedacht. Typisch. Auch wenn wir alle fast dem Tod entronnen sind, so hätte man doch wenigstens daran denken können, was wäre wenn wir überleben. Nach guten 3 und halb Stunden schienen wir auch dann tatsächlich angekommen zu sein, denn beide blieben auf einmal stehen und meinten wir wären da.


Kapitel 2: Etwas Klarheit


Etwas verdutzt fragte ich dann, wo dieses Ort und der Eingang dazu denn seien, denn wir standen immer noch im Wald drinnen und alles sah genau so aus wie die letzten Kilometer die wir gegangen waren. Gestrüpp, Bäume, ein paar Sträucher, nirgends schien es auch nur einen Ansatz für Zivilisation zu geben.
Es wäre ja wohl kein geheimer Ort, wenn es ein Schild dafür gebe bekam ich als Antwort.
"Außerdem bedenke wir sind in der Zukunft." sagte Rüdiger augenzwinkernd und schien irgendwie mitten in der Luft nach etwas zu suchen. Nach ein paar Sekunden hatte er anscheint das gefunden, was er gesucht hatte und tippt mit der Hand einen Code in die Luft, doch zu meiner Verblüffung kam ein Geräusch aus dem nicht, dass wohl signalisierte, dass der Code richtig war, denn Sekunden später öffnete sich eine Tür. Mitten im Wald öffnete sich tatsächlich eine Tür. "Woah. Das nenn ich wirklich Zukunft." Das Erscheinungsbild der Tür von außen musste wohl eine computergenerierte Grafik der direkten Umgebung sein, denn man konnte ja selbst den Schein des Mondes auf der anderen imaginären Seite sehen. Der Innenraum der Tür war dagegen hell erleuchtet und erstrahlte in einem hellen Weiß. Zu Dritt gingen wir durch die Tür, die sich danach wieder augenblicklich schloss. Ich drehte mich um und konnte tatsächlich den Wald sehen. Anscheint war die Tür aus so ne Art Material wie ein Einwegspiegel mit der Besonderheit, dass auf der anderen Seite eine vollkommen reale Projektion gezeigt wurde.
Faszinierend was die Technik in der Zukunft alles konnte und allem Anschein nach war ich wahrscheinlich auch noch irgendwie damit verwickelt durch diese komische Prophezeiung und dem Quatsch. In dem Moment fiel mir wieder ein Bedürfnis ein. "Ähmm... habt ihr zufällig jetzt neue Klamotten für mich?"

Beide musterten mich skeptisch. Ihr Gesichtsausdruck schien mir zu sagen dass sie sicherlich irgendwo was auftreiben konnten aber es mir nicht unbedingt gefallen würde. Also beschloss ich erstmal einzutreten. Enttäuscht stellte ich fest, dass das Innere nicht meinen Vorstellungen der Zukunft entsprach. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber die vollkommene Normalität verwirrte mich mehr als die spektakulärsten Fantasien von Sciencefictionautoren es vermocht hätten. Ich kam mir vor als stände ich in der Sommerausgabe des IKEA-Katalogs, die Einrichtung war definitiv geschmackvoll aber irgendwie fehlten schwebende Sachen, Roboter oder wenigstens etwas mehr Chrom.
„Bemerkenswert, nicht war?“ Rüdiger stand neben mir mit dem Strahlen in den Augen das meins hätte sein sollen. Er schien fasziniert zu sein ohne dass es einen erkennbaren Grund dafür gab.
“Man könnte es für echt halten.“ Karl stieß ihn an. „Achja … Ähm das kommt sicher davon dass es echt ist“ Ich sah mich um und erblickte erstaunt unzählige Wohnzimmer. Irgendwas stimmte überhaupt nicht. Und plötzlich war die Normalität zu perfekt, wirkte falsch und es kam mir vor als hätte jemand der keine Ahnung hat versucht sie zu erschaffen.
„Moment, ist das die Wandlampe Marek? Die hab ich zuhause auch… Ich bin in einem Möbelkatalog?!!!“
„Ich kann dir nicht mal die digitale Dekoration überlassen, das sind ja nur Wohnzimmer!“ stöhnte Karl und Rüdiger versuchte sich etwas kleiner zu machen.
„Wir wollten dass du dich zuhause fühlst. Hab mich nach euren Zeitschriften gerichtet. Es gab soviel Platz da dachte ich, ich ordne die Räume thematisch an. Hier sind die Wohnzimmer…. Wenn du Bäder und Schlafzimmer suchst die sind oben…“ meinte er kleinlaut.
Badezimmer, ja das traf sich gut dachte ich. Ich musste schon ne ganze Weile sehr dringend aber im Wald vor denen, ne da hab ich dann doch lieber n Augenblick ausgehalten. Wo Schlafzimmer sind, vermutete ich auch Schränke und hoffte dass Rüdiger unter den „Zeitschriften“ auch den Ottokatalog durchgeblättert hatte. Man zeigte mir eine Treppe und wies mir den Weg. Sichtlich erleichtert begab ich mich dann auf die Suche nach neuen Klamotten und meine Hoffnungen wurden erfüllt. Ich zählte über 20 Kleiderschränke und Rüdiger schien nicht den Ottokatalog sondern den EMP gelesen zu haben. Boa das ist die Zukunft wie ich sie mir wünsche. Überglücklich schlenderte ich neu gekleidet die Treppe hinunter und platzte mitten in eine Hitzige Diskussion der beiden.
„Du hättest ihr zumindest sagen müssen dass hier alles eine, nur für sie sichtbare Illusion ist. Wer weiß was sie da Oben grade…“


Nur für mich sichtbare Illusion? Mein Gehirn ratterte und ratterte. Ich schaute an mir runter und mir wurde es so langsam bewusst. Die Kleidung auch?!?!? Ich drehte mich so schnell um und rannte wieder noch oben, dass sie beiden, die mich gerade entdeckt hatten, nur noch einen Schweif gesehen haben müssen. Immerhin hatte ich meine Lieblings-Todesengel-Unterwäsche nicht auch noch gewechselt. Das würden die büßen und zwar nicht zu knapp. Musste ich wohl wieder die stinkenden und durchgeschwitzten Klamotten anziehen, aber was soll’s. Lieber das als halb nackt denen ihre unterdrückten Lüste zu wecken. Die mussten wohl ganz arm dran sein, wenn sie schon so was, wahrscheinlich auch noch geplant, durchführen. Nach 5 Minuten ging ich wieder mit einem üblen Geruch in der Nase nach unten. Ich hatte zwar versucht die Klamotten noch etwas auszuwaschen, aber erst da zeigte sich mir die vorher so reale Illusion als die Flecken nicht rausgingen.

Ich beschloss die beiden erstmal zur Rede zu stellen vielleicht verbesserten Schuldgefühle ihrerseits ja den Informationsfluss. Schon traurig wenn man auf so miese Tricks zurückgreifen muss kam es mir in den Sinn, doch ich brauchte endlich Antworten die sie mir anscheinend nicht freiweilig geben wollten. Ich setzte also meinen finstersten Blick auf atmete tief durch um auch die richtige Lautstärke für diese Art der Konservation aufbringen zu können und trat den beiden gegenüber. Doch was ich da sehn musste ließ mich meinen Ärger vergessen. Ich brüllte los vor lachen und war froh so tief eingeatmet zu haben. Vor mir stand Rüdiger mit hoch rotem Kopf in einem weiten Samtkleid. "Das weinrot passt perfekt zu dir aber bei deiner Oberweite würde ich Pusch-Up-BH´s empfehlen " urteilte ich fachmännisch sein neues Outfit.“ Du brauchtest doch so dringend was zum Anziehen und da all das hier für dich real aussieht dachten wir ... Naja du kannst gerne meine Sache haben... Wir haben ne Münze geworfen und ich hab verloren." stotterte er. Als ich die auf dem Tisch liegende Einkaufswagenmarke begutachtete, war mir klar warum Rüdiger verloren hatte. "Ich nehme an die stammt von Karl und du musstest wenn das Einkaufswagensymbol oben liegt, stimmts?" fragte ich und sah Karl scharf an. Der grinste nur und meinte "Ich hab eindeutig den übleren Teil abbekommen, ich seh den Quatsch nicht und muss ihn die ganze Zeit in seinen komischen Shorts sehn." Nachzufragen was an den Shorts komisch wäre und den armen Rüdiger über die wahren Gründe seiner unausweichlichen Niederlage aufzuklären ersparte ich mir. Aber nun wusste ich auch über wen ich an Informationen kommen würde, Rüdiger schien das ideale Opfer für meine Aushorchversuche zu sein. Erstmal verzog ich mich jedoch mit den viel zu großen Sachen von ihm ins Badezimmer und zog mich um. Zum Glück trug er einen Gürtel in den ich zwar ein Zusatzloch bohren musste, aber danach hielt die Hose. Trotzdem kam ich mir wie ein Hip-Hopper vor.

Immerhin waren die Klamotten sauber und ich war endlich den üblen Geruch los. So ging ich wieder auf die Beiden zu, die immer noch da standen und auf mich warteten. "Also, was werden wir denn nun machen? Ihr meintet wir würden hier warten bis die Prophezeiung eintrifft, aber ihr wisst ja selber nicht einmal wann das ist oder?" "Nun, ja. Wir wissen es nicht. Wir warten nun auf eine Nachricht vom Hauptquartier mit weiteren Instruktionen, wie wir vorgehen sollen. So lange kannst du dich entweder in eines der Zimmer legen und pennen oder Fernsehen gucken, allerdings siehst du nur Sendungen aus deinem Zeitalter auf dem Oldie-Channel, denn es wäre besser, wenn du so wenig von der Zukunft mitkriegst wie es geht und da wäre der Nachrichten-Channel ganz klar falsch." "Ok, ich begebe mich mal in eins der Zimmer. Habt ihr eigentlich auch was zu essen oder zu trinken hier?" Und ich guckte mich nach einem Kühlschrank um. "Ja, haben wir und zwar nicht ein holografischer Kühlschrank, sondern einen Echten für den Notfall, der ja derzeitig ist. Er steht in dem Raum ganz hinten rechts. Kannst dich ruhig bedienen." In dem Moment knurrte mein Magen, wie der eines Bären und ich verschwand in der Küche. Als ich den schon sehr protzigen Kühlschrank von 2 Meter Breite öffnete, sabberte ich fast auf den Boden. Es gab eigentlich alles. Selbst ein Hähnchen lag ganz weit links unten bereit gebraten zu werden. Doch ich wählte erstmal eine eigens zusammengestellte Mahlzeit, die kein Fleisch beinhaltete. Denn Obst, Gemüse, Süßigkeiten und alles andere gab es ebenfalls in solch einer Masse, dass man das gar nicht hätte an einem Tag aufessen können. Die Mahlzeit bestand hingegen nicht aus so gesunden Essen, sondern aus mehreren Tafeln Schokolade, die in eine Schüssel kamen und diese dann in die Mikrowelle kam. Ich drückte auf den Startknopf und ne Sekunde später machte es schon "Kling" und eine heiße Schokoladensuppe war fertig zubereitet. Doch ohne etwas Gesundem konnte das Essen nicht komplett sein und so holte ich mir noch eine Schale Erdbeeren aus dem Kühlschrank, die wirkten als wären sie gerade gepflügt wurden. Muss wohl auch eine neue Technik sein, die Essen länger haltbar macht. Einzelnd tippte ich die Erdbeeren in die, nun nur noch warme, Schokolade, womit ich mein Lieblingsessen mit meinen Lieblingsfrüchten kombiniert habe. Ein Festessen um es genau zu beschrieben. Ich holte mir noch andere Sachen aus dem Kühlschrank, denn der Hunger war groß und auch der Durst war nicht geringer. Doch als ich dann die Wodkaflasche im Eisfach fand empfand ich das erste Mal ein Gefühl des Zuhauses seins in dieser Zukunft. Doch anstatt sich einfach grundlos zu besaufen, stopfte ich sie zurück und merkte mir, die beiden zu fragen, ob sie nicht Lust hätten später mit mir einen zu trinken. Dies wäre nebenbei gesagt eine ideale Möglichkeit mehr aus den Beiden herauszubekommen. So begnügte ich mich mit einer 2 Liter Flasche Cola, die schneller alle wurde als man gucken konnte. Immerhin war der Tag bisher ganz schön lang gewesen und ich hatte mehr durchgemacht als so manche andere Person in ihrem ganzen Leben. Mit einer weiteren heißen Schokoladensuppe und ein paar ausgewählten Früchten ging ich zurück zu Rüdiger und Karl um denen meine Mahlzeit vorzustellen.

Ich fragte mich ob es in der Zukunft noch Schokoerdbeeren gab und
begab ich mich mit der flüssigen Schokolade und den Früchten zu den Beiden. Die mussten ja mindestens genau so hungrig sein wie ich. Ich hoffte nur dass sie keine Sprüche über Frauen und Küche zum Besten geben würde, immerhin waren sie den restlichen Männern die ich kannte um einpaar Jahre voraus. Wenn doch, würde ich mich beim Mischen der Getränke dran erinnern. Überglücklich hatte ich sogar Kaktussaft ausfindig gemacht und war fest überzeugt nun hinter all die offenen Fragen zu kommen. Wenn Rüdiger selbst nüchtern keinen einfachen Münztrick erkannte, wie leicht würde es dann mit der richtigen Menge Vodka fallen? Tief in meinem Inneren sagte irgendwas *muhahahahaha und Orgelmusik ertönte*


"Na? Schon irgendwas passiert?" Kopfschütteln. "Hunger? Hab hier Schokoerdbeeren und andere Früchte." Die Beiden schielten recht komisch auf die Schale mit der Schokoladensuppe und den Früchten. "Das kann man essen! Das schmeckt lecker!" "Ähmm..." Und Rüdiger und Karl tauschten kurz Blicke. "Ich weiß nicht, sieht etwas gewöhnunsbedürftig aus." meinte Karl. Doch mein mahnender Blick an die Herren war wohl genug um sie von meiner leckeren Mahlzeit zu überzeugen. Jeder nahm sich eine Frucht und tunkte sie in die Schokolade. Noch ein letzter beunruhigender Blick zwischen ihnen und sie aßen die Früchte auf. Ich wartete währenddessen auf ihr Urteil, was natürlich recht positiv ausfallen dürfte. "Na, wie schmeckt's?" "Ähmm, nun ja, also man kann es essen..." sagte Karl und Rüdiger vollendete "aber man sollte lieber nicht.“ Beide sahen urplötzlich etwas grün im Gesicht aus und verschwanden schneller auf dem Klo als ich gucken konnte.
Na toll! Super! Da macht man ihnen schon ein Festessen und dann ablehnen! Klasse! Typisch Männer! In dem Moment ertönte eine Stimme, die durch den kompletten Raum hallte und fragt "Rüdiger? Karl? Seit ihr da?" Ich drehe mich um und sah auf dem großen Bildschirm das Gesicht einer Person, die mir allzu bekannt war. Wie? Warum? Das darf doch nicht wahr sein, mein Kumpel war der Boss von den Beiden? Das kann ich nicht glauben. Der war doch ganz normal, also fast und nun das? Ich musste was sagen, sonst hätte er vielleicht noch gedacht, dass niemand da wäre. "Also.... Hallo?" Anscheint war wohl im Raum eine Kamera angebracht, denn auf einmal schien er mich zu erkennen. "Hey, da bist du ja" und sein Gesicht strahlte. "Haben dich also Karl und Rüdiger gut hierher gebracht und dich beschützt wie ich sehe. Gehst dir auch gut? Du siehst ein bisschen blass um die Nase aus?" "Ähmm, ja mir geht es eigentlich ganz gut, aber wie bist du zu dieser Position gekommen und was ist das für eine Erdnüsse-Organisation und überhaupt, was habe ich mit all dem zu tun?" "Das ist eine lange Geschichte."

 

"Sind das Schokoerdbeeren auf dem Tisch? Ich wusste gar nicht dass die beiden kochen können. Ich hatte mir schon ernsthaft Sorgen gemacht das sie dich hier verhungern lassen." fügte er mit einem Lächeln hinzu. In diesem Moment wankten Karl und Rüdiger herein. Sie sahen sehr mitgenommen aus und waren sichtlich froh über die architektischen Eigenheit des Hauptquartiers. Ein Badezimmer hätte den beiden vermutlich nicht gereicht.
„Ihr habt sie tatsächlich kochen lassen?! Alleine?! Wenn ihr was passiert wäre, wär alles verloren gewesen. Ich hoffe ihr seid euch dessen bewusst.“ Dann zeigte er jedoch Mitleid mit den beiden und versprach einen Erdnuss-Padawan zum nächsten Pizza-Laden zu schicken. Die Pizzen sollten an einem geheimen Treffpunkt übergeben werden. Und natürlich wollten sie mich nicht dabei haben und dann sollte ich auch noch schwören die Finger von der Küche zu lassen. Männer! Als ob mich meine Kochkünste umbringen können. Genau das schien mein Kumpel zu denken als er mich besorgt ansah und meinte „Sei mir bitte nicht böse, aber ich mach mir Sorgen um dich. Ich kann dir jetzt noch nicht erklären warum aber bitte lass es einfach. Vor allem die Mikrowelle… Nicht anfassen!!! „ Irgendwie spürte ich das er mit Karl und Rüdiger unter 4 Augen reden wollte bevor sie loszogen um das Essen zu holen also begab ich mich mit meiner mittlerweile leicht getrübten Stimmung nach oben, um die so genannten Oldies zu schauen. Unglaublich dass die immer noch Bohlen zeigen wie er junge Leute ohne Talent beleidigt.


Mach ein paar Minuten später hörte ich wie eine Tür zuknallte, anscheint waren die Beiden nun aus dem Haus um sich mit dem Padawan zu treffen. Somit hatte ich wohl sturmfreie Bude, aber was macht man damit in der Zukunft? Ne Party feiern wäre wohl jetzt nicht gerade angebracht, außerdem wüsste ich eh nicht wen ich einladen könnte. Also musste wohl die Glotze wohl mich weiter ablenken. In diesem Moment kam mir eine Idee. Vielleicht könnte ich ja diesen Schutz umgehen und mir die wirklichen Nachrichten angucken, vielleicht erfahre ich ja so endlich was, wo mir doch wohl niemand auf diesem gesamten Planeten etwas erzählen will. Ist man wichtig wird man im Dunkeln gelassen. Na toll! Aber denen werde ich es zeigen. Ich bewegte mich runter zu dem Raum, wo der große Bildschirm war. Fernbedienung? Benutzten die noch so was? Ich drehte mich um, aber erspähte nichts in der Art. Hmmm? Zukunft und Fernseher.... hmm... versuchs ich mal mit "Fernseher an!". Und tatsächlich ging der Fernseher an, bloß waren wieder nur Dieter Bohlen zu sehen. Ich sagte dem zum Fernseher "Nachrichtenkanal!", doch es ertönte nur ein "Ehhht.", was mir wohl sagen sollte, dass es entweder den Kanal nicht gefunden hatte oder er gesperrt war. Hmmm. "Kanal 1!" "Ehht." "Öhmm... RTL!" "Ehht. "Sat.1?" "Ehht. "ProSieben?" "Ehht." "Verdammt, gibt es denn überhaupt noch einen bekannten Sender? ARD!" "Didüüüd." Der Bildschirm wurde schwarz. "Passwort eingeben" stand da. Na toll, wird ja immer besser! "Ähhmm... Karl?" "Ehhht." "Rüdiger?" "Ehhht." "Ach menno..... ich hab's ERDNÜSSE!" "Didüüüd." Juhuu. Leider lief nur Marienhof, musste wohl schon die 4000. Sendung oder so sein. Aber vielleicht bringt mich ja der "Videotext!" weiter. Und es erschien tatsächlich etwas wie ein Videotext, bloß viel moderner. Wirkte eher wie eine Internetseite und war hochaufgelöst und interaktiv. Doch wie bloß navigieren? Da war n Mauszeiger, aber der bewegt sich nicht, wie auch. Ich kratzte mich am Kopf, fortschritliche Technik schön und gut, aber wie soll man die benutzen? Ich guckte wieder auf den Bildschirm. Der Mauszeiger war woanders. Hm? Wie ging das denn? Ich nahm die Hand runter und der Mauszeiger bewegte sich mit. Wahnsinn! Irgendwie wurden meine Handbewegungen erkannt und umgesetzt. Genial! Ich surfte zu den Nachrichten und was ich da sah versetzte mir einen Schock. Die Überschrift war groß und lautete "Neue Spuren zum Aufenthaltsort des meistgesuchtesten Terroristen der Welt" Daneben war ein Bild... ein Bild meines Kumpels. "Von einer anonymen Quelle gab es neue Hinweise auf den Aufenthaltsort des meistgesuchtesten Terroristen der Welt und der Führer der größten Terrororganisation der Geschichte Erdnüsse. Weiter Informationen lesen sie hier..." Ich konnte nicht fassen, was ich da las.

< Die Terrororganisation Erdnuss hat wieder zugeschlagen.
Die Wächter der Zeit stellten am vergangenen Montag eine Unregelmäßigkeit im Raum-Zeit-Kontinuums fest. Genies der nahen Vergangenheit scheinen zu verschwinden und Genies der Gegenwart leben in Angst vor ihrem Statusverlust. Kleine Änderungen könnten genügen um eine Entdeckung unentdeckt zu lassen oder angesehene Männer und Frauen von heute zu Unbekannten zu machen. Verschiedene Quellen weisen auf einem Zusammenhang mit der Flucht des Terroristenführers der Erdnüsse hin. Ein Bekennervideo ist jedoch bisher nicht eingegangen. Trotzdem schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung als sehr hoch ein. „Unsere Ermittlungen konzentrieren sich komplett auf diese Terroristen Wenn nicht die, wer dann?“ fragte einer der X-Agenten uns provokant als wir um eine Stellungsnahme baten. Zurzeit ist noch Unklar wie dem Kopf der Terroristen die Flucht aus dem Hochsicherheitstrakt gelingen konnte und wie die Organisation an die Technik der Zeitsprünge gelangt ist. Es wird vermutet das wichtige Persönlichkeiten und sogar einige Mitglieder des Sicherheitsrates in den Fall verwickelt sind. Interne Ermittlungen laufen. Religiöser Fanatismus wird genau so wenig als Motiv für die Taten ausgeschlossen wie politische Beweggründe. Nur eins ist sicher, die Organisation ist unberechenbar und extrem gefährlich. Sollten Sie einer der unten abgebildeten Personen begegnen, bleiben Sie bitte ruhig und informieren umgehend die örtliche Sicherheitszentrale. Versuchen Sie auf keinen Fall auf eigener Faust zu handeln, die Terroristen sind vermutlich mit neuster Waffentechnologie ausgerüstet und gelten als sehr gewaltbereit. >
Ich starrte auf die Abbildungen unter dem Artikel. Mein Kumpel war dort groß abgebildet, daneben viele kleine Bilder. Ich erkannte auch Karl und Rüdiger wieder doch alle drei wirkten auf den Bildern viel bedrohlicher. Ich war definitiv in Gefahr und wusste nicht mehr was ich glauben sollte. Wem konnte ich noch Vertrauen fragte ich mich. Waren die Verfolger vielleicht meine Retter oder waren das alles nur Lügen und die Organisation wollte mich schützen? Fest stand dass die Männer auf uns geschossen hatten ohne Rücksicht auf mein Leben und irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen dass mein Kumpel so negativ sein sollte wie die Presse es vermittelte. Trotz alledem plagten mich Zweifel aber es blieb mir nichts anderes über als ihm zu Vertrauen. Wenn nicht ihm, wem dann?


Ich guckte mir noch ein paar weiter Artikel an, aber nichts Wichtiges, so gab es einen Artikel über eine Riesenkrake, die in einer Meerspalte gefunden wurde und das Forscherteam angegriffen hatte, doch nichts weiteres zu den Terrorvorwürfen über meinen Kumpel und nun meinen fast Freunden Karl und Rüdiger. Ich schaltete wieder zurück auf den Oldie-Kanal, falls die Beiden zurückkommen sollten. Ich würde sie vielleicht später mit diesen Vorwürfen überraschen, damit sie mir endlich sagen konnten was hier los war. Ich ging in eines der Zimmer und legte die mich aufs Bett um mich auszuruhen, so viele Gedanken huschten mir durch den Kopf. Was ist mir heute alles bloß passiert? Wer waren die Verfolger bloß? Was sind die Erdnüsse? Was hat mein Kumpel mit alle dem zu tun? Die ganzen Gedanken machten mich müde und schnell pennte ich auf einem der IKEA-Betten ein. "Sie sieht eigentlich recht süß aus, wenn sie pennt oder findest du nicht?" "Doch, hast recht." Ich öffnete langsam die Augen und drehte mich um. Karl und Rüdiger standen an der Tür mit ein paar Pizza-Schachteln beladen. Sie schienen leicht peinlich berührt zu sein. "Na... ähhm... gut geschlafen?" "Ja" murmelte ich und setze mich auf die Bettkante. "Hat ein bisschen länger gedauert, aber nun sind wir ja wieder da. Haste die ganze Zeit gepennt?" "Ja" log ich erstmal, die Überraschung mit der Terroristenorgansitaion wollte ich mir für später aufbewahren. "Haste Hunger? Wir gehen runter und wärmen die Pizzen kurz in der Mikrowelle auf." "Joa, ich komme." Und so gingen wir zu Dritt in die Küche und setzen uns an den kleinen Tisch, der an der rechten Wand stand, passend mit 3 Stühlen. Karl schob die Pizzen ein nach den anderen in die Mikrowelle und nach nur einer Sekunde klingelte es und er zog sie wieder heraus. Sie hatten viele Pizzen mitgebracht, anscheint hatten die Beiden auch lange nichts mehr gegessen und mein Magen hatte wohl die Schokoerdbeeren von vorhin schon verdaut. "Warum hat es eigentlich nun länger gedauert?" fragte ich die Beiden beim essen und Rüdiger antwortet, dass der Padawan zu spät kam. Ein Frischling, der gerade erst seit einem Moment dabei wäre. "Und was genau ist nun eigentlich Erdnüsse?" Beiden tauschten Blicke und im Einklang sagten sie mir, dass ich das nicht erfahren dürfe. Umso weniger ich wisse, desto besser.

„Warum ist es besser wenn ich nichts weiß?“ wollte ich von ihnen wissen. Und es folgte eine lange Pause bevor Karl sehr ernst entgegnete „Für den Fall das wir Versagen und sie dich kriegen. Wenn sie mit dir nichts anfangen können steht dir mit Glück ein schneller Tod bevor.“ „Mit Glück?! Und mit Pech?“ “Frag lieber nicht…“ schallte aus dem Hintergrund eine mir wohl bekannte Stimme. Ich musste augenblicklich an den Artikel denken. Was mein Kumpel wohl alles durchmachen musste. Fast hätte ich ihn gefragt, wollte ihn trösten doch da erinnerte ich mich, dass ich es ja eigentlich nicht wissen konnte. Plötzlich kam ich mir wie eine Verräterin vor. „Ich muss dir was sagen…“ begann ich. „Lass mich raten, du hast die Bedienung des Fernsehers raus bekommen?“ unterbrach er mich. Ich hatte erwartet dass er verletzt wirkte oder böse war aber beides traf nicht zu. Er schien eher amüsiert zu sein. „Die beiden haben doch tatsächlich gedacht eine Kindersicherung würde dich davon abhalten umzuschalten. Das Passwort war nun wirklich nicht sehr kreativ.“ Er lachte laut und fügte mit einem Zwinkern „Cleveres Mädel“ hinzu. Irgendwie kam ich mir leicht verarscht vor trotzdem war ich froh das er mir meine Neugier nicht Übel nahm. Aber woher wusste er bescheid? Mein Gesichtsausdruck musste wohl recht amüsant gewirkt haben denn er fügte hinzu „Nein ich spiel nicht Big Brother. Du kannst dich ruhig weiter wie gewohnt verhalten und brauchst auch nicht mit deinen Klamotten schlafen gehen. Ich hab eine kurze Nachricht über die elterlichen Freigaben bekommen das jemand ein falsches Passwort eingegeben hat. Und die beiden schauen sicher kein ARD.“ Das beruhigte mich etwas. Vermutlich würde er gleich alles dementieren und aufklären denn er war sicher kein Terrorist. Aber wieder wartete ich vergeblich auf eine Antwort. Stattdessen wollte er von mir wissen was ich nun denke. In meinem Kopf herrschte nur Chaos und eigentlich war ich total überfordert mit allem. Vor allem mit noch mehr Fragen. „Ich weiß es selber nicht. Nur bei einem bin ich mir sicher, ich vertraue dir und ich kann mir nicht vorstellen das du ein Terrorist sein sollst.“ Er schien sichtlich gerührt und ich fragte mich was er erwartet hatte. War es ein Test, dachten sie ich würde versuchen abzuhauen oder sie verraten? Das konnte ich mir nicht vorstellen es würde nicht zu ihm passen. „Ich selber sehe mich nicht als Terrorist sondern als Freiheitskämpfer. Es hat sich so viel in den letzten Jahren geändert, das Leben hat uns allen übel mitgespielt und ich hätte früher nie gedacht dass es soweit kommen würde. Aber ich denke das wäre für dich zuviel, zumindest für heute.“ Er wünschte mir eine gute Nacht, dann schaltete sich der Bildschirm ab und ich war wieder alleine. Alleine war übertrieben schließlich hatte ich ja noch Karl und Rüdiger. Aber das war nicht dasselbe als seine Stimme zu hören. Bevor sich die düstere Stimmung in mir breitmachen konnte schob ich die Gedanken an ihn zur Seite und erinnerte mich an das Gefrierfach. „ So Jungs, möchte außer mir noch jemand einen Drink? Wenn ich mich nicht irre habt ihr in der Küche lecker Kaktussaft und der Inhalt des Gefrierfaches sieht auch viel versprechend aus“ Gesagt getan und wenig später saßen wir zu dritt vorm Fernseher hörten uns Bohlens Sprüche an und genossen das ein oder andere Gläschen. Das Etikett der Flasche überraschten mich nicht als ich las. „Wieder einmal ein fruchtloser Versuch das deutsche Gesundheitssystem zu verbessern.“ „Nicht ganz…“ fing Rüdiger an doch mahnende Blicke brachten ihm zum Schweigen. Ich hatte für heute genug von dieser Zeit erfahren und bohrte nicht weiter nach. Lieber wollte ich mehr über meine beiden neun Gefährten erfahren und dies schien eine gute Gelegenheit mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Über die Vergangenheit konnten sie sicher frei sprechen.

 

Also fragte ich erstmal drauf los wie sie überhaupt zu meinem Kumpel gestoßen waren und was sie vor ihrer Tätigkeit als "Freiheitskämpfer" so gemacht haben. Ob sie verheiratet waren und Kinder hatten. Karl erzählte erstmal nichts und er gab Rüdiger wieder einen mahnenden Blick, doch als der anfing über sich zu reden hielt er ihn nicht auf. "Also das war vor zwei Jahren als ich ihn getroffen habe, wir waren im selben Studiengang. Wir beide waren ganz normale Studenten und hatten Interesse an dem was wir taten. Wir hingen öfters zusammen, lernten und feierten Partys. Halt das ganz normale Studentenleben, wenn du verstehst was ich meine. Schon damals fingen wir an etwas rebellisch zu werden und hackten uns in fremde Systeme rein, sind beide Informatiker. Wir waren so gut und wurden nie erwischt, es war einfach eine tolle Zeit. Doch dann kam die Zeit, die alles veränderte und uns wie er schon gesagt hat übel mitspielte. Wir rauften uns zusammen und trafen andere Leute, die so wie wir dachten und bildeten dann irgendwann die Organisation Erdnüsse. Das Geld haben wir uns erhackt, haben die Börse und ein paar Banken beschissen ohne das es nachweisbar war. Doch dann als wir anfangen unsere Gedanken zu verbreiten, bekamen ganz schnell Ärger. Doch wir ließen uns nicht unterdrücken und fingen immer von neuem an um die Menschen aufzuwecken. Als die Regierungen der Welt mitbekamen, dass sie uns nicht einfach mehr so aufhalten konnten wurden wir als Terroristen gebranndtmarkt. Letztendlich haben wir dann auch angefangen wirklich terroristische Aktionen über den Cyberspace anzuzetteln. Du musst wissen, das Internet aus deiner Zeit ist kein Vergleich zu der Vernetzung heutzutage, alles ist miteinander vernetzt, aber mehr sollte ich lieber nicht sagen." Karl hast etwas zu laut gehustet und so verlies wohl Rüdiger der Mut. "Und zu deiner anderen Frage, ich habe keine Kinder oder bin verheiratet und wie es meiner Familie geht, weiß ich nicht. Nachdem bekannt wurde, dass ich angeblich ein Terrorist sei haben sie sich von mir abgekapselt, außerdem weiß ich nicht, ob die Regierung einen 'netten' Besuch bei ihnen getätigt hat. Wie gesagt, es ist eine harte Zeit. Wir leben in Furcht, weil es für uns kein Erbahmen mehr gibt." Mehr wollte er dann nicht mehr sagen, doch immerhin wusste ich jetzt wenigstens etwas, doch hatte ich immer noch so viele unbeantwortete Fragen, die mir doch den Kopf schwirrten. Wir guckten noch einen Gruselschock namens SAW, wo Karl einwand, dass das gar nicht realistisch aussehe und heutzutage das Kinoerlebnis sich eh verändert hätte, doch mehr wollte er nicht sagen und nach dem Film gingen wir alle ins Bett. Ich vertraute meinem Kumpel und zog mir auch meine Klamotten aus, allerdings unterm Bett. Man weiß ja nie, wie der gegenüber Karl und Rüdiger drauf ist. Und so schlief ich wieder mit neuen Fragen im Kopf selig in meinem Bett ein. Er weiß was der nächste Tag bringen würde und ob ich meinem Kumpel Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen würde.

 

Ich lag noch eine ziemlich lange Weile wach und versuchte die Ereignisse zu verarbeiten. Ich war in der Zukunft in einem Ikea-Katalog und mein Freund der mich bisher aus sämtlichen Lagen gerettet hatte und für dem nicht mal geschlossene Anstalten daran hinderten mich raus zu holen war einer der meistgesuchtesten Personen des Landes. Mir schwirrte echt der Schädel aber irgendwann fielen mir doch die Augen zu. Als ich am nächsten morgen aufwachte duftete es nach Pfannkuchen. Diesmal schien der Padawan schneller gewesen zu sein, dachte ich hocherfreut. Noch erfreuter war ich als ich vor meiner Tür einen Haufen Klamotten fand mit einem kurzen vermerk drauf "Echt echt, versprochen " fand. Ich hatte mir schon sorgen gemacht frische Wäsche organisieren zu müssen aber daran hatte wohl schon einer vor mir gedacht. Auf dem Weg ins Badezimmer hörte ich schon zwei wohlbekannte Stimmen. Die erste summte begleitet von Wasserrauschen Oldies. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen als die zweite Stimme die ich Karl zuordnete zu zetern anfing "Es gibt hier 12 Badezimmer und grade in dem einen, in dem meine reale Zahnbürste liegt musst du stundenlang duschen!!!" Ich grüßte ihn im vorbei gehen und winkte mit meiner Zahnbürste die dem Klamottenpaket beigelegt war bevor ich im Badezimmer nebenan verschwand. Wenigstens das Wasser schien real zu sein. Realer als gestern wunderte ich mich. Gestern half es nichts als ich meine Kleidung reinigen wollte. Nun fühlte ich mich nach einer kurzen Dusche frisch und bereit in einen neuen, vermutlich nicht weniger verwirrenden Tag zu starten. Erst mal machte ich mich über die noch warmen Pfannkuchen her. Rüdiger schließlich eintraf stellte ich fest das ich einen Großteil schon wegefuttert hatte und ein Hauch von schlechtem Gewissen machte sich breit. Zu meiner Erleichterung hatte er bereits gefrühstückt und zu Karls Erleichterung hatte der Padawan auch an neue Kleidung für Rüdiger gedacht. "Sagt mal... gestern wollte ich meine Sachen auswaschen und das Wasser war... wie soll ich sagen... unecht. Heute Morgen war ich duschen und es fühlte sich richtig an. Nass, wie echtes Wasser halt und mindestens genau so erfrischend..." "Ach das... nun ja ich konnte gestern Nacht irgendwie keine Ruhe finden, dann progg ich immer ein bisschen das ist echt entspannend. Hab gedacht es wäre praktischer so. Hab bei dem Wasser die Eigenschaften geändert und einen Haken bei – Real - gesetzt" Mir blieb der Mund offen stehen. So einfach war das? Informatiker schienen hier Halbgötter zu sein. Ich war begeistert und wünschte mir mal wieder nicht die soziale Richtung eingeschlagen zu haben. Dann kam mir ein weiterer Gedanke... So einfach hätten sie auch meine Kleidung real machen können. Er hätte nur einen verdammten Haken setzen müssen. Ich konfrontierte ihn mit meinem Verdacht als Karl den Raum betrat und mir offenbarte das Rüdiger ca. 10 Minuten nach dem er den Kommentar zu seiner Unterwäsche hatte hinnehmen müssen, auch für Karl blickdichte Kleidung trug. "Ja, ist aber jetzt nicht so wie du denkst. Ich hatte hier soviel zu tun dass mir das kleine Detail entfallen ist. Ich muss für jeden User die Einstellung individuell konfigurieren. Mein Hauptanliegen war dir ein Gefühl von vertrauter Umgebung zu geben und die Eigenschaften der einzelnen Nahrungsmittel auf essbar zu setzen." Theoretisch konnte ich nun all diese hammergeilen Klamotten tragen war mein erster Gedanke, der jedoch von einem zweiten eingeholt wurde. Ich konnte nicht sehn ob ich für andere angezogen wirkte und selbst wenn es für alle so aussah konnte er bei sich die Einstellungen Benutzerdefiniert ändern. Darauf wollte ich es dann doch nicht anlegen und war mit meinen neuen realen Sachen zufrieden. Auch wenn sie ungewohnt bunt waren. Selber wäre ich nie auf die Idee gekommen mir ein gelbes Sommerkleid zuzulegen aber nun gefiel es mir doch recht gut. "Für euch war das essen nicht real oder essbar und ihr habt es trotzdem gegessen nur weil ich es gemacht habe?" wunderte ich mich. "Naja hauptsächlich weil wir sehr hungrig waren und deine Blicke furchteinflößend aber...." "Kannst du nicht einfach JA sagen wenn es für uns vorteilhaft ist?!" unterbrach Karl den armen Rüdiger der wieder einmal viel zu ehrlich war.

"Und kannst du solche Einstellungen überall verändern?" "Nein, natürlich nicht. Nur in diesem Haus, welches über eine holografische Technik verfügt. Kennst du noch diese alten Folgen von Raumschiff Voyager?
Captain Janeway war immer so megacool." Ich hustete leicht. "Ähmm... aber was ich eigentlich meinte ist, dass die damals auch so was in der Art hatten, soein Holoraum, allerdings war’s das natürlich nur ein Filmeffekt. Wir können das real, es gibt viele Möglichkeiten um es einzusetzen. Zum Beispiel für das Training von Personen. So kann man Szenarien durchgehen für Polizisten wie Geiselnahmen etc, es findet eigentlich überall Verwendung. Man könnte es auch als ein Spielzimmer der Zukunft sehen, es ist wie eine interaktive Spielekonsole." Rüdiger kam ganz schön ins Schwärmen und hörte erst wieder auf als Karl in unterbrach. "Also um es mal klar zu sagen, er ist der Informatiker und ich der Typ, der Ahnung von Waffen und son Kram hat. Immerhin hilft die Informatik nicht, wenn einem Kugeln um die Ohren fliegen." Auch er wollte wohl etwas Anerkennung von mir, die vorher nur Rüdiger galt, was wann wohl an meinem ehrfürchtigen Blick erkannt haben muss. Karl ging dann wieder aus der Küche und hatte sich vorgenommen, die nähere Umgebung zu beobachten und Terrain-Scans durchzuführen, damit wir nicht plötzlich von Feinden überrascht werden. Immerhin glaubte wohl die Welt, dass Karl und Rüdiger Terroristen sind und somit würden sie auch so verfolgt werden. Dazu kam mir auch Gedanke von Satelliten und ob sie uns damit nicht finden können. Doch Rüdiger antwortete nur lässig "Wir haben die Satelliten, die dieses Gebiet überwachen, ebenfalls gehackt und so manipuliert, dass wir nicht gesehen worden. Und selbst wenn ist das Haus so gut getarnt, dass man es vom Weltraum nicht erkennen könne." Und er zwinkerte leicht. Ein gewisses Gefühl der Geborgenheit kam mir hoch und ich wusste, dass Karl und Rüdiger mich um jeden Preis vor den anderen Leuten beschützen würden, was sie zwar auch schon getan hatten, aber nun war ich noch überzeugter. Dann kam mir wieder die Frage, die ich auch schon Gestern vor dem Schlafen gehen hatte. "Sehe ich eigentlich meinen Kumpel bald wieder? Ich würde ihn gerne treffen." "Ähmm... das kann ich dir leider nicht sagen. Er wechselt des Öfteren den Standort um nicht gefasst zu werden. Aber ich bin mir sicher, dass er dich ebenfalls treffen will und bei uns mal vorbeischauen wird." Plötzlich sagte eine 3. Stimme "Wieso wird?". Karl stand in der Tür und davor ein junger, aber ziemlich mitgenommener Mann.

 


Kapitel 3: Unerwartete Besucher


Ich starrte ihn überrascht an und wusste gar nicht was ich sagen sollte. „Begrüßt man so einen alten Freund?!“ fragte er mich lächelnd. Als ich ihm in die arme sprang riss ich ihn fast um. Er schien fertiger zu sein als es aussah. „Nun lass ihn doch erstmal reinkommen“ kommentierte Karl und nahm meinem Kumpel die Tasche ab. „Hast du Hunger, wir haben noch ein paar Pfannkuchen über“ bot Rüdiger an.
Ich errötete leicht als ich beichtete „Ähm …. Ne haben wir nicht mehr aber ich mach gern noch welche“ Drei Augenpaare schauten mich groß an und wunderten sich. Die ganze Aufregung hatte mich irgendwie hungrig gemacht und da ich sonst auch nicht viel zu tun hatte… nun ja irgendwie waren die Pfannkuchen verdammt lecker. „Ich könnte neue holen lassen“ schlug Karl vor doch mein Kumpel schüttelte den Kopf. Es würde zuviel Aufsehen erregen wenn dauernd jemand mit mehr Essen als er alleine verdrücken konnte in den Wald ginge und ohne wieder zurückkäme, erklärte er. Da die Lebensmittel mittlerweile alle auf essbar eingestellt waren konnte man sich hier auch Problemlos selbst versorgen. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen da ich mit meiner Abneigung gegen das Kochen nicht allein zu sein schien. „Ich find sie hat sie aufgegessen sie macht neue. Außerdem können Frauen sowieso besser kochen“ Karl zeigte mit dem Finger auf mich während er diese Worte sprach. Ich holte tief Luft doch mein Kumpel unterbrach mich bevor ich überhaupt angefangen hatte meinem Ärger Luft zu machen. „Wir haben wichtigeres zu tun meint ihr nicht auch?“ fragte er in die Runde und alle sahen ihn gespannt an als er anfing zu erzählen.


"Also es dauert nicht mehr lange bis wir dich zurückschicken werden. Um genau zu sein 4 Tage. Doch es wird riskant und schwierig dich zurückzuschicken, weil wir die Technologie dazu nicht mehr haben und sie sich in den Händen der Regierung befindet, die sie in ein gesichertes Versteckt gebracht haben. Das wird keine leichte Aufgabe darein zu kommen, aber wir werden uns schon was ausdenken und da rein kommen." Während er sprach sah man seine rechte Hand in der Luft tippen. Uhrplötzlich erschienen Pfannkuchen auf dem Tisch, noch richtig heiß, weil sie leicht dampften. "Den genauen Plan werden wir uns drei noch austüfteln müssen, aber ich habe die genauen Pläne und hab mich schon kurz in deren System eingeklinkt um Zugang zu den Kameras etc zu erhalten. Deren Systeme sind einfach nur schwach muss man wissen, trotz 3facher Firewall soft- und hardwaretechnisch immer noch auf dem Stand von deiner Zeit" Er nahm sich einen Pfannkuchen, rollte und stopfte ihn sich einfach in den Mund. Da musste wohl jemand Hunger haben. Was musste er wohl alles durchleben? "Und nun ja, was ich durch die Kameras gesehen habe war zwar etwas beunruhigend, aber nicht unmöglich für uns. Ich hab da auch noch ein paar Tricks auf Lager, die uns das Eindringen leichter machen sollten. Trotzdem wird’s kein Kinderschlecken und ich weiß nicht, wie wir letztendlich nach deiner Rückreise da wieder heil rauskommen sollen, aber darüber mach ich mir zu gegebener Zeit Gedanken. Erstmal reinkommen." "Warum kommt ihr drei nicht einfach zurück in meine Zeit? Ihr wart doch schon da." "Das könnten wir, ja, aber nur für kurze Zeit. Außerdem würde es die Lage nicht verbessern, weil wir letztendlich dort wieder rauskommen würden." Und es schien schon wieder etwas gefährlich zu werden. Waren die letzten Tage nicht schon gefährlich genug, dass wir nun sogar irgendwo einbrechen müssen? Aber was soll’s, anders käme ich wohl nicht in meine Zeit und da ist dann ja auch immer noch diese ominöse Prophezeiung, von der ich immer noch keinen blassen Schimmer habe, was ich damit zu tun habe, geschweige denn, was ich dadurch bezwecken werde. Aber vielleicht war es ja wirklich besser so, wenn ich das nicht wüsste.

"Wäre es nicht einfacher der Regierung die Technologie zurück zu stehlen?" fragte ich vorsichtig. Die Drei starrten mich an und es war schwer zu deuten ob sie dies als neue Möglichkeit in betracht zogen oder mich jetzt für total verrückt hielten. "Wenn es Daten wären könnte ich sie auch zurück hacken aber es handelt sich um eine größere Aperatur. Kennst du noch die ersten Rechenmaschinen die den Platz eines Raumes brauchten? Es ist für uns sicherlich einfacher nach deinem zurückschicken zu entkommen als mit diesem riesen Vieh unentdeckt zu verschwinden und dich dann in deine Zeit zu senden." Das klang plausibel. Nur noch 4 Tage... Ich begann mich zu fragen ob ich überhaupt zurück wollte. "Was hat das eigentlich mit der Prophezeiung auf sich" erkundigte ich mich. Und wieder erntete ich Fassungslose Blicke, diesmal von meinem Kumpel. "Was denn für ne Prophezeiung?!" Nach einer kurzen Pause, in der jeder für sich die neugewonnenen Informationen zu ordnen versuchte brach vollkomendes Chaos aus, da jeder sich auf Aussagen der jeweils anderen Personen berief. "Also Rüdiger überbrachte mir den Auftrag wir sollten die da (Fingerzeig auf mich) aus der Vergangenheit holen damit sich die Prophezeiung nicht erfüllt. Aber von wem kam denn nun der Auftrag wenn nicht von dir?" Karl schien meinen Zustand der Verwirrung zu überholen und wartete auf eine Antwort. Mein Kumpel grübelte einen Augenblick dann grinste er breit. "War der genaue Wortlaut < Was? Du Idiot hast sie verloren?! Wenn ihr sie nicht unverzüglich findet und hier herbringt dann prophezeie ich dir, geschieht ein Unglück>?" erkundigte er sich. Rüdiger nickte zu stimmend, Karl fasste sich nur an die Stirn und ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Das wäre also geklärt. Ich hatte mir die halbe Nacht den Kopf über diese dämliche Prophezeiung zerbrochen und nun das. Kopfschüttelnd gingen wir zur Tagesordnung über. Mein Kumpel zückte seinen Taschenrechner "Also Punkt 1. Beschaffung von lebensnotwendigen Kram für die nächsten Tage. Punkt 2 Planung und Beschaffung von Materialien für unseren kleinen Regierungsbesuch. Dann machen wir uns mal ne Kleine Einkaufsliste... Karl, irgendwelche Wünsche?" Ja er war in seinem Element, Multitasking und logisches Denken.

Karl war ebenfalls in seinem Element als er meinem Kumpel mehrere Arten von Sprengstoff diktierte. Doch als dieser dann sagte, dass wir da rein schleichen wollen um so wenige Aufmerksamkeit zu erzeugen wie es geht, sah man wie die Mundwinkel von Karl leicht nach unten gehen. Der Zusatz aber "Für den Notfall nehmen wir aber trotzdem was mit" erheiterte ihn wieder so sehr, dass er wirkte wie ein kleines Kind während der Weihnachtszeit. Und was wir brauchen waren Waffen, das würde kein Zuckerschlecken meinte Karl und deswegen sollte ich auch noch den Umgang mit einer Handfeuerwaffe im Schnelldurchlauf lernen. Man wisse ja nie, was alles passiert und wenn wir tatsächlich getrennt würden oder so was, dann müsse ich mich auch alleine verteidigen. Also auch noch Waffentraining, was waren das bloß für aufregende Tage in der letzten Zeit. Mein komplettes Leben davor, was mir schon fast unwirklich erschien, war ein Witz dagegen. Schule? Über die Schule mir Sorgen zu machen, was war das denn für eine Zeitverschwendung. Tztz... was wir noch brauchten waren dunkle Anzüge, weil wir in der Nacht einbrechen würden und High-Tech-Equipment, mit dem Rüdiger und mein Kumpel während des Einbrechens, noch mal in das Sicherheitssystem einbrechen würden. Laptops waren ein Witz dagegen, denn wie auch schon in diesem haus, konnte man in der Luft tippen und man sah das Ergebnis angeblich direkt im Auge, eine Brille brauchte man dafür nicht. Während sie dann zu Dritt den Plan austüftelten ging ich in ein Wohnzimmer und guckte Fernsehen. Immer noch Oldies, aber dieses Mal nicht Bohlen, sondern der Jauch. Dabei kamen mir wieder der Gedanke, ob ich überhaupt zurück will, wo doch es nicht mal eine Prophezeiung gab und damit meine Rückkehr eigentlich nicht erforderlich. Doch das konnte ich sie nachher noch fragen und wahrscheinlich hatten sie auch eine plausible Antwort dafür, immerhin würden sie ihr Leben für meine Rückreise riskieren und das würden sie sicherlich nicht dann tun, wenn ich auch einfach bleiben könnte. Irgendwo würde es da noch einen Haken geben oder aber ich muss vielleicht doch etwas in der Vergangenheit erledigen was von Bedeutung war.

Nun war erstmal Schießtraining angesagt. Tippte kurz in die Luft und schon verwandelte sich eins der unzähligen Wohnzimmer in eine Art Schießstand. „Hast du irgendwelche Erfahrungen mit Waffen?“ fragte Karl mich. Voller Stolz überschüttete ich ihn mit Erzählungen von mir als Kinderschützenkönigin und dem heimlichen auf PC-Teile und Styropor ballern zuhause und bei bekannten. Er sah mich skeptisch an und bemerkte zynisch „Gut am Besten du vergisst das jetzt alles“ Ich konnte meine Enttäuschung nur schlecht verbergen, endlich hatte ich mal von etwas zumindest im Ansatz Ahnung und statt eines verbalen Schulterklopfens bekam ich diese schroffe Abfuhr.
„Ich denke das waren alles Knicklader, hab ich Recht? Das Prinzip eines Luftgewehres ist ganz anders als das der Waffen die wir benötigen. Du lädst sie mit einem Schuss, zielst ne Ewigkeit, feuerst und lädst den nächsten Schuss. Da wo wir hingehen wärst du tot bevor du überhaupt Zeit zum nachladen hättest. Nimm mal die hier.“ Er drückte mir einen kleinen Revolver in die Hand und ich war verblüfft wie leicht er war. Ich erinnerte mich, wie mir an Tagen nach längeren frei schießen am nächsten Tag die Arme wehtaten. Diese kleine Waffe hatte das Gewicht einer Fernbedienung und schien mir Muskelkaterfreiheit zu garantieren. Aber ob sich das auf die Leistung nieder schlug…
Karl interpretierte meine Körpersprache als Zweifel und fühlte sich darauf hin berufen mir einen sehr sehr langen Vortrag über Feuerkraft und sämtliche andere Details zu halten die mich eigentlich gar nicht interessierten. Dabei hatte er ein leuchten in den Augen das wohl selten ein Mensch beim aufzählen technischen Daten von Schusswaffen bekam. Tapfer lächelnd und nickend verbrachte ich eine halbe Ewigkeit bis mein Kumpel auftauchte um sich nach meinen Fortschritten zu erkundigen. Der Redeschwall verstummte und zwei Ziele tauchten auf. „Wir wollten grade anfangen…“ murmelte Karl. Zu meinem Erschrecken gab es nicht nur große Fortschritte bei der Waffentechnologie sondern auch die Ziele und Attrappen sahen täuschen echt aus. Die beiden Hologramme liefen mit Aktenkoffern in der Hand den Gang hoch und runter, ich schluckte. „Auf die kann ich doch nicht schießen, die sehn wie echte Menschen aus!“
„Das ist bei dem Wachpersonal vermutlich nicht anders, es sei denn sie haben Wachroboter. Bete lieber dass es Menschen sind“ Karls trockener Kommentar führte mir den Ernst der Lage wieder vor Augen. Ich könnte getötet werden oder gezwungen sein selbst zu töten. Könnte ich überhaupt töten oder war meine Hemmschwelle dazu zu hoch, überlegte ich. Aber was wenn es keine andere Möglichkeit gab außer töten oder getötet werden? Ich spürte eine Hand die sich beruhigend auf meine Schulter legte. „Wir sind doch da und passen auf dich auf. Wenn alles gut geht kommen wir unbemerkt rein und raus. Wenn etwas schief läuft hat Karl seinen Spaß und wir kommen auch heil raus. Es ist wirklich nur für den Notfall, falls wir getrennt werden…“ Ich wurde noch bleicher also fügte er hinzu „Was vermutlich nicht geschehen wird. Ich habe da so einen Einfall der dir gefallen könnte…. Hey Karl, sag mal hast du noch den Vampirpatch von der letzten Lan?“ Das war schon eher nach meinem Geschmack. Alle außer mir verließen den Raum und ich stand plötzlich leibhaftig in einer Mischung aus Blood Rayne und Unreal, nur viel besser! „Über Lautsprecher können wir in Kontakt bleiben, wenn du Fragen hast“ teilte mir mein Kumpel mit.
Drei Stunden später knarzte es kurz in den Boxen und Rüdiger merkte an, dass ich eigentlich schon ganz gut wäre und ihm das laute Geballere leicht beim proggn störte.
Vier Stunden später erschien Karl mit einen kleinem Lob auf den Lippen, bemerkte gleichzeitig aber auch die Munitionskosten die ich durchgehauen hatte.
„Noch n kleinen Moment, ich glaub ich hab das noch nicht ganz raus…“ versuchte ich noch etwas Zeit zu gewinnen um meinen Highscore zu brechen.
„War mal WOW Spielerin…“ „…DAS erklärt einiges“ erklangen Stimmen hinter der dicken Glasscheibe die mich von den anderen trennte. Dann verschwanden plötzlich die Blutsauger und das Licht ging an. „So, genug gemetzelt, Angel of Death. Hast du noch gar keinen Hunger?“ erkundigte sich Rüdiger mit erhobenen Händen. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass mein Zeitgefühl in anbetracht einer schönen Killorgie mal wieder ausgesetzt hatte. „Wie ich sehe hat es dir gefallen, oder?“ erkundigte sich Karl. Fast wie damals als ich die Untoten erledigt hab drängte sich ein Gedanke in mein Bewusstsein. Doch ich sprach ihn nicht aus. Was für´n Quatsch, ich muss wohl zu lange gezockt haben, rief ich meine Gedanken zur Ordnung und entgegnete ein kurzes und eindeutiges „Boa war das geil!“ Aus der Küche drang Musik an mein Ohr und es roch fantastisch, was auch immer es zu essen gab, es war sicher lecker. Und dort erwartete mich neben einer Paella eine noch größere Überraschung. „Na weißt du was heut für n Tag ist?“ „Donnerstag“ stammelte ich und blickte auf das Guinnes-Plakat gegenüber von mir und konnte es noch nicht ganz fassen. „Du hast dich bisher immer gedrückt, ich denke heute bist du fällig… Nebenbei wär ein großes Lob angebracht. Ich und Rüdiger haben den halben Nachmittag geschuftet um das hier auf die Beine zu stellen.“ „Alles aus dem Gedächtnis erstellt“ gab Rüdiger Stolz von sich. Ich war einfach überwältigt. Irgendwie kam es mir auch komisch vor das sie sich so viel Mühe gaben. Ich hoffte dass mein Verdacht falsch war, aber irgendwie benahmen sie sich als würden sie nicht mehr viel Zeit haben und deshalb jeden Moment der ihnen noch blieb genießen.


Die ehemalige Küche war nun eine Nachbildung des Fiddlers geworden, genau so verrucht wie eh und je. Auch gab es wohl computergenerierte Menschen, denn es liefen die normalen Kellner durch die Gegend, wie ich schon beim Ballern bemerkt war die Technik einfach abgefahren fortschrittlich. Ich setze mich zu den anderen an einen Tische, der leicht modifiziert wurde, damit man genug Platz hatte zum Essen und bemerkte das dieser leicht backte, als wären hier schon hunderte Male Getränke rübergekippt. Erst jetzt blickte ich kurz auf die Bühne und es machten sie doch tatsächlich die Rock House Brothers bereit zum Spielen. Mein Kumpel folgte meinem erstaunten Blick. "Ich hab noch ne Live-CD gefunden, ohne die hätte selbst ich den Jungs nicht deren Musik programmieren können." zwinkerte er und ich schaufelte mir etwas von dem Essen auf meinem Teller. "Doch wenn du lieber auf MacPiet stehst..." und eine Mini-Ausgabe von ihm erschien auf dem Tisch und fing an mit seinem kleinen Dudelsack zu spielen "dann kann ich den hier auch gegen die Roch House Brothers austauschen. Es liegt an dir." zwinkerte er mir rüber. Von MacPiet und den Rock House Brothers so fasziniert schlug ich vor, dass die Brüder auf der Bühne bleiben und MacPiet auf dem Tisch leise vor sich hin spielen könnte, der darauf direkt antwortet. "Es wird mir ein Vergnügen sein, schöne Frau." und sich verbeugte. Währenddessen kam die Kellernerin vorbei und wir bestellten alle bis auf Karl, der ein Guniess wollte, Red Syder. Die Musik verstummte und die Rock House Brothers finden mit ihrer Show an. Dieses Mal konnte man sie wenigsten sehen, das letzte Mal saßen wir ja ganz hinten, die Technik von heute... ähmm... ich meine der Zukunft ist einfach genial. So realistisch wie die Realität selbst. Die Paella schmeckte ausgezeichnet, trotzdem aßen nur Rüdiger, Karl und ich sie. Mein Kumpel hatte da einen anderen Geschmack und hatte sich eine Currywurst a là Cafeteria herbeigezaubert. Für ihn musste die Schule gar nicht mehr gut in Erinnerung sein, wo doch so viel passiert ist, für mich war sie ja erst ein paar Monate vorbei, wobei alles vor der Zukunft so weit entfernt scheint. Aber bald würde ich ja in meine Zeit zurückkehren und ich konnte mich dann definitiv auf die Zukunft freuen, die vom technischen Aspekt so toll war, was es wohl noch für alles für neue Errungenschaften gab? Aber anscheint hat sich die Welt aber auch negativ verändert, sonst wären immerhin mein Kumpel und die anderen nicht als gefährliche Terroristen gebranntmarkt. Dabei kam mir die Idee, ob ich nicht theoretisch diese Zukunft verändern könnte, wenn ich zurückgekehrt bin. Dazu fiel mir auch gleich eine Frage ein, die ich schon die ganze Zeit hatte, aber bis jetzt lieber noch nicht ausgesprochen habe, weil mir die Antwort wahrscheinlich nicht gefallen würde. Doch meine Neugierde war für einen Augenblick stärker und so platzte sie mir regelrecht heraus. "Was ist eigentlich mit mir passiert? Ich meine, wo ist eigentlich mein zukünftiges Ich?"

“Genieß den Abend und frag morgen noch mal nach.“ blockte man meine Frage wie gewohnt ab. Sie hofften wohl das ich meine Frage vergessen würde, und im Anbetracht von einem unendlichen Red Sider war das gar nicht so unwahrscheinlich. Ich wollte den perfekten Abend nicht durch unangenehme Erkenntnisse versauen aber morgen würde ich mich nicht vertrösten lassen. Es erforderte jede menge Willenskraft aber ich beherrschte mich und konnte beim gemeinsamen Frühstück siegessicher "Was ist nun eigentlich mit mir passiert? Was ist meinem gegenwärtigen Ich?" zum Besten geben. In diesem Moment gab es einen lauten Knall und jemand sprengte die Tür des Eingangsbereiches. Aus der Schutt- und Geröllwolke trat eine schwer bewaffnete Person hervor und seine Stimme holte von den Wänden wieder als er schrie „Deine gegenwärtiges Ich? Vermutlich schmort diese elendige Verräterin in den tiefsten Abgründen der Hölle. Dort wo ich dich auch gleich hinschicken werde. Grüß sie von mir wenn du sie triffst“ Etwas prallt gegen mich und lässt mich hart zu Boden gehen. Für einen Augenblick in dem der Aufprall all die Luft aus meinen Lungen drückt, habe ich das Gefühl zu ersticken. Alles um mich herum nehm ich nur noch als Schatten und Umrisse war und Gedanken hämmern so rasend schnell durch meinen Kopf das ich sie nicht fassen kann. Ich will nicht sterben. Nicht so. Nicht hier und nicht jetzt. Mein Körper kämpfte, ich kämpfte und verlor schließlich doch. Aber nur den Kampf um mein Bewusstsein, wie mir später klar wurde, als ich die Augen öffnete, Schemen aus Licht und Schatten um mich wahrnahm und sie dann lieber wieder schloss. Richtig erkennen konnte ich nichts und wieder versank ich in diesem Tiefen traumlosen Schlaf. Es war anders, tiefer und kraftraubender als das Beruhigungsmittel das ich, aus welchen Gründen auch immer, bei meiner Entführung abbekommen hatte. Ich wurde bewegt. Ich spürte jeden Schritt meines Trägers wie ein Messer in meiner Brust. Die Stimmen um mich herum waren hektisch, überall erklangen Schüsse aber mir kam die ganze Hektik unnatürlich vor obwohl ich mitten drin war verspürte ich nichts mehr außer das heiße pulsieren das sich über meinen ganzen Körper hermachte. „Bleib ruhig liegen wir bringen dich hier raus, alles wird gut“ drang an mein Ohr. Ich versuchte zu husten, doch mehr als ein Hüsteln war nicht möglich ohne einen tiefen stechenden Schmerz zu verspüren. „Sterbe ich?“ flüsterte ich ungehört. Die Schussgeräusche wurden leiser und entfernten sich mehr und mehr bis sie verstummten. Auch meine Fortbewegung hatte sich geändert. Aus den Rückartigen Bewegungen waren fließende geworden. Ich lag irgendwo und es roch nach Leder wie…. In einem neuen Auto. Als ich die Augen aufschlug lag ich auf der Rückbank eines Gefährtes. Es war nicht dasselbe mit dem wir gekommen waren, denn das lag schließlich in vielen Einzelteilen im Wald. „Sterbe ich?“ versuchte ich es erneut und verzog das Gesicht. Ich sollte lieber beim Flüstern bleiben beschloss mein Gehirn nach dieser schmerzhaften Erfahrung. „Nein, mach dir keine Sorgen. Die Sachen die wir dir gegeben haben waren ganz Spezielle. Auch wenn es wie ein Sommerkleid aussah hat es bessere Schutzmechanismen wie Schusssichere Westen in deiner Zeit. Du wurdest getroffen und vermutlich hast du dir ein paar Rippen gebrochen. Nichts was wir nicht wieder hinbekommen würden.“ Hörte ich meinen Kumpel sagen. „Naja, wir nicht direkt aber wir kennen jemanden der hat dich im Handumdrehen wieder zusammen geflickt“ fügte Rüdiger hinzu. „Und wenns dir wieder besser geht, dann machen wir die Kerle ausfindig und räumen da mal ordentlich auf! Die werden es noch bereuen sich mit uns angelegt zu haben“ vervollständigte Karl den Satz. Ich fragte mich wie wir wohl entkommen waren und das Wort „Verräterin“ kreiste in meinem Kopf. „Ha die Idioten schießen bestimmt immer noch auf die Attrappen, ich liebe es wenn eine meiner Erfindungen auf diese Weise der Welt vorgeführt wird und mit Bravur besteht“ löste Rüdiger zumindest einen Teil des Mysteriums auf.

Auch wenn ich verletzt auf der Rückbank eines Autos saß, das sicherlich schneller fuhr als erlaubt musste ich es wissen. "Wieso hat der Typ mein zukünftiges Ich als Verräterin beschimpft?" Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen wie die drei sich wieder Blick zuwarfen und nicht sehr erfreut blickten. Mein Kumpel fing dann an zu erzählen "Also, du gehörtest ebenfalls zu uns. Was wir als Organisation versuchen ist auch das Bekämpfen von tatsächlichen Terrororganisationen musst du wissen, leider hat uns das auch keinen besseren Status in den Medien garantiert, aber das wollen wir ja auch gar nicht. Wir wollen versuchen eine bessere Welt aufzubauen. Hört sich zwar völlig kitschig an, aber wir können echt was erreichen. Vielleicht nicht viel, aber immerhin etwas, damit die Welt nach uns nicht ganz so schlimm aussieht wie vorher. Jedenfalls warst du eine Art Spionin und solltest die Terrororganisation FearMe ausspionieren, damit wir sie zerschlagen könnten. Es war nicht bekannt, dass du zu uns gehörst, denn dich hielten wir von Anfang an heraus, alleine weil wir dich nicht gefährden wollten. Doch du wusstest es immer besser und hast uns meist mit kleineren, dafür aber wichtigen Informationen geholfen. Diese Sache mit FearMe ist ebenfalls auf deinen Mist gewachsen und du hast einfach nicht auf uns gehört und wie immer dein Ding durchgezogen. Allerdings lief irgendetwas schief, sie haben deinen Kontakt mit uns entdeckt oder aber sie haben so tief in deine Vergangenheit gewühlt, dass sie misstrauisch wurden. Ich kann es jedenfalls nicht sagen warum genau. Aber nun ja..." Seine Stimme wurde etwas leiser und Karl guckte bedrückt aus dem Fenster. "Jedenfalls... haben sie dich gefangen genommen... was genau passiert ist wissen wir nicht. Seit diesem Vorfall vor knapp 9 Monaten haben wir nichts mehr von dir gehört und... haben... nun... auch ehrlich gesagt die Hoffnung...." Eine bedrückende Stille durchflutete das Auto und man konnte nur die Geräusche der anderen Autos hören. "nun... wir haben sie... aufgegeben." Wieder eine kurze Stille. "Doch..." und nun schien mein Kumpel tatsächlich etwas fröhlich zu wirken. "Doch vielleicht besteht ja noch eine Hoffnung." Rüdiger wischte sich eine Träne aus den Augen, so, dass niemand es sehen hätte sehen sollen. "Der Typ, der sicherlich von FearMe stammt und dich angeschossen hat. Meinte nämlich, dass sie 'vermutlich' tot sei. Also besteht ja vielleicht noch etwas Hoffnung." Ihm kullerten wohl nun auch die Tränen, denn er schluchzte leicht. Karl flüsterte ihm leise zu "Mach dir aber bloß nicht zu viele Hoffnungen."
Die weitere Fahrt wurde von nun an geschwiegen bis wir zu diesem Arzt angekommen sind. Hoffentlich kann man ihn auch Arzt nennen und nicht, dass es nur ein Typ ist, der Spaß hat einen Aufzuschlitzen oder so was. Die Drei stiegen erstmal aus und dann hievten sie mich aus dem Auto, mein Kumpel stützte mich, doch jeder Schritt tat weh und so trug er mich kurzerhand. Karl und Rüdiger warfen immer wieder Blicke auf die Straße und dem Himmel, denn sie hätten uns ja vielleicht verfolgen können. Auch in der Zeit gab es noch Fahrstühle wie ich erkannte als wir die Eingangshalle des Hochhauses betraten. Zielstrebig gingen wir auf einen zu und direkt nach dem Drücken des Knopfes gingen die Türen auf. mein Kumpel, mich immer noch tragend ging als Erster rein gefolgt von Karl und Rüdiger, die wie Bodyguards wirkten. Karl drückte auf den Knopf für das 24. Stockwerk die Türen schlossen sich und gingen nach 2 Sekunden wieder auf. "Boaah. " Und die Drei guckten mich wieder mit einem Grinsen auf dem Gesicht an. Die Fahrt war überhaupt nicht zu spüren und dann innerhalb von 2 Sekunden in den 24. Stock. Nicht schlecht. Dann ging es raus aus dem Fahrstuhl und nach links ans Ende des Ganges zu einer weißen Tür. Überall waren Fenster und man konnte die Stadt mit den vielen anderen Hochhäusern sehen, die alle fast nur aus Fenstern bestanden. Rüdiger klingelte und man hörte plötzlich eine Stimme. "Wer da?" "Guck doch einfach." sagte Rüdiger und nach einem kurzen Augenblick ging die Tür auf und eine Frau mit langen, braunen Haaren stand mit den Händen in den Hüften da. Irgendwie kam sie mir bekannt vor, doch ich konnte sie nicht zuordnen.

Als sie meinen Kumpel erblickte schloss sich die Tür wieder. "Hey, wir haben hier nen Notfall, lass uns rein!" brüllten die Drei im Chor.
Die Tür öffneten sich einen Spaltbreit, ein Moment es kritischen Betrachtens folgte dann wurde sie aufgerissen.
" Hey ich hät dich fast gar nicht erkannt, du hast dich aber ... ne irgendwie nicht... Du hast dich ja überhaupt nicht verändert?! Komm rein!"
Als auch meine Begleiter einen Schritt vorwärts machten fiel die Tür ins Schloss und die drei standen verdutzt vor einem
´Techniker müssen draußen bleiben´-Schild.
"Ich würd dich ja gern um armen aber... ich glaub ich hab mir die Rippen gebrochen" erklärte ich meine Situation.
"Söööööööööööööß!" Das konnte doch nicht war sein, war das.... Das war jetzt peinlich, ich hatte sie gar nicht erkannt. "Wo hast du denn Medizinkenntnisse her?"
"Ich? wah? nö, ich hab keine *lach* wie kommst du denn darauf? Ich präpariere und buddele Skelette aus." Ich Schluckte, das war nicht die Antwort die ich erhofft hatte.
"Irgendwie dachte ich das du irgendwas sagen würde wie ´Ich hab n High-tech Gerät das lässt deine Knochen im nu wieder zusammen wachsen. ´
Es freut mich natürlich das deine Archäologie-Karriere glänzend läuft aber eigentlich brauch ich Hilfe bevor man mein Skelett ausbuddeln muss
um meine Gesellschaft genießen zu können." Irgendwas in meinem Unterbewusstsein hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben das ihr plötzlich einfiele,
dass genau so ein Ding irgendwo im Keller oder aufm Dachboden vorsichhin stand und einstaubte. "Da müsst du zu der da gehen. " ein Fingerzeig Richtung
Küche wies mir den Weg. Ich erblickte zuerst nur eine aufgeschlagene Zeitung doch als diese sich langsam senkte, erschien dahinter eine Frau mit Schlips.
"Nach dem sie ihren Bachelor in Kulturanthropologie in der Tasche hatte, kam sie doch tatsächlich auf die Idee auch noch n Medizinstudium
hinten ran zu hängen und beides in Rekordzeit."
Erstaunlicherweise wunderte mich das nicht sonderlich. Irgendwie schien sie den Stress zu brauchen
für Klausuren zu büffeln und an Ergeiz fehlte es definitiv auch noch nie. Nach einer kurzen aber heftigen Begrüßung
(und lauten Schreien meinerseits nach der Umarmung) sprach sie die ersehnten Worte: "Ich hab n High-tech Gerät das lässt deine Knochen im nu wieder zusammen wachsen.
Das müsste irgendwo aufm Dachboden stehen und einstauben." Dass es genau diese Worte waren, machte es fast unheimlich aber trotzdem war ich erleichtert.
Ich hatte schon befürchtet man hatte mich hier her gebracht da irgendwelche Ärcheologenausrüstung
(Spitzhacke, Gips oder was weiß ich was es da an schlimmen Sachen gab) wichtig zum Richten meiner Rippen wäre.

"Wieso eigentlich grade Medizin?" wollte ich von ihr wissen als ich mich unter eine Art Solarium legte. "Weißt du noch freitags nach BVWL?...
Im Moment lern ich grade wie man richtig Schultern wieder einkugelt^^"
Ein Blaues Licht ging an und meine Haut kribbelte etwas, ansonsten war nichts zu spüren. Nach 10 min war ich etwas brauner aber tiefe Durchatmen war immer noch nicht möglich.
"Bist du sicher das dies hier, deine High-Tech-Maschine ist? Ich fühl mich nicht wirklich besser nur etwas geröstet..." "Ähm....mist, hast Recht der ist noch im Solariumsmodus.
Moment.... So, nun aber" In großen Buchstaben leuchtete ´Bitte nicht ins Licht schauen- Regenerationsmodus startet´ über mir auf. Das sind ja Scherzkekse dachte ich mir während
ich die Augen schloss. Ein Kribbeln begann im ganzen Körper und dann war es auch schon wieder vorbei. Das Licht ging auf und ich öffnete vorsichtig die Augen. Sollte ich es wagen tief einzuatmen?
Ich tat es und war begeistert. "Boa wie geil is das denn, das geht ja echt! Also... nich das ich dran gezweifelt habe." "Naja, so geil auch nicht.
Seit dem man die Teile bei Quelle bestellen kann haben es die Mediziner hier echt schwer.
Ich überleg ob ich nicht doch noch ein Journalismus Studium hinten ran hänge.
Seit dem die Pressefreiheit abgeschafft worden ist, ist der Andrang auf die Unis drastisch gesunken und auch der NC ist jetzt für normalsterbliche erreichbar."
"Die Pressefreiheit wurde abgeschafft?!" wunderte ich mich. " Klar, das müsstest du doch am besten wissen. Hattest dich ja ziemlich mit denen Angelegt, wegen der Menschenrechte."
Das erstaunte mich jetzt doch. Eigentlich hatte ich dem Sozialen den Rücken gekehrt und auf einmal sollte ich für Menschenrechte eingetreten sein.
Hört sich ja ganz nett an aber...leise Zweifel an der Richtigkeit dieser Informationen blieben bestehn. "Gegen was genau war ich denn?" erkundigte ich mich vorsichtig.
"Der EMP wurde doch verboten weil die Regierungsfeindliche Sprüche drin hatten. Du warst eine der Wortführerinnen bei den Demos und wurdest sogar mehrfach
verhaftet. Hast einen riesen Aufstand deswegen gemacht und gedroht Amnesty International wieder zu gründen wenn man deine Meinungsfreiheit und deinen Kleiderschrank auch nur anrührt."
Ja das hörte sich schon viel mehr nach mir an. Da ich nun endlich wieder ordentlich atmen und damit auch reden konnte ging es erst mal in die Küche.
Bei genügend Schokocappuccino bekam ich dann einige interessante Informationen.


"Du hast dich aber ganz schön verändert seit dem letzten Treffen. Damals war ja unsere Archäologin gerade auf Reisen und hat dich nicht gesehen, zum Glück sonst hätte es ganz schöne Schreie gegeben. Immerhin sahst du ja wirklich so aus als ob man dich durch den Fleischwolf gedreht hätte und danach noch mal per Dampfwalze drüber. Damals wolltest du mir ja nicht sagen was passiert ist, aber bist du nun vielleicht ein bisschen erzählfreudiger?"
Ohne zu zögern fragte ich "Wann war ich das letzte Mal hier?"
"Das fragst du mich? Du bist doch zu mir gekommen." Doch als sie immer noch meinen fragenden Blick sah gab sie mir die Antwort. "Also... ähmm... das ist schon wieder etwas länger her. Ich würde meinen, dass das ungefähr vor nem Monat war. Joa, das müsste hinkommen."
Das musste bedeutet, dass mein zukünftiges Ich es geschafft haben muss. Aber was hat sie die 8 Monate davor getan? Und wieso sah sie so angeblich schlimm aus? Ich musst das den Anderen erzählen und ohne die Frage von ihr zu beantworten, warum ich das denn wissen wolle, immerhin bin ja ich es, rannte ich noch vorne und die Wörter sprudelten mir nur so aus mir raus. "Gesehen... mich... sie... vor einem Monat..." Rüdiger und Karl schauten nur fragend zurück, doch mein Kumpel schien mich irgendwie verstanden zu haben, denn sein Gesicht erstrahlte vor Glück. Er drehte sich zu den beiden um.
"Versteht ihr nicht? Ihr zukünftiges Ich wurde hier gesehen."
Nun schauten auch Rüdiger und Karl etwas glücklicher. Währenddessen kam meine Ärztin zur Tür und beobachte das Schauspiel, doch bevor sie reagieren konnte, sah mein Kumpel sie und drückte sie ganz doll. Nun kam auch Miss-Skelete-Ausgraben und schaute verwirt und alle an. Mein Kumpel lies sie los und bombardierte sie mit Fragen.
"Was hat sie gesagt? Wie geht es ihr? Hat sie gesagt wohin sie will? Was ist mir ihr passiert? War es FearMe? Erzähl schon!"
"Ähhmmm.... eigentlich weiß ich nur, dass sie Scheiße aussah und dann wieder geflickt verschwunden ist. Ich weiß nicht, was passiert ist, noch wo sie hin wollte. Gar nichts."
Das Lächeln meines Kumpels wurde etwas geringer, doch prompt sagte er halb zu sich selber, halb zu uns. "Ach egal, Hauptsache sie... also du..." und er schaute mich an "lebst. Positiv denken!" und er fing wieder an zu grinsen wie ein Honigkuchenpferd.
Dann erklang eine etwas wütende Stimme. "Könnt ihr mir mal endlich erklären, was ihr da alle redet??? Sie steht doch da drüben oder nicht?" wieder wurde ich von allen Seiten angestarrt.
Ich löste die Situation dann mit ein paar beschwichtigen Worten. "Also lasst uns erstmal wieder all reingehen uns in die Küche setzen und alles dir erklären bei noch einem Schokocappuccino, okay?"
Das ich in dieser verwirrten Situation einen Schokocappuccino haben wollte, schien sie zu beruhigen und sie meinte nur "Ok, kommt alle rein."
Das Archäologin-Ärztin-Doppelpack lies und alle wieder rein und schloss die Tür. Unsere Archäologin hatte die ganze Zeit geschwiegen, doch nun wollte auch sie eine Erklärung zu diesem ganzen Schauspiel haben und so erklärte ich die Situation, wie ich, aus deren Sicht, aus der Vergangenheit komme und was wir alle bis jetzt zusammen erlebt hatten.
Unsere beiden Gastgeberinnen hörten die ganze zeit gespannt zu und waren recht verblüfft, wie ich und die anderen das alles überlebt hatten.

"Ihr hattet ein virtuell nachgestelltes Fiddlers und diese ...KERLE (sehr böse ausgesprochen) haben es gewagt diesen heiligen, wenn auch nicht realen Ort zu verwüsten?!" Ein kurzes nicken auf unserer Seite ließ etwas in ihren Augen aufglühen. Grenzenlose Wut! Es war klar dass wir jede erdenkliche Hilfe von ihnen bekommen würden um diese Kerle fertig zu machen. Trotzdem war mir nicht wohl bei dem Gedanken die beiden Mädels in Gefahr zu bringen. Mir war auch nicht wohl bei dem Gedanken mich selbst in Gefahr zu bringen, aber vielleicht war mein anderes ich in Gefahr und brauchte meine Hilfe. Meine Gedanken kreisten. Es war wie diese Cornflakespackungen wo Kinder drauf abgebildet sind, mit der Cornflakespackung in der Hand, auf denen sie selbst mit einer Cornflakespackung in der Hand abgebildet waren. Ein Blick in die immer weiter verzerrte Ewigkeit. Kurz, es war sehr kompliziert, mein Gehirn war überfordert und vom drehen ganz schwindelig. Am liebsten wollte ich hier bleiben, in dieser gemütlichen Gemeinschaftsküche mit nem Becher Schokocapucino in der Hand. Wenn ich hier bleiben würde.... ein nettes Gedankenspiel..., doch dann sah ich die Bilder von den FearMe Leuten wie sie diese kleine WG stürmten, schwerbewaffnet und keine Hologramme die uns retten und sie ablenken würden. Ich seufzte leise, als mir klar wurde was das bedeutete, wir mussten weiter. Aber wie sollte ich den beiden erklären dass ich Angst um sie hätte, wenn sie wegen mir mitkommen. Ich hatte keine Wahl und wär auch lieber wo anders, sie hatten die Wahl und könnten hier ein relativ normales Leben (So weit es das bei Frauen Anfang 20 überhaupt gibt) verbringen. Ich wollte sie nicht verletzen und suchte nach Worten die nicht zu schleimig oder noch schlimmer, unsensibel wie immer, klangen. Ich fand jedoch keine. "Umso mehr Leute wir sind, desto schwerer wird es unbemerkt rein, und vor allem ungesehn wieder raus zu kommen" nahm mein Kumpel mir diese schwierige Aufgabe durch Logik ab. Erleichtert stellte ich fest, dass sie zustimmten. "Bevor ich weiter ziehen muss hab ich noch eine Bitte an euch.... Ich brauche Waffen. Waffen die nicht mal Karl mir besorgen könnte." Als sich unsere drei Augenpaare trafen (zugegeben, ich musste leicht schielen doch es ist möglich) wusste ich dass sie mich verstanden hatten. Es gibt nicht viele Menschen die wissen, was die waren Waffen einer Frau sind. Es geht nicht um große ****** die durch weite Ausschnitte betont werden, nicht um einen verführerischen Augenaufschlag oder die richtige Wortwahl kaum hörbar geflüstert. Es waren viel alltäglichere Waffen und diese Beiden besaßen einen Großteil davon. "Das ist jetzt alles "Wireless?" staunte ich als ich einen Lockenstab hin und her drehte. "Jop! Hier, das Glätteisen mit integrierten Krepper kannste sicher auch gebrauchen, falls du an geheime Informationen kommen willst" "Ich hätte noch n Mixer anzubieten, nen Lötkolben und nen Epilierer.... noch irgendwas auf deiner Wunschliste?" erkundigte sich die Frau mit Schlips während sie breitgrinsend mit den Knethaken winkte. "Hast du auch ein einfaches Nudelholz? Ich muss doch noch einpaar alte Klischees aus meiner Zeit bewahren bewahren" antwortete ich zwinkernd. "Die brauchste nicht bewahren, die alte Scheiße existiert immer noch genau so wie früher, da hat sich nicht viel getan, Männer halt" gaben beide im Chor wieder. Lachend und vollbepackt umarmten wir uns noch einmal. Ich frage mich ob ich sie wieder sehn werde, doch nur für einen Moment kam mir der Gedanke dann verdrängte ich ihn. Ich bedankte mich für den leckeren Capuccino, denen sie vermutlich nur der Anstandshalber ebenfalls runtergewürgt hatten. (Schließlich ist da Wasser drin und, wie einst eine weise Frau sagte, man sollte nix trinken in dem Fische ******)Nach diesem rührenden Abschied, und dem unsanften Rauswurf der anderen 3 standen wir nun wieder im Flur und ich wartete darauf das jemand rief "So auf geht’s zum..." oder "Nun machen wir.."


Kapitel 4: Verlustvolle Wohnungswechsel


"Ich könnte jetzt so etwas sagen wie 'So auf geht’s zum...' oder 'Nun machen wir...', doch leider weiß ich noch nicht genau, wie wir nun weiter vorgehen sollen." meinte mein Kumpel, der ebenfalls die Hände voll hatte. "Die Frage die ich mir jetzt die ganze zeit stelle ist, in welcher Reihenfolge wir nun die drei Herausforderungen meistern wollen. Wir haben 3 Tage bis wir dich zurückschicken, also wäre noch genug Zeit, allerdings würde ich lieber erst dich in Sicherheit sehen, bevor wir uns auf die Suche nach deinem zukünftigen Ich oder einem Besuch bei FearMe machen. Außerdem bin ich immer noch am Überlegen in welches Versteck wir dich bringen, dass FearMe eins davon aufgespürt hat lässt nur Böses erahnen. Ich denke es wäre das Beste, wenn wir erstmal für ein bis zwei Tage untertauchen und zwar in keinem unserer Verstecke, sondern wir suchen uns irgendwo ne Mietwohnung mitten in der Stadt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von uns erkannt wird ist zwar trotz Tarnung höher, doch FearMe würde es sicherlich nicht wagen uns inmitten von vielen Menschen anzugreifen." Doch sein Blick war alles andere als zuversichtlich. "Was meintest du eigentlich mit Tarnung" warf ich ein, denn es trat eine beunruhigende Stille ein. "Achso. Ja, wir können Hologramme über unser Gesicht legen, wodurch man uns nicht sofort erkennt. Allerdings ist es nicht schwer an Kameras oder Ähnliches zu kommen, die diese Tarnung einfach durchdringen. Aber für den normalen Bürger sollte das eigentlich reichen." Immerhin etwas dachte ich. "Wir sollten am Besten direkt die Tarnung anlegen, nur für den Fall." Und so holte er aus einer Tasche drei kleine Knöpfe, die sie jeweils hinter das Ohr steckten und dann draufdrückten. Ihre Gesichter veränderten sich deutlich, nur ihre Kleidung verriet noch, wer wer war und ihre Stimmen. "Beeindruckend oder?" Ich nickte, denn man konnte keinen Unterschied zu einem echten Gesicht erkennen. Kurz kam mir der Gedanke, ob nicht auch ich eine Tarnung bräuchte, doch als ob mein Kumpel Gedanken lesen konnte meinte er, dass dies nicht nötig sei, weil ich ja nicht auf der Fahndungsliste der Polizei stehe und nicht regelmäßig in den Nachrichten erscheine.
Und so zogen wir vollgepackt zum Fahrstuhl und waren wieder innerhalb von nur wenigen Sekunden unten angekommen. Draußen angekommen bekam ich einen leichten Schock, denn unser Auto war weg. "Wurde etwas unser Auto abgeschleppt?" "Nein, nein." meinte Karl. "Die neuen Autos haben ein Einparksystem, wodurch sie sich kurzerhand auf einen freien Parkplatz stellen. Man muss dann nur noch auf die Fernbedienung drücken und innerhalb von ein paar Sekunden stehen sie dann vor dir. Eigentlich parken nur noch ältere Leute ihr Auto selber ein." Und mit dem Drücken eines Knopfes auf der Fernbedienung erschien das Auto nach circa 15 Sekunden direkt vor uns und die Türen und der Kofferraum öffneten sich. "Alles hinten rein, würde ich sagen" und alle Dinge die wir abgestaubt hatten kamen in den Kofferraum. Nur das Nudelholz hatte es mir angetan und ich behielt es in der Hand. Nur für den Notfall halt. Hinten eingestiegen fuhr dann mein Kumpel los in Richtung einer der Wohngebiete der Stadt. Währenddessen guckte sich Rüdiger Sachen auf einem Display auf den Beifahrersitz an. Er murmelte leise vor sich hin bis ich ihn unterbrach. "Was machst du da eigentlich?" "Ich durchsuche den aktuellen Immobilienmarkt nach passenden Wohnung für uns." und er tippte weiter. Ich beugte mich etwas nach vorne und konnte das Display mit Anzeigen und kleinen Bilder erkennen und ehe ich alles gesehen hatte meinte er plötzlich. "Ahhh. Ich hab Eine." und er nannte meinem Kumpel die Adresse.
Bis zur Ankunft überlegte ich mir für welche Reihenfolge ich mich entscheiden würde. Einerseits hab ich nun nicht gerade Lust mich in Gefahr zu stürzen und mein leben zu riskieren, andererseits würde ich es gerne den FearMe-Jungs zeigen, immerhin haben die die Fiddlers-Nachbildung in Schutt und Asche gelegt und ich würde gerne mein zukünftiges Ich kennen lernen. Das wäre sicherlich interessant was ich alles so in der Zukunft treiben werde und wie ich mich verändern würde. Einiges weiß ich ja schon, aber die Gedanken von mir kann ja nur ich wissen und niemand anderes. Dann schweiften meine Gedanken wieder zu unseren beiden Ausstattern. Was aus den Beiden bloß geworden ist, damit hätte ich ja nie gerechnet. Aber im Grunde waren es immer noch die Selben wie zu Schulzeiten und das beruhigte mich ein ganzes Stück. Mein Kumpel war ja auch immer noch mein Kumpel gewesen und so waren es schon drei Leute die sich zwar Äußerlich, aber nicht groß innerlich verändert hatten. Also habe ich mich bestimmt auch nicht viel verändert. Ich werde meine Gründe gehabt haben, sich in allen diesen Dingen eingemischt und mein leben immerhin dafür riskiert zu haben.
Der Wagen wurde langsamer und wir schienen angekommen zu sein. Allerdings schien es nur so, denn plötzlich kam von meinem Kumpel ein "Ach, du Scheiße" und auch Karl und Rüdiger sahen, trotz anderem Gesicht, sehr besorgt aus.
Aus dem Fenster schauend konnte ich vor uns eine Straßensperre erkennen und anscheint Polizisten, die die Autos kontrollierten. "Ich denke, wir haben jetzt ein großes Problem." "Wieso denn, ihr habt doch die Tarnung?" kam von mir. "Nun ja.." antwortete Rüdiger "normalerweise haben Polizisten ein Art Taschenlampe mit der sie eine solche Tarnung aufspüren könne. Die Polizei ist halt auch mit der Technik gegangen und ist nicht auf den Kopf gefallen." "Und wieso drehen wir nicht einfach um?" "Hinter uns werden sicherlich zivile Einsatzkräfte stehen, die genau auf so was achten." meinte Karl. "Deswegen können wir eigentlich nur hoffen, dass wir n Azubi oder so was erwischen." "Wir brauchen eine Menge Glück" fügte mein Kumpel hinzu. Heute geht auch alles schief, was schief gehen kann oder? Erst wird die Fiddlers-Nachbildung zerstört und ich angeschossen und nun geraten wir in eine Polizeikontrolle. Ich konnte nur hoffen, dass den beiden Mädels nichts passiert ist. Langsam kam ein Auto nach dem Anderen durch die Straßensperre bis nur noch 2 Autos vor uns waren. "Also verhaltet euch ruhig. Ich weiß der Satz hört sich bekloppt an, aber mehr gibt’s dazu nicht zu sagen" kam es von meinem Kumpel.
Ob es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre endlich mit dem Beten anzufangen?

Beten... aber zu wem oder was? Ich war noch nie besonders religiös und in diesem Moment nur auf den Glauben zu vertrauen schien mir nicht genug. Helf dir selbst, dann helfen dir die Götter echote durch meine Gedanken. "Ich denk es wird Zeit für ein kleines Gebet... an den Gott der Technik, natürlich. Die Tarnung, könnt ihr beeinflussen wie sie aussieht?" fragte ich hoffnungsvoll. Karls Tarnungsgesicht ähnelte leicht dem Gesicht von Robbie Williams, daher sah ich die Chance als relativ groß an, Recht zu haben. "Ja, wir können hier aus der Datenbank entweder die Daten von bekannte Gesichter ziehen oder selber Einstellungen vornehmen. Warum fragst du?" "Ich brauch auch so ein Ding. Einer macht n Promi, der Rest Bodyguards und wir haben es sehr eilig weil wir noch nen Termin haben, verstanden?" "Die Idee is nich schlecht, aber meinst du nicht, das die misstrauisch werden?" wiedersprach mein Kumpel. "Dann brauchen wir halt nen weiblichen Promi, wegen der Stimme würd ich mich glatt dazu überreden lassen. Aber...Mein Englisch is verdammt mies, fällt euch n Prommi aus Deutschland ein?" Ein nachdenkliches Schweigen trat ein und das nächste Auto kam an die Reihe. Gleich waren wir dran und geliefert. Ich schaute nervös durch die getönten Scheiben und grübelte. Dann plötzlich hatte ich einen genialen Einfall. "Gib ma das Notebook-ähnliche-Teil her und ruf die Datenbank auf." Ich tippte und Daten wurden übertragen. "Wer is denn Michaela Schaffrath?" wollte Rüdiger wissen." Wir brauchen auch noch was von der virtuellen Kleidung, mit dem Hawai-Hemd gehst du niemals als Bodyguard durch " entgegnete ich knapp. Zum erklären war jetzt keine Zeit, er würde sie schon erkennen wenn der Datentransfer abgeschlossen war und alles klappte. "Also drei Mal nen schwarzen Anzug und für dich?" "Irgendwas aus dem Schrank des. Schlafzimmers auf der linken Seite." "Du warst im..." "Ja jetzt mach!!!(genervt) Danke und jetzt dreht euch um" In Rekordzeit waren wir umgezogen, doch der Datentransfer lief noch. Gebannt sahen wir alle auf den Ladebalken als das Auto vor uns anfuhr. "97%...98%..." Wir fuhren an. "99%!" Wir hielten und es klopfte an die Scheibe. Na endlich, 100 % waren erreicht eine kleine Lampe blinkte. Schnell klebte ich mir die Knöpfe hinters Ohr. "Auf machen! Polizei-Kontrolle!" ertönte es auf der anderen Seite der Scheibe. Mein neues Gesicht erschien und die Schiebefenster wurden langsam herunter gefahren. "Was gibt es denn?! Ich muss dringend zu meinem Drehort." Die beiden jungen Polizisten starrten mich durchs geöffnete Fenster an. Ihr Gesichtsausdruck verriet mir dass sie mich erkanten. Auch in der Zukunft schienen mein neues Gesicht noch ein häufig vorhandenes Titelbilder im DVD (oder was die hier so haben) zu sein. Die Gesichtsfarbe des Polizisten, der geklopft hatte nahm ein unnatürliches rot an, während sein Kollege stammelte "Äh.. natürlich... wir wollten auch nicht lang stören..." "Ihr macht ja auch nur euren Job und ich hoffe ihr macht ihn gut." antwortete ich mit der zweideutigsten Stimme die ich aufbringen konnte." wißt ihr was Jungs? Ihr habt doch sicherlich Visitenkarten... Gebt mir eure Adresse und ich lass euch meinen neuen Film mit Autogramm zukommen. Nun seid brav und lasst mich durch, ich will doch nicht...zu spät kommen" Jegliche Gedanken irgendwelche Taschenlampen zu ziehen und uns ins Gesicht zu leuchten waren spätestens jetzt verschwunden oder von anderen Gedanken verdrängt worden. Verwirrt traten die beiden zurück, der linke von beiden hob noch seine Hand und winkte schüchtern während ihm der andere verlegen seinen Ellenbogen in die Seite stieß und "Lass das, du bist peinlich!" zischte. Die Scheibe fuhr langsam wieder nach oben und unser Gefährt setzte sich in Bewegung. Wir waren alle erleichtert."Aaach die Michaela Schaffrath meintest du" durchbrach Rüdiger die Stille. Ich streifte mir die virtuelle Kleidung ab die ich übergezogen hatte. Zum Glück ging das, ich hatte schon befürchtet mich hier umziehen zu müssen, was bei dem teil zum größten Teil auf ausziehen hinausgelaufen wäre. Neugierig klappte ich einen Schminkspiegel am Seitenfenster herunter. In meiner Zeit gab es die Teile nur vorn auf der Beifahrerseite als Sonnenschutz...Ich glaub ich mag die Zukunft dachte ich. Als ich in den Spiegel sah mochte ich sie noch mehr. "Wow was fürn Schlafzimmerblick!" "Ähm ja..." "Ich glaub ich behalt das Teil auf" beschloss ich. "WAS?! Ne, du brauchst keine Tarnung, außerdem müssen wir noch nen Plan ausarbeiten" beschwerte sich Karl. "Und wo ist das Problem? Das könnt ihr ja ruhig machen, daran hindere ich euch ja nicht." Ich verstand seinen Einwand nicht und fühlte mich getarnt auch wohler. "ähm wie soll ich sagen... vielleicht wäre eine andere Tarnung... angebrachter." Mir ging ein Licht auf, natürlich! Nun kannten die Polizisten dieses Gesicht und würden es sicher so schnell nicht vergessen. Wahrscheinlich war das nur eine Routine-Kontrolle. Wenn sie jetzt wieder klarer denken können und nach 3 Männern und einer Frau gezielt gefahndet wird könnten sie sich an uns erinnern und ins grübeln kommen. Außerdem war die Verkleidung zu auffällig und wir daher leicht auffindbar. "Ähm, ja das auch. Aber vor allem ist es verwirrend in Ginas Gesicht zu sehn wenn man mit dir redet" zerstörte Rüdiger meine mühevoll ausgearbeitete nicht zweideutige Interpretation. "Warum kommst du eigentlich grade auf die, wenn du an weibliche deutsche Promis denkst? Also mir wär zuerst Claudia Schiffer eingefallen" gab mein Kumpel grinsend von sich. Das war ne gute Frage, nun war ich in Erkärungsnot. "Wenn dir Claudia Schiffer einfällt, warum hast du das dann nich gesagt?! Hätte weniger Klamottenprobleme gegeben. Außerdem woher soll ich wissen das Claudia Schiffer in der Zukunft noch im Rampenlicht steht?" "Naja Gina... ähm Michaela dreht auch schon seit dem 2000 keine Filme mehr" bereicherte Karl mit seinem einschlägigen Fachwissen unsere Diskussion. " Ja aber sie ist ein Mythos und soviel ändert sich da innerhalb von Jahren auch nicht dran. Außerdem ist es doch egal Hauptsache es hat geklappt. Und zum verwirren hat sie sich auf jedenfalls besser geeignet als Claudia Schiffer, Heidi Klum oder sonst wer." gab ich mich geschlagen und nehm die Dinger ab. Mit Männern kann man halt nicht diskutieren. Die Tatsache, dass ich die jenige war, der die Argumente ausgegangen war verdrängte ich schnell. Die Hauptsache war das wir entkommen waren. "Ich freue mich schon auf die bevorstehende Wohnungssuche." wechselte ich das Thema bevor auch nur irgendwer daran dachte weitere Fragen zu stellen.

 

Wir fuhren weiter und man erkannte schon, dass man immer mehr ins Innere der Stadt kam, denn die Häuserreihen drängten sich immer mehr aneinander und durch die so riesigen Gebäude drang nur noch wenig Sonnenlicht bis zum Boden. Es gab auch noch kleiner Hochhäuser mit maximal 5 Stockwerken, doch diese wirkten alt und leicht marode. In meiner Zeit wären das Prachtbauten gewesen, doch nun. Einfach alles ist technisch gerade zu explodiert und das nicht immer zum Vorteil, denn es gab nirgendwo auch nur annährend ein Haus, was nur ein Stockwerk hat, so wie früher. Auch gab es keine Häuser, die keine Glasfronten besaßen, richtige Steine waren wohl aus der Mode gekommen.
Nach kurzer Zeit hielten wir dann vor einem kleineren Gebäude, welches regelrecht wie ein Gartenzwerg zwischen den anderen aussah. Doch bevor wie ausstiegen musste ich mir noch ein neues Gesicht suchen. Leicht genervt meinte Karl “Nun nimm doch schon endlich eins von den unendlichen Standard-Dingern, damit fällst du am Wenigstens auf.“ Doch ich wollte immerhin ein Gesicht haben, was wenigstens ein bisschen zu mir passt und nicht wie das Gesicht einer Pennerin aussah. “Lass mich doch! Nur noch einen kleinen Augenblick… So viel Zeit werden wir wohl haben oder?“ “Ja, aber…“ Doch er ließ es lieber bleiben, anscheint wollte er sich mit mir streiten. Ich hatte gewonnen. Wirklich aufbauend nachdem ich vorhin ja ganz knapp verloren hatte, nech? “Siehste! Das war’s schon, dieses Gesicht gefällt mir.“ und ich drückte mir den Knopf wieder hinters Ohr. Die drei guckten mich etwas erstaunt an, doch sparten sich die Kommentare und stiegen aus. Nachdem ich ebenfalls ausgestiegen war fuhr das Auto automatisch zu einem Parkplatz, was für eine Technik. Nie wieder Rückwärts einparken. Ein Traum. Aber wenn das Auto schon von alleine einparken kann, wieso kann es dann nicht von alleine fahren? Hmm… vielleicht wegen dem Verkehr. Trotzdem musste ich die Antwort wissen, immerhin vielleicht müsste ich in der Zukunft nie wieder selber Auto fahren und das wäre doch echt ein Segen. “Hat das Auto eigentlich auch einen Autopiloten oder so was?“ fragte ich die Drei als wir durch die Tür in die Eingangshalle gingen. Rüdiger antwortete darauf, während mein Kumpel sich erkundigte, wo die erste Wohnung wäre. “Also, theoretisch hat das Auto nen Autopiloten und fährt von ganz alleine, aber weil dies der Taxi-Gesellschaft sonst regelrecht den Hals gebrochen hätte, hat man den Autopiloten wieder abgeschafft. Die Technik ist da…“ “Das ist ja gemein!“ “Aber keine Sorge, für uns isses kein Problem den zu aktivieren. Ist n Kinderspiel. Bloß unser Boss mag es einfach ganz normal mit Lenkrad und Pedale zu fahren, er vertraut dem Autopiloten eh nicht 100%tig, weil er ihn nicht selbst geschrieben hat.“ Er zwinkerte. Währenddessen hatte mein Autopilot-Angsthase-Kumpel das Stockwerk und die ID herausgefunden und wir stiegen in einen der vor uns befindlichen Fahrstühle ein. Doch zu meiner Überraschung waren wir nicht nach 1 Sekunde da, sondern man hörte merklich das Geräusch, was ein Fahrstuhl normalerweise in meiner Zeit macht und eine ruckartige Bewegung nach oben. Karl fing an zu meckern “Man ist das Ding lahm!“ und trat gegen die Türe, die darauf ein kurzes knackendes Geräusch als Antwort gab. “Ohhh…“ Nach einer guten Minute machten es “Pling!“ und der Fahrstuhl stoppte und die Türen gingen auf. Mein Kumpel führte uns an und ging nach rechts, dann wieder rechts, links und am Ende des Ganges wieder links. Nun standen wir vor einer Tür mit der Nummer 1-V-1412311, mein Kumpel drehte sich um. “Wir müssen wohl noch n Augenblick warten, die Frau, die uns die Wohnung vermieten könnte ist wohl noch nicht da.“ Rüdiger und Karl lehnten sich jeweils an eine Wand und fingen an über irgendwelche Sportergebnisse zu erzählen. Ich bekam nur Fetzen mit wie “Bundesliga“, “HSV“ und “Gute Chance auf die Meisterschaft“, doch letztendlich interessiert mich Sport eh nicht.

„Und die rote Karte war absolut nich gerechtfertigt, das war doch ne eindeutige Schwalbe und kein Foul!“ mischte sich eine Frau mittleren alters ein die soeben den Fahrstuhl verlassen hatte. Es folgte eine längere Diskussion unter Kennern und ich hoffte dass die Wohnungseigentümerin endlich auftauchen und damit das Thema wechseln würde. Doch umso länger wir da standen und redeten bzw. zuhörten desto stärker wurden meine Befürchtungen die Eigentümerin vor mir zu haben. Hoffentlich ist die Wohnung nich in blau schwarz und weiß gestrichen. Und wenn doch, dann nehm ich das schwarze Zimmer überlegte ich während die anderen die 90 Minuten des letzten Spiels mit allen Einzelheiten noch einmal analysierten.
Plötzlich öffnete sich die Tür und eine Frau betrat den Flur. „Oh, sie sind schon da? Tut mir Leid die Klingel muss mal repariert werden.“ Leicht verwirrt sah sie die Fußball bessene Frau an die ihren Satz schnell beendete und dann verschwand. „Wer war das?“ erkundigte ich mich. „Meine Nachbarin *seufz* eigentlich eine ganze liebe aber sie ist zu viel alleine und versucht daher mit allen ins Gespräch zu kommen. Meinchmal… geht es einem ziemlich auf die Nerven vor allem wenn sie keine Ahnung hat und nur Quark erzählt.“ Sie lächelte müde und führte uns in die Wohnung. Ich hielt nach schwarzen Zimmern ausschau, traf aber nur auf gelbe, rote und sandfarbene Wände und mit Window Color beklebte Fliesen. Eigentlich Schade, dachte ich aber fast alle Wohnungen hatten bei mir bunt angefangen, ob geplant oder ungeplant. Letztendlich war es kaum eins geblieben und mit etwas Stoff lässt es sich hier sicher viel draus machen. „Und hier ist das Wohnzimmer, schön geräumig nicht war? Das Parkett ist noch nicht besonders lange drin.“ Es hatte große Fenster durch die früher sicher mal viel Licht gefallen war und einen schönen Ausblick bot, doch nun verdunkelte einer der sterilen Hochhausklötzen den Himmel. Ich sah die nackten Betonwände oder wahlweise die kalten Glasflächen. „Was für´n Ausblick!“ gab Karl von sich als er würde er meine Gedanken lesen. Die Frau sah ihn kurz an, nicht verärgert höchstens etwas traurig „Ja, ein grandioser Ausblick. Man kann den ganzen Tag diese eingebildeten Schnösel beim arbeiten beobachten. Beamte, wie sie in ihren kleinen Glaskästen sitzen und nur ihre Arbeit im Kopf haben. Sie erinnern mich an Fische in einem Aquarium wie sie die Mäuler öffnen und es kommt doch nichts raus außer bedeutungslosem Geblubber. Sie sind kalte Goldfische. Glauben Sie noch an das was sie gesagt bekommen?“ Sie nippte an ihrem Kaffee und schaute traurig durch die verdreckten Fenster. Dann neigte sie den Kopf und sah mir in die Augen. Ihr blick war leer und verloren als sie mich noch mal fragte „Können Sie das wirklich noch, Glauben?“ Ich hatte doch keine Ahnung und war mit dieser Frage vollkommen überfordert. Mein Kumpel nahm mich unauffällig beiseite und flüsterte „Sag am besten nichts, die Wohnung könnte verwanzt sein oder sie eine Spionin. Die Nachbarin ist mir auch suspekt….zu neugierig.“ Die Frau starrte wieder teilnahmslos aus dem Fenster. Plötzlich verstand ich warum sie hier raus wollte. Es musste schlimm sein wenn man hier aufgewachsen war und die Stadt wucherte wie ein Geschwür um einen herum. Kalt, schmutzig und die letzte Hoffnung auf Licht verschluckend. Diese Wohnung brauchte keine schwarzen Stoffe, die langsam abbröckelnde Farbe hatte mehr düstere Ausstrahlung als ich sie künstlich hätte erschaffen können.
Schließlich brach die Frau die nachdenkliche Stille die sich wie Nebel zwischen uns ausgebreitet hatte. „Nehmen sie die Wohnung?“ fragte sie und ich glaubte einen kleinen Funken Hoffnung in ihrer Stimme zu vernehmen und fragte mich wie viele vermeintliche Mieter geschockt abgelehnt hatten. Sie musste hier raus und wir brauchten eine Wohnung, warum nicht? Aber irgendwas sagte mir das es um mehr ging. Da ging mir ein Licht auf, es geht genau um diesen beschissenen Ausblick und Karls Kommentar war keinen falls sarkastisch gewesen. Beamte… klar das musste ein Regierungsgebäude sein. Man sah mir die Überraschung anscheinend an den ich bekomm einen Ellenbogen in die grade wieder geflickten Rippen „Pssst! Lass dir nix anmerken.“


„Also…. ich denke wir nehmen die Wohnung oder was meint ihr?“ fragte mein Kumpel in die Runde. Von mir und den Anderen kam ein leises Gemurmel und zustimmendes Nicken und somit war es dann beschlossen. „Ok, wir nehmen sie. Wir beide können uns ja mal in der Küche über die Einzelheiten unterhalten nicht?“ „Ja, klar.“ meinte die Frau und beide verschwanden. Auf der Stelle finden Karl und Rüdiger an kleine Geräte hervorzuholen und damit die Wohnung ab zu suchen. „Was macht ihr…“ mit einem „Pssscht“ wurde ich unterbrochen. Stattdessen sagt Karl „Schönes Wetter heute nicht?“. Was für eine lausige Tarnung, wenn hier tatsächlich Wanzen wären, dann wären wir nun entdeckt worden. „Ähmm.. ja, klar. Obwohl man von hier aus nicht viel sehen kann.“ Ich ging zum Fenster und sah ganz weit oben einen kleinen blauen Himmelfleck - das letzte Stück Natur was man direkt sehen konnte. nach ein paar Minuten waren beide auch mit den anderen Räumen fertig bis auf die Küche und endlich schienen sie etwas erleichtert zu wirken. „Scheint wohl nichts da zu sein. Was für ein Glück, sonst wäre das ganz schön blöd gelaufen. Die Küche müssen wir zwar noch, aber wieso sollte ausgerechnet in der noch was versteckt sein?“ und dabei guckte er mich an. Ich konnte nur mit den Achseln zucken, immerhin hab ich keine Ahnung von Wanzen und andere Abhörmethoden. Nach ein paar weiteren Minuten kamen die Frau und mein Kumpel wieder aus der Küche und sie schien richtig erleichtert zu sein, die Wohnung endlich losgeworden zu sein. „Also, dann wünsche ich Ihnen alle noch eine angenehme Zeit in dieser Wohnung. Tschüß!“ und sie verschwand durch die Tür. „Ich hab mit ihr alles abgemacht. Sie hat mir auch schon gleich die Schlüssel gegeben, wir können direkt einziehen. Sie wollte sie auch unbedingt loswerden und übernimmt sogar für uns auch noch ein Teil des Papierkrams ab, damit wir halt direkt einziehen können. Ich würde sagen, die Wohnung gehört uns.“ meinte mein angeblicher Terroristen-Kumpel und fügte gleich zu Karl und Rüdiger hinzu „Habt ihr was gefunden?“ Zwei Mal Köpfschütteln. „Ok, dann guckt aber trotzdem lieber noch mal in die Küche. Man weiß ja nie.“ und beide machten sich direkt auf den Weg. „Ok, nun da wir keine Möbel haben, müssen wir uns welche kaufen. Macht aber nix, wir haben genug Geld um ne ganze Stadt neu einzurichten. Ich hol mal eben noch ein paar Sachen aus dem Auto wie den Laptop und so, dann können wir direkt uns die Möbel aussuchen. Du musst wissen man bestellt Möbel heutzutage online und die werden dann innerhalb von einer Stunde geliefert. Ist halt alles praktischer geworden.“ und er driftete leicht mit den Gedanken wohl zu früheren Zeit ab. Zurück in der Realität fragte er „Willst du mir helfen? Dann brauchen wir nur ein Mal laufen?“ Und so gingen wir zu Zweit wir auf den Flur in Richtung Fahrstuhl, dabei trafen wir wieder auf die sehr redselige Nachbarin, die direkt ihre Hilfe anbot, wir aber dankend ablehnten. Dann ging es wieder in den älteren Fahrstuhl, der noch etwas Zeit brauchte um Unten anzukommen im Gegensatz zu den neueren Modellen. „Du bist so still.“ kam es von ihm als wir auf das, Autopilot gesteuertes, Auto warteten. „Ich mach mir bloß Gedanken über dies und das.“ „Aha?“ „Es ist nicht mehr so viel zeit und eigentlich habe ich keine Lust wieder zurückzugehen, weißt du?“ „Ich kann das verstehen, die Zukunft muss für dich bis jetzt super aussehen. Aber du gehörst in deine Zeit, außerdem würdest du hier politisch und von anderen nicht netten Terroristen verfolgt werden. Das kann ich nicht zulassen, nachher passiert dir noch was. Außerdem kannst du in deiner Zeit die Zukunft vielleicht ändern. Trotz neuester Techniken sind wir immer noch nicht sicher, wie sich eine Zeitreise auswirkt und vielleicht kannst du eine ganz neue Welt erschaffen, die nicht so ist wie diese hier“ und er zeigte auf die Glasbauten und die vorbeirasenden Autos. „Du musst zurück. Daran geht kein Weg vorbei!“ „Vielleicht hast du Recht. Aber ich könnte auch hier bleiben und euch helfen.“ „Nein, keine Widerrede.“ Das Auto kam und zusammen trugen wir zwei Kisten nach oben, die hinten im Kofferraum lagen und allem Anschein nach Laptops und andere elektrische Geräte beinhalteten. Wieder wollte die Nachbarin beim Vorbeigehen reden, doch zum Glück konnten wir sie vor der Tür abwimmeln. Karl und Rüdiger waren immer noch in der Küche und hatten sich wohl Kaffee gemacht. „Du trinkst das Zeug immer noch nicht oder?“ „Nein, Kaffee ist nicht meine Welt“ kam es von meinem Kumpel zurück. „Aber habt ihr was Anderes im Kühlschrank gefunden?“ „Nope, leider leer.“ „Müssen wir wohl auch gleich mit den Möbeln ein paar Lebensmittel organisieren, aber das macht nix.“ „Willst du nen Kaffee haben?“ kam es von Rüdiger und er schwenkte leicht die Kanne.

 

"Aber nur wenn du ganz viel Milch und Zucker zum reinpunchen hast" antwortete ich nachdem ich einen kleinen Blick auf Rüdigers Tasse geworfen hatte. Der Kaffee schien recht stark zu sein denn er hatte den Teelöffel hinein gestellt. "Ich bin froh das hier überhaupt Kaffe ist und sie die Kaffeemaschine hier gelassen hat, woher soll ich Zucker und Milch nehmen?" folgte die ernüchternde Antwort. Meine Frauen-Intuition sagte mir ich sollte den Kaffee mit der seltsamen Konsistenz lieber stehen lassen wenn ich nicht den Rest des Tages im Bad verbringen wollte. "Glaub mir, so toll ist die Zukunft auch nicht. Ihr hattet wenigstens noch normalen Kaffee, aus echt Kaffeebohnen *seufz*" gab mein Karl traurig von sich. Ich hatte noch nie jemanden das Wort Kaffeebohne mit so viel Sehnsucht aussprechen hören. "Und was ist hier drin?" erkundigte ich mich überrascht. Ich konnte mir schwervorstellen aus was man sonst Kaffee machen konnte. "Frag lieber nicht" war die kurze aber unmissverständliche Antwort die mir bewies dass ich mir das gar nicht vorstellen wollte. Irgendwie war den anderen auch der Appetit vergangen und die Kanne wurde beiseite gestellt. "Aber der Boden der Kanne ätzt jetzt nicht durch wenn ihr das Gebräu länger stehn lasst, oder?" fragte ich lachend. Rüdiger und Karl wechselten kurz beunruhigte Bliche "Vielleicht sollten wir die Kanne doch besser gut ausspülen, wär vielleicht besser...." "Jop, wir haben nur eine Kanne, wenn die hin ist..." Ich sah wohl ziemlich geschockt aus den mein Kumpel stupste mich kurz n und flüsterte "Lass dich nicht verarschen, die Brühe schmeckt nicht sonderlich aber ätzend ist sie auch nicht" Ich sah die anderen beiden an die sich anscheinend prächtig amüsierten, auf meine kosten. "Na lacht ihr mich aus? Ganz schön mies von euch mich Unwissende so reinzulegen...." "Wir lachen dich doch nicht aus, sondern an" meinte Karl während er angestrengt versuchte unschuldig zu lächeln und Rüdiger einen Dackelblick aufsetzte. Ich konnte den beiden einfach nicht böse sein und fing augenblicklich auch an zu grinsen. 2So nun wo wir alle Fragen zu gefährlichen Stoffen innerhalb der Küche geklärt hätten... sollten wir uns den Gefährlichen Stoffen in den Kartons dort zuwenden" beendete mein Kumpel die Kaffeediskussion. "Gefährliche Stoffe?! Was ist in den Kisten die ich eben mit dir hochgetragen hab? Und was wär passiert wenn ich eine fallen gelassen hätte?" Seine Aussage erschreckte mich . "Ich hab dir doch gesagt dass ich nicht will dass du dich in Gefahr bringst oder gerätst. Denkst du, dann lass ich dich Gefahrgut tragen? Den Kram hab ich genommen, in deinem Karton war deine Kleidung und einaar andere leichte und banale Dinge" beruhigte er mich. Zwischen den Zeilen hing ein kleiner Vorwurf und er hatte Recht. Seit ich hier war hatte sich so viel und so schnell geändert dass ich begann allen gegenüber misstrauisch zu sein. Traurig stellte ich fest dass dieses Gefühl auch vor den drei nicht halt gemacht hatte. Ich sah zu ihnen rüber. Karl machte sich über die Kartons her und hob strahlend und doch behutsam kleine Bündel mit Totenköpfen drauf in die Höhe. Rüdiger begann die anderen Kartons aus zu packen und mein Kumpel fuhr sein Laptop hoch. Zum erstenmal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl irgendwie zuhause zu sein und eine Familie zu haben. Allein der Gedanke all dies in ein paar Tagen aufgeben zu müssen und wieder in meine Zeit zu gehen tat weh. Ich verstand ihn ja, ich gehörte nich hier her und wir konnten nicht ewig Bonnie und Clyde spielen, trotzdem hätte ich so gut wie alles dafür gegeben bleiben zu können. Diese Zukunft war, soweit ich das mitbekommen hatte, alles andere als Perfekt aber ich war nicht alleine. Was rede ich da eigentlich? Ich bin in der Gegenwart doch ach nicht alleine... Aber ich musste zugeben dass es sich meinchmal so anfühlte, obwohl ich wusste dass es nicht so war und es sich eigentlich auch nicht so anfühlen sollte. Ich verscheuchte diese Gedanken und machte mich nützlich. Beim Karton auspacken erlebte ich die eine oder andere Überraschung. "Was ist denn das?!" Ich zog aus dem Klamotten etwas aus sehr wenig Stoff heraus. Noch bevor ich es genau betrachten konnte riss Rüdiger es mir aus den Händen. "Das räum ich schon weg, danke...." Karl grinste mich von der anderen Seite des Raumes an "Wie gesagt, sei froh das du im Hauptquartier die Illusionen sehn konntest" Als ihn Rüdigers vernichtende Blicke trafen räusperte er sich kurz und vertiefte sich wieder in seine Arbeit. Kurzezeit später hatte er eine kleine Burg aus Totenkopf-Päckchen um sich gebaut und schien sichtlich zufrieden zu sein. Da läutete es an der Tür. Alle starrten auf den riesen Haufen von Päckchen und leise Flüche wurden ausgestoßen. An der Tür ertönt die Stimme unserer lieben Nachbarin. "Hallo? Sie sind doch zuhause! Mir macht es nichts aus wenn es vom auspacken noch unordentlich ist. Ich wollte sie willkommen heißen und hab ein Blech Butterkuchen gebacken... Hallo? HALLO?! Nun machen sie schon auf!" "Verdammt, die Alte wird sicher nich abhauen und nur misstrauisch werden wenn niemand aufmacht." fasste mein Kumpel das in Worte was wir alle dachten. "Wir müssen ihr klar machen dass wir nicht gestört wollen. Wir könnten Geräuschtecnisch..... Nein mist! Ihr seit zu dritt das kauft sie uns niemals ab oder wir haben gar keine Ruhe mehr...." fing ich an. Als ich grad resignierend schweigen wollte hatte ich einen Einfall. "Habt ihr eine Tischdecke oder sonst irgendwie viel Stoff? Das geht auch! *Küchentischdecke grapsch* Kann ich mir mal ein Laptop leihen?" Ohne die Antwort abzuwarten nahm ich mir eins aus der Kiste, legte es auf die kleine Sprengstoffburg und warf die Tischdecke drüber. nun sah es wie ein kleiner Stubentisch aus. Energischen Schrittes begab ich mich zur Tür und öffnete sie freundlich lächelnd. Sofort Schob sich der Fuß meiner neuen Nachbarin n die Tür und dann folgte der Rest bevor die Tür ganz geöffnet war stand sie schon mit duftenden Kuchen im Flur. Als sie es schwungvoll auf der Laptop-Sprengstoffkonstruktion abstellte zuckte mein Kumpel kurz zusammen, sagte aber nichts. "Ich wollte mich nur mal kurz vorstellen..." fing sie an. Das sie sich sicherlich nicht nur KURZ vorstellen wollte wurde uns im Laufe der nächsten Stunde schmerzhaft bewusst. Wir mussten doch dringend Vorbereitungen Treffen! Nach geschätzten 90Minuten die sich wie Tage anfühlten ergriff mein Kumpel das Wort, das heißt er versuchte es hartnäckig trotz vieler Unterbrechungen von Seiten unser lieben Nachbarin, um sie los zu werden.

Nach einer weiteren halben Stunde voller Versprechungen, sie bald mal zu besuchen etc konnten wir sie erfolgreich aus unserer Wohnung kriegen. Mann konnte die Tante reden, das ist ja schlimmer als wenn man sich 20 Jahre nicht getroffen hat. Und über was sie alles geredet hatte, manche Themen wären mir im Traum nicht eingefallen, aber nun gut sie scheint alleine zu sein und schaut SEHR viel Fernsehen. Doch trotzdem sie eigentlich nie direkt etwas über uns wissen wollte, kam es mir so vor, als wenn sie dies mit Absicht täte um ihre wahren Ziele zu verbergen. „Die Frau ist doch echt komisch.“ brachte es Rüdiger damit auf den Punkt. „Wat will die bloß von uns?“ „Vielleicht ist sie einfach nur einsam.“ Jetzt fing ich sogar an sie zu verteidigen. „Aber trotzdem. Dann ist man doch nicht so drauf wie die. Außerdem schien sie mir die Geschichten fast ein bisschen zu einstudiert.“ „Nun ja, sie hat halt viel Zeit wie du mitbekommen hast und da macht man sich schon so seine Gedanken, auch was man zum Beispiel neuen Leuten sagen würde.“ „Also mir ist sie auch sehr suspekt.“ brachte Karl sich ein. „Sie schien auch irgendwie versucht die unsere Klamotten zu begutachten, aber halt gut getarnt als alltägliche Bewegungen.“ Nun fehlte nur noch die Meinung von meinem Kumpel, der auch gleichzeitig der Kopf von uns war, obwohl niemand es wirklich ausgesprochen hatte. Natürlich war er der Chef der Beiden, doch waren sie eigentlich alle gute Freunde. Er schien leicht in Gedanken zu sein und während er immer noch den Fußboden anstarrte, meinte er „Also ich bin mir noch nicht 100%tig sicher, ob sie nun eine Gefahr für uns darstellt oder nicht. Selbst wenn sie eine ganz normale Hausfrau wäre, so könnte sie durch ihr vieles Gerede anderen Leuten von uns erzählen und das ist gar nicht gut. Wir sollten uns definitiv bedeckt gegenüber ihr uns halten und sie so selten wie möglich versuchen zu Begegnen.“ „Wenn das überhaupt geht.“ fügte Rüdiger hinzu und lies die Augen rollen. „Wir sollten nun weitermachen.“ warf Karl ein „Wir haben schon wegen ihr genug Zeit verplempert!“
Und so gingen die Drei wieder ihren Dingen nach, Rüdiger packte weiter aus, Karl baute sein Türmchen weiter, was gut als Tisch gedient hatte und mein Kumpel war am Laptop. „Komm mal zu mir“, meinte er nach kurzer Zeit. „Du kannst dir mal die Möbel aussuchen. Hier.“ und er gab mir den Laptop „Da findest du alles was die haben. Vom Regal Billy bis zum Sofa Zulu. Wenn du dort draufklickst, kannst du auch schon virtuell die Möbel hinstellen, damit du siehst was wir noch brauchen und wie das mit dem Platz hinkommt. Die richtigen Maße hab ich schon eingegeben. Theoretisch, wenn du fertig bist, können wir uns auch noch mal virtuell die Möbel in Lebensgröße und so wie du sie aufgestellt hast live anschauen. Ich muss nur noch ne Kamera dafür aufstellen, die ich aber erst noch finden muss. Mach du mal und bastel uns ne schöne Wohnung.“ sagte er augenzwinkernd, bevor er in einer Kiste wohl nach der Kamera suchte. Was für eine Auswahl. Einfach unglaublich. So viele Möbel. So viele Accessoires dazu. So viele Farben, obwohl eigentlich reicht schwarz. „Achja“ unterbrach mich mein Kumpel noch mal in Gedanken „um die Preise brauchst du dir keine Gedanken machen.“ und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, bevor er wieder mit dem Kopf in der Kiste verschwand. Die Preise waren ungefähr gleich geblieben in den letzten Jahren. Doch wie mir Rüdiger später einmal zwischendurch erzählte, kam dies nur zustande, weil die Produktion immer billiger wurde, doch die Unternehmen immer mehr verdienen wollten, wodurch der Preis letztendlich gleich blieb. Die Zeit verging wie im Flug als ich uns die Möbel zusammenstellte und nach guten zwei Stunden hatte ich dann die Wohnung auch perfekt eingerichtet. Komplett schwarz ist sie nicht geworden, doch waren schwarze Stoffe öfters vorhanden als alle anderen Farben. Die Anderen waren auch alle mit dem Auspacken fertig, wobei die meisten Sachen nun geordnet auf dem Boden lagen und darauf warteten eingeräumt zu werden. Per Kamera schauten wir uns die virtuelle Wohnung an und allen gefiel die Inneneinrichtung gut, die ich dann prompt bestellte. Nach gut einer Stunde, die wir zockend verbracht hatten, klingelte es an der Tür. Doch nicht wie erwartet war die Möbellieferung angekommen, sondern andere Personen standen vor der Tür, die wir durch den, nun ebenfalls weiterentwickelten, Türspion sehen konnten.


„Wer sind denn das?“ fragte ich doch die anderen schienen genauso überrascht. Zwar war der Türspion verbessert, doch an der Größe hatte sich nicht viel geändert. Neugierig quetschten wir uns zu viert an die Tür und spähten abwechselnd heraus.
„Sie haben keinen Staubsauger…..Nicht mal Beutel“ bemerkte Rüdiger.
„Und Fragebogen?“ wollte Karl wissen.
“Nope, und wie von der GEZ sehn die auch nicht aus….“ Verneinte mein Kumpel der seinen Platz an der Tür zu verteidigen versuchte. „Nu lasst mich doch auch mal ran!“ mischte ich mich ein und ergänzte „An die TÜR!“ als ich Rüdigers leicht verwirrten Blick auffing. Vermutlich waren wir gut hörbar denn als ich freie Sicht hatte grinsten die Gestalten merklich. Da sie nun wussten dass wir da waren und wir nicht verdächtig wirken wollten wär es wohl das Beste die Tür zu öffnen. „ Wir kaufen nix, haben keinen Fernseher und möchten an keiner Umfrage teilnehmen“ begrüßte mein Kumpel sie. „Und eine Sekte und nen tollen Staubsauger haben wir auch schon“ fügte Rüdiger hilfsbereit hinzu. „Ähm ja“ fing eine der Personen an, stoppte dann aber und sah uns an. „Das freut mich für sie, aber wir wollten Sie eigentlich nur bitten ihren Autopilot anders zu programmieren. Ihr Gefährt hat uns eingeparkt. Wir wohnen übrigens eine Etage weiter unten…“ mischte sich die zweite unbekannte Person ein. „Und wir habens eilig und würden es durchaus begrüßen bald losfahren zu können“ beendete die 3. Person.


„Ich mach das schon.“ meinte mein Kumpel und ging mit den drei merkwürdigen Personen mit. „Wird sicherlich nicht lange dauern.“ sagte er noch, bevor er mit ihnen um die Ecke verschwand Richtung Fahrstuhl. Wir schlossen wieder die Tür und guckten uns verdutzt an, wir dachten wohl alle das Selbe, dass die Leute nicht gerade vertrauenswürdig aussahen und so meinte Rüdiger dann „Wir sollten uns nicht so viele Gedanken machen. Das ist wahrscheinlich schon ein erstes Zeichen für Paranoia.“ Er ging Richtung Küche. „Wir müssen immer noch Essen bestellen. Karl, hol mal das Laptop und lass uns zu Dritt mal überlegen was wir brauchen.“ Zusammen mit Karl, der den Laptop in der Hand hielt gingen wir in die Küche und setzten uns an den kleinen Küchentisch, der ebenfalls mit den Stühlen und Schränken noch von unserer Vormieterin übrig geblieben ist. „Also… erstmal brauchen wir so Grundnahrungsmittel wie Brot… Milch… Saft…Aufschnitt… Käse… und all solche Sachen. Versteht ihr?“ fügte ich hinzu als sie mich beide etwas komisch anguckten. „Techniker…“ grummelte ich. Rüdiger, der nun am Tippen war, sagte „Ok… eingetragen.
Was noch? Cola? Fanta? Kekse? Knabberkram? Pizzen? und so normale Zubereitungssachen wie Gewürze? Nudeln? Soßen?“ Bei jedem Vorschlag nickten Karl und ich und so bekamen wir die Liste recht schnell zusammen. Unser Kumpel war nun schon 10 Minuten weg. Dauerte das wirklich so lange? Hatte er sich vielleicht noch mit denen verquatscht? Aber wollten die nicht schnell weg? Oder waren die Typen doch gefährlich? Mein Gesichtsausdruck muss den anderen vor verraten haben an was ich denke und Rüdiger meinte direkt beschwichtigend „Der ist sicherlich gleich wieder da. Vergiss nicht, die Aufzüge brauchen hier auch etwas und…“ Es klopfte laut mehrmals an der Tür. „Lasst mich rein!“ Er war es, aber er schien aufgeregt und in Eile zu sein. Ohne zu zögern sprangen wir alle auf und eilten zur Tür. Nur ein kurzer Blick durch den Spion. „Er ist es tatsächlich. Doch…“ Karl riss die Tür auf. Mein Kumpel guckte den Korridor entlang. Sein Gesicht war leicht blutig. Sein linker Arm war voller Blut und man konnte eine Spur hierher erkennen. Er hielt eine Waffe in der rechten Hand, die leicht zitterte. „Komm wir müssen hier weg!“ schrie er uns an „Von wegen Auto! Kommt schon!“ und er dann begriff ich allmählich war vor sich ging. Rüdiger war schon in die Wohnung zurückgelaufen, holte einen Rucksack und steckte das Laptop, welches er immer noch in der Hand hatte hinein und zog gleichzeitig zwei Waffen heraus. „Eine für sich.“ meinte er nur knapp und drückte mir sie in die Hand. Karl hatte wohl Seine am Körper, denn er hatte schon ein anderes Modell in der Hand. „Auf geht’s!“ meinte mein Kumpel doch nach zwei Schritten kamen die drei Typen um die Ecke und fingen an zu feuern. Sofort riss mich mein Kumpel zurückschießend in die Wohnung zurück, während Karl und Rüdiger versuchten die Typen zu erledigen und dann gleich hinterher durch die Tür wieder in die Wohnung kamen. Ohne recht eine Ahnung zu haben, was ich machen sollte schaute ich den Dreien zu, wie sie die Tür schlossen und sie mithilfe der Sachen aus der Küche versuchten zu verbarrikadieren. Mein Kumpel warf mir die Autoschlüssel währenddessen rüber und schrie, ich solle den Autopiloten aktivieren. Da der Schlüssel nur 5 Knöpfe hatte, fand ich den Richtigen sofort und man hörte ein kleines Piepen. Die wollen doch nicht etwa durch das Fenster in das Auto springen und dann fliehen? Doch anscheint war genau das der Plan, der eigentlich auch ganz logisch wirkte. Immerhin gab es sonst keinen Ausweg. Wie ich immer noch etwas verwirrt mit einer Waffe und dem Schlüssel in den Händen vor der Tür stehe, muss wohl ziemlich bekloppt aussehen, immerhin hantieren die Drei so hektisch und schreien sich an und ich steh da nur daneben, dachte ich bevor mich plötzlich mein Kumpel mich wieder umriss, doch dieses Mal zu Boden. Im selber Moment ertöten Schüsse, die durch die Tür jagten und die Scheibe am anderen Ende des Raums durchlöcherte. Sie waren unglaublich laut und mir schmerzten davon die Ohren. Leicht benommen hörte ich meinen Kumpel nach den Schlüsseln fragen, während ich endlich sehen konnte weswegen er so stark am Arm blutete. Er musste wohl angeschossen worden sein und nun war auch ich leicht mit Blut voll gekleckert. Seine Stimme wurde lauter. „Wo sind sie???“ Ich gab sie ihm und er warf sie weiter zu Rüdiger, der sie in der Luft auffing und kurz nickte. Im selben Moment kam endlich das Auto hinter dem Fenster, welches nun schon völlig hinüber war, zum Vorschein und ich fühlte ein leichtes Glückgefühl aufkeimen, welches direkt wieder erstarb, als erneut Schüsse dieses mal durch die Wände schoss. Karl und Rüdiger lagen ebenfalls komplett auf dem Boden und beide versuchten dabei zum Auto zu krabbeln, welches nun gut 1,5 Meter vom Fenster entfernt auf uns wartete. Als die Schüsse wieder aufhörten sprang Rüdiger auf, drückte einen Knopf an den Schlüssel, wodurch die Beifahrertür aufsprang und er durch das Fenster in das Auto sprang. Nachdem er in wenigen Sekunden auf den Fahrersitz war folgte ihm Rüdiger. Währenddessen hatte mein Kumpel mich in Richtung Fenster gedrückt, während er mit der Waffe auf die Tür gerichtet langsam rückwärts ging. Man hörte Tritte gegen diese, doch sie war noch nicht aufgesprungen. Am Fenster angekommen, sprang ich in die offene hintere Tür und drehte mich im Auto direkt um und machte Platz für meinen Kumpel, der nun im Raum stand und gespannt auf die Tür starrte. „Nun komm schon“ schrieen wir zu Dritt im Chor, was ihn wohl aus seiner Trance oder was auch immer herausriss. Er drehte sich um und lief zum Fenster als wieder Schüsse durch die schon durchlöcherte Wand jagten. Kurz vor dem Fenster sprang er ab, doch anstatt hoch zu fliegen, senkte sich sein Oberkörper gefährlich nach vorne. Alles verging wie in Zeitlupe. Ich sprang vom Sitz auf um seine ausgestreckte Hand zu erwischen, doch streifte ich diese nur leicht.
„NEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNN!!!!!!!!!“
Auf seinem Gesicht war trotz allem immer noch ein leichtes Lächeln zu sehen und seinen Lippen bewegten sich leicht auf und zu. Ganz leise drang mir das Wort ans Ohr. „Ma......ren.....“ Mein Kumpel fiel Richtung Boden. Als ich durch die offene Tür nach unten schaute sah ich seinen blutverschmierten Rücken. Rüdiger drückte das Gaspedal durch und zwei Schüsse trafen noch das Auto, bevor er im Sinkflut Richtung Boden raste, doch er konnte nichts mehr für meinen Kumpel tun und flog so schnellst möglich davon.
Er war tot... Er war tot. Er war tot! Er war TOT! ER WAR TOT!!! Das konnte doch nicht sein! Nein! NEEEEEEIIIIIINNNN!
Ich fing an zu heulen und währenddessen schrie ich Rüdiger an „DU KANNST IHN DOCH DA NICHT EINFACH LIEGEN LASSEN!“ und haute in mit den Fäusten auf den Arm. Karl kämpfte mit mir und rutschte vom Vordersitz zu mir zurück und hielt mich fest als ich immer noch leicht blutverschmiert ihm laut in den Arm heulte.
Was hatte die Zukunft nun bloß noch für einen Sinn?

 

Keinen, schoss es mir durch den Kopf und ich wollte mich los reißen, hinterher springen und fallen nur um den Schmerz über seinen Verlust nicht mehr spüren zu müssen. Mich nicht so allein zu fühlen. So verloren und einsam. Doch Karl hielt mich sanft und dennoch entschlossen zurück.

 

„Er würde von uns erwarten dass wir auf dich schützen damit dir nichts passiert. Wenns sein muss auch vor dir selbst.“ Sagte er zu mir während er die Türen verriegelte. Ich wusste dass er es nur gut meinte, doch all meine Trauer und mein Schmerz machten mich blind. Ich wollte es einfach nicht glauben. Wenn ich die Augen schloss sah ich seinen Körper immer noch fallen, sah seine Hand die die meine nur so knapp verfehlt hatte.

„Du kannst ihm nicht mehr helfen. Mach dir keine Vorwürfe“ warf Rüdiger ein der damit beschäftigt war uns von diesem schrecklichen Ort wegzubringen. Ich hörte es, glaubte ihm auch aber das änderte nichts an dem was ich fühlte. Er schien es zu bemerken und fügte leise „Zumindest nicht in der Gegenwart“ hinzu. Dafür kassierte er sofort bitterböse Blicke von Karl. An diese Möglichkeit hatte ich noch überhaupt nicht gedacht. „Können wir nicht einfach einpaar Stunden zurück und dann erledigen wir diese drei Mistkerle bevor ihm was passiert und sie ihre Waffen auch nur zu ziehen wagen?“ wollte ich wissen. Es dauerte eine Weile bevor ich eine zögerliche Antwort erhielt und mir wurde klar dass auch die beiden meinen Kumpel gut gekannt hatten. Wenn es in ihrer Macht steht, dann würden sie ihn mit mir retten. Karl räusperte sich und dann begannen sie zu erzählen. Vieles wusste ich schon oder hatte ich mir zusammen gereimt aber einiges war auch neu und ließ mich ahnen dass die ganze Sache nicht so einfach werden würde wie ich gedacht hatte.

„Es ist dieselbe Situation in der wir vor kurzem steckten bevor wir dich hergeholt haben. Wir waren überzeugt du seiest Tod… Wie schon gesagt geht die Zeit weiter. Würden wir dich an dieselbe Stelle bringen in der wir dich aus deiner Zeit gerissen haben würde ein Zeitüberschuss mit der Zeit die du hier warst entstehen. Schließlich wärst du um diese Zeit älter gewesen als du es sonst gewesen wärst. Wir dachten auch das es nicht möglich wäre das eine Person in einer Zeit zwei Mal existiert, deshalb haben wir gewartet bis wir uns wirklich ganz sicher waren das es keine Hoffnung mehr für dich gibt. Da aber dein gegenwärtiges Ich noch zu leben scheint habe ich eine ganz andere Befürchtung... Vermutlich kannst du grade nur hier sein weil deine Existenz in dieser Zeit möglich ist. Die Menge an Zeit bleibt dieselbe nur das du in deiner Zeit kurzfristig verschwunden bist und dieselbe Zeit hier jetzt verbringst. Was das für eine Auswirkung auf dein jetziges Ich hat können wir nicht sagen. Ein aufeinander Treffen könnte eine Katastrophe auslösen oder völlig belanglos sein. Er ist jedoch in dieser Zeit nicht möglich, weil er nicht mehr unter uns weilt. Darum kann ich dir nicht versprechen dass wir ihn zurückholen können. Aber sollte es eine Möglichkeit geben dann verspreche ich dir das sie gefunden wird. Ich weiß nur noch nicht wie, denn nun müssen wir ohne seine PC-Kenntnisse zur Technologie der Zeitmaschine gelangen…. Rüdiger ist gut aber er war ein Genie und um da rein zu kommen brauch man schon fast einen PC-Gott“ Was er berichtete war ernüchternd aber die Lage nicht völlig aussichtslos. Außerdem hatte niemand außer mein Zukünftiges Ich eine Ahnung was mir wirklich in der Zeit passiert war in der ich unauffindbar war. Was wäre wenn ich wirklich gestorben wäre und die Veränderungen in der Vergangenheit die Zukunft beeinflusst und das alles ungeschehen gemacht hätte? Diese Hoffnung wollte ich nicht aufgeben auch wenn die Beiden anderen von was anderem ausgingen. Es gab aber noch soviel mehr was ich nicht verstand.

„Aber warum habt ihr mich geholt und warum nur für so kurze Zeit?“ wollte ich wissen. „Weil du in diesen paar Tagen eine wichtige Bekanntschaft gemacht hättest die dich, wie wir damals dachten, in dieser Zeit den Kopf gekostet hatte. ... Den Anführer von FearMe. Insgeheim dachten wir, dich in unserer Gegenwart, als deiner Zukunft, wieder bei uns zu haben wenn du in der Vergangenheit, also deiner Gegenwart, diesen Mensch nie über dem Weg gelaufen wärst.“ Beantwortete er meine Frage. Dabei sah er mir jedoch nicht in die Augen sondern verlegen zum Fußboden. Irgendetwas verheimlichte er mir aber das könnte ich auch noch später in Erfahrung bringen. Erstmal wollte ich versuchen das ganze Zukunfts-Wirrwar zu verstehen doch ich merkte des Öfteren wie die Komplexität des Ganzen mein Bewusstsein überstieg. Vieles schienen auch nur Hypothesen zu sein. „Stimmt, learn by doing sag ich nur. Grade deswegen sind die da Oben ja so sauer auf uns.“ Bestätigte Rüdiger mir mit einem leichten Grinsen. Es war vermutlich das erste lächeln seit einer Ewigkeit die wir redend seit dem Unfall verbracht hatten und seine Zuversicht und sein Humor tat gut. „Die da Oben? Redest du von Göttern?“ staunte ich, merklich überrascht das aus dem Mund eines ansonsten eher rationalen Menschen zu hören. „Ne, viel schlimmer. Die Machthaber.“ Kommentierte Karl.

„Aber wie seid ihr denen eigentlich entkommen? Gibt es nicht auch einen Zeitüberschuss wenn ihr in meiner Zeit seid?“ Wie schon so oft stellte sich diese peinliche Stille ein die mir sagte, dass die beiden grade händeringend nach der richtigen Formulierung suchten. „Ein guter Zauberer verrät seine Tricks nie“ versuchte Rüdiger sich rauszureden, aber niemanden war wirklich zum Spaßen zu mute. Als nicht mal ein kleines Lächeln auf meinem Gesicht entstand hustete er kurz und fügte hinzu „Aber für dich mach ich natürlich eine Ausnahme. Du musst wissen dass auch die Zeit die wir in der Vergangenheit verbringen, für uns in unserer Gegenwart abläuft. Also waren auch wir kurz verschwunden als wir bei dir waren...“ Aber das beantwortete immer noch nicht meine ganze Frage. Ich sah ihn an und wartete, er schaute fragend zurück und hoffte wohl dass ich den Rest vergessen hatte. Als die Ampel an der wir standen auf grün schaltete brach er den Augenkontakt ab, gab sich geschlagen und redete weiter. „Nun ja ähm…. Die Verfolgungsjagd… Als wir merkten dass wir die Verfolger nicht abschütteln konnten, haben wir die Hologramme aktiviert und haben einen Zeitsprung gemacht. Für die sah das nach na riesen Sauerei aus…“ und wieder stockte er. „Ja aber was ist mit mir? Ihr habt mich gefesselt im Kofferraum zurück gelassen!“ „Äähhhm… wir waren sehr im Stress und haben dich da wohl ähmmmm“ versuchte Karl sich einzuschalten wurde aber schlagartig rot im Gesicht und beendete den Satz nicht. „...Vergessen? Ihr habt mich VERGESSEN?!?!“

Deshalb hatten sie versucht die Sache zu vertuschen! Na klasse, mit diesen beiden Kerlen an meiner Seite sollte ich also nun versuchen das grausame Schicksal meines Kumpels zu ändern. Das konnte ja was werden. „Naja also so ganz auf dich allein gestellt warst du nicht. Hast du dich nicht gewundert, dass du zufällig aus dem Kofferraum gefallen bist, deine Fesseln locker waren und dir nichts passiert ist? Wir sind ein kleines Stück weiter in die Vergangenheit und haben Kofferraum und Co leicht sabotiert. Außerdem hattest du einen Peilsender angeheftet, wir konnten dich also wunderbar finden auch wenn unser Boss ziemlich überrascht war das das Signal ausgerechnet aus einer Geschlossenen Anstalt kam“ versuchte Karl mich zu beschwichtigen. „ Überrascht ist vielleicht nicht das richtige Wort“ begann Rüdiger sich ein zu mischen, beschloss aber dann doch den Mund zu halten. Wäre er nicht am Steuer gewesen hätte er spätestens jetzt Karls Ellenbogen in der Seite gehabt. Die Vorstellung mit einem Peilsender durch die Gegend gelaufen zu sein behagte mir gar nicht. Irgendwie kam ich mir in Gedanken wie ein Köder vor, obwohl ich nicht glaubte dass ich das gewesen war. Mir war in der Anstalt gar nicht aufgefallen das mein Kumpel älter war, wunderte ich mich. Aber bei meinem damaligen Tabletten-Cocktail wär das auch ein Wunder gewesen. Draußen fuhren wir an den letzten größeren Häusern vorbei. Danach folgte nur noch karges Land das irgendwie feindlicher wirkte als das ganze Nichts was zu meiner Zeit zwischen den Dörfern und Städten lag „Wo fahren wir jetzt eigentlich hin?“  erkundigte ich mich.

 

"Also so ganz genau weiß ich das auch noch nicht." meinte Rüdiger etwas zögerlich. Nach einer kurzen Pause fing Karl an das Heft in die Hand zu nehmen "Also, wir haben drei Dinge zu erledigen. Die erste Sache können wir gleich hier machen. Wir sollten wieder unsere Tarnung benutzen, nur zur Sicherheit." Und so holten wir alle Drei wieder unsere kleinen Knöpfchen aus den Taschen, die wir in der Wohnung ja abgelegt hatten und drückten uns die Dinger hinters Ohr. Karls und Rüdigers Zweit-Gesichter waren mir zwar schon vertraut, doch trotzdem sahen sie immer wieder mit denen komisch aus. Auch ich fühlte mich leicht eingeengt, obwohl dies natürlich eigentlich so nicht wirklich sein konnte. Ohne diese Gesichter rum zulaufen war einfach schöner. Nach kurzer getaner Arbeit machte Karl weiter "So. Als nächstes brauchen wir unbedingt ein neues Auto. Wenn die Typen hinter uns her sind, dann haben sie sicherlich sich das Auto oder sogar das Kennzeichen gemerkt und deswegen brauchen wir unbedingt einen neuen Fahruntersatz. Am Besten stellen wir unser Auto hier bald an einem Parkplatz ab und gehen dann zu Fuß weiter zu einem Autohändler. Geld haben wir immer noch zu viel um es alles auszugeben, das sollte kein Problem sein." Das hörte sich schon ganz gut nach einem Plan an, besser als ziellos durch die Gegend zu fahren. "Und dann brauchen wir noch Waffen um zur Zeitmaschine zu kommen, denn ohne die läuft gar nichts." Da hatte er Recht, die Zeitmaschine brauchten wir unbedingt, egal ob nun für die Rettung meines Kumpels oder um mich zurück zuschicken. Ohne die würde ich sonst in einer fremden Zeit stecken bleiben. Was sich vorhin noch richtig gut anhörte, war jetzt ohne meinen Kumpel nicht mal eine Überlegung wert.

"Da vorne! Park das Auto da vorne!" befahl Karl Rüdiger und so landeten wir auf den kleinen Parkplatz in mitten einer kleinen Stadt. Hier waren die Hochhäuser noch nicht so hoch, dass das nicht mehr an den Boden kam und somit wirkte die Stadt gleich etwas freundlicher. Glasfassaden gab es zwar auch, aber die Stadt wirkte eindeutig normaler und ging mehr in die Richtung meiner Vergangenheit, obwohl alles moderner aussah. Als das Auto zum Stehen gekommen war, stiegen wir Drei aus und Karl und Rüdiger fingen an das Auto komplett abzuwischen. "Zur Sicherheit" wir sie mir sagten, doch meinten sie im selben Atemzug, dass sie das so eh nicht 100%tig hinkriegen würden, aber für untalentierte Leute würde es trotzdem etwas dauern, was zu finden. Als sie fertig waren gingen wir los. Wohin genau wusste ich nicht, doch Karl schien zu wissen, wo wir waren und ging zielstrebig voran. Währenddessen warf Rüdiger die Autoschlüssel, nach einem kurzen Abwischen, in einen Gulli. "Warst du hier schon mal." brach es kurz aus mir heraus. Karl bleib stehen und drehte sich zu mir um "Ich habe hier früher mal gelebt" meinte er und ein leicht träumerischer Blich flackerte über seine Augen. Er drehte sich langsam um und lies dabei den Blick über die nahe stehenden Häuser schweifen. "Als ich klein war, lebte ich mit meiner Mutter in einem Haus zwei Straßen weiter. Ich hab hier oft gespielt mit meinen Bruder, doch zu der Zeit sah es hier noch ganz anders aus. In den letzten Jahren hat sich hier so viel verändert, dass man einiges nicht mehr wieder erkennt. Aber genug geredet, wir haben noch viel zu tun. Soweit ich mich an das letzte Mal erinnern kann, war nicht weit ein Autohändler in der Nähe. Ist nur ein paar Straßen weiter. Wir müssen nur da vorne abbiegen und dann an einer großen Kreuzung nach links. Ist nicht weit. Folgt mir!" und so gingen Rüdiger und ich ihm hinterher. Viele Personen kamen uns nicht entgegen, wahrscheinlich fuhren noch mehr Leute mit Autos als zu meiner Zeit und selbst ohne Auto konnte man bei dieser Technik ohne das Haus zu verlassen gut überleben. Nun konnte man bei der derzeitigen Jugend wirklich Kellerkinder zu sagen. Dabei stellte sich mir auch die Frage, ob es überhaupt noch Schulen gab oder ob es nun schon tatsächlich die Online-Klassen gab, wie sie früher schon in der Entwicklung waren. "Rüdiger, gibt es eigentlich noch Schulen und dergleichen? Oder ist das jetzt auch alles digital?" "Ach du meinst, weil um diese Uhrzeit gar keine Kinder zu sehen sind?" So genau hatte ich nun auch nicht darüber nachgedacht, doch ich drehte mich einmal um und sah wirklich nirgendwo ein Kind im Schulalter. "Ja." "Die Schulen gibt es immer noch, doch wenn zum Beispiel ein Kind krank ist, dann kann es auch von zu Hause am Unterricht teilnehmen. Du hast ja unsere Hologramme etc gesehen, damit geht das ganz gut. Und warum du jetzt keine Kinder siehst liegt daran, dass die Schule länger geht. Von 8 Uhr morgens bis um 18 Uhr abends, es gibt eigentlich nur noch Vollzeitschulen mit Mittagessen und vielen AGs für Sport usw. Da hat sich eigentlich das Schulwesen positiv geändert, auch wenn außerhalb der Schule die Möglichkeiten für Kinder draußen etwas zu unternehmen geringer geworden sind, so ersucht man dies auch gleichzeitig in der Schule zu kompensieren. Eigentlich ne ganz gute Sache muss ich sagen." und auch er fing an in Gedanken zu schwelgen. Woher er bloß so viel über das aktuelle Schulsystem wusste wunderte mich, doch das konnte ich ihn auch noch später fragen. Langsam, aber stetig kamen wir nach der ersten Abbiegung nun der großen Kreuzung näher, die man schon von weitem sah. Also war es auch nicht mehr weit bis zum Autohändel und somit zum nächsten mobilen Transportmittel. Es war recht entspannend einfach mal durch die Stadt zu latschen und nicht gehetzt zu werden. Doch die Entspannung hielt nur kurz, denn immer wieder kamen die Erinnerungen und Gedanken meines toten Kumpels wieder hoch. Auch wenn es vielleicht erst ein paar Stunden her war, so fühlte es sich trotzdem schon wie Tage, Wochen oder sogar Monate an.

Kurz vor der Kreuzung meinte dann Karl "Wir müssen nur hier links rein und dann dürften wir eigentlich schon den Händler sehen." Als es grün für uns wurde, gingen wir über die Straße und in dann den Gehweg der kleiner Straße entlang zum Händler. Nun sollten wir in Sichtweite sein, doch nix war zu erkennen. Erst langsam verstanden wir, dass das Gebäude nun vor uns dem Händler einmal gehört haben musste, doch in dieser Abrissbude konnte man sicherlich keine Autos mehr kaufen.

 


Kapitel 5: Verwandtschaft / La Familia

 

Also musste ein Plan B her oder besser gleich ein Auto. Wir zögerten und überlegten ob wir rein gehen sollten, trotz Vertrauens in die Bauindustrie sah die windschiefe Hütte verdammt marode und einsturzgefährdet aus. Karl hatte sicher nicht das nahe früher gemeint denn das die Immobilie in so kurzer Zeit dermaßen verrottet schien mir unmöglich. "Vielleicht finden wir darin trotzdem was Nützliches" schlug ich vor. Zugegebener Maße spielte auch meine Neugier auf das Innere des verlassenen Hauses eine nicht unwichtige Rolle. Das öffnen der Tür gestaltete sich doch etwas schwerer als erwartet da eine dicke Staubschicht im Inneren bremste und wir uns zu dritt gegen die Tür stemmen mussten. "Wir leben noch! Das Dach scheint die Tür doch nicht als tragendes Element zu brauchen." staunte Rüdiger als wir endlich drin waren. Der Raum hätte sich sicherlich für ne Hallowenn Party geeignet und man hätte nicht mal Deko gebraucht. Als ich mit den Haaren in nem Spinnennetz hängen blieb fühlte ich mich schon fast wie zuhause, schob etwas Müll beiseite und ließ mich auf ein eingestaubtes Sofa fallen. Als eine atompilzförmige Staubwolke aufstieg, ertönte plötzlich ein lautes Husten hinter uns, gefolgt von Flüchen. "Verdammt, dass ist eine Falle" schrie Karl und drehte sich mit erhobener Waffe um die eigene Achse, unschlüssig auf was er zielen sollte. Unsere Umgebung flackerte einmal kurz auf und die gemütliche Bruchbude verschwand und stattdessen standen wir einer Gruppe von Männern gegenüber die es eilig hatten zwei Koffer zu verschließen. Als wäre das nicht schlimm genug spürte ich plötzlich kalten Stahl an meiner Kehle und eine Männerstimme die mir ins Ohr zischte "Keine Bewegung wenn du an deinem Leben hängst". Aus einem der Koffer begann weißes Pulver zu rieseln und den besorgten Mienen nach handelte es sich nicht unbedingt um Weizenmehl. "Eigentlich wollten wir gar nicht stören und waren grad dabei wieder zugehen" versicherte ich der Gestalt doch diese lachte nur. Das Glück schien echt nicht auf unserer Seite zu sein und wir schlidderten von einer bremslichen Situation in die nächste lebensgefährliche. Die Lage war ernst und diesmal viel nicht mal mir eine rettende Lösung ein, doch dann meldete Rüdiger sich schließlich zu Wort."Woher habt ihr die Technik? Hologramme erschaffen ist ja schon altbekannt, aber damit reale Personen und Gegenstände überschreiben... Ich dachte außer mir hätte das noch keiner hinbekommen..."

„Schön für dich.“ kam es von einen der Männer, die nun den Koffer wieder zugeklappt hatten und ihn gut abschirmten. Ein kurzes „Ohhh….“ kam von Rüdiger. „Hatte ich ganz vergessen.“ Er hob langsam die Hand, was die drei Männer etwas nervös aussehen ließ, doch nicht meinen Mann, der mir nun das Messer tiefer an den Hals drückte. „Lass die Hand dort wo sie ist oder das Mädchen hier spielt gleich Springbrunnen.“ „Ganz ruhig Kumpel.“ sagte Rüdiger und nebenbei gab es Karl ein Zeichen, dass dieser die Waffe, die auf den Kopf meines “Freundes“ gerichtet war, herunternehmen sollte, was er auch nach mehreren Sekunden endlich tat. Das Messer an meinen Hals entfernte sich immerhin wieder ein paar Millimeter von meinem Hals, doch als Rüdiger wieder anfing seine Hand weiter in Richtung Ohr zu bewegen kam das Messer wieder auf Tuchfühlung. Wieder kamen beschwichtigende Worte von Rüdiger, damit ich tatsächlich nicht gleich eine Fontäne meines Lebenselixiers Blut durch den Raum schicken würde. Eine interessante Idee, die ich mir jedoch bei dieser ernsten Angelegenheit nicht weiter spaßig vorkam. „Ich will nur einen Knopf an meinem Ohr drücken, damit ihr mich erkennt. Ich hab ein Hologramm als Gesicht.“ Doch auch diese Worte schienen die Typen nicht zu beschwichtigen. Die Drei auf der anderen Seite hatten nämlich langsam ihre Waffen gezogen, was Karl nicht gerade gefiel, weil er seine wieder zur Beschwichtigung eingesteckt hatte. Auch der Gesichtsausdruck von Rüdiger gefiel mir nicht wirklich, weil es nicht mehr so ganz erfreut war wie am Anfang, wo ihm etwas klar geworden war. Er versuchte es erneut. „Leute, ich bin’s Rackor. Ich bloß n Hologramm auf, weswegen ich so anders aussehe. Nun lasst mich endlich den Knopf hintern Ohr drücken und dann erkennt ihr mich.“ Das schien endlich etwas Wirkung zu zeigen, denn die Typen warfen sich gegenseitig Blicke zu, was sie mit dieser Information anstellen sollten. „DU willst Rackor sein?“ fragte der Mann, der immer noch den Koffer liebevoll umarmte und wie der Boss wirkte. „Jop, ich bin es! Junge! Erkennst du mich nicht an meiner Stimme?“ und Rüdiger wirkte leicht verärgert. So langsam schien wirkte der Boss unsicher, doch warum wusste ich nicht. So dem Typen links von ihm meinte er dann „Steve, geh zu ihm hin und schau hinter seinem Ohr nach und wenn da wirklich nen Knopf ist, drück ihn.“ Steve schien etwas überrascht und unbehaglich. Rüdiger wirkte nun nicht gerade klein und dürr, sondern im Gegenteil und dem Typen näher zu kommen schien Steve gar keine gute Idee, doch anscheint hatte er entweder Respekt oder Angst vor seinem Boss und so führte er den Befehl aus.
Langsam und bedacht ging er auf Rüdiger zu, der kurzerhand sagte „Es ist auf der rechten Seite von mir aus gesehen.“ Steve stellte sich hinter Rüdiger und stellte sich auf die Zehenspitzen um hinter sein Ohr gucken zu können und um den Knopf zu erspähen, den er mit einem nicht zufriedenen Gesichtsausdruck drückte. Rüdigers Hologramm-Gesicht verschwand und sein Normales kam wieder zum Vorschein. Er fing an zu grinsen ihn Richtung des Bosses der zugleich einen ehrfürchtigen Ausdruck auf dem Gesicht hatte.

 

„Kaum bin ich mal ne Weile untergetaucht, habt ihr nix besseres zu tun als meine Programme zu nutzen um eure krummen Dinge zu drehen. Jetzt wo ihr mich anscheinend endlich erkannt habt, wo bleibt das große Willkommen zurück und die Freudenschreie?“ aber enttäuscht musste er feststellen das der Jubel immer noch ausblieb aber zumindest war das Messer von meinem Hals verschwunden. Der dazugehörige Mann stand nun unsicher lächelnd neben mir und fragte „Und die hier“ er zeigte eher geringschätzig auf mich und Karl „gehören zu dir?“ Nach einem eindeutigen Nicken schüttelte die Hand welche mir noch kurze Zeit vorher ohne Zögern meine Kehle durchgeschnitten hätte, meine Hand. „Freunde von Rackor sind natürlich auch unsere Freunde“ sagte er dabei. Ich mochte ihn nicht aber zumindest schien keine Gefahr mehr von ihm auszugehen, denn auch Karl steckte seine Waffe wieder ein. Verwirrt waren alle Blicke auf Rüdiger gerichtet, der anscheinend eine nicht unwichtige Rolle für die kleine Versammlung spielte. Ich fragte mich, welche Überraschung Karl wohl noch bereithalten würde nach dem mein verstorbener Kumpel Kopf der Organisation Erdnuss war und Rüdiger anscheinend mit diesen Dealern zu tun hatte. „Wer von euch hat eigentlich weiter geproggt? Zum Zeitpunkt als ich gegangen bin, waren noch n paar kleine Unstimmigkeiten drin…“ unterbrach Rüdiger das gegenseitige Abschätzen und Schweigen.

Eine weitere Person kam zum Vorschein, die noch Sekunden vorher eine Art Tisch war. Selbst Rüdiger entfuhr es ein kleines "Wow" als die Person wieder normal war. Es war ein junges Mädchen ungefähr in meinem Alter, die einen Laptop im Arm hielt und verängstigt uns alle anschaute. Als sie Rüdiger sah fingen ihre Augen leicht an zu leuchten und ein leichtes Lächeln war zu erkennen. Sie rannte auf Rüdiger zu und umarmte ihn, der etwas verdutzt wirkte, aber dann ebenfalls einen glücklichen Gesichtsausdruck bekam. Beide umarmten sich innig, sie schien sich lange nicht gesehen zu haben. Ein Blick zu Karl verriet, dass er ebenfalls keine Ahnung hatte, wer diese Person war.

 

Obwohl er und mein verstorbener Kumpel zusammen studiert hatten schien Rüdiger älter zu sein, aber für eine Tochter in diesem Alter war er dann doch noch eindeutig zu jung. „Na willst du uns nicht deine kleine Freundin vorstellen?“ fragte Karl direkt worüber auch ich nachgedacht hatte. Das Mädchen lächelte verlegen sagte aber kein Wort während Rüdiger erst einen Augenblick verwirrt aus sah und dann in schallendes Gelächter ausbrach. „Ich bin nicht du, Karl. Vielleicht gibt es auch weibliche Wesen die sich freuen mich zu sehen, mit denen ich nicht im Bett war.“ Er zwinkerte in Karls Richtung und fügte hinzu „Vor allem freut man sich wenn ich wieder auftauche“ Von Karl kam ein Geräusch das sich wie „gnarf!“ anhörte anscheinend hatte Rüdiger ins Schwarze getroffen. Ich sah Karl bildlich vor mir, wie er Jack Sparrow-like in einem Lokal auftaucht und erstmal von der Hälfte der weiblichen Anwesenden zur Rede gestellt wird. Irgendwie passte der Kopf von Karl in meinen Gedanken zwar nicht auf Jacks Schultern aber die Situation war durchaus vorstellbar. Nun musste auch ich grinsen. Was die Identität der jungen Frau anging tappten wir jedoch immer noch im Dunkeln, doch bevor ich nachhaken konnte kam mir Rüdiger zuvor.
“Deinem Grinsen nach scheinst du dich über die Möglichkeit, das sie nicht meine Freundin ist ja ziemlich zu freuen“ Nun wurde ich mindestens so rot wie das Mädchen zuvor. „Ähm… Nein ich war nur in Gedanken… „ stotterte ich verlegen.
„Ach ja? Dann teil deine Gedanken doch mit uns war sicher was Wichtiges… oder etwa etwas Interessantes?“
„ Neee ähm es ging eher um Karl und ne Szene aus einem Film aus meiner Zeit… kennt ihr sicher nicht.“ Versuchte ich ihn abzuschütteln obwohl ich selber wusste wie dämlich das klang. Natürlich kannten sie Filme die noch vor drei Jahren große Kinoerfolge erzielt hatten, aber mir fiel nichts Besseres ein. Mein Ausweichmanöver war genau so offensichtlich wie seins, wenn auch nicht so gut durchdacht. Uns in Verlegenheit bringen, damit wir zuerst das Thema wechseln mussten war eine gute Taktik um eine Antwort herum zu kommen, das musste man ihn lassen.
„Der Frage bist du geschickt ausgewichen, alle Achtung, aber nun erzähl doch mal wer die junge Lady da ist“ wollte ich wissen. „Aber nicht so geschickt wie du, erzähl du uns doch zu erst mal was für Filme in Verbindung mit unserem Karl so ein Lächeln herbeizaubern“ Irgendwie vermisste ich den alten Rüdiger der einfache Fragen stellte und mit einfachen Antworten zu frieden war ohne zu hinterfragen. Er hatte das Wortgefecht gewonnen und, was noch viel schlimmer war, er wusste es.
„Ich glaube ich lass euch noch eine Weile spekulieren und werd mal dasselbe tun. Ich bin mal gespannt was sich für Geschichten daraus entwickeln.“
Eigentlich war es ja auch egal wer sie ist, auch wenn meine verflixte Neugier was anderes behauptete. Ich konnte sie aber ja auch selber fragen wenn wir mal unter Mädels wären oder die komischen Kerle interviewen. Wobei… ein kurzer Blick auf die Ansammelung von Schränken rat mir, erst sie zu fragen. Doch diese schienen ebenfalls recht interessiert zu sein.
“Wir haben sie hier aufgenommen, beschützt und durchgefüttert weil sie nach dir gefragt hat“ begann der Messermann.“…und verdammt hartnäckig war, uns dauernd in die Quere kam und dabei fast verraten hätte“ fügte einer der Koffer träger hinzu. Eine Geste des Messermannes, bedeutete ihm zu schweigen. „ Natürlich auch weil sie eine Bekannte von dir zu sein schien und wir es dir als Todgeglaubten schuldig waren auf sie aufzupassen und nun wär es nur fair wenn wir eine Antwort bekommen würden wer sie ist.“ Beendete dieser den Satz. Rüdiger schien sehr erstaunt zu sein. „Sie hat nach mir GEFRAGT?!“
„Naja nicht direkt, sie hat uns immer nur ein Bild von dir unter die Nase gehalten. Irgendwie hat sie uns auch immer gefunden, leider auch in sehr unpassenden Situationen. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie anstrengend das war. Wir, auf der Flucht vor Wächtern und plötzlich steht sie mitten auf dem Zebrastreifen mit einem Bild von dir. Das die natürlich nicht in die Finger bekommen sollten oder einmal bei einer Übergabe… *hust* Gab auf jeden Fall viele unpassende Situationen.“ „Eine Übergabe? Was genau übergebt ihr denn so? Ich mein, Daten könntet ihr sicherer verschicken, warum die Mühe der persönlichen Übergabe?“ Ein Räuspern und Husten ging durch den Raum. „Ich nehm mal an jemand hatte Geburtstag und um einen Kuchen zu backen musstet ihr euch etwas Mehl von einer Nachbarin leihen…?“ „Ähmmmm. Ja?!“ „Gut dann hoffe ich, ich bekomm auch ein Stück vom Kuchen ab. Nun bin ich ja wieder da und es wird sich hier einiges wieder ändern.“ Damit war das Thema beendet. „Was ist eigentlich mit unserem alten Hauptquartier passiert?“ wollte Rüdiger wissen.
„Das was bisher mit allen passiert ist“ entgegnete der Messermann ihm seufzend. „Explodiert? Abgefackelt? In Stücke gerissen? Auf Grund chemischer oder biologischer Stoffe unbewohnbar?“ „Ja“ kam es im Chor von allen Anwesenden. „JA?! Alles auf einmal?! Dieser Kerl macht mich noch mal Wahnsinnig und es scheint ein Wunder zu sein das er noch lebt. Es ist nur eine Frage der Zeit wenn er am Basteln ist, wann wieder irgendwas Unvorhergesehenes passiert er ´oooops´ ruft, sein Labor hoch geht und alles zerstört. Alles andere in seinem Umkreis liegt in Schutt und Asche aber jedes Mal kommt er etwas zerknittert aber unverletzt wieder aus diesem Haufen Schutt hervorgekrabbelt nur um eine neue Idee zu haben und das nächste Hauptquartier wieder zu zerstören!“ Genau in diesem Augenblick leuchtete eine kleine Lampe über der Tür zum Nebenraum und nach einem kurzen Flackern erschien eine Stahltür. „Ah, hier ist alles unterirdisch und diese Bruchbude versteckt den Eingang“ gab Karl staunend von sich. Die Tür öffnete sich und ein zerstreut wirkender Mann mit Brille und leicht verrußten Gesicht kam freudestrahlend zum Vorschein. Als er anfing mit ein paar CDs in der Luft rum zu fuchteln und rief „Es ist vollbracht“ wichen die Männer einen Schritt zurück. Karl und ich folgten diesem Beispiel instinktiv. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass der Messermann unauffällig einen Tisch umgekippt hatte. Als der Neuankömmling ihn erblickte, steuerte er stolz auf ihn zu und der Messermann wurde zunehmend nervös. Irgendwie wirkte es sehr komisch wie dieser raue Kerl sich hinter den Tisch kauerte während der Andere von dem keine offensichtliche Gefahr ausging auf ihn zusteuerte. Warum hielt sich das Mädchen die Ohren zu und warum weichen alle zurück? Ich hatte den Gedanken noch gar nicht ganz zu Ende gedacht als der Mann mit denn CDs über den auf dem Boden liegenden Müll stolperte. Er verlor die CDs die ihn in einem unnatürlichen Halbkreis umrundeten, beschleunigten und mit ausgefahrenen Zacken wie Ninjawurfsterne auf den Messermann zuhielten. Dieser duckte sich und die CDs schlugen in den umgekippten Tisch ein. „OOOOOOPS“ ertönte es vom Stürzenden und ein Rück ging durch die Anwesenden. „Raus hier schrie der Messermann und alle stürzten ins Freie. Von drinnen ertönte ein kurzes zischen und Rauch kam aus der Tür hervor. Dann hörte man einen ohrenbetäubenden Knall. „Wir müssen ihn da raus holen vielleicht lebt er noch!“ schrie ich. „Der ist Tod, so eine Explosion überlebt man nicht“ entgegnete Karl. „Nein, so viel Glück haben wir nicht“ murmelte der Messermann als von drinnen ein Husten zu hören war. Aus der Rauchwolke tauchte ein Kopf mit Brille auf und verkündete hustend „ Als CDs getarnte, Wärme suchende Wurfsterne die explodieren! An der Zielgenauigkeit muss ich noch etwas arbeiten aber ansonsten schon ganz annehmbar.“ Der Umstand fast gestorben zu sein schien ihn nicht weiter aufzufallen. Als er Rüdiger sah strahlte er noch mehr. „Rackor! Ich wußte dass du nicht Tod bist. Schön dich zu sehn. Ohne dich war es unerträglich der da *Fingerzeig auf dem Messermann* lässt mich kaum arbeiten und mein Labor ist im untersten Keller ganz hinten, dort hab ich nicht mal ne Heizung und ich durfte mir auch keinen Wärmereaktor basteln, kannst du dir das vorstellen??!“ „Ja! Ähm… ich mein natürlich, NEIN das ist ja unvorstellbar. Du solltest am besten einen ganzen eigenen Trakt bekommen damit du in Ruhe forschen kannst. Das lässt sich sicher machen, ich regel das.“ Der Mann nickte erfreut und verschwand wieder im Rauch. „Unvorstellbar ist das richtige Wort.“ Wandte sich Rüdiger an den Messermann. „Ja, aber das musst du verstehen er ist… nun ja, sicherlich eine große Hilfe aber…“
„…Absolut Durchgeknallt und eine tickende Zeitbombe auf die wir nur leider angewiesen sind. Unvorstellbar das du ihn in dem selben Gebäude auch nur irgendwas anfassen läßt in dem ihr wohnt… in dem WIR die nächsten Tage wohnen werden! Ich hab aus der letzten Geschichte gelernt und häng an meinem Leben und zwar in dieser Form, nicht als Brei, Würfel oder in Scheiben. Besorg ihm irgendwo in der Nähe, aber nicht zu Nah (!), ein Labor. Und das plötzlich, ich bin KO und würde mich gern ne Runde hinlegen aber solange der Verrückte da drin ist mach ich kein Auge zu ich könnte später nicht mehr die Gelegenheit bekommen sie zu öffnen. In der Zwischenzeit könnte jemand von euch uns schon mal die freien Zimmer, die ihr hoffentlich für uns habt zeigen.“
Unsere seltsame Ansammlung von Leuten vor der alten Hütte sah sicher seltsam aus aber ob es sicherer war die Räume wieder zu betreten war mir noch nicht ganz klar. Dennoch setzten wir uns in Bewegung und das riesige Loch im verkohlten Tisch besserte mein Gefühl auch nicht sonderlich, als ich es sah.
Der Fahrstuhl war wieder einer der modernen und ich konnte beim besten Willen nicht abschätzen wie tief unter der Erde wir waren, als sich seine Türen öffneten und sich ein langer kahler Gang vor uns auftat. Der Messermann war noch im Fahrstuhl geblieben und fuhr anscheinend noch tiefer, vermutlich um mit dem Oops-Kerl auf Wohnungs- bzw. Laborsuche zu gehen. Er sah nicht wirklich glücklich aus als er im Fahrstuhl blieb und Rüdiger ihm winkte und viel Spaß wünschte. „Du wünscht mir viel Spaß?! Ich sag lieber auf wieder sehen“ knurrte er, bevor sich die Tür mit einem *beeep* wieder schloss. Die junge Frau kannte sich anscheinend hier schon aus. Sie ging voraus, hatte Rüdiger bei der Hand genommen und zog ihn mit sich. „Hey nicht so schnell“ lachte er und sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Dann blieb sie vor einpaar Türen stehen und öffnete drei davon. Sie waren recht spärlich eingerichtet, mit einem Bett einem Schreibtisch mit PC und einem Waschbecken. Das Licht wirkte blau und kalt. „Gemütlich… erinnert an ne Jugendherberge auf Klassenfahrt“ beschrieb Karl mit leichter Ironie in der Stimme den Gesamteindruck. Mit einem Schulterzucken öffnete sie eine weitere Tür. Sofas und ein Kaffeeautomat kamen zum Vorschein, ein Gemeinschaftsraum erkannte ich erfreut. Sich zum Besprechen in einem der Schlafräume zu treffen wäre sicher ungemütlich und eng geworden. „Das ist echter Kaffee!“ stellte Karl fest. „Jop und nachher gibt’s noch lecker Kuchen dazu, darauf freu ich mich schon.“ Ergänzte Rüdiger. Alle sahen ihn verwirrt an. „Du weißt schon das da im Koffer vermutlich irgendwas…. Illegales war, oder?“ fragte ich vorsichtig „Ja, ich denk die schmuggeln echtes Mehl. In den reicheren Vierteln kann man damit jedemenge Kohle verdienen.“ Ein kurzer Blick zu Karl verriet das auch er nicht so recht an die Mehlgeschichte glauben wollte ihm die Vorstellung von einem Stück Kuchen aber nicht missfiel. „Vermutlich rennt nun irgendein armer Kerl auf der Suche nach richtigen Kuchen quer durch die ganze Stadt. Aber solange ich n Stück davon ab bekomm soll´s mir recht sein.“ Meinte er zu Rüdiger und schlürfte genüsslich Kaffee. Das Mädchen hatte es sich bereits im Schneidersitz auf dem alten Sofa bequem gemacht und war, mit dem Laptop auf den Knien, fleißig am tippen.
„Du hast mein Programm weiter ausgearbeitet, oder?“ fragte Rüdiger und sie nickte, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und schaute ihn grinsend an.
„Ok, vielleicht hab ich dich doch unterschätzt und du bist ganz gut.“ Sie hielt ihren Kopf leicht schräg, schaute ihn erwartungsvoll und noch breiter grinsend an. „Du willst das Ich es sage? ….muss ich wirklich?“ Ihrem nicken folgte eine kurze Pause bevor Rüdiger anfing. „Du hast das Problem gelöst an dem ich hing und ähm… ich hatte unrecht als ich behauptet hab du würdest das nie hinbekommen und…. Ähm du bist besser als ähmm… ähmmm… ich dachte“ Er wurde von einer Papierkugel getroffen. „Okay, Okay, du bist besser als….die meisten Männer„ Diesmal traf ein Stück Zucker. Rüdiger sah sich unsicher um, schloß die Tür und murmelte bevor sie etwas Massiveres finden konnte „Ok, ich muss zugeben du hast es besser als ich gelöst. Nun untergrab bloß nicht meine Autorität bei denen. Außerdem hattest du viel mehr Zeit als ich. Und ich sag bestimmt nicht….“
„… das Sie besser ist als du?“ Karl lachte laut los. „Darum geht’s, du hast deine Klappe aufgerissen dass sie es eh nicht schafft wenn du es nicht hinbekommst und nun hat sie es doch gelöst. Nur dein Ego kann’s nicht zugeben. KERLE!“ „Sie hatte viel bessere Bedingungen als ich, dass ist gar nicht vergleichbar!“ antwortete er mir kleinlaut. Ein weiteres Zuckerstück flog durchs Zimmer, anscheinend entsprach das nicht ganz der Wahrheit. „… Du warst besser als ich, ausnahmsweise… Nun hakt nicht auf mir rum, sonst können wir gern zu den Gesprächsthemen von erst zurückkommen. Karl überlegte kurz dann fragte er „An Was für Filme hast du denn im Zusammenhang mit mir gedacht? Kenn ich den?“ „…vermutlich. War aber Situationsbezogen und im Nachhinein nicht mal besonders lustig.“ gab ich unsicher zu. „Ich widerspreche mal. Vermutlich kennst du ihn nicht, ich tipp mal darauf das es ein Film MIT Handlung ist.“ Entgegnete Rüdiger kurz. Karl sah leicht enttäuscht aus als er „Achso“ murmelte. „Und was ist mit deinen Frauengeschichten?“ wollte ich wissen. Karl fing an zu stottern und lenkte das Thema auf Rüdiger. „Wer ist sie denn nun?“ Das Mädchen rollte genervt mit dem Augen sah uns kurz an und tippte. Dann drehte sie den Laptop und wir erblickten youtube und ein Jack Sparrow Fan Video. „*klatsch* “Ich nehme an die hast du auch nicht verdient?” „Nein! Die hab ich verdient!““ sie stoppte das Video an schaute mich erwartungsvoll an. Verdammt, genau die Szene hatte ich im Kopf… wie hat sie das nur gemacht? „Möglicherweise liegst du richtig…“ Ihr Blick wurde etwas schärfer…. „Ja du hast Recht, genau die Szene meinte ich“ Ihr Gesichtsausdruck sagte, na geht doch. „Du hast n völlig falsches Bild von mir!“ beschwerte sich Karl. Doch statt die Situation aufzuklären schwieg er. Kurzerhand wurde der Laptop wieder gedreht, getippt und kurze Zeit später erschien eine Website. „Original Tuppaware? Heißt das nicht… Du hast mit gefälschter Tupperware Hausfrauen über den Tisch gezogen?!“ lachte ich. „*knirsch* Ja ich hatte auch ein Leben bevor ich die wunderbare Welt von Schusswaffen und Sprengstoff entdeckt habe.“ „Aber wer bist du denn jetzt eigentlich und woher weißt du das?“ fragte ich sie.


Sie antwortete nicht, sondern Rüdiger war wohl die Fragerei satt und beantwortete uns meine Frage. "Also. Es ist ne längere Geschichte. Sie ist meine Schwester." Das erklärte immerhin etwas. "Wie ihr bemerkt habt, ist sie genau so talentiert wie ich am Rech-" Ein weiteres Zuckerstück traf ihn. "Gut! Sie ist halt besser als ich. Kommt auch nicht ungefähr, wo sie doch nen IQ, der vielleicht etwas zu hoch für ihr Ego ist." Die Zuckerstücke waren ausgegangen und ein Kulli traf ihn am Arm. "Auf jeden Fall haben wir uns lange nicht mehr gesehen. Hatte mich auch von meiner Familie abgekapselt und nicht sie von mir, wie ich es letztens meinte. Aber ich wollte sie halt schützen, deswegen habe ich es auch so ausgelegt. Jedenfalls starb dann kurz danach unsere Mutter, doch ich entschied mich dagegen sie aufzunehmen. Unser Vater starb schon sehr früh, aber er brachte mir die Anfänge des Programmierens bei und ich ihr bis ich fort ging. Aber anscheint hat sie sich auf die Suche nach mir gemacht und ehrlich gesagt kann ich es ihr nicht verübeln, wir sind halt ganz alleine in unserer Familie.“ Und sie lächelten sich gegenseitig an und er fing an ihr Haar zu zerstrubbeln. „Außerdem konnte sie sich schon damals sehr schnell in die Gedankenwelt von anderen Personen hineinversetzen und sie hat sicherlich alles dafür getan um herauszufinden, mit wem ich zusammen bin und wer diese Leute sind. So hat sie wohl auch meine alten Kollegen gefunden und beschlossen ihnen zu folgen.“ Leichte Bewunderung kam in mir hoch für das Mädchen, das beschlossen hatte Gangster zu Verfolgen um ihren Bruder zu finden, doch innerlich wusste ich, dass ich dies auch für meinen Bruder machen würde. Was macht eigentlich er und meine restliche Familie derzeitig? Wie hatten sie reagiert als ich so wurde, wie ich in der Zukunft wurde? Ein immer stärkerer Drang kam in mir hoch mindestens meinen Bruder zu treffen und zu sehen, was aus ihm geworden ist. Doch konnte ich das wirklich machen? Was würde er denn sagen, wenn auf einmal seine Schwester aus der Vergangenheit vor ihm stände, wo doch nach seinem Wissenstand sie sicherlich tot sein müsste. Mir wurde es schwer ums Herz als ich mir vorstellte, wie sie mein Zukunfts-Ich begraben hatten, aber mit einem leeren Sarg. Würden sie es wirklich verkraften, wenn ich auf einmal auftauchen würde nur um ihnen zu sagen, dass ich nicht wieder kommen würde? Ich glaube nicht. Diese Idee sollte ich so schnell wie möglich wieder vergessen. Langsam wieder in der „Realität“ angekommen sah ich wie Karl seine Hand vor meinem Gesicht wedelte. Als ich wieder reagierte, fragte er mich direkt. „Bist du mit offenen Augen eingeschlafen? Du hattest son abwesenden, entfernten Blick drauf.“ „Nein, nein. Ich hatte gerade nur was gedacht.“ Ich blickte zu Rüdiger und seine Schwester, welche wieder oder immer noch am tippen war. Sie drehte den Laptop wieder um und ich konnte ein Bild mit Personen erkennen, welche mir bekannt vorkamen.

„Blond?! Verdammt sieht das scheiße aus!“ Ich starrte mich auf dem Bildschirm an. Kurze, blonde Haare, etwas zu viel Solarium und braune Kontaktlinsen… die Tarnung war nicht schlecht. Sie zoomte etwas heraus und man erkannte eine Fußgängerzone, voller Menschen. Ich saß mit einem jungen Mann vor einer Eisdiele und machte mich mit Heißhunger über einen Eisbecher her. Klar, mein Ich aus dieser Zeit wußte nichts von meiner Anwesenheit, war dem Tod nur knapp entronnen und ich hätte genauso gehandelt… Ich habe genauso gehandelt nur in der Zukunft, ging es mir durch den Kopf. Meine Familie glaubte ich wäre Tod und ich wollte nicht dass sie trauern obwohl es mir doch den Umständen entsprechend ganz gut ging. Natürlich würde ich sie nicht deswegen in Gefahr bringen wollen, aber mit ausreichender Tarnung in der Anonymität der Großstadt war das Risiko abschätzbar. Ich hätte auch gern meinen Bruder wieder gesehen, nicht nur auf einem Foto und der Eisbecher sah auch lecker aus. Ich beneidete mein zukünftiges Ich, obwohl ich wußte dass das schwachsinnig war, schließlich war ich das ja selber, nur das es alles noch geschehen würde. Doch, würde es das überhaupt mit meinem jetzigen Wissensstand? Wenn ich wüsste, was ich tun oder nicht tun müsste, dann würde ich erst gar nicht gefangen genommen werden. Andererseits passierte diese Szene ja gegenwärtig, also müsste ich denselben Fehler gemacht oder aber keine andere Wahl gehabt haben. Es bestand ja durchaus die Möglichkeit dass mein Wissen meinen Tod verhindert und nur zu einer Gefangennahme, aus der ich anscheinend entkommen war, geführt hatte.
„Was war eigentlich meine offizielle Todesursache?“ fragte ich.
„ Das übliche, du wurdest vermisst, ein Gewaltverbrechen wurde nicht ausgeschlossen und nach einer gewissen Zeit wurde die Suche eingestellt. Zum Schluss hat man auch nicht mehr geglaubt dich lebend zu finden und hat die Umliegenden Gewässer nach deiner Leiche durchsucht.“ Antwortete Karl. Diese Informationen halfen mir auch nicht weiter.
Die Tür öffnete sich und der Mann den der Kofferträger ´Steve´ genannt hatte steckte seinen Kopf in den Raum. „Ähmmm… angenommen jemand hätte Geburtstag, wir würden uns Mehl und andere Zutaten besorgen und einen Kuchen backen… Was wär das denn für einer?“ „Schokokuchen!“ „Käsekuchen!“ „Schwarzwälderkirschtorte“ riefen wir währen Rüdigers Schwester < Zitronenrolle> tippte und den Laptop freundlich lächelnd umdrehte. Steve wurde merklich nervöser und hinter ihm zischte eine Stimme „Unmöglich! Verdammt, wenn wir irgendwo einen auftreiben können sind wir gut aber so viel ist einfach nicht machbar.“
„Wer hat denn Geburtstag?“ wollte Rüdiger wissen. Entweder er hatte das perfekte Pokerface und ließ sich nichts anmerken oder er glaubte die Kuchengeschichte wirklich. Steve schien fieberhaft zu überlegen und meinte nach einer kleinen Pause „Ooops ... ich meine der Prof. hat in zwei Tagen, aber keiner traut sich so wirklich ihn zu fragen was er am liebsten hätte. Er könnte antworten… Außerdem wollten wir ihn auch mal überraschen“ „Er mag sicherlich Käsekuchen“ erwiderte Karl. „Schokokuchen sicher auch“ ergänzte ich „Oder Schwarzwälderkirschtorte“ riefen Rüdigers und auf dem Laptop flackerte < ZITRONENROLLE!!!> in verschiedenen Farben was bei ihr anscheinen visuell lauter Rufen ausdrückte. „Ich glaub ich frag ihn doch mal unverbindlich selber in der Hoffnung das er kein explosives Spezialrezept für uns hat“ murmelte Steve dem der Schweiß auf der Stirn stand kurz bevor er verschwand. „Ob wir den wohl jemals wieder sehen…“ bemerkte Karl sarkastisch. Irgendwie tat er mir Leid. „Wieso hast du hier eigentlich einen so hohen Rang erlangt? Die Kerle scheinen ja zweifellos zum Organisierten verbrechen zu gehören. Nehm das jetzt nicht persönlich, aber ich hab nur meinen Kumpel und deine Schwester als Beispiele anderer PC-Freaks in dieser Zeit und beide scheinen … nun ja nicht unbedingt weniger zu wissen als du.“ Außerdem konnte ich ihn, seit der Kartonsauspacken unverhofft Unterbekleidungsstücken zu Tage befördert hatte, nicht mehr wirklich ernst nehmen. Das sprach ich aber lieber nicht aus. Aus den Augenwinkel sah ich seine Schwester kichern und wurde das unangenehme Gefühl nicht los das da mehr war als bloßes Einfühlungsvermögen.
“Das ist eine laaaaange Geschichte“ kam Rüdiger auf meine Frage zurück. „Zuerst mal bin ich ein begnadeter Progger, du hast eben nur die absolute Elite kennen gelernt und daher fällt der Vergleich etwas verschwommen aus, nur um das mal klar zu stellen.“ <Abgeber> war aus der anderen des Raumes gut lesbar zu vernehmen. Rüdiger ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und erzählte weiter
„Also… es war einmal ein begnadeter Progger der auf der Flucht vor Wächtern und anderen Schergen der Machthaber war.
Und dieser begegnete einen alten Mann der ebenfalls ein paar kleine Probleme mit dem eben erwähnten Gesocks hatte, die aber gemeinsam überwunden werden konnten. Es stellte sich heraus dass der Alte etwas mächtiger als gedacht war.
Der Mann war nicht nur etwas mächtiger als gedacht sondern auch wesentlich Älter und beabsichtigte sich zur Ruhe zu setzen und auf Grund fehlender Nachfolger plötzlich den jungen Progger im Visier hatte.
So einiges in der Hierarchie einer etwas größeren Vereinigung kam auf diese Weise durcheinander, was dem Progger nicht nur Freunde aber im Großen und ganzen doch ein paar Annehmlichkeiten bescherte“ „Mit anderen Worten hast du ohne es zu wissen einem Mafia-Boss das Leben gerettet und bist so zum unfreiwilligen Nachfolger geworden?“ fragte ich leicht verwundert. „So könnte man es auch sagen, aber ich find meine Geschichte schöner“ Anscheinend war er nicht wegen bestimmter Fähigkeiten wichtig gewesen, sondern eher wegen Vitamin B und der einen oder anderen Geschäftsbeziehung. Aber es passte einfach nicht ins Bild mir Rüdiger als Pate vorzustellen, dafür war er… keine Ahnung… es passte einfach nicht. Die Organisation lief weiter wie bisher und er an der Spitze hielt die Drogengeschäfte für Handel mit Mehl. Die älteren und einflussreicheren Mitglieder müssen vor Wut geschäumt haben als plötzlich dieser junge, leichtgläubige Kerl auftauchte und alles nach seiner Nase laufen sollte. Der Messermann und der Kofferträger waren definitiv nicht sehr erfreut gewesen und seinen Anweisungen hatten sie auch eher Zähneknirschend befolgt. Sicherlich hatten sie einiges versucht und als sie ihn endlich los zu sein schienen tauchte seine Schwester auf. Plötzlich war der Gedanke, gleich leckeren und extra für uns besorgten Kuchen zu bekommen doch nicht mehr ganz so verlockend. „Vielleicht sollten wir Steve auch auf ein Stück Kuchen anbieten, wenn er schon mal so lieb ist und welchen für uns und den Ooops Kerl besorgt“ schlug ich vor. „Der Ooops-Kerl zieht es vor Professor oder einfach Prof genannt zu werden. Ansonsten find ich das richtig, ich frag mich nur ob die den heute schon backen wollen bis zu seinem Geburtstag ist der sicher total trocken…“ meinte Rüdiger nachdenklich. Wie es aussah hatten wir den alten Rüdiger zurück, der die einfachen Antworten akzeptierte.
„Nun, zurück zum Ursprungsplan…“ brachte Karl uns die gegenwärtigen Proble wieder etwas näher. Ein Gefährt zu bekommen war mit Rüdiger als Vitamin B hier sicher nicht schwer, dann blieb aber immer noch das Problem mit der Zeitmaschine deren Technologie ich zurzeit nicht in unseren Händen befand. „Das wir genau die Wohnung genommen haben in der er starb hatte einen besonderen Grund, nicht wahr?“ fragte ich. Und wieder spürte ich einen Stich als ich an ihn dachte wie er fiel und ich ihn nicht retten konnte. „Die 1a Aussicht in die Gebäude der Machthaber war ein unschlagbares Argument. Man hätte Informationen über die Gewohnheiten des Wachpersonals und die ein oder anderen Abläufe sicher gut gebrauchen können. Dein Kumpel und Rüdiger wollten sich virtuell den Zugang ins Gebäude verschaffen und die Sicherheitssysteme kalt stellen. Ich wäre dann für den freien Weg im RL zuständig gewesen.“ erklärte Karl. Mein Kumpel fehlte nicht nur emotional sondern war auch für die organisatorische Seite des Vorhabens von unersetzbarer Wichtigkeit gewesen. Damals hätte ich mich kaum für den Plan eingesetzt da ich nicht zurück wollte, doch nun stellte die Maschine auch eine Möglichkeit da, meinen Kumpel zu retten. Ich wandte mich hoffnungsvoll an Rüdigers Schwester. „Du bist besser als er, so wie ich das mit bekommen hab aber wie gut bist du? Würdest du dir zu trauen dich da rein zu hacken?“ Sie fing wieder an zu tippen und sammelte anscheinend Informationen, dann überlegte sie einen Augenblick. <Ja> erschien auf den Bildschirm und ich war sichtlich erleichtert. „Sag mal Rüdiger, dein Prof hat doch sicherlich auch n paar nette Spielsachen entwickelt die Karl interessieren würden, oder?“ Ein seeliges Lächeln breitete sich auf Karls Gesicht aus. „Woran denkst du grade?“ „CD´s…“ antwortete er mir leicht abwesend. Durch die Glasfront der Tür sahen wir Steve leicht verrußt vorbeieilen. „Hey, Steve kannst du uns zu den Lagerräumen vom Prof führen?“ Statt zu Antworten beeilte er sich und verschwand um die Ecke. Zu unserem Glück hatte Rüdiger aber schon den Messermann erspäht. Zähneknirschend aber ohne Kommentar geleitete er uns in einen großen Lagerraum mit vielen kuriosen Gegenständen. „Ne Kaffeemaschine?!“ fragte ich erstaunt und hatte schon die Hand ausgestreckt als Rüdiger stopp schrie. „Das WAR mal eine Kaffeemaschine bevor der Prof sie repariert hat. Jetzt ist es ein Kampfroboter der durch den Vorgang des Kaffeebohnenmahlens seine Energie gewinnt und durch uns nicht nachvollziehbare Vorgänge aus Kaffee Säure herstellt die er in der Gegend auf alles was sich bewegt abschießt. Hat letzten Herbst unser Hauptquartier 7 in Schutt und Asche gelegt. Dabei war sie noch nicht mal kaputt, es hätte nur Wasser nachgefüllt werden müssen *seufz*“

„Weiter geht’s.“ trieb uns der Messermann voran durch die vielen Regale. Kurze
Zeit später waren wir in eine Art Labor angekommen, wo man hinter einer Glasscheibe den Prof am Werkeln sehen konnte an einer Bowlingkugel. Rüdiger klopfte vorsichtig an die Scheibe damit der Professor sich nicht erschrickt, doch trotz der Vorsicht sprang der wie wild hoch und stupste dabei die Bowlingkugeln von seinem Podest um. BOOM!!! Der Raum explodierte, doch das Glas und das Mauerwerk hielten auf unglaublich stand, die Scheibe war zwar hin, aber kein Loch war zu erkennen. Auf der anderen Seite war nix außer Rauch zu sehen, einen Blick zum Messermann zeigte ein Grinsen, das jedoch in dem Moment verschwand, als eine Hand gegen die Glasscheibe klopfte. Leicht vernahm man ein „Ich bin noch da.“ Rüdiger und Karl rannten um die Ecke und holten den Prof aus dem Raum heraus. Voller Staub und fast komplett schwarz schleiften sie ihn zu uns, doch richtige Verletzungen schien er auf wundersamer Weise nicht davon getragen zu haben. Ein sehr komischer Typ.
„Ooops.“ Alle zusammen schüttelten wir den Kopf. Karl, der ja eh nun leicht den Anführer manchmal herausließ ließ den Prof gar nicht weiter zu Wort kommen, sondern fragte direkt nach den Boom-CDs. „Ich hab davon einen ganzen Karton voll, liegen da hinten in der Ecke.“ Ein knappes Danke entfuhr es Karl ehe er sich auf den Karton stürzte und ihn langsam und vorsichtig hochnahm. Ohne sich umzudrehen ging er schon in Richtung Lagerhalle und rief uns nur ein „Kommt schon! Wir haben noch viel zu tun.“ zu. Anscheint war es all zu erpicht darauf, die CDs endlich unter Realbedingungen zu testen. Doch irgendwie war mir das innerlich sogar ganz recht, wenn wir so wenig Zeit wie möglich verplempern würden, denn so könnten wir umso schneller meinen Kumpel retten und endlich dieses ganze Zeit-Chaos wieder hinbiegen. Doch mir grauste es schon davor wie viel Zeit wir benötigen würden um das Regierungsgebäude zu observieren, damit wir auch einbrechen können. Ursprünglich sollte das ja alles innerhalb weniger Tage von statten gehen, doch durch die ganzen Veränderungen, wie sollten wir das schaffen?
Zusammen folgten wir Karl, der schon durch die Lagerhalle war in Richtung „Gemeinschaftsräume“, nur der Prof blieb zurück, der sich wohl wieder direkt an die Arbeit machte. Doch anstatt Karl schon am Vorbereiten vorzufinden, hatte er sich hingelegt in eins der drei Betten, die uns das Mädchen schon vorher gezeigt hatte. „Wir sollten uns ausruhen.“ meinte er nur durch die offene Tür. Nach ein paar Stunden Schlaf machen wir uns dann direkt an die Arbeit würde ich sagen, umso schneller wir machen, desto besser würde ich sagen. Rüdiger und ich versuchten erst gar nicht zu argumentieren und legten uns ebenfalls hin. Rüdigers Schwester wünschte uns noch eine <Gute Nacht> und verschwand in einer der Korridore, allerdings nicht ohne Rüdiger noch einen Kuss auf die Wange zu geben. Wir beide legten uns dann ebenfalls in jeweils eins der Betten in den kleinen gemütlichen Räumen und schlossen allesamt die Türen. Karl hatte Recht, wir alle brauchten ein bisschen Schlaf für die nächsten Tage und außerdem war langsam aber stetig eine gewisse Müdigkeit in meinen Körper gekrochen, die jetzt die Oberhand übernahm. Ohne mich noch auszuziehen oder sonst etwas zu machen viel ich gerade zu aufs Bett und pennte direkt ein.
 
Plötzlich stand mein Kumpel vor mir, doch in dem Moment wo ich ihm in die Arme fallen wollte veränderte der Boden sich. Er streckte die Hand aus doch kurz bevor ich ihn erreichte began er zu fallen. Ich schreckte hoch, alles nur ein Traum. Nein, es war nicht nur ein Traum, er war Tod. Ich ließ mich zurück ins Bett fallen und weinte in mein Kissen. Ich weiß nicht wie lang ich weinend im Dunkeln gelegen hatte.
"Ich versteh ja dass du sie erst schlafen lassen wolltest, schließlich muss sie megaerschöpft gewesen sein, aber das is ne Ewigkeit her. Du glaubst doch nicht ernsthaft dass sie wirklich noch schläft." Meine wurde Tür leise geöffnet und Rüdiger steckte seinen Kopf hinein. Ich wollte nicht das die beiden mich so sahen, wusste nicht was ich sagen sollte und wollt einfach mit meinem Schmerz allein sein. Also hielt ich die Luft an um das Schluchzen zu unterdrücken und stellte mich schlafen. Noch viel leiser schloss sich die Tür wieder und vom Flur her drangen geflüsterte Wortfetzen ins Zimmer. "Du hast Recht, die pennt ja wie ein Stein ist gleich wieder Abend. Aber... Ich weck sie nicht!" Die Stimmen entfernten sich und ich war wieder alleine. Dachte ich zumindest, bis sich eine Hand auf meine Schulter legte. Als ich aufsah saß Rüdigers Schwester auf der Bettkante und sah mich besorgt an. Ich drückte mich an sie und weinte. Sie stellte keine Fragen wollte keine Erklärung sondern war einfach nur da. Alles was ich noch wahrnahm war ihre Wärme, ihr Herzschlag, ihr gleichmäßiges Atmen und es war als ging es auf mich über. Als ich mich beruhigt hatte strich Sie mir eine Haarsträhne aus meinem verheulten Gesicht und flüsterte "Die anderen warten schon, ich bin mir sicher du siehst ihn bald wieder." Dann löste sie die Umarmung stand auf und ging zur Tür. "Woher weißt du... Halt Moment, du kannst sprechen!?!" rief ich ihr hinterher. Doch sie lächelte nur und verschwand aus dem Zimmer. Ich stand auf und wollte ihr hinterher laufen doch sie war im Flur nicht mehr zusehen. Als ich den Gemeinschaftsraum betrat fand ich alle kuchenessend vor. "Guten Morgen Dornröschen, wir haben schon gedacht du wachst garnich mehr auf" begrüßte Karl mich. "Haben uns schon sorgen gemacht und wollten Emma als Weckservice losschicken aber nu bist ja doch wach" Emma, ich sah zu Rüdigers Schwester, so hieß sie also. Aber warum wollten... Sie war doch bei mir? Sie strahlte zurück und deutete Kurz auf den Tisch. < Gibt Zitronenrolle, Schokokuchen und diverse andere Spezialitäten, die wollten dir schon alles wegfuttern^^>

 

Verwirrt setzte ich mich zu den Anderen an den Tisch und aß erstmal ein Stück vom Schokokuchen links neben mir. Genau so wie in der Vergangenheit schmeckte er ausgezeichnet, doch plötzlich erinnerte ich mich, dass alles vergiftet sein könnte. Langsam schluckte ich den letzten Bissen herunter und fragte Rüdiger mit einem komischen Gefühl in der Magengegend „Habt ihr die Sachen…“ Ich deutete auf die Kuchen vor mir auf dem Tisch. „Habt ihr die auch überprüft?“ Rüdigers Mund klappte auf und er schaute verängstigt auf sein Stück Kuchen in der Hand. Mein ungutes Gefühl explodierte geradezu bei seinem Anblick und ich konnte fast spüren wie das vermeintliche Gift von meinen Magen aus durch den Körper strömte.  In diesem Moment fing Emma an unheimlich zu kichern, dass die Hälfte ihres Kuchenstücks aufn Boden landete. Und Als Karl und letztendlich auch Rüdiger anfingen zu prusten, wurde mir eiskalt klar, dass er mich verarscht hatte. DER PENNER!!! Karl presste durch das Lachen ein „Dein Anblick… köstlich“ durch die Lippen, während mir wieder Farbe ins Gesicht schoss und ich mit einer schnellen Bewegung Rüdiger mein Kuchenstück ins Gesicht warf. Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet und flog dabei geradewegs vom Stuhl runter mit dem Rücken auf den Boden, bei seinem Anblick platzte auch bei mir innerlich ein Lachgasballon und ich fing an zu kichern wie lange nicht mehr, so wie es mir vorkam. Es war regelrecht erlösend und alle Sorgen waren immerhin für einen kurzen Augenblick wie weggeblasen. Allein durch den Gedanken daran, das ganze Abenteuer bis jetzt einfach irgendwie überlebt zu haben, durchströmte ein wunderbares Glücksgefühl meinen Körper und keimte in mir neue Hoffnung für die Zukunft und den wundervollen Gedanken an meinen wartenden Kumpel in der Vergangenheit.  Der Alptraum von vorhin verblasste und wurde in einer der hintersten Ecken meines Gedächtnisses hinter 20 Stahltüren verschlossen, vergraben und vergessen.

 

Nach einer kleinen Ewigkeit des Friedens startete eine wahre Essenschlacht zwischen uns Vier, wobei Emma sich zu mir gesellte und wir uns mit Kuchen bepackt hinter ein Sofa Deckung suchten. Karl und Rüdiger waren mit dem Tisch der anderen Kuchen wesentlich besser bewaffnet, doch wir Mädels ließen uns nicht unterkriegen und so kam es nach einer halben Stunde zu einem fairen Unentschieden, nachdem alle Munition entweder an der Wand, auf dem Boden oder im Gesicht hing. Das Männerteam war komplett von oben bis unten eingesaut, wogegen wir mehr Kuchen im Gesicht abbekommen haben. Danach hieß es erstmal für alle duschen und Klamottenwechsel.

 

Von der warmen und erfrischenden Dusche gestärkt, sammelten wir uns wieder auf dem vorherigen Schlachtfeld, doch dies sah wieder so aus wie vorher. Emma hatte kurzerhand mit dem Laptop aufgeräumt, beeindruckend wie Karl und ich feststellten. Rüdiger sagte dagegen lieber nichts und schmollte leicht vor sich hin auf dem Sofa, was vorher uns Mädels als Deckung diente. Emma und ich führten ein paar Mädelgespräche in einer Ecke, während Karl mit seinen neuen CDs spielte und Rüdiger seinen PDA quälte. Nach kurzer Zeit kam dann allerdings der Startschuss von Rüdiger, es sollte endlich losgehen und er erklärte uns, was wir zu tun haben. „Also wir werden gleich alle zum Regierungsgebäude fahren und das mal unter die Lupe nehmen, dass Einzige was wir wissen ist, dass unter dem Gebäude sich irgendwo die Maschine befinden muss, in einen der unterirdischen Labors. Aber selbst das muss nicht stimmen, die Informationen sind alle recht vage und könnten auch gezielte Verwirrungstaktiken sein. Deswegen werden Karl und ich uns von den Dächern der umstehenden Gebäude uns ein Bild von den Leuten machen, die man so sehen kann. Es ist alles möglich, also haltet alle die Augen offen! Emma, du hackst dich in deren System ein und du…“ Ein Blick zu mir. „Ähmmm… für dich überlegen wir uns noch was…“ Ein verschmitztes Lächeln huschte über seinem Gesicht. „Dein Gesicht bzw. das der jetzigen Zeit ist denen sicherlich bekannt und damit…“ Wieder das Lächeln. „Ähmm… bleibt wohl dir nur noch die Aufgabe des…“ Ein kleines Räuspern. „Also… du hütest das Auto.“ „DAS AUTO HÜTEN???“ entfuhr es mir etwas lauter. Rüdiger wurde etwas nervöser nach diesem kurzen Wutausbruch, doch er bestätigte noch mal in einem ruhigen Ton meine Aufgabe „Ja, das Auto hüten.“ Ich sendete Rüdiger einen Todesblick, der auch Wirkung zeigte, denn  seine kurze Ruhe wurde weggeblasen. Karl schien sich ein Grinsen nicht verkneifen zu können, doch noch einem kurzen Blick meinerseits war das Grinsen auch verschwunden. „Also…“ Ich versuchte die Worte möglichst klar und deutlich auszusprechen um meine Position zu verdeutlichen. „Ihr wollt tatsächlich, dass ich das Auto hüte?“ Keine Antwort. Doch bevor ich mich auf Rüdiger oder Karl werfen und sie würgen könnte, machte sich Emma bemerkbar und zeigte auf ihren Laptop, auf dem <Mit dem neuen Programm sollte man sogar die Sicherheitssysteme der Behörden austricksen können> erschien. Ein freundliches Lächeln kam von ihr zu mir herüber. Immerhin verstand sie, wie ich mich fühlte und das ich nicht einfach so herumsitzen kann, wenn es losgeht. Karl und Rüdiger fingen ebenfalls an zu Lächeln, doch es wirkte etwas zu künstlich. Emma tippte erneut und erst erschien der Text <Am Besten sollte sie das Gebäude von Innen auskundschaften.> und dann <Sie als zierliche, kleine Person fällt auch nicht so auf, wie ihr beiden Halbschränke :P>.

 

Der Plan stand also, nun sollte auch die Ausführung so schnellst wie möglich folgen, damit wir keine Zeit mehr verplempern. Also ging es mit den Vorbereitungen los und wir zogen uns alle andere Klamotten an, denn in dieser Zukunft wird auch die Kleidung zu den Gesichtern gespeichert. Karl und Rüdiger wirkten nach einer kurzen Umziehphase mit ihren langen, schwarzen Mänteln, den Sonnenbrillen und den Stiefeln wie Neo aus Matrix. Es war schon fast zu dick aufgetragen, immerhin sollten wir ja nicht auffallen, aber in dieser Zeit waren diese Klamotten Mode und somit würden sie perfekt untertauchen. Emma brauchte sich nicht umziehen, da ihre Klamotten irrelevant waren, da sie direkt vom Auto aus das Behördensystem infiltrieren konnte. Mein Outfit spiegelte sehr gut das Image der grauen Maus rüber und mit dem von Emma modellierten und programmierten Gesicht, was ich sozusagen anzog, war die Tarnung dann auch  perfekt. Jedenfalls erschien mir die Tarnung perfekt, denn als ich in den Spiegel sah, stand dort eine Person, die zwar das machte, was ich machte, aber so wenig nach mir aussah, wie Cher und Janet Jackson. Hoffentlich hatte Emma Recht und das System würde mein tatsächliches Ich nicht erkennen, weil sonst hätte ich ein schwerwiegendes Problem, alleine gegen das Sicherheitspersonal und den ganzen anderen Leuten eines ganzen Regierungsgebäudes. Waffen für mich waren keine da, immerhin würden die auch auffallen und sonst hatten Karl und Rüdiger draußen immerhin zwei Handfeuerwaffen, aber was bringen die schon. Also würden mir im Falle des Falles nur meine zwei Hände und mein Verstand übrig bleiben, nicht gerade beruhigend. Doch so wie ich Emma bis jetzt kennen gelernt hatte, vertraute ich in ihr Talent und ein bisschen positives Denken half mir auch.

 

Nachdem wir noch mal den Plan in allen Einzelheiten durchgegangen waren, den Rüdiger und Karl weiter ausgearbeitet hatten, und ich den beiden mehrfach versichert hatte, dass ich alles behalten habe, ging es auf in Richtung Messermann, der uns schon ein Auto bereitgestellt hatte. Von Rüdigers “Kollegen“ kam zum Glück keiner mit und auch sonst wussten sie nicht, was wir vorhatten, vielleicht sogar ein Segen für sie. Als alle im Auto fertig angeschnallt waren, wir Mädels durften natürlich hinten sitzen, ging es los ins nächstes Abenteuer… endlich…

 


Kapitel 6: Überraschungen

 

Endlich kamen wir der Rückkehr meines Kumpels ein Stückchen näher. Ich wusste nur nicht, wie ich die anderen Überzeugen sollte ihn zurück zuholen statt mich zurück zu schicken. Aber bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche müssten wir ja erstmal die Technologie in den Händen halten. Jetzt gab es erstmal wichtigere Probleme zu lösen. Das Auto bog nach rechts ab und das Gebäude welches ich damals aus dem schmutzigen Fenster des Appartements gesehen hatte tauchte auf. Ein stählerner kalter Klotz der die Wolken durchschnitt und in ihnen verschwand. Ich suchte mit den Augen DAS Fenster und fand es. Es war viel Höher als ich es in Erinnerung gehabt hatte, aber nicht mal annährend so unendlich wie in meinem Traum. Langsam folgten meine Augen dem Weg nach unten und es war mir als könnt ich seinen Schatten an der alten Fassade entlang fallen sehen. Auf dem Bürgersteig verharrte mein Blick einen Moment.
Ich sah sie. Vom Regen der Nacht verwaschen und vom Wind verwischt, nur groben Umrisse als Kennzeichen des Unaussprechlichen.
Kreidestriche, dass letzte was von meinem Kumpel über geblieben war.

Wieder musste ich schlucken und gegen die Tränen kämpfen. <*stubs*> kam es von Emma und dann tippte sie <Du hast wunderbare Erinnerungen an ihm und wenn alles gut läuft kannst du ihn schon bald wieder in die Arme schließen>. Da standen wir also, 4 Rebellen vor dem Gebäude, die Machtzentrale eines Systems, das ich nicht mal kannte und trotzdem bekämpfen musste um an die benötigte Technologie zukommen. Der Eingang wirkte riesig und ich kam mir auf einmal sehr klein vor. Leise kamen die ersten Selbstzweifel auf und ich fragt mich auf was ich mich da eingelassen hatte. Ich könnte sterben, wenn ich Glück hatte aber nach allem was ich gehört hatte stand mir wesentlich schlimmeres bevor falls sie mich schnappen sollten. Aber es musste sein, denn eine andere Möglichkeit gab es nicht. Wieder stupste mich jemand in die Seite. <Kannste sicherlich brauchen, verschafft dir nen blenden Auftritt wenn du in Schwierigkeiten bist. Damit kannste die Kerle erst mal verwirren.> Emma zwinkerte und drückte mir einen pinken Lippenstift und einen Schminkspiegel in die Hand. Ich sah sie komisch an und stellte mir vor von Sicherheitspersonal umstellt zu sein und das einzige was ich tun konnte war mich schminken. Auf diese Art und weise wollte ich meine Verfolger eigentlich nicht abschütteln. Als mein verständnisloser Blick sie traf fügte sie hinzu: < Hab ich beim Proff mitgehen lassen.> Dann summte sie eine mir bekannte aber ich konnte sie nicht zuordnen. Sie lächelte und ließ meine nicht gestellte Frage unbeantwortet. „Das Gebäude wird sicher gut überwacht und wenn wir Kontakt aufnehmen müssen, wirkt es vermutlich verdächtig wenn du mit dir selber redest. Der Spiegel überträgt dein Bild und da ihr Frauen beim schminken sowieso immer so komische Grimassen zieht…. Außerdem kann ich seit der großen letzten großen Energiekrise wunderbar Lippen lesen.“ Fügte Rüdiger mit einem Zwinkern in Emmas Richtung hinzu. Sie lächelte zurück und strich behutsam über ihr Laptop. Verwundert stellte ich fest dass weder sie noch ihr Bruder bisher Gebärdensprache benutzt hatten und fragte mich wie sie sich wohl als Kinder verständigt hatte, bevor sie schreiben konnte. Doch als ich die Frage gedanklich grade möglichst sensibel formuliert hatte hielt unsere Auto an.
„Na bist du bereit?“ meldete sich Karl zu Wort. Ich seufzte. „Natürlich bin ich bereit! Wir haben das alles bis ins Kleinste Detail durchgesprochen und zwar mehr als einmal. Ich soll einfach nur mit dem versteckten Mini-Scanner durch die relevanten Stockwerke laufen und dabei möglichst kein Aufsehen erregen. Die Daten wertet ihr hier aus um einen Überblick über Fluchtmöglichkeiten Wachpersonal und weiß der Teufel was, habt und wenn ich am richtigen Raum vorbei bin, gebt ihr mir das Zeichen und ich zieh mich zurück. Hab ich was vergessen? Ach ja und nicht auf Alleingängerin machen und das Ding selber stürmen“ Beide starrten mich fassungslos an. „Ich würd nie auf den Gedanken kommen das alleine durchziehen zu wollen. Außerdem weiß ich ja nicht mal wie die Zeitmaschine aussieht und wie man sie bedient.“ „Das ist eigentlich gar nicht so schwer…“ begann Rüdiger.
 „Aber auch gar nicht so wichtig also halt dich an unsere Abmachung. Wir übernehmen den Rest.  Du verschwindest erstmal von der Bildfläche. Verbarrikadier dich im Frauenklo, such n Kaffeeautomat und trink n Cappuccino oder mach sonst was aber komm uns nicht in die Quere. Es wird definitiv scharf geschossen. Wir dringen ins Stockwerk ein, schalten die Wächter aus, Emma kümmert sich um die aufgespürten Kameras und Co. Durch den Scanner kann Sie deinen Aufenthaltsort ausfindig machen. Dann nehmen wir dich und ein paar andere, damit es nicht so auffällt, als Geisel. In der Zeit hat Emma sicher die Zugangscodes für den relevanten Raum geknackt. Wir stecken dich da rein, du kehrst in deine Zeit zurück und wir erledigen hier noch ein paar wichtige Sachen. Wenns klappt ist wieder alles paletti.“

„Ich will aber nicht zurück, ich will hier bleiben und ihn retten!“ protestierte ich Lautstark. Die beiden Kerle sahen sich genervt an. „Geht das schon wieder los? Du gehörst in deine Zeit und kannst dort ohne Zeitmaschine alles ändern was in der Zukunft, also jetzt hier, geschieht. Er lebt in der Zeit noch und falls du in der Zukunft wieder vor einem Fenster mit ihm stehst, erinnern ihn dran weiter zu springen, dann klappt das schon.“

Er hörte sich fast wie mein Kumpel an, der ewige Optimist. Eigentlich wusste ich dass die beiden Recht hatten aber ich wollte ihn zurückholen und hier bleiben. Hier schien so viel mehr möglich zu sein als in meiner Zeit. Auch wenn mir mein Studium viel Bedeutet hat konnte eine Kristallographievorlesung über diese verdammten Bravais-Gitter dem Rebellendasein und dem Kampf gegen ein anscheinend böses System, nicht das Wasser reichen. Es war alles so unwirklich und eben nicht dieser immer gleiche Alltag in dem man ständig nur aufs nächste Wochenende wartete.
Aber jetzt mit den beiden weiter zu diskutieren hatte keinen Sinn. Erstmal mussten wir die Technologie in unseren Händen haben und bis dahin wär mir sicher auch was eingefallen. Bevor ich ging drückten die beiden mir noch einen Knopf in die Hand. "Hiermit kannst du unsere Antworten hören, aber da wir nicht sicher sind ob Funk abgefangen wird oder diese leisen Geräusche vielleicht auch aufgezeichnet werden können, ist er nur für den absoluten Notfall." bekam ich noch zu hören als ob mir das nicht selber klar gewesen wäre.
Unser Parkplatz war nicht weit entfernt vom Eingang trotzdem kamen mir die Meter wie Kilometer vor. Meiner Meinung nach wären meine ausgelatschten Stiefel keine Gefahr für meine Tarnung gewesen aber ich wurde einstimmig überstimmt. Ich hasste diese Klamotten schon jetzt, besonders die Schuhe. Hohe Absätze wären ja kein Problem gewesen aber die Pfennigabsätze die dauernd in den Fugen des Gehweges hängen blieben waren ätzend. Dazu dieser graue Anzug mit Schulterpolstern *würg*. Kein wunder das Emma auf die Schuhe bestanden hatte ich sollte ja unscheinbar aber nicht wie ein Kerl aussehen, was dann ja schon wieder auffällig gewesen wäre. Fluchend stolperte ich zum Eingang und mit einem surrenden Geräusch schaltete sich der, an der Schutzweste befestigte Mini-Scanner ein. Als ich grade die Eingangstür öffnen wollte kam mir ein junger Mann der grad das Gebäude verlassen wollte zuvor. Ich bedankte mich fürs Tür aufhalten und wollte eintreten als er plötzlich meinte „Hören Sie auch dieses surrende Geräusch?“ Ich stotterte „Ähmmm mein Handy, wo hab ich es denn…“ und wollte so tun als suchte ich danach. Doch da musste ich feststellen dass mein Anzug nur die eine Tasche hatte, in der ich den mysteriösen Lippenstift samt Schminkspiegel aufbewahrte, die sich natürlich auch noch gut abzeichneten und nicht wirklich nach Handy aussahen.. Ich trug auch keine Handtasche bei mir und. lief knall rot an. Der verwirrte Gesichtsausdruck seinerseits verwandelte sich in ein Grinsen. Als er verschwand wünschte er mir noch einen angenehmen Tag und konnte sich das Lachen dabei kaum verkneifen. Kaum war er weg wurde der Scanner auch leise. Von wegen der ist nur für ein paar Sekunden hörbar und bis ich bei der Tür bin sicher im Normalbetrieb! Ich hoffte das würde der einzige Fehler der beiden bleiben. Alles in diesem Gebäude schien überdimensional groß zu sein, die Decke im Eingangsbereich war in Form einer Kuppel, mindestens 8 m hoch und erinnerte eher an eine Kirche als an ein Regierungsgebäude und stellte einen absoluten Kontrast zu dem eckigen erscheinen des Äußeren da. Haben sicher  enorme Heizkosten, dachte ich während ich mich auf die Suche nach einem Fahrstuhl machte. Ich musste in den 707 Stock und schauderte als mir bewusst wurde das der Taipei mit seinen 101 Stockwerken in meiner Zeit so weit ich mich erinnern konnte der weltgrößte Wolkenkratzer war. Wie konnte es sein das die Technologie in so kurzer Zeit solche Sprünge gemacht hatte? Eigentlich müsste das Gebäude damals schon lange im Bau gewesen sein, sonst wär das schlichtweg nicht möglich. Auch das Tempo der Fahrstühle überraschte mich aufs Neue, denn kaum hatte sich die Tür geschlossen und sich in Bewegung gesetzt, da stoppte er auch wieder. Ein lautes *pling* ertönte und vor mir lag das Stockwerk 707. So unauffällig wie möglich schritt ich den Gang entlang. Mit dem bloßen Augen konnte ich weder Kameras noch Sicherheitsleute erkennen. Einfach nur den Gang abzulaufen sollte nicht so schwer sein, also stöckelte ich so selbstsicher wie möglich los. Der Flur schien endlos lang zu sein und ich vermisste meine Stiefel mit jedem Meter mehr. Als ich das Ende des Ganges erreicht hatte erhob sich eine breite Stahltür vor mir. Ein kurzer Blick auf den Irisscanner genügte und ich wusste bevor das verabredete Signal kam, das es sich im die richtige Tür handelt. Ein Irisscanner, mist! Passwörter knacken wär für Emma ein leichtes gewesen, aber wo her sollten wir nun ein passendes Auge bekommen. Meine Verbündeten auf dem Parkplatz hatten die Daten sicher auch grad bekommen und standen wahrscheinlich grad vor demselben Rätsel. Ausnahmsweise wollte ich mich jedoch mal an den Plan halten und mich erstmal zurückziehen. Ich hatte bereits umgedreht und war auf dem Weg zum Fahrstuhl als mir der Mann vom Eingang begegnete. „Was machen Sie denn hier und was haben sie da in der Tasche?!“ Ich umschloss den Lippenstift und hoffte Emmas Versprechungen würden im Notfall helfen. „Ach das ist nur Schminkkram. Ich wollte zu… *aufs Namensschild an der Tür vor mir schiel* … Herren Spakowski. Vorher nur noch kurz Make-up auffrischen.“ Ich schraubte den Stift auf und lächelte ihn demonstrativ an. „Das ist ja höchst interessant… Darf ich vorstellen, mein Name ist René, René Spakowsky und von einem Termin mit ihnen würde ich wissen. Können sie mir einen guten Grund nennen nicht den Sicherheitsdienst zu rufen?“ Mein aufgesetztes Lächeln verschwand sofort und meine Gedanken begannen zu rasen. In diesem Moment kam mir die Melodie wieder in den Sinn und ich hatte die Lösung. Ich lächelte ihn an, setzte den Lippenstift an und schloss die Augen. Trotz der geschlossenen Augenlieder merkte ich wie es um mich rum verdammt hell wurde. Als ich sie wieder öffnete lag der Mann bewusstlos auf dem Boden. Im Ohr hörte ich ein knarzendes Geräusch und Rüdigers Stimme ertönte. „WAS IST BEI DIR LOS?!“ Wortlos klappte ich den Spiegel auf und richtete ihn auf den bewusstlosen Herrn Spakowsky dann auf den Irisscanner. Zum Schluss grinste ich hinein, nun hatten wir das benötigte Auge, samt lebenden Besitzer der vielleicht auch noch die ein oder andere, wichtige Information für uns haben könnte.

 

Es sollte wohl nicht lange dauern bis die Anderen kommen würden, doch bis dahin sah es mit dem bewusstlosen Spakowsky am Boden sehr verdächtig aus, also musste ich ihn irgendwie wegschaffen. Sein Büro war natürlich der beste Platz und so zog ich ihn sehr langsam zur Tür, er war schwerer als er aussah und da ich nun ja nicht gerade sehr muskulös war und bin, war der Erfolg groß als ich ihn endlich an der Tür hatte. Sie war verschlossen, Mist! Doch den Schlüssel wird er sicherlich am Mann haben, also rann ans Werk und die Taschen durchwühlen. Hosentaschen… nichts. Jackentaschen… nichts. Das kann doch nicht sein, wo sind die verdammten Schlüssel?! Ich wurde leicht nervös. Es blieb nur noch das Hemd… wieder nichts! Verdammt!

In diesem Moment kam ein weiterer Mitarbeiter um die Ecke. Das wird ja immer besser! Verärgert, aber mehr durch die Situation beängstigt, stieg mein Stresspegel in luftige Höhen. Was soll ich machen??? Der Mitarbeiter kam näher und erkannte den bewusstlosen Spakowsky und mich. „Ist ihm was passiert? Kann ich helfen?“ „Nein… Nein… Danke. Ihm ist nur kurz schwindelig geworden und umgekippt, steht gleich wieder auf.“ versuchte ich nervös ihm klar zu machen und dabei die Sicht auf den Bewusstlosen zu verdecken. „Brauch nur ne kurze Pause.“ „Sicher?“ „Sicher.“ Er schien es geschluckt zu haben. Puuuh. Er setzte sich wieder auf und ging weiter, doch nach nur drei Schritten blieb er zu meinem Erschrecken wieder stehen und drehte sich um. „Ist das sein Koffer?“ und er deutete auf einen braunen Kasten am Boden neben der Wand. „Ähhh… ja.“ Er nahm den Koffer und überreichte ihn mir. „Er sieht aber wirklich nicht gut aus. Soll ich nicht jemanden rufen?“ „Nein, nein. Das mach ich schon.“ Ich versuchte zu lächeln, doch es gelang bei einem Puls jenseits von 180 nicht wirklich und wirkte wohl eher wie eine Grimasse. Leicht misstrauisch verließ der Mitarbeiter aber zum Glück uns beide und ich war wieder alleine mit dem Bewusstlosen im Flur.

Der Koffer! Da musste der Schlüssel drinnen sein! Kein Zahlenschloss oder so, welch Glück. In dem Koffer befand sich allerhand Papierkram, mancher sogar mit einem „Streng Geheim“-Aufdruck, doch waren mir Schlüssel gerade lieber. Schon fast am Aufgeben fand ich im Deckelfach ein Schlüsselbund mit fünf Schlüsseln. Mit zitternden Händen versuchte ich einen nach den Anderen auszuprobieren, der Vierte wars. Puuuuh. Das Büro war klein, doch durch die perfekte Raumeinteilung wurde jeder Quadratzentimeter optimal genutzt. An Pflanzen gab es nur eine kleine Jukkapalme, die neben dem Aktenvernichter stand. Jetzt musste der Kerl nur noch hinein. Wieder ging es nur langsam voran,  kurze Zeit später ging die Bürotür mit einem leisen Klicken zu und niemand würde erstmal den Verlust merken, zumindest hoffte ich das. Mein Puls senkte sich wieder in gesundere Bereiche und ich konnte ein bisschen Durchatmen. Für einen Blick in die geheimen Unterlagen müsste ich noch Zeit haben und so öffnete ich erneut den Koffer, setzte mich auf den kleinen Sessel, der hinter dem aufgeräumten Schreibtisch stand und nahm die Papiere heraus.

„Projekt: Z-317. Leiter: René Spakowsky. Das Projekt Z-317 wurde wieder aufgenommen und es gab neue Erkenntnisse über das Raum-Zeit-Kontinuum. 

Durch die Versuchsreiche T-3 konnte bestätigt werden, dass es keine Veränderungen an der heutigen Welt entstehen beim Eingriff in die Vergangenheit. Des Weiteren konnte bestätigt werden, dass die Zeit in der Vergangenheit genau so schnell verläuft, wie in der normalen Zeit. Durch diesen Fakt spielt die Zeit beim Betreten der Vergangenheit die Schlüsselrolle bei dem Wiedereintritt.

Dadurch ist zu vermuten, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, die alle gleichzeitig verlaufen, aber um jeweils eine Millisekunde verschoben sind. Die Theorie besagt auch, dass der Urknall jede Millisekunde in einem anderen Paralleluniversum erneut passiert und damit dieses Universum erschafft.

 Allerdings wurde noch nicht geklärt, ob diese Paralleluniversen alle gleich sind oder Abweichungen aufweisen. Außerdem ist es uns nicht gelungen in die Zukunft zu springen, was vielleicht daraufhin deutet, dass dieses Universum, das Erste ist, was aber bei der theoretischen Unendlichkeit der Universen unrealistisch erscheint. Deswegen entstand eine zweite Theorie, die besagt, dass durch die Zeitmaschine erst andere Paralleluniversen entstehen, doch auch hier grenzt die Vorstellung  schier ans Unmögliche.

Weitere Tests sollen folgen um diese Frage zu klären, die Versuchreihe T-4 ist dabei schon in Planung.“

Irgendwie verstand ich im ersten Moment nur Bahnhof, doch schien die Möglichkeit meinen Kumpel zurückzuholen und in dieser Zeit zu bleiben nicht gestorben. Vielleicht würde Rüdiger mehr aus diesen Sätzen lesen können und deshalb sollte ich den Koffer lieber behalten bis die Drei endlich antanzen würden. Ich schaute auf die Uhr, es waren schon gute 20 Minuten vergangen und eigentlich sollten sie schon längst da sein. Wieder ein leichtes Nervösitätsgefühl übernahm mich. Warum brauchten sie so lange? Was hat das zu bedeuten? Wurden sie erwischt? War vielleicht deshalb noch kein Alarm ausgelöst? Immerhin wollten sie sich den Weg mehr oder weniger frei schießen und der Alarm schien unausweichlich gewesen zu sein. Doch nun fehlte er. Aber vielleicht gab es ja einen stillen Alarm und deswegen hörte man nichts. Ich hatte immer noch den Spiegel in der Tasche, doch schien es für zu riskant zu sein, den zu aktivieren. Wenn sie gefangen genommen wurden, dann würde ich entdeckt werden oder sonst würden sie vielleicht durch mich entdeckt werden. So oder so schien der Spiegel gerade nutzlos. Doch was nun tun? Warten? Handeln? Irgendwann würde Spakowsky wach werden uns bis dahin wollte ich mit den Anderen schon längst woanders sein. Einen Blick auf den Bewusstlosen ließ mich allerdings wieder etwas positiv stimmen. Der wird nicht so schnell aufstehen, dem Prof sein Werk sei dank. Das Zeug des Profs war zwar gefährlich, doch es erfüllte seinen Zweck meist besser als erwartet.

Es klopfte.

Sofort war ich aus meinen Gedanken wieder herausgerissen und in dem kleinen Büro mit dem bewusstlosen Spakowsky, dem Koffer mit den geheimen Informationen und der Jukka-Palme neben dem Aktenvernichter. Was sollte ich tun???

Es klopfte erneut.

Bevor ich überhaupt den Gedanken fassen konnte vom Sessel aufzustehen und noch irgendwie irgendwas unternehmen zu können, wurde auch schon die Türklinke wie in Zeitlupe heruntergedrückt. Atemlos sah ich zu wie die Tür aufging und in dem Türrahmen der Mitarbeiter von vorhin auftauchte. Sehr träge kamen die Worte „Na, geht’s dir besser? Wer war das denn? …“ an mein Ohr und als er abrupt endete und sein Gesicht einen erschreckten Ausdruck annahm, wurde mir bewusst, dass es jetzt zu spät für irgendwelche herbeigezogenen Erklärungen war. Es sah ja auch sehr verdächtig aus, ein bewusstloser Mann am Boden und eine Frau vor einem geöffneten Koffer mit geheimen Informationen in einem Sessel sitzend, die nicht danach aussieht als ob sie etwas rechtens macht. Bevor ich ihm etwas sagen und eine scheinheilige Lüge auftischen konnte, drehte er sich um und rannte los. Geschockt blieb ich sitzen. Es war vorbei! Alles! Er würde den Sicherheitsdienst rufen und die würden mich und wahrscheinlich auch Emma, Rüdiger und Karl festnehmen. Alle Pläne mit meinem Kumpel wieder zusammen zu kommen zerplatzten wie Seifenblasen. Wahrscheinlich würden wir den Rest unserer Leben in einer Zelle in dieser Zeit verbringen, wenn nicht gar Schlimmeres auf uns wartet. In meinen Gedanken gefangen, bekam ich nicht den Tumult im Flur mit, nicht das Geräusch eines auf den Bonden aufschlagenden Körpers und das Schleifen jenes Objektes über den Teppichboden. Erst als die Silhouetten von zwei größeren und einer kleineren, zierlichen Person im Türrahmen erschienen, erwachte ich aus meinen Gedanken über düstere Zellen und anderen unbehaglichen Orten und kehrte in die Realität zurück, in der Rüdiger, Karl und Emma vor mir standen und mich anlächelten. Ohne darüber nach zu denken was ich sagte, kam aus meinem Mund „Ging das nicht schneller?“ heraus. Tränen schossen mir ganz leicht in die Augen, die ich versuchte nicht zu zeigen. Rüdigers Lächeln verschwand „Das war schon schwer genug hier rein zu kommen, da brauchst du dich nicht auch noch beschweren!“ und er betrat den Raum und begutachtete Spakowsky. Karl indessen schleifte den anderen Mitarbeiter, dem etwas Blut durchs Gesicht lief und ausgeknockt wirkte, in das Büro hinein und verschloss die Tür. Emma mit dem Laptop auf dem Arm tippte und beobachtete anhand der Sicherheitskameras die Flure, ihre Fähigkeiten waren wirklich beeindruckend. Sie drehte sich leicht und ich konnte zwischen den einzelnen Bildern der Kameras ein < Gut gemacht! *THUMBS UP* > lesen. Rüdiger fing an zu erzählen was passiert war, während er das Büro begutachtete. „Also… es gab eine kleine Planänderung, dank Emma.“ Er schenkte ihr ein Lächeln. „Zu Karl Verärgernis…“ Dieser brummte kurz. „gab es kein Blutvergießen wie geplant, weil Emma einen Hintereingang entdeckt hatte, der nur durch eine Wache und mehreren Sicherheitskameras bewacht wurde. Emma konnte diese für kurze Zeit so manipulieren, dass wir die Wache einfach K.O. schlagen und eindringen konnten. Von dort an war es relativ leicht bis zum Fahrstuhl zu gelangen, Emma hatte die Kameras im Blick und so wichen wir allen anderen Leuten einfach aus, was aber Zeit kostete. Jedenfalls… nun sind wir hier.“  Und mit einem argwöhnischen Blick zum Boden fügte er hinzu „Und wer ist das hier?“ „René Spakowsky“ antwortete ich „Der Leiter des Projekts über die Zeitmaschine. Hier in seinem Koffer sind Berichte über Versuchsreihen, die sie durchgeführt haben.“ und zeigte ihm die Sachen, die sich im Koffer befanden. Er las die Blätter durch, doch nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, erzählten sie ihm nicht Neues. „Soweit wissen wir auch alles, wir sind auf ähnliche Theorien gekommen. Doch sind sie uns meilenweit hinterher.“ „Warum das denn?“ fragte ich mit einem verblüfften Gesicht. „Nun ja, schau dich an.“ und er lächelte leicht. „Du bist der lebende Beweis. Du existierst in diesem Universum zwei Mal und bis die so was testen werden vergehen Jahre, weil sie sich nicht trauen, dass etwas passieren könnte wie ein großer Knall und das war’s mit allem. Worüber ich mir gerade Sorgen mache ist, dass es schwierig werden könnte, dein Paralleluniversum wieder zu finden. Wir waren ja nur einmal in deiner Zeit, Karl und ich haben sie zwischen deinen Entführungen nicht verlassen, das Portal war die ganze Zeit versteckt geöffnet. Ich hoffe nur, dass die Daten von unserer Zeitreise sich noch im Speicher befinden, allerdings müsste dann die Regierung von deiner Zeit wissen und das bereitet mir auch Kopfzerbrechen. Immerhin könnten sie in deine Zeit eingedrungen sein um die Tests durchzuführen und haben dabei etwas verändert. Nachher haben sie deine Zeit komplett umgestaltet… Aber nein, ich denke zu negativ. Nach den Berichten waren es nur kleine Veränderungen in der Zeit und wer weiß, ob sie überhaupt in deine Zeit gereist sind und nicht in eine Andere. Also keine Sorge. Positiv denken.“

Wie Rüdiger die letzten Worte sagte, wurde mir ganz unheimlich, die Worte waren mir einfach zu bekannt und normalerweise hörte ich sie von meinem Kumpel. Es schien als hätte er kurz Rüdiger übernommen gehabt. Vielleicht hatte aber auch einfach nur sein Denken auf Rüdiger in den letzten Jahren abgefärbt, dennoch war es unheimlich und ein kalter Schauer zog über meinen Rücken. Trotzdem beruhigten mich die Worte ungemein und das Denken an die nähere Zukunft fiel wieder leichter. Ein Gefühl, dass wir es schaffen würden stellte sich in der Nähe der Drei ein, obwohl mir mein Kumpel unheimlich fehlte fühlte ich mich gleichzeitig geborgen und sicher. Irgendwie verformten sich meine Gedanken über Emma, Rüdiger und Karl in ein Bild meines Kumpels, es schien als wären sie alle ein Teil von ihm gewesen und er wäre gar nicht gestorben, sondern hatte sich nur in drei Personen aufgeteilt. Das Bild verflog langsam wieder und es kamen neue Gedanken dazu, die meinen Kumpel komplett verschwinden ließen. Nun waren Taten gefragt. So kurz vor dem Ziel konnten wir uns keine Pause für komische Gedanken leisten, die uns nachher noch aufdecken würde. Doch was tun? Spakowsky wecken und weitere Informationen aus ihm herausholen? Oder einfach loslegen, uns Zugang zur Maschine verschaffen und ab in die Vergangenheit? Innerlich wusste ich die Antwort, sie war die ganze Zeit da und in diesem Moment erschien sie so klar wie nie, dass es überhaupt keine Zweifel gab, was zu tun war.

Kurzerhand übernahm ich das Heft in die Hand und fing an Befehle zu verteilen. „Auf geht’s! Emma, ist der Weg sicher?“ Sie nickte überrascht. „Gut. Karl, nimm du Spakowsky über die Schulter!“ Ebenfalls etwas überrascht kam ein leises „Jawohl.“ zurück. „Und Rüdiger, nimm du den Koffer mit, vielleicht sind noch andere wertvolle Informationen drin. Ok…“ Ich holte kurz Luft. „Dann los!“ Rüdiger öffnete mit dem Koffer in der Hand die Tür zum Flur und luckte in diesen hinein, vielleicht wurden ja die Kameras von der Regierung manipuliert, doch allem Anschein nach, war dem nicht so, denn niemand befand sich im Flur. Rüdiger ging los und Emma, ich und zuletzt Karl mit Spakowsky folgten ihm bis zur Stahltür. Dem armen Karl musste es schwer getroffen haben, denn selbst als Karl ihm gewaltsam das Augenlied hochzog, zeigte er keine Regung. Es funktionierte, ein *Pling* ertönte von der Stahltür aus und eine grüne Lampe über dem Augenscanner signalisierte ebenfalls, dass es geklappt hatte. Doch die Stahltür bewegte sich kein Stück, stattdessen fuhr eine Tastatur aus, die sich vor uns ausklappte und auf eine Eingabe wartete. Jetzt war Emma gefragt. Während Karl Spakowsky wieder zurück in sein Büro brachte, hackte Emma sich in das System ein und versuchte einen Weg drum herum zu finden. Der angestrengte Blick ihrerseits ließ allerdings nichts Gutes verheißen, Rüdiger beugte sich ebenfalls über den Laptop und wortlos kommunizierten beide über das Problem, was sich vor ihnen auf dem Bildschirm ausbreitete. Auch Rüdigers Miene wurde ernster, indessen kam Karl zurück und er wirkte genau so hilflos wie ich in dieser Situation; die wir keine Ahnung davon hatten wie man überhaupt ein Passwort beziehungsweise ein System versucht zu hacken. Die Zeit verrann Sekunde um Sekunde, das Ticken meiner Uhr am Handgelenk schallte schwer durch den Flur, in dem sonst nichts anderes außer das Hämmern von Emmas Fingern auf die Laptoptastatur zu hören war. Die einzelnen Tippgeräusche verschwammen zu einem perfekten Geräuschteppich. Nach gefühlten Stunden der Spannung, zwei Minuten waren es eher, fingen Rüdiger und Emma an zu grinsen und man konnte das Gefühl der Erleichterung, welches von ihnen ausging, beinahe greifen. *Pling* und erneut leuchtete die grüne Lampe kurz auf und die Tastatur klappte wieder zusammen und verschwand in der Wand. Doch die Stahltür blieb immer noch verschlossen und stand unzerstörbar wirkend vor uns Vier und der Zeitmaschine.

Nichts passierte.

Gespannt warteten und warteten wir auf etwas, was nicht eintraf. Die Tür öffnete sich nicht und wir hatten keinen blassen Dunst, was wir nun machen mussten, damit sie die Zeitmaschine preisgeben würde. Emma konnte auch nichts herausfinden und so war der Einzige, der wusste was zu tun war, Spakowsky, der bewusstlos im Büro lag und den Anschein machte, dass er nicht in den nächsten 5 Minuten aufwachen würde, geschweige denn in den nächsten Tagen.

In dem Moment fiel mein Blick wieder auf den Koffer, der immer noch in Rüdigers Hand war und ohne zu zögern entriss ich ihm das Ding, kniete mich auf den Boden und durchwühlte alles nach irgendetwas, was uns helfen könnte. Doch außer den Papieren und zwei Kullis war nicht enthalten, enttäuscht knallte ich den Deckel zu. Emma hingegen schien etwas entdeckt zu haben und kniete sich zu mir hin, nach einem kurzen Blick in den Koffer nahm die zielstrebig das Blatt Papier mit der Aufschrift „Sicherheit im Gebäude“ in die Hand und betrachtete es mit argwöhnischen Augen. Doch ihr Blick galt nicht dem Text, sondern etwas, was ich entweder nicht sehen konnte oder einfach nicht erkannte. Umso länger sie das Blatt ansah, desto zuversichtlicher wurde sie. Mit dem Papier in der Hand setzte sie sich auf und drückte es zur Verwunderung von uns allen an die Stahltür.

Nichts passierte.

Vielleicht hatte sich Emma geirrt und das, was sie gesehen hatte, war für etwas anderes… *Pling*, erneut grün. Ein fernes Klicken ertönte aus der Richtung der Tür und sie glitt ganz behutsam auf und offenbarte den Blick auf einen größeren Raum, der die Ausmaße einer Lagerhalle hatte, was ziemlich ungewöhnlich war, so etwas mitten in einem Regierungsgebäude an zu treffen und nun mit Licht geflutet wurde. Und genau in der Mitte stand seelenruhig die Zeitmaschine, wobei sie nicht direkt wie eine Maschine aussahen, sondern eher wie ein überdimensionaler Spiegel, dessen Fläche allerdings gerade komplett schwarz war. An den Seiten waren mehrere Kabel angeschlossen, die in einem Steuerpult, rund 10 Meter vor dem Spiegel entfernt, endeten.

Es war geschafft! Sie waren so weit gekommen und nun endlich am Ziel, jetzt konnte nichts mehr schief gehen…

WUUUUUUUUUUUUUUUUUM.

Mir wurde schwarz vor Augen, das Letzte was ich sah war wie ich kopfüber durch die Luft in Richtung Boden flog. Alle Luft war aus meinen Lungen gepresst und die Geräusche der Umgebung erklangen dumpf, verzerrt und schienen weit entfernt zu sein. Stimmen - da waren Stimmen, aber ich konnte sie nicht verstehen. War das nun das Ende?

Nein! Ich wollte und konnte einfach nicht so sterben! Und ich würde auch nicht so sterben!

Ich öffnete die Augen und sah Karl und Rüdiger verschwommen auf irgendetwas schießen, Emma hingegen schaute mich mit großen angsterfüllten Augen an, in denen sich schon Tränen gesammelt hatten. Langsam glitt wieder Luft in meine Lungen und mit jedem Atemzug wurde die Sicht klarer und die Stimmen und Geräusche normaler. „In Deckung mit euch Beiden!“ hörte ich Rüdiger schreien, dessen Stimme panisch über die Schüsse herüberflog. Emma schleifte sich mich zu einer Wand, durch die Explosion oder was es war, bin ich wohl in den Raum geflogen und richtete mich halbwegs auf, da ich selbst mich nicht bewegen konnte. „Geht’s dir gut?“ flüsterte sie leise. Knapp antwortete ich nur mit „Ja.“, obwohl es sich anders anfühlte. Sie schaute mir tief in die Augen und dabei entfachte sich in mir eine Art Feuer, was langsam anfing meinen Körper zu übernehmen und mir Kraft verlieh. Emma zog ihren Laptop zu sich und tippte wild drauf ein, anscheint übernahm sie nun die Kontrolle über Selbstschußanlagen und allen anderen, wichtigen Systemen und veranstaltete einen Schlag gegen die bis jetzt noch unbekannten Feinde. Das Feuer übernahm mich nun komplett und ich verfiel in eine Art Raserei. Das Feuer in Verbindung mit den ganzen Gefühlen an meinen Kumpel bildete eine explosive Mischung, die raus musste. Nicht mehr weglaufen, sondern zurückschlagen. Ohne zu wissen, was passierte, richtete ich mich auf und schrie aus voller Seele Karl an, er solle mir eine Waffe geben. Mit einem erschreckten Gesicht, wie laut ich werden konnte, versuchte er nicht mal zu wieder sprechen und warf mir stattdessen eine Waffe zu. Noch im Flug erfasste ich sie und fing an auf die unbekannten Feinde zu feuern, die sich auf dem Flur befanden. Ein unendlicher Hass gegenüber diesen Leuten durchströmte jeden Fitzel meines Körpers und ich würde nicht eher ruhen, so lange nicht alle tot wären. Doch bevor ich meinen Hass komplett ausleben konnte, wurde ich zu Boden gerissen und festgehalten. Ich schrei, biss, kratzte und strampelte mit all meiner Kraft wild umher, doch die Person ließ mich einfach nicht los, egal wie viel sie einstecken musste.

 

Langsam zog sich das Feuer zurück und die ersten klaren Gedanken strömten wie kaltes Wasser in mich hinein. Ich hörte auf zu zappeln und sah mich um. Ich befand mich im Mittelpunkt eines blutigen Schlachtfelds. Auch wenn ich meine Rachegedanken nicht komplett ausleben konnte war der Anblick grauenvoll. Der Teil unserer Feinde, der nicht geflohen war lag mehr oder weniger lebendig in der Gegend rum. Einer der Angreifer der offensichtlich seine Beine nicht mehr bewegen konnte schliff sich keuchend über den Boden Richtung Ausgang und hinterließ eine Blutspur. Als er meine Blicke spürte drehte er sich wimmernd um und sah mir in die Augen. „Bitte…. Ich hab eine Frau und zwei kleine Kinder…“ Überall roch es nach Blut und eine Frage bohrte sich scharf wie ein Skalpell in mein Bewusstsein. War ich das gewesen? Ich kannte die Antwort wollte sie aber nicht hören. In dem Moment erstarrte meine Umgebung. Ich sah Emma vor dem Laptop knien, Rüdiger der mit der Hand auf ihrer Schulter hinter ihr stand und Karls entsetzte Augen die auf mich gerichtet waren. Eine Stimme hinter mir riss mich aus meiner Starre. „Ist es das was du willst? Rache führt nur zu noch mehr Leid.“ Langsam drehte ich mich um und sah was ich mir nicht zu hoffen getraut hatte. Behutsam strich meine Hand über seine Wange. „Ich hab dich soooo sehr vermisst“ stammelte ich schluchzend und schloss ihn in die Arme. Es tat so gut seine Wärme zu spüren und seine Stimme zu hören. „Ich dich auch und ich verspreche dir das wir uns wieder sehen werden“ flüsterte er in mein Ohr als er verschwand.

 

Ich blinzelte und meine Umgebung löste sich aus der Starre die sie gefangen gehalten hatte. Ich schaute mich um doch nirgends war eine Spur von ihm und ich schluckte trocken um die Tränen zu unterdrücken. Doch nicht nur von ihm fehlte jede Spur sondern auch von meinem Vernichtungsschlag. „Wo sind all die Leichen hin?“ fragte ich mit noch leicht schwankender Stimme in den Raum hinein. „Das ist ne gute Frage. Ich würd vorschlagen du sorgst für ein paar es sei denn du bevorzugst Einzelbetten mit Deckel und nen Zettel am Fuß als nettes Accessoire.“ antwortete mir Karl verständnislos und warf mir eine Waffe zu. Ungeschickt fing ich sie und schauderte als sie schwer in meinen Händen lag.

„Ich hab die Steuerung geknackt“ triumphierte eine PC-Stimme und die Eingangstür begann sich zu senken. „Und die Kontrolle über die Selbstschussanlage habe ich auch erlangt muhahaha“ dröhnte es aus den internen Lautsprechern. Als sich tatsächlich eine der Anlagen drehte und auf unsere Angreifer zu schwenkte sahen die sich kurz an und ergriffen die Flucht. Als die Tür fast unten war schlitterte eine Person auf den Knien durch den letzten offenen Spalt und mein Herz machte einen Sprung.

 

Doch als ich grade auf sie zu stürmen wollte richtete sich die Gestalt auf und ich musste einsehen dass ich mich geirrt hatte..

„Strecki?!“ Ich blieb wie versteinert stehen.

“Jaaa? Ich seh schon absolute Wiedersehensfreude….“ Er klopfte sich den Staub von der Hose schüttelte sein Haar zurecht und schaute uns erwartungsvoll an. „Doch ich hab dich nur im ersten Moment für jemand anderes gehalten…“ gab ich kleinlaut von mir.

„Moment mal! Glaubt ihm kein Wort! Und ähm sichert am besten auch den Hintereingang“ kam es aus dem Selbigen. „Strecki?!?! Aber wie….“ Verwirrt sahen wir von Strecki 1 vor uns und Strecki 2 der im Türrahmen des Hinterausganges stand und ebenfalls dabei war sein Haar nach hinten zu werfen, hin und her. „Ich bin der GUTE Strecki“ versicherte uns Strecki 1. „Das kann ja jeder behaupten“ konterte Strecki 2 und plötzlich standen sich die beiden Streckis mit erhobenen Waffen gegenüber. Beide trugen ein Unkopierbar-T-Shirt und die identischen Trinkhörner am Gürtel halfen auch nicht wirklich beim unterscheiden. Unsicher auf wen er zielen sollte nahm sogar Karl seine Waffe runter. *KLACK KLACK KLACK KLACK* Etwas nährte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. Was war das, fragte ich mich. Eine moderne Waffe oder hatten wir ein Sicherheitssystem übersehen? Würde sich gleich der Fußboden in eine riesige Falltür verwandeln und uns mit samt den Streckis verschlucken? Doch noch bevor meine Spekulationen aussprechreif waren hatte das klacken die Hintertür erreicht und eine junge Frau mit spitzen Schuhen erschien.

„Till sag mal TÜDELLÜ!“ Der zweite Strecki rollte nur mit den Augen.

„Tüdeldidü?!“ kam es unsicher vom ersten Strecki.

*BOOOM*

Strecki der Zweite sah verwundert zur Frau im Türrahmen während der erste langsam zusammen sackte.

“Hallo?! Einfach dein Tüdellü zu kopieren… damit ist er zu weit gegangen.“ rechtfertigte diese sich und fügte nach einer kurzen Pause „Huh is mir warm!“ hinzu. “FENSTER AUF!!!“ schrie der übergebliebene Strecki panisch.

Nach dem ein Fenster geöffnet war und Karl an der Hintertür Position bezogen hatte sahen alle mit Sorgenvoller Miene auf Strecki eins hinab.

„Fräulein Liebig, musste das sein?!“

„Er hat das Tüdellü kopiert, dass ist unverzeihlich! Außerdem schläft er nur, noch nie was von Non-Lethal Weapons gehört? So Kiddings und nun erklärt mir erst mal einer von euch was das hier alles soll?“ Ein Räuspern ging durch unsere größer gewordene Gruppe. „Das ist eine laaaange Geschichte….“

“Ich habe Zeit“ antwortete sie ruhig.

„Wir aber nicht, da draußen sind sicher noch einige Wachleute die uns an den Kragen wollen. Sorry Lady aber wenn sie quatschen möchten ist dies ein denkbar schlechter Zeitpunkt.“ bemerkte Karl. „Ihr steht hier vor einer Zeitmaschine und wollt mir ernsthaft erzählen ihr habt keine Zeit für Erklärungen?“ sie lachte herzhaft, setzte sich seitlich aufs Schaltpult und überschlug die Beine. „Man könnt ja fast glauben möchtet nicht mit mir reden. Ich denk wir haben alle Zeit der Welt. Zumindest….“ Sie zauberte eine kleine CD aus ihrem Täschchen „mit der richtigen Software.“

Nun war ich wirklich baff. „Du weißt wie das funktioniert?!“

“Wieso ich? Hallo?!“ *Fingerzeig auf Karl und Rüdiger* „Das sind doch die Experten was Zeitreisen angeht. Sonst packt den Kram einfach ein und wir zerbrechen uns nachher den Kopf“

Ratlos musterte ich den überdimensional großen Spiegel der die halbe Lagerhalle einzunehmen schien. “Wie sollen wir den denn MITNEHMEN?“ fragte ich erstaunt. Das allgemeine Grinsen sagte mir das ich anscheinend irgendwas sehr dummes gesagt hatte, doch ich verstand den Witz nicht, denn im Anbetracht unserer Lage und dem me3hr als vollbesetzten Auto schien meine Frage sehr berechtigt zu sein. „Naja…. Am besten du lässt den Prototypen einfach hier und nimmst dafür das kleine unscheinbare Ding dort drüben mit. Darf ich vorstellen die Time-maschine portable“ verkündete Rüdiger vor einem Regal mit einem kleinen Geräten drauf. „Die ist ja söööß! Dachte das Gerät wär gigantisch?“ staunte ich.

“Wie kommste denn darauf?“ fragte Fräulein Liebig mich lachend und als sie meine auf Rüdiger u Karl gerichtete Blicke auffing schnappte sie ihnen das Gerät vor der Nase weg und meinte zwinkernd „Die haben doch keine Ahnung.“

„Eben waren wir noch DIE EXPERTEN…“ gab Karl geknickt von sich.

„Ja und jetzt wurdet ihr zu Tüten degradiert“ beendete sie den Satz und marschierte mit energischen Schritten auf den Hintereingang zu. Rüdiger stieß mich wütend an und zischte „Wer ist die, wie kommt die hier her und wo läuft sie mit der Zeitmaschine hin? Ich versteh grad nur Bahnhof“

„Und ich versteh nur Tüte, was zum Teufel ist eine Tüte?“

„Du bist eine Tüte!“ schallte es vom Hinterausgang, denn Karl hatte nicht grade geflüstert. “Okay… Ich bin eine Tüte. Ist das nun gut oder schlecht?“ bohrte er weiter. „Kommt ganz auf deinen Standpunkt an“ gab Strecki leise und breit grinsend von sich.“ Fräulein Liebig hatte bereits in der Tür Stellung bezogen und trommelte nervös mit den Fingern gegen den Türrahmen. „Hallo?! Kommt ihr jetzt?“

“Und wer hat dir bitte schön das Kommando übertragen? Wir haben uns hier reingekämpft und nun wo wir am Ziel sind bringst du einfach alles durcheinander!“ maulte Rüdiger der seine Führungsposition in Gefahr sah.

“Naja, ich habe die Software, die Zeitmaschine und gute Argumente. Ihr nicht mal einen ausgereiften Plan und in Anbetracht des Aufsehen, das ihr erregt habt…“sie sah sich im Raum oder besser gesagt, dass was davon übergeblieben war, um „...ist es vielleicht ratsam hier zu verschwinden. Möglichst unauffällig versteht sich und da würde sich diese Tür doch glatt anbieten“ Sie schenkte Rüdiger ein Lächeln und verschwand durch die Tür. Mehr oder weniger erfreut folgt man ihr. Karl schob sich an ihr vorbei und sicherte den Weg, Strecki warf sich seinen Zwilling über die Schulter, Emma klappte ihr Laptop zu und auch ich und Rüdiger machten uns auf den Weg. Plötzlich fanden wir uns in einer Abstellkammer voller Putzutensilien wieder. „Soll das n schlechter Witz sein?“ Karl schaute argwöhnisch an einem Wischmopp vorbei und wurde von Emma in die Seite geknufft. Eine 180 Grad Drehung des Meister Propper Bergfrühlings reichte und unsere Zweifel waren beseitigt. Ein Geheimgang öffnete sich vor uns und wir traten ein. Mein Kumpel schien von der Existenz des Ganges nichts gewusst zu haben, denn sonst wäre die ganze Wohnungssuchaktion auf der anderen Straßenseite sinnlos gewesen. Und er wäre noch bei mir. Ich seufzte und die Traumsequenz kam mir wieder in den Sinn und es schmerzte als ich erkannte dass ich vermutlich nur ohnmächtig gewesen war und phantasiert hatte. Ich versuchte die Gedanken beiseite zu schieben doch es gelang mir kaum. „Wenn ihr die ganze Zeit einen Zugang zu der Zeitmaschine hattet, warum habt ihr sie denn nicht vorher schon geholt?“ wendete ich mich an Strecki. „Drei mal darfst du raten wie du hier her gekommen bist.^^ Aber ich bin Ingenieur und kein Physiker. Solange wir die Teile nur ausleihen forschen die da oben sozusagen für uns weiter und merzen die Bugs aus. Würden wir, so wie ihr es getan habt, da mit Gewalt eindringen könnten wir möglicherweise die Zeitmaschine kurz in unserem Besitz bringen, würden jedoch gejagt, könnten sie nicht selber reparieren und Weiterentwicklungen wären auch abgeschrieben.“ Wir betraten einen größeren Raum und Streckie schloss die Tür hinter uns und schien einige Sicherheitssysteme für draußen an und andere im Inneren auszuschalten. „Und hier wohnt ihr im Moment?“ Fragte ich staunend als ich eine Sammlung von Äxten an der Wand sah. „Nein, wir wohnen hier nicht. Ich wohne hier und die da….ach egal“ Strecki winkte ab.

“Hey Mädels, kommt ihr mit n paar Tüten aufreißen?“ Emma und ich gingen grinsend mit ihr mit und ließen den rätselnden Karl stehen. „Ich glaub das mit den Tüten macht ihn echt fertig“ amüsierte ich mich und füllte die Packung Chips die mir Fräulein Liebig gereicht hatte in eine Schüssel um. „Was der sich wohl grad zusammen reimt? Wenn Strecki ihm steckt das das Wort ursprünglich nicht Tüten sondern Typen war…“ ich musste bei der Vorstellung laut los lachen. Chipsvernichtend begaben wir uns wieder zu den anderen. „Wo wart ihr denn plötzlich abgeblieben?“ wollte Rüdiger wissen. „Hier gibt’s ganz tolle Tüten, wir haben eine aufgerissen und vernascht. Ist nun völlig leer aber wir Mädels waren ja auch zu dritt“ Ich zwinkerte Emma und Fräulein Liebig zu und diese ergänzte „War ganz schön scharf“ Als auf Emmas Bildschirm <und lecker!> aufblinkte fiel Karls Kinnlade gänzlich runter. Rüdiger der sich eher für unsere Schüssel interessiert hatte stellte fest dass bereits alle der extra scharfen Chips den Weg in unseren Magen gefunden hatten. Als er die Hand enttäuscht aus der Schüssel zog lächelte ihn Miss Liebig an. „Ja tut mir Leid Jungs aber für euch ist nichts mehr da zum vernaschen, obwohl, wenn ihr in die Küche kommt ich glaub da wartet noch ne zweite Tüte auf euch… Haben wir extra für euch aufgehoben, genießt sie“ Mittlerweile hatte Karls Kopf die Farbe einer reifen Tomate angenommen und es war ziemlich offensichtlich das er über die Herkunft des Wortes bescheid wusste. „Ok, dann geh ich mal suchen“ verkündete Rüdiger der wie wir von Chips redete. „Wollt ihrs scharf und soll ich für etwas Dipp sorgen?“

“Verflucht was ist los mit euch, bin ich hier der einzig normale oder was?“ brüllte Karl Rüdiger an der die Welt nicht mehr verstand. Emma stellte Demonstrativ die leere Schüssel auf dem Tisch, tippte kurz und zeigte dem verdutzten Karl ein Foto der extra scharfen Chips und neben der Tüte war gut sichtbar eine Schale mit Salsa Dip. Beim vorbei gehen klopfte sie ihm auf die Schulter. „Was war denn eben los mit dir? „ erkundigte sich Rüdiger vorsichtig. „Ähmmm vergiss es, ist nicht so wichtig“ murmelte er zurück und ließ sich aufs Sofa fallen. „An was du gleich wieder denkst! Typisch Kerl“ lachten wir Mädels und ernteten bitterböse Blicke.

 

Ein großer Gähner von mir läutete das Ende des Tages ein. „Sie hat Recht, wir sollten alle ins Bett. Es war ein langer aufregender Tag... Strecki? Hast du Betten oder so etwas?“ fragte Rüdiger. Als hätte es Strecki gewusst, war er gerade dabei in einem Nebenzimmer Decken zu suchen und auf die Betten und Sofas zu legen, die als Einziges sich in diesem Raum befanden, der wohl nur explizit zum Schlafen gedacht war. „Kommt rüber...“ weiß Strecki uns an und wir folgten alle Rüdiger ins Zimmer. Insgesamt waren genau zwei Betten und ein Sofa aufgestellt, also 4 Möglichkeiten zum Schlafen. Doch bevor auch nur Einer fragen konnte, wo der Rest pennen sollte, öffnete Strecki eine weitere Tür, in dessen Raum sich noch mal zwei Sofas befanden. „Hier können die Mädels schlafen, falls jemand uns überraschen sollte, müssen die erst bei uns durch.“ erklärte Strecki. „Und bevor ihr fragt...“ er schaute in die Richtung von uns Mädels „das Bad ist im großen Raum neben der Küche. Ihr könnt euch ja schon mal umziehen und euch zu waschen. Frau Liebig hat sicherlich noch genug an Klamotten dabei, oder?“ Ein leicht verlegendes Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen. „Ein bisschen hab ich noch dabei.“ „N bisschen mehr...“ korrigierte Strecki sie und rollte dabei mit den Augen in Richtung der Jungs.

 

Wir drei Mädels begaben uns dann zum Bad um uns in den Schlafanzug zu hüllen und um Zähne zu putzen. Frau Liebig hatte sehr viele Klamotten dabei und reichten vollkommen für Emma und mich. Wir beide zogen jeweils ein T-Shirt und eine Jogginghose an, ihre Klamotten hatten dabei ein Teddymuster, während meine komplett schwarz waren. Zurück ins Schlafzimmer angekommen waren die Jungs schon in Boxershorts und bereit für die Betten. Anscheint hatten sie auf uns gewartet und dabei über die Ereignisse der Tage geredet. „Dann war sein Tod vielleicht um-... oh... das seit ihr ja wieder.“ Meinte Rüdiger mit einem leicht traurigen Blick. Emma und ich hielten den Mund, doch Frau Liebigs Interesse war plötzlich komplett geweckt. „Wessen Tod? Wer ist gestorben?“ Ich konnte ihr es einfach nicht sagen, zu tief war das Loch in mir, was durch seinen Tod herausgerissen wurde. Stattdessen leuchtete Emmas Laptop auf < Erzähl ich dir gleich... >, diesen hatte sie wirklich überall mit dabei, selbst im Bad lag er auf dem Waschbecken bereit zum Einsatz. Mehrere „Gute Nachts“ wurden ausgetauscht bevor wir die Tür zu unserem Zimmer schlossen und dann in die Betten glitten. Zum Glück musste ich nicht mit anhören wie Emma Frau Liebig alles erzählte, dass hätte ich nicht überstanden. So hörte ich nur die Reaktionen von ihr auf die Textnachrichten, die aufleuchteten und den Raum mit wenig Licht durchfluteten.

 

Ich schlug die Bettdecke fest um mich und starrte in die Dunkelheit hinein, in der ich noch mal die Gestalt meines Kumpels sah. Wieder musste ich tief schlucken als seine Worte „Ich dich auch und ich versprech dir, dass wir uns wiedersehen werden.“ in meinen Ohren klangen und er verschwand. Sollte sein Tod tatsächlich umsonst sein, schoss es mir wieder durch den Kopf und nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Leise heulte ich in meine Bettdecke und hoffte, dass die anderen Beiden davon nichts mitkriegen würden. „Warum heulst du?“ Doch es war nicht die Stimme von einer der Mädels. „Weine nicht, ich bin schneller da als du denkst.“ Flüsterte eine leise Stimme in mein Ohr, die von sehr weit weg zu stammen scheint, während ein Bild von meinem zwinkernden Freund vor meinem inneren Auge erschien. Langsam beruhigte ich mich wieder, in dem ich mich an die Worte klammerte, die mir irgendwie Hoffnung gaben. Stunden vergingen während ich wach im Bett lag und diese eine Stelle der Wand anstarrte, die eine innere Leinwand mit Bildern der vergangenen Tage darstellte. Frau Liebig und Emma schliefen längst, was an deren ruhige Atmung feststellen konnte.

 

Ein leichtes Klicken war zu vernehmen, doch es stammte nicht von den Mädels, sondern von der Tür, die nun leise aufgeschoben wurde. Ich schloss die Augen tat so als ob ich ruhig schlafen würde. Gespannt wartete ich auf weitere Geräusche, die mir etwas über die Person verraten würde, die gerade versuchte unbemerkt bei uns einzudringen. Ganz leise waren Schritte zu hören, die sich um alle Betten bewegten und bei mir direkt vor meinem Gesicht stehen blieben. Die Atmung der Person wurde zu mal schneller. „Ich habe sie gefunden.“ kam es ganz leise, aber erfreut wirkend von ihr. Die Stimme war allerdings so leise, dass ich sie niemanden zuordnen konnte. Wer ist das, fragte ich mich angestrengt, doch die Augen wollte ich lieber nicht öffnen. Sie beugte sich zurück, doch anstatt weiter zu gehen, legte sie sich ohne Bettdecke auf den Boden hin. Ich zuckte als ihre Hand sich auf Meine legte und leicht festhielt. Sie war angenehm warm und das unangenehme Gefühl gegenüber dieser unbekannten Person war ohne wirklichen Grund verflogen. Es dauerte nicht sehr lange bis sie eingeschlafen war, doch ihre Hand war noch immer um Meine und ehrlich gesagt, sollte sie auch nicht weg. Jetzt war die Frage was ich machen sollte. Ich öffnete also vorsichtig die Augen, doch obwohl sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich nur eine eingerollte, dunkle Gestalt am Boden erkennen, die sich nicht bewegte. Umso länger ich ihn ansah, desto mehr stellte sich ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit ein, als ob ich die Person schon länger kennen würde. Konnte es vielleicht tatsächlich mein Kumpel sein, der da so lag, schoss es mir durch den Kopf. Mein Herz fing an zu rasen, dass ich Angst bekam, es könnte die Person aufwecken. Ganz darauf bedacht kein lautes Geräusch zu machen hielt ich den Atem an, zog die Bettdecke nach unten und stand auf. Es schauderte mir bei den kalten Boden unter meinen blanken Füßen. Das war doch viel zu kalt um auf den nackten Stein ohne ne Decke oder so zu pennen, aber der Gestalt war es wohl egal. Aufmerksam umrundete ich ihn, doch noch immer konnte ich niemanden erkennen und der Gedanke es könnte mein Kumpel sein hielt sich am seidenen Faden der Hoffnung. Dieser riss, als ich erkannte, dass die Person ganz kurze Haare hatte und somit nicht er sein kann. Leicht geschockt hielt ich inne, doch warum war ich geschockt? Immerhin war mein Kumpel tot und kann es gar nicht sein, dennoch war da dieses Gefühl als ob er irgendwie da wäre. Vorsichtig darauf bedacht ihn nicht zu berühren, schlich ich mich um ihn herum und sein Gesicht wurde wie von einem Schein sichtbar.

 

Mein Herz machte einen riesigen Hüpfer, ohne darüber nachzudenken sprang ich ihn regelrecht an und nahm ihn in den Arm. Freudentränen kullerten mir über die Wangen und prasselten auf meinen Kumpel nieder. Er wachte auf und als er realisierte wer ihn umarmte, drückte er ebenfalls zu und streichelte meinen Kopf. „Wie kann das sein? Ich dachte du bist tot...“ schluchzte ich in seine Schulter. „Tot? Ich bin dir durch die Zeit gefolgt und nun habe ich dich endlich gefunden.“ „Durch die Zeit?“ Erst jetzt verstand ich, dass es mein Kumpel aus meiner Gegenwart war, den ich festhielt. „Du bist mir sogar durch die Zeit gefolgt um mich zu retten...“ Und nun wurde es erst recht schlimm, denn die Tränen flossen nur so dahin. Er hatte mich nie aufgegeben und suchte schon die ganze Zeit nach mir. Ich drückte so fest wie es nur ging und wollte ihn nie wieder loslassen. All die Zeit wollte ich meinen Kumpel der Zukunft retten, dass ich dabei meinen wirklichen Kumpel ganz vergessen hatte. Sicherlich hatte er sich große Sorgen gemacht, als ich plötzlich verschwand. „Es tut mir so Leid...“ schluchzte ich noch weiter in seinen Arm hinein. „Was tut dir Leid?“ fragte mein Kumpel, dem allen Anschein nach ebenfalls Tränen über die Wangen kullerten und mein T-Shirt benässte. „Einfach alles...“ antwortet ich und durch meine wässrigen Augen sah ich Emma und Frau Liebig, die durch mein Schluchzen und Weinen aufgewacht waren und nun nicht wussten wie sie reagieren sollten. Ein „Ist schon gut...“ brachte ich noch in deren Richtung hervor, bevor meine Stimme fast komplett versagte. Aber das war unwichtig, alles was zählte war, dass wir wieder zusammen waren und wir uns nie wieder trennen würden. Als ob mein Kumpel meine Gedanken gelesen hatte, meinte er „Ich werde dich nie wieder verlassen. Ich hatte mir solche Sorgen gemacht. Irgendwie bin ich hier in die Zukunft gelangt und suchte dich...“ Währenddessen waren auch die Jungs wach geworden, standen im Türrahmen und beobachteten uns beim Umarmen, nachdem Emma sie erst zurückgehalten hat. Die Minuten verrannen während wir nur einfach auf dem Boden saßen und uns aneinander drückten.

 

WUUMMMMMMMMMMMMMMMMM...

 


Kapitel 7: Keine Ruhe

 

Ein ohrenbetäubender Knall und ein greller Lichtblitz erschienen und alles verschwand in einem weißen Schleier, trotzdem ließ ich meinen Kumpel und er mich nicht los. Ohne sonst meine Umgebung war zu nehmen, spürte ich plötzlich zwei Hände, die an mir rissen und versuchten mich von meinem Kumpel zu trennen. Dass wir uns wehrten gefiel den Leuten gar nicht und ohne Vorwarnung knallte etwas gegen meinen Hinterkopf. Bevor ich noch irgendwas sagen oder denken konnte trat ich in eine Dunkelheit ein.

 

Stimmengewirr. Ein Teppich von Geräuschen drang an mein Ohr, doch ich verstand nichts davon. Mein Kopf dröhnte gewaltig und pochte an der Stelle, an der mich etwas getroffen hatte. Ganz langsam öffnete ich die Augen und sah verschwommen Personen, die alle hektisch umher liefen. Irgendjemand hatte das Licht angemacht, denn alles war erhellt. Die Geräusche würden klarer und nun waren schon einzelne Stimmen auszumachen. Die einzelnen Worte, die langsam in meinen Kopf eindrangen, verstand ich zwar, doch deren Bedeutung blieben mir fern. „Ihr Schweine... einfach ne wehrlose Frau zu schlagen. Helft ihr verdammt noch mal!“ Der Adressat der Wörter war mir zwar bekannt, jedoch fiel mir sein Name trotzdem nicht ein. Selbst mein eigener Name kam erst ganz schwer von weit hinten aus den Tiefen meiner Gedanken. Ruhig drehte ich meinen Kopf nach rechts und sah eine Person am Boden, die Hände gefesselt. Dahinter waren weitere Männer und Frauen, die alle sich auf den Knien befanden und die Hände hinter dem Rücken hatten. Erst jetzt bemerkte ich, dass Meine ebenfalls hinter meinen Rücken aneinander gebunden waren und mir es schwer machten mich zu wehren. Die Person direkt neben mir wurde von zwei großen Gestalten festgehalten und runtergedrückt, denn allem Anschein nach war sie es, die so schrie und dabei versuchte sich zu befreien. Selbst meine Augen schmerzten und so schloss ich sie wieder und konzentrierte mich ganz auf die Stimmen und Geräusche. „Lasst mich zu ihr! Sie blutet verdammt noch mal!“ Die aufgebrachte Stimme stammte von meinem Kumpel, der genau die Person direkt neben mir war. Ich wollte ihm sagen, dass er mir einigermaßen gut ging und dass er sich keine Sorgen machen müsse, allerdings verließen die Worte nie meinen Mund, weil einfach nichts herauskam. Von weiten hörte man Schreie von Frau Liebig und weitere aufgebrachte Stimmen von Karl, Rüdiger und Till, die ebenfalls besorgt um mich waren.

 

„Führt sie alle ab!“ kam es von einer kalten Stimme ganz in der Nähe „Und passt auf, dass sie keinen körperlichen Kontakt haben.“ Schritte kamen näher und wieder packten mich Hände und zogen mich hoch auf die Beine, die mich nur sehr ungern tragen wollten. Ohne Rücksicht wurde ich durch die Gegend geschupst und dabei bekam ich einen Blick auf den Leitenden, der sehr hager und groß wirkte. Seine Haare waren braun und sahen so aus als wenn sie mit Fett übergossen wurden. Außerdem erkannte ich das gesamte Ausmaß dieses nächtlichen Besuches der Polizei. Vielleicht hatten sie meinen Kumpel bis hierher beschattet, doch ich konnte ihm keine Vorwürfe machen, denn ich hätte genau so gehandelt. Die Anderen konnte ich währenddessen per Augenkontakt sagen, dass es mir gut ging, obwohl alles weh tat und nach deren Gesichtern ich wohl sehr schlimm aussah. Dieser kurze Kontakt beruhigte meinen Kumpel, der aufhörte sich zu wehren und wir alle abgeführt wurden. Ihm wurde ebenfalls etwas über den Kopf gezogen, denn seine eh schon kurzen Haare waren an einer Stelle rötlich gefärbt. Die anderen Fünf sahen alle ok aus, obwohl die Mädels etwas durcheinander und durch schienen und Frau Liebig wohl geweint hatte. Emmas Laptop wurde konfisziert und weggebracht, genau so wie alle anderen persönlichen Sachen von uns. Auch die portable Zeitmaschine kam in eine Plastiktüte, doch allen Anschein nach wussten die Beamten nicht, um was es sich handelt, denn sie stritten darüber. Glück im Unglück, doch die Zeitmaschine war gerade das kleinste Problem im Gegensatz dazu, dass wir verhaftet wurden und es schwer haben werden einfach so zu fliehen. Immerhin gehören alle bis auf Emma und Frau Liebig der Terrororganisation E.R.D.N.Ü.S.S.E. an und mein Kumpel war der meistgesuchteste Mann weltweit. Auch wenn er eigentlich nicht die Person war, die sie suchten, genau so wie ich. Die Polizisten brachten uns nun durch den großen Raum und da fiel plötzlich der Groschen, wie sie uns finden konnten, als Strecki Eins an einer Wand gelehnt mit einem der Polizisten redete. „Wir hätten ihn nicht so einfach mitnehmen sollen... verdammt!“ kam es von Karl wütend. „Wer bist du überhaupt?“ kam es von mir, allerdings ehe er antworten konnte, waren wir schon aus dem Raum geleitet worden und befanden uns nun auf der Straße.

 

Es war dunkel, das einzige Licht, was die sonst kleine Straße erleuchtete, waren die Straßenlaternen und die vielen Polizei-Blaulichter der Autos, die überall standen. Die komplette Presse stand hier im Regen hinter einer Absperrung und wartete um uns in den Morgennachrichten zu zeigen. Zwei große Transporter standen bereit um uns alle zur Polizeistation oder wo sie uns hinbringen wollten hinzufahren. Die Polizeibeamten brachten uns mit Absicht noch mal an den Journalisten vorbei, damit diese auch ordentliches Material von uns Sieben machen konnte, wie wir durchnässt, mit nur wenig Kleidung am Körper und dazu Blut an den Köpfen von meinem Kumpel und mir grimmig oder verängstigt in die Kamera guckten. Die drei Jungs Strecki, Rüdiger und Karl liefen tatsächlich noch in Boxershorts und T-Shirts durch die Gegen, während wir Mädels immerhin dazu noch Jogginghosen anhatten. Mein Kumpel war als Einziger in voller Montur, er hatte seine typischen Klamotten an, eine schwarze, dünne Jacke, ein Abi 007 T-Shirt, ne Jeans und silber-graue Sportschuhe. Alle vier Jungs versuchten sich zwischen uns und den Kameras zu stellen, doch die Polizisten versuchten das zu unterbinden. Nach dem ausreichend Fotos und Videos von uns allen aufgenommen wurden, ging es ab in die Transporter mit genügend Beamten, die auf uns aufpassen würden. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, Karl, Rüdiger und ich sollten in den linken Transporter und Emma, Frau Liebig, Strecki und mein Kumpel in den Rechten. Doch als wir dies bemerkten, wurde ich fuchsteufelswild und mein Kumpel fing sich auch an zu wehren um zu mir zu gelangen, doch sie schoben ihn zu Dritt in den Transporter. Ich biss dem Beamten, der mich festhielt in den Arm, wodurch er mich kurzzeitig los ließ und ich in den Transporter mit meinem Kumpel sprang. Der Beamte versuchte mich heraus zu ziehen und selbst als zwei Weitere ihm halfen, bekamen sie mich nicht aus dem Wagen. Mit allen Mitteln wehrte ich mich und trat den einem Mann ins Gesicht. Rücken an Rücken mit meinem Kumpel verschränkten wir die Arme und hielten uns so aneinander fest. Das Gerangel lockte auch die Presse an, die sofort anfing zu filmen und um das Gesicht der Polizei zu waren, beschloss Einer, dass ich in den Transporter bleiben konnte und dafür Frau Liebig in den Wagen zu Karl und Rüdiger kam. Der Letztere war ebenfalls sauer und wehrte sich, weil Emma in den anderen Transporter zu uns geschafft wurde, doch die Polizisten zeigten nun keine Gnade mehr und gaben ihm Einen mit dem Schlagstock mit. Emma fing an zu weinen und Strecki, der mit ihr auf der gegenüberliegenden Bank saß, nahm sie in den Arm um sie zu beruhigen. Mehrer Beamte setzten sich zu uns und warfen böse Blicke, das wir Kontakt untereinander hatten, doch beließen es dabei ohne einzugreifen.

 

Die beiden Autos fuhren los in Richtung Ungewissheit und wurden von ein paar Polizeiwagen eskortiert. Was sollen wir tun? Was können wir tun? Doch mir fielen keine Möglichkeiten ein um aus dieser Situation so ohne weiteres heil heraus zu kommen. Mein Kumpel und ich lehnten uns mit unseren Köpfen an den jeweils anderen und genossen den Ausblick aus dem kleinen Fenster, in dem es langsam heller wurde. Der Himmel, der noch zwischen den Häusern zu sehen war, färbte sich in einem unvorstellbaren, rötlichen Ton, der einen neuen Morgen einläutete. Ein neuer Morgen für uns alle, doch sollte dieser allen Anschein nach keine positiven Dinge bringen. Die ersten Sonnenstrahlen reichten über den Horizont und erleuchteten den Innenraum des Transporters in einem wunderschönen gelb-goldenen Schein. Plötzlich wurde es warm im Wagen und eine Atmosphäre des Friedens schien den Raum zu durchfluten. Es war ein schöner Moment der Ruhe, hier an meinen wiedergewonnenen Kumpel zu lehnen, Emma und Strecki zu sehen, die das Gleiche taten und die herrliche Natur, die sich trotz all der Technik immer noch unerreicht vom Menschen zeigte. Wir alle genossen die Strahlen, die einem irgendwie ein Gefühl der Sicherheit und Hoffnung vermittelten und uns alle ein wenig beruhigten in Anbetracht von dem, was kommen sollte. In der Ferne schob sich eine Häuserfront in den Weg der Sonne und der Transporter wurde wieder mit einer unheimlichen Kälte überzogen, die durch die kühle Beleuchtung an der Decke verstärkt wurde. Hoffnung und Sicherheit verschwanden und wurden durch Angst und Zukunftszweifel eingetauscht. Was würde uns erwarten? Der Wagen wurde langsamer und hielt vor einem größeren Gebäude an auf dem in riesigen Buchstaben „POLIZEI / POLICE“ stand und nebenan stand gleich ein Gefängnis. Es stand einfach so da als würde es sagen wollen „Wir sehen uns bald wieder.“ und ein kalter Schauer lief mir bei dem Gedanken den Rücken runter. Die Beamten scheuchten uns alle raus, jedoch konnten sie Strecki & Emma und mein Kumpel & mich nicht trennen. Karl, Rüdiger und Frau Liebig waren schon im Gebäude verschwunden und mit Sicherheit in ein der vielen Verhörräume gebracht. Draußen auf dem Fußgängerweg zeigte sich noch mal die komplette Größe der beiden Gebäude und ein flaues Gefühl im Magen machte sich breit. Angst durchflutete meinen Körper. Wie sollen wir da erst mal wieder rauskommen? Wir wurden in das Hochhaus geführt, jedoch nicht ohne vorher noch von der aufkreuzenden Presse fotografiert und gefilmt zu werden. Im Gebäude wurden wir direkt zu einem der Verhörraume gebracht, wo das Theater von Neuen begann, als sie Emma & Strecki und uns Beide trennen wollten. Strecki hatte die Aufgabe, die zierliche Emma zu schützen, angenommen so lange Rüdiger nicht da war, was man in seinem Gesicht ablesen konnte. Er kämpfte mit mehreren Beamten, die nun aber keine Vorsicht mehr nahmen, weil die Presse draußen geblieben war. Sie zückten die Schlagstöcke, doch bevor sie sie einsetzen schrie Emma auf, blickte Strecki tief in die Augen und ließ sich ohne Gegenwehr, aber mit einem verängstigten Gesicht in ein Verhörraum geleiten. Sie tat mir so leid, dass sie das alles durchmachen musste. Immerhin ist sie noch so jung und hatte eigentlich gar nicht mit der ganzen Sache zu tun, sondern ist nur irgendwie hinein gerutscht. Dann wollten die Polizisten uns trenne, doch wir machten ihnen es extrem schwer. Selbst als sie meinen Kumpel mit den Stück malträtierten, ließ er mich nicht los. Meine Schreie aufzuhören hallten durch den Flur, doch fanden kein Gehör. Erst als ich mich an meinen Kumpel schmiegte und somit mich zwischen ihm und den Beamten stellte, hörten sie auf. Gekrümmt und leicht blutend lag er am Boden, doch seine Hand umschloss immer noch Meine. Die Bullen wussten nicht mehr was sie machen sollten und so schmissen sie uns einfach zusammen in einen Raum. Die einzigen Sachen im Raum waren ein Stuhl, ein Tisch und eine verspiegelte Scheibe, hinter der weitere Leute uns beobachten. „Mir geht es gut...“ kam es von meinem Kumpel zur Beruhigung, weil ich große Augen machte und sehr besorgt um ihn herum wuselte. Mein Kumpel ging langsam zum Stuhl und nahm darauf Platz. Die meisten Schläge gingen gegen Kopf und Brust, seine Nase blutete, genau so wie eine kleine Platzwunde an der Stirn – er sah beschissen aus. „Komm setz dich...“ bot er mir an und ich setzte mich vorsichtig auf seinen Schoss. „Geht schon...“ versicherte er mir.

Die Minuten verstrichen, in denen nicht passierte, außer das mein Puls langsam, aber stetig nach oben bewegte und ich schon rote Augen hinter der Scheibe zu sehen schien. Mein Kumpel versuchte mich im Gegensatz dazu zu beruhigen, in dem er immer wieder meinte, ich solle positive denken und wir alle würden schon irgendwie hier rauskommen. Die Worte waren zwar etwas Balsam für meine Seele, trotzdem macht ich mir große Sorgen. Nicht um mich, sondern um die Anderen und besonders Emma und Frau Liebig, die Beide alleine verhört wurden. Plötzlich kam ein Mann in besseren Klamotten herein und begutachtete uns, wie wir am Tisch saßen. Ohne darüber gesprochen zu haben, waren wir uns einig, dass wir nicht sagen würden, viel hätten wir auch nicht sagen können. Immerhin waren wir nicht die für die sie uns hielten und denen die gesamte Geschichte zu erklären war einfach schwachsinnig und würde zu nichts führen. Nach kurzer Zeit der Stille fing der Mann, der sehr nach FBI oder so aussah, an zu reden. „Ich seh schon, sie Beide schweigen lieber. Aber das macht nichts, weil wir genug gegen sie in der Hand haben, dass sie das Tageslicht nie wieder sehen werden. Das Einzige was mich ärgert ist, dass mit höchster Wahrscheinlichkeit wir es nicht durchbringen können sie zum Tode zu verurteilen, was mir außerordentlichen Spaß gemacht hätte. All das was sie angerichtet haben. Wie sie die Regierung untergraben, die Wirtschaft der Welt geschadet, sich für solchen Quatsch wie Pressefreiheit, Menschenrechte und so weiter engagiert haben...“ „Und für EMP-Sachen und das Recht schwarze Sachen mit Aufschriften zu tragen...“  funkte ich dazwischen. „Unterbrechen sie mich nicht! Wo war ich... den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich im Fernsehen komplett blamiert zu haben, dass dieser nun psychologische Hilfe braucht und die Sachen, die die da drinnen...“ Er nickte kurz zur Glasscheibe. „nicht wissen müssen. Sie wissen was ich meine und ich würde ihnen raten, die Klappe zu halten, sonst...“ „Sie können mich nicht beeindrucken...“ kam es energisch von meinem Kumpel. „Die ganzen Straftaten durch sie und ihre Freunde müssen größte Konsequenzen nach sich tragen. Auch wenn wir wissen, dass sie der eigentlich Kopf sind, werden ihre Freunde das Selbe Schicksal erleiden und...“ Er kam näher und flüsterte mit einem wahnsinnigen Grinsen im Gesicht. „Für die kleine Emma, für die denken wir uns noch was ganz Besonderes aus.“ Bei diesen Worten verlor ich die Beherrschung und schrie ihn an. „Nein! Emma hat damit nichts zu tun!“ „Meinen sie... Aber irgendwie kann man da sicherlich was drehen, dass sie ebenfalls mit euch mit Gefängnis vergammeln wird...“ Ich fing an zu beben, dass mein Kumpel mich an den Armen packte, vor Sorge, dass ich dem Typen an den Hals springen würde. Seine Stimme wurde noch leiser, dass nur wir ihn hören konnten. „Allerdings... könnte sie auch einfach als freier Mensch das Gebäude verlassen, wenn sie mir das geben, was sie uns gestohlen haben.“ Mein Kumpel und ich schauten ihn verdutzt an. Meinte er die Zeitmaschine oder was ganz Anderes? Mein Kumpel führte das Gespräch weiter und erhoffte weitere Informationen zu bekommen. „Gestohlen? Wir haben nichts gestohlen! Sie haben es der Öffentlichkeit vorenthalten...“ „Der Öffentlichkeit vorenthalten? Sie haben doch keine Ahnung!“ regte sich der Agent oder was er war mächtig auf, doch bevor er mehr verriet, kam es ihn in den Sinn, dass dies nicht den Leuten hinter der Spiegelscheibe anging. Das aufgesetzte, ratlose Gesicht meines Kumpels veranlasste ihn noch wütender zu werden und uns an zu schreien. „Wollen sie mich verarschen??? Sie wissen ganz genau von was ich spreche! Also verkaufen sie mich nicht für dumm!“ Seine Stimme wurde wieder ganz leise und sein Gesicht verzerrte sich zu seinem größten Grinsen, was mehr wie eine Grimasse aussah. „Übergeben sie es uns und ihr kleine Freundin Emma kommt frei, andernfalls hat sie sonst nachts mal im Gefängnis einen kleinen Besuch von ein paar guten Freunden von mir. Überlegen sie es sich wie wichtig Emma ist...“ Sofort drehte er sich um und stolzierte aus dem Raum und ließ uns planlos und besorgt zurück.

„Der will uns weich kochen...“ meinte mein Kumpel im Flüsterton zu mir um mich etwas zu beruhigen, doch seine Augen sprachen etwas anderes. Er hatte auch Angst um Emma, genau so wie ich, auch wenn er sie bis vor Kurzem nicht kannte, hatte er wohl direkt gemerkt, dass sie nicht so ein starkes Persönchen ist.

Ich hatte das Gefühl, es würde immer kälter im Raum werden. Vielleicht ein Mittel der psychologischen Kriegsführung, zugetrauen hätte ich es dem Typen schon. Als ich anfing zu zittern reichte mein Kumpel mir seine Jacke, die schön vorgewärmt war. Er hatte ja immerhin noch alle Klamotten an, ich hingegen immer noch meine Schlafklamotten, genau so wie alle Anderen von uns. „Danke“ grinste ich ihn an und er grinste mit einem „Bitte“ zurück. Ich starrte in seine braunen Augen und er in Meine. Minuten vergingen, in der wir regungslos uns gegenseitig bis in kleinste Teil begutachteten. Was hatte er schon alles für mich getan... Meine gefesselten Hände schlang ich um seinen Rücken und er um Meinen und wir drückten uns erneut aneinander. Es war ein beruhigendes Gefühl seine Körperwärme zu spüren, doch blieb die Magenverstimmung wegen Emma und den Anderen, die sicherlich auch irgendwo vernommen wurden, noch da. Plötzlich ertönte die Stimme des Beamten, der uns verhört hatte „Rede endlich! Wir wissen eh über dich bescheid! Du machst es durch dein Schweigen nur schlimmer!“ Wir schreckten hoch und sahen an der Scheibe die Kameraaufnahme aus dem Verhörraum, in dem Emma verängstigt auf einen Stuhl saß und schwieg. Mein Magen verkrampfte sich schlagartig und fast hätte ich kotzen können. Ein weiterer Versuch uns per psychologischen Mitteln unter Druck zu setzen. Erstarrt blickten wir beide auf den Bildschirm, auf dem der Beamte sich immer weiter über Emma beugte und sie anschrie, sie solle doch endlich was sagen. Sie versuchte ihm zu gestikulieren, dass sie nicht sprechen konnte und ihren Laptop brauchte, doch der Beamte winkte ab und verharrte darauf, dass sie etwas sagen solle. Ich wusste ja, dass sie sprechen kann, sie hatte mich ja damals im Versteck der Kumpels von Rüdiger angesprochen, doch, da war ich mir sicher, war ich der Einzige und vielleicht Rüdiger selbst, die wussten, dass sie sprechen kann. Mein Kumpel hielt mich fest und versuchte mich zu beruhigen, da ich anfing wild zu werden. Ein unglaublicher Hass durchströmte jede Faser meines Körpers gegenüber dem FBI- oder was er auch immer war, Typen. Dieser trieb mich immer weiter an, so dass die Beruhigungsversuche nutzlos waren. „Ich bring ihn um!“ kam es aus mir heraus, dass mein Kumpel große Augen machte, weil er damit offensichtlich nicht gerechnet hatte. „Beruhig dich! Der macht das doch nur mit Absicht... Du kannst dich irgendwann an ihm rächen, doch jetzt bringt das nichts! Maren! Schau mich an!“ Bei diesen Worten packte er mich am Kinn und drehte mein Gesicht, so dass ich ihm wieder direkt in die Augen sah. Tief in der Schwärze seiner Augen konnte ich das Feuer erkennen, welches mich gerade eingenommen hatte und diese Erkenntnis brachte mich wieder auf ein normales Level, dass ich den Stuhl nicht mehr durch die Scheibe werfen wollte.

In diesem Moment explodierte die Scheibe und die dazugehörige Wand mit einem lauten „WUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUM“. Mein Kumpel und ich flogen vom Stuhl und knallten hart gegen die Wand hinter uns, ihn knockte der Aufprall mit dem Kopf komplett aus und er sackte zu Boden. „Sag was! Hey... aufwachen!“ Trotz Schüttelns meinerseits kam allerdings kein Lebenszeichen von ihm. Mir ging es den Umständen entsprechend gut, auch wenn die Kopfschmerzen immer noch da waren, doch das war gerade Nebensache. Stimmen, aufgeregte, hysterische, schmerzerfüllte und wütende Stimmen überall. Die Wand mit der Scheibe war komplett weggesprengt, überall war Rauch und die Sicht war null. Die Schemen einer riesigen Person zeichnete sich im Rauch ab und der Mann schrie mit einer Spur von Vergnügen „Endlich hab ich euch... Ein zweites Mal entkommt ihr mir nicht!“ Die Stimme kam mir bekannt vor, jedoch verband ich damit nicht positive Erinnerungen. „Nein...“ kam es von mir erschreckt zurück „nicht FearMe...“ Es war der Typ, der mir am geheimen Ort gegen die Brust geschossen hatte und mir damit zwei Rippen brach. Er zückte eine riesige Waffe und richtete sie auf uns beide am Boden. „Auf diesem Moment hab ich mich schon so lange gefreut. Doch kommen wir direkt zum Ende!“

Ich war doch noch viel zu jung zum Sterben... So viele Dinge wollte ich noch erleben und ansehen... Der einzige Trost war, dass mein Kumpel neben mir war...  Ich drückte seine Hand so fest wie es ging. Es war vorbei...

PENG!

 

Der Wachmann der grade hinein gestürzt gekommen war sackte blutend zusammen. „Damit kommen Sie nicht durch, das ist Wahnsinn! Dies ist eine der best bewachtesten Polizeistation überhaupt. Sie bräuchten eine ganze Armee um hier lebendig wieder raus zukommen“ keuchte er.
“Und warum glaubst du, die hätte ich nicht?“ hörte ich den FearMe.Kerl höhnisch lachen.

PENG
-Stille-

Ich öffnete die Augen und stellte erleichtert fest dass die Kugel weder Chris noch mich getroffen hatte. An die Wand gelehnt wartete ich ein erneutes Peng, dass diesmal nicht verfehlen würde. Doch statt des erwartetet Schusses drangen Worte aus der Mauer an mein Ohr. Leise und kaum verständlich doch es waren Worte. Ich konzentrierte mich. ..

“Was hat hier geknallt? Wo ist Uups?! Ihr solltet die Zeituhr doch auf 5 Minuten stellen.“
“Haben wir doch Chef aber… Wir können uns auch nicht erklären warum die jetzt schon hoch gegangen ist. Wir müssten noch genau 9, 8,7…“

Verwirrt sah auch der FearMe-Kerl sich um.
“Sichert das Gelände… Irgendwo haben sich hier noch ein paar Ratten in ihrem Loch verkrochen…“ brüllte er.
Also hatte ich mir die Stimmen nicht eingebildet!

Ein kurzer Blick zur Seite ließ mich einen, von der Explosion umgekippten Tisch erspähen.
Genau das was ich erhofft hatte.
Ich fasste meinen Kumpel im Rautegriff und versuchte ihn zwischen den umgekippten Tisch und die Wand zu schleifen.
Es war nicht weit doch er sah leichter aus als er war.
Ich hatte es fast geschafft… Nur noch ein kleines Stück…

Plötzlich blickte ich direkt in die Mündung einer Waffe.
“Nun zu dir meine Liebe…. Keine Sorge ich hab dich nicht vergessen“
Der FearMe-Kerl grinste breit als er mit der Waffe vor meiner Nase rumfuchtelte. Er schienen es zu genießen als der kalte Stahl meine Haut berührt und ich mit der Gewissheit sie nie wieder öffnen zu können, meine Augen schloss. Ich konnte mich nicht mal von Chris, der bewusstlos an mir lehnte verabschieden.

Ein ohrenbetäubender Knall ertönte.
Ich zuckte automatisch zusammen, nun war alles vorbei.
Ich hörte ein Surren und das dumpfe Aufschlagen eines Körpers auf den Boden. War das mein Körper?
Es tat mir gar nicht weh, gleich würde ich Tod sein.
So fühlt sich also sterben an… irgendwie nach gar nichts.
Meine Muskeln entspannten sich und…. Nichts geschah.
Ich spürte rein gar nichts.
Keinen pochenden Schmerz, kein warmes Blut oder irgendetwas anderes was ich erwartet hatte.
Ich wollte nicht wissen ob mein Gehirn an der Wand klebte, nicht mal drüber nachdenken….
Ich konnte noch denken, komisch.
Ich ließ es einfach geschehen, eine Wahl hatte ich ja nicht.
Doch es geschah immer noch nichts.

Dann vernahm ich ein leises Stöhnen vor mir.
Vorsichtig öffnete ich die Augen, wollte ich das wirklich sehen? Hatte er zuerst auf Chris geschossen?
Würde ich ihn sterben sehen?
“Chris?!“
Ich öffnete die Augen und sah ihn an.
Vorsichtig tastete ich seine Brust ab… Kein Blut!
Er war noch ganz, keine Löcher nichts.
Dann sah ich an mir herab, faste mir an die Stirn…
Kein Blut!
Kein Blut?!?

Wo war eigentlich der Kerl abgeblieben?
Im Raum war noch mehr Staub aufgewirbelt.
Neben dem ersten Loch war ein zweites entstanden.
Ich spähte um den Tisch herum, in die Richtung aus der das Stöhnen kam. Irgendwas Kokonartiges wand sich auf dem Boden hin und her und versuchte mit zwei Fingern die ebenfalls am Boden liegende Waffe zu erreichen.
“Nichts da, Freundchen!“
Schnell sprang ich auf und kickte sie zur Seite.
Vom Kokon kam ein knurren.

“Uuuups! *hust* Vielleicht war die Dosierung des neuen Sprengstoffes…“
“Zu hoch? JA, verdammt! Wir wollten ein Loch keinen Krater! Bete das sie nicht verletzt sind!“
Das war doch Rüdigers Stimme, wie konnte das sein?
“HALLO! Rüdiger? Seit ihr das?“
schrie ich in den Nebel aus aufgewirbelten Staub und Zement.
“Maren?! Sie lebt! Was ist mit Chris?“
„Und hat das Netz den FearMe-Kerl getroffen oder ist der Feigling abgehauen?“ unterbrach Karls Rüdiger. Ein Grunzen des am Boden liegenden Knäuels beantwortete diese Frage. Seine angebliche Armee hatte zum überwiegenden Teil die Flucht ergriffen.
Ein paar übergebliebene Männer im Rambostyl lugten durch das erste Loch herein.
Als sie ihren Anführer sahen und feststellten das wir Gefangenen nicht mehr alleine und unbewaffnet waren zogen auch sie vor Land zu gewinnen.
Rüdiger stellte sich mit einem siegesbewussten Grinsen
vor den Durchgang, spielte mit seiner Waffe und rief ihnen
„Kusch kusch, seht zu das ihr abhaut hinter her.“ hinterher.

Ob Chris Ok war, da war ich mir selber nicht ganz sicher.
Er lag immer noch bewusstlos hinter dem Tisch.
Ich setzte mich neben ihn und hob behutsam seinen Kopf auf meine Knie. Er atmete ruhig und gleichmäßig. Ich verfluchte meine, nicht vorhandenen, erste Hilfe Kenntnisse und strich ihm vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Irgendwie sah sein Haar ziemlich zerrupft aus, als hätte er selber versucht irgendwas Frisurähnliches zu kreieren.
Lächelnd dachte ich an die Bundzeit zurück und den Augenblick als ich ihm das erste Mal mit kurzen Haaren gesehen hatte.
Es war so absolut anders gewesen und ich musste ziemlich geschockt ausgesehen haben, denn versicherte den ganzen Abend lang immer wieder das die Haare ja nachwachsen würden. Während ich mich erinnerte streichelte ich ihm über den Kopf.
„Kraulst du auch hinter den Ohren wenn ich schnurrrrrrrrrrrr…. Mist! Du hörst ja auf, ich hätte doch lieber die Klappe halten und weiter genießen sollen“
Er öffnete die Augen und sah mich fast ein bisschen vorwurfsvoll an.
“Ich hab mir solche Sorgen gemacht und du… du… du spielst hier den bewusstlosen!“ Ich schnappte nach Luft und suchte nach Worten, aber fand keine.
“Ich war doch auch bewusstlos… und dann bin ich langsam aufgewacht. “

Ein riesiges Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, während Karl, Rüdiger und die Anderen sich ebenfalls zu uns runter knieten. „Seit ihr beide ok?“ Ein „Mir ist gut.“ Kam aus Chris Mund gefolgt von „Aber n bisschen Kopfschmerzen hab ich schon...“ „Mir geht es ebenfalls gut, sagte ich in einem leicht beleidigten Ton. Auch wenn ich glücklich war, das meinem Kumpel nichts passiert war, so war er doch etwas zu weit gegangen. Ich drehte mich von ihm ab und schaute lieber auf das Knäuel aus Netzen, das immer noch umher robbte um sich zu befreien. „Komm schon...“ kam es von Chris und er umarmte mich von hinten. „Ein bisschen Spaß muss doch sein.“ sagte er mit einem zwinkernden Auge. Doch bevor ich was dazu sagen konnte ergriff Rüdiger das Wort und machte einen auf Anführer. „Los! Lasst uns schnell hier verschwinden.“ Und mit einem Blick zu seiner Bande fragte er „Einen Ausweg habt ihr doch vorbereitet oder?“ „Ähh... ja... so halb... also theoretisch gesehen haben wir einen...“ „Und praktisch?“ knurrte Karl. „Wir haben noch genug Dynamit für das ganze Haus“ beschrieb Uups die Situation. „Ok, damit werden wir uns schon einen Weg zurechtsprengen“ meinte Rüdiger leicht erleichtert. „Doch zuerst müssen wir noch Emma und die Anderen befreien und dann machen wir uns aus dem Staub, so lange hier noch ein Chaos herrscht. Bereit?“ Mein Kumpel hielt die Hand in die Mitte und nachdem ich meine auf seine gelegt hatte und wir uns in die Augen sahen, war der Ärger von eben wieder verflogen. Alle Anderen folgten mein Handeln und mit einem kräftigen „JA!“ beschlossen wir sozusagen unser nächstes Vorgehen.

 

Nacheinander standen wir auf und jeder bekam eine Waffe in die Hand gedrückt mit den Worten „Wir sind nicht hier um zu töten! Doch wenn es notwendig ist, denkt nicht lange nach.“ Mein Kumpel zog mir die Waffe wieder aus der Hand und sagte in einem leicht besorgten Ton „Du hältst dich im Hintergrund und mischst die nicht ein, ok?“ „Ja.“ Antwortete ich und entriss ihm die Handfeuerwaffe.

 

Los gings. Jeweils links und rechts vom Loch in der Wand stellten wir uns auf. Noch immer verhüllte eine riesige Staubwolke das Innere des Gebäudes. Vereinzelte Schreie drangen durch die Korridore, aber Schüsse waren nicht mehr zu hören, was bedeutete, dass die FearMe-Truppen tatsächlich geflüchtet waren. Langsam blickte ich durch das Loch in dem Gang und konnte schemenhaft im Staub mehrere Leichen und Unmengen an Blut auf dem Boden verteilt erkennen. Die Polizisten hatten gegen den Angriff keine Chance gehabt und wurden regelrecht abgeschlachtet. Ein leicht mahnender Blick kam von Chris zu mir herüber. Karl übernahm die Vorhut, dich gefolgt von Rüdiger, meinem Kumpel und mir. Die Bandenmitglieder sicherten nach hinten und schleppten Uups, der noch ein Teil des Dynamits hatte, mit. Wir befanden uns direkt in dem Korridor, von dem aus die ganzen Verhörräume ausgingen. Strecki und Emma mussten direkt hinter jeweils einer der zwei Türen links und rechts vor uns warten, doch eine Tür war bereits offen. Langsam und vorsichtig schlichen wir zu dieser und spähten hindurch. Der Tisch und Stuhl waren im Raum verteilt und ein FearMe-Typ lag am Boden, allerdings fehlte von Emma und Strecki jede Spur.  Sofort gingen wir zur anderen Seite und Karl öffnete mit gezogener Waffe vorsichtig die Holztür. Der Tisch war seitlich umgekippt und in eine Ecke gestellt, offensichtlich um Schutz zu liefern. Freien Mutes rief ich nach den Beiden und plötzlich regte sich etwas hinter dem Tisch und es kam erst der Kopf von Strecki zum Vorschein und nachdem er uns erkannt hatte, folgte der von einer ziemlich mitgenommenen Emma. Trotzdem zeichnete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ab und sie sprang auf und rannte zu Rüdiger, der sie herzlich in den Arm nahm. Tränen flossen über ihre Wangen und benässten die Klamotten von Rüdiger, der ihren Kopf streichelte. Strecki kam langsam hinterher und beantwortet die Frage von Karl, ob er den FearMe-Kerl K.O. geschlagen hätte mit Ja. In der rechten Hand trug er dabei das Gewehr seines Opfers, mit dem er sich zu Emma durchgeballert hatte. Er sah ziemlich gefasst aus für das, was passiert war, trotzdem nahm ich ihn kurz in den Arm. Währenddessen übernahm Karl wieder die Führung. „Wiedersehen könnt ihr auch noch später feiern, erst müssen wir Frau Liebig finden und dann geht’s endlich weg von hier! Noch hatten wir Glück, aber glaub ja nicht, dass die Kavallerie nicht auf dem Weg ist!“ Und mein Kumpel fügte hinzu. „Emma, du bleibst bei Maren und du, Rüdiger, passt mir gut auf die Beiden auf! Karl, Strecki und ich gehen vor und ihr...“ Er zeigte auf die Mafiamitglieder. „... sichert uns den Rücken.“

 

Die Gruppe mit Karl, der wusste wo es entlang ging, spähte durch die Tür und schlich durch. Dann folgte unsere 3er-Gruppe bis die Mafiosi allein im Raum blieben. Die Staub- und Rauchwolken waren zwar etwas schwächer geworden, jedoch sah man immer noch ziemlich schlecht. Aufgeregtes Stimmengewirr kam aus dem Eingangsbereich und plötzlich waren die Lichtkegel von Taschenlampen zu sehen als gerade die Letzten durch die Tür schlichen. Ein leises „Fuck!“ entkam aus einem der Mafiosi und sofort blieben die Lichter stehen. „Halt! Wer ist da?“ „Rennt!“ schrie mein Kumpel und alle rannten los. Die Polizisten eröffneten das Feuer, doch zum Glück war vor uns eine Kurve und keiner wurde verletzt. Während wir weiterliefen feuerten die Mafiosi um die Ecke und hielten die Polizei zurück. Nach einer weiteren Kurve blieben wir stehen, weil mein Kumpel an einer Tür lehnte und Karl mit Strecki eine weitere Kurve in 5 Meter Entfernung sicherten. Rüdiger drehte sich instinktiv um und sicherte nach hinten, während Emma und ich uns an eine Wand lehnten und nach Luft schnappten. Mein Kumpel richtete seine Waffe nach einer kurzen Verschnaufpause auf die Tür und öffnete sie leise.

 

 

Variante 1:

- PENG -

Die Holztür splitterte und die Kugel landete knapp neben mir in der Betonwand. Mein Kumpel drückte sich an die Wand neben der Tür und schrie zu uns beiden „Deckung!“ herüber. Augenblicklich riss ich Emma mit mir aus dem Gefahrenbereich und hörte die aufgeregte Stimme eines Polizisten. „Bleibt mir ja vom Hals! Haut ab! Sonst erschieß ich euch alle!“ Chris versuchte es erst mal diplomatisch und sagte mit seiner ruhigsten Stimme. „Wir wollen Sie nicht töten. Überreichen Sie uns einfach die Frau und wir verschwinden wieder. In einer Minute ist die Sache gegessen, wenn Sie sie uns geben!“ „Das darf ich aber nicht!“ kam es unsicher zurück. „Was ist Ihnen lieber wert? Ihr Leben oder die Vorschrift? Überlegen Sie es sich!“ Getuschel war zu hören und nach einer Minute kam Frau Liebig herausspaziert. Währenddessen wurden die Schüsse aus Richtung der Mafiosi lauter und dazu hörte man schnelle Schritte. Rüdiger eröffnete das Feuer als seine Leute um die Kurve in Deckung waren, doch nach wenigen Sekunden schrie er nur noch „Rückzug!“

 

Variante 2:

Geheule kam aus dem Raum, zwar ganz leise, aber vernehmbar. Chris wagte einen kurzen Blick, checkte die Lage drinnen, drehte sich zu uns um, rollte mit den Augen und öffnete die Tür komplett. Drinnen sahen wir Frau Liebig vor dem Tisch stehen und auf dem Stuhl dahinter saß ein Polizist, die Hände am Kopf und am Weinen was das Zeug hält. Die Waffe lag fertiggeladen auf dem Tisch. Emma, Chris und ich gingen in den Verhörraum und die Beiden bemerkten uns endlich. Frau Liebig ging es ziemlich gut, während der Mann uns mit nassem Gesicht ansah und anfing uns anzuflehen, sie mitzunehmen. Als von uns keine Reaktion in dieser verqueren Situation kam, nahm der Polizist urplötzlich die Waffe und ehe wir reagieren konnten, hielt er sie sich an seine Schläfe und schrie. „Nehmt sie mit, sonst erschieß ich mich! Kapiert?“ „Wir nehmen sie mit, keine Sorge.“ Kam es von uns Dreien wie aus einem Munde. Etwas beruhigt legte er den 9mm-Pistole wieder auf den Tisch vor ihm und fing erneut an zu weinen. Mit Frau Liebig im Gepäck ließen wir den Mann alleine zurück und trafen vor der Tür die Mafiosi und Rüdiger, die geraden den Rückzug antraten.

 

 

Mein Kumpel und ich rannten ihnen hinterher, doch Frau Liebig blieb nur wie angewurzelt stehen und fragte über die Schüsse hinweg doof. „Was ist denn hier los?“ Ein kleines „Ich hasse sie!“ entwich meinem Kumpel als er zurückrannte, sich sie schnappte und anfing auf die Ecke zu ballern, um die gerade ein paar Polizisten gerannt kam und nun wieder in Deckung sprang. Karl, der die Führung übernommen hatte, trat eine Tür ein und alle folgten ihm, weil die Polizei nun aus beiden Richtungen kam und uns somit eingekesselt hatte. Zu Dritt verschlossen die Männer die Tür und stapelten Stühle und Tische aus diesem Lehrraum dagegen. Wir waren in der Falle. Zwar gab es noch einen Nebenraum, jedoch führte dieser nicht weiter, sondern beinhaltete nur Lehrmaterial wie nen Projektor, ein paar Ersatzstühle und Tische und viele Bücher. Das Fenster war interessanterweise mit Gittern gesichert, was sicherlich einen “netten“ Eindruck auf die Schüler hier gehabt haben muss. Inzwischen war die Sonne am Horizont gewandert und schien nun fast senkrecht auf die metallische Stadt nieder. „Was sollen wir jetzt machen?“ fragte ich ratlos Karl, der allerdings ganz zuversichtlich aussah. „Wir sprengen uns hier raus!“ war seine knappe Antwort, bei der er anfing leicht wahnsinnig zu grinsen. „Räumt den Nebenraum aus und du Uups gibt’s mir mal n bisschen Sprengstoff. Ich mach das heute mal selber, damit wir nicht zufällig mit in die Luft fliegen.“ Gesagt, getan. In Nullkommanix war alles aus dem Raum und nun war genug Platz für alle Leute um etwas Schutz vor der Detonation zu haben. Karl brachte dabei den vorher halb durchgerechneten Sprengstoff an und setzte einen Zünder ein. Die Polizei war gerade dabei die Tür aufzubrechen, als ein riesiger Knall und eine Erschütterung das Hochhaus durchzogen.

 

Frei. Jedenfalls für den Moment, denn die Polizisten würden jede Sekunde um die Hausecken stürmen. Nahestehende Passanten fingen an zu schreien als wir bewaffnet aus dem Loch sprangen und versuchten Autos anzuhalten. Eine ganze Armader von Polizeiautos schoss um die Ecke in die kleine Seitenstraße und eröffneten das Feuer mit den eingebauten Schnellfeuerwaffen (The 5th Element – Das 5. Element) auf uns. Mein Kumpel übernahm das Steuer eines ziemlich neu aussehenden VW-Modells, während Karl auf den Beifahrer und Rüdiger, Emma und ich auf den Rücksitz Platz nahmen. Frau Liebig stieg bei einem zweiten angehaltenen Wagen als Fahrerin ein und Strecki und die Mafiosi mussten zwangsweise dazu steigen, jedoch nicht eine Miene, die 5 Tage schlechtes Regenwetter bedeutete, zu ziehen. Beide Autos beschleunigten, wobei Frau Liebig sich direkt an unser Heck hängte. Mein Kumpel hielt direkt auf die Polizeiautos zu und erst im allerletzten Moment wichen die Polizeiautos in alle Richtungen aus und nahmen die Verfolgung auf. Chris fuhr wie ein Besessener um die Autos abzuhängen, die nun zum Schutze der Bevölkerung aufhörten zu schießen, doch deren fahrerische Leistung waren erste Sahne. Für Frau Liebig war es schwer an unserem Heck zu bleiben, allerdings schaffte sie es irgendwie immer, doch die Chance, dass wir sie zusammen abhängen können, war praktisch Null, weswegen mein Kumpel gleichzeitig versuchte eine Leitung zum anderen Wagen aufzubauen. Erstaunt sah ich zu wie er mit Links lenkte, mit Rechts tippte, dabei noch auf die Straße achtete und versuchte die Polizisten zu verwirren. Frau Liebigs Stimme ertönte „Hallo?“ „Wir müssen uns trennen! Schüttel sie ab und dann treffen wir uns hinter dem Haus von den beiden Mädels hier in der Nähe. Verstanden?“ „Waaas? Wo soll ich hin?“ „Du weißt doch, von der Archäologin und der Ärztin! Nun verstanden?“ „Wen meinst du? Sag’s doch einfach.“ „Mensch! Die Leitung wird vielleicht abgehört, deswegen! Denk nach! Zwei Mädels, die sich ne Wohnung teilen, hier in der Nähe wohnen und als Berufe Archäologin und Ärztin haben.“ „Ahhh... Du meins- ...“ Er  trennte mit einem Fingerdruck die Leitung und sagte mehr zu sich als zu uns „Fast hätte die doofe Kuh die Namen verraten…“ Der Wagen mit Strecki, Frau Liebig und den Mafiosi drehte an und die Polizeiautos hinter uns teilten sich auf. Zwei flogen den Anderen hinterher und insgesamt vier Stück klebten an unserem Heck.

 

Nun machte Chris ernst und flog, was das Auto hergab, dass mir schlecht wurde, doch mein Stolz hielt meinen Mund zu. Emma und selbst Rüdiger sahen ebenfalls etwas grün im Gesicht aus und hielten sich die Mägen bei den Rollen und anderen atemberaubenden Manövern, die bei Höchstgeschwindigkeit durchgeführt wurden. 20 Meter trennten unseren Wagen von den vier Verfolgern, die zum Glück nicht wieder anfingen, dass Feuer auf uns zu eröffnen. Vor uns tat sich nach einer weiteren Kreuzung, die wir bei rot überquerten und beinahe mit dem Leben bezahlt hätten, eine Art Autobahn auf. Ohne zu zögern fuhr mein Kumpel falsch herum die Abfahrt herauf und wich den entgegenkommenden Autos aus, die anfingen zu hupen. Die Polizeiautos fuhren währenddessen neben dem Zubringer und hielten Abstand von uns und dem Verkehr. Die Autobahn selbst war sozusagen zweistöckig, 3 Autos fuhren nebeneinander und jeweils 2 übereinander, also insgesamt 6 Spuren. Alleine beim Zugucken bekam ich ein mulmiges Gefühl und die Gewissheit, dass ich nie in dieser Zukunft Auto fahren werden. „Ich habe einen Plan.“ Meinte mein Kumpel als er waghalsig einen Truck umkurvte, fast mit einem Sportwagen in der Spur daneben kollidierte und dann per Rolle die Situation entschärfte. „Emma, du musst dich etwas tiefer hacken als gewohnt. Und zwar musst du das komplette Aussehen des Auto in einem bestimmten Moment verändern, so dass selbst die Polizeikameras getäuscht werden.“

 

In diesem Moment bemerkte ich etwas an meinen Kumpel, was sehr merkwürdig war. Woher wusste er eigentlich, dass Emma so gut hacken konnte? Und woher konnte er eine Verbindung einfach so aufbauen? Wo er doch aus meiner Vergangenheit stammt und weniger Zeit als ich hier verbracht hat. Über Emma konnte er gar nichts wissen, weil wir erst festgenommen wurden und danach nicht über sie geredet haben. < Ja, mach ich. > erschien auf dem Display unter dem Tacho und Emma fing an in die Luft zu tippen. „Chris?“ Ich musste ihn fragen. „Ja?“ „Woher weißt du eigentlich, dass Emma hacken kann?“ Ein Schweigen kam vom Vordersitz, den jetzt jeder gebannt anstarrte. „Ich... Ich weiß es nicht... Irgendwie war es einfach da... Vorhin nach dem ich kurz ausgeknockt war, da... da wusste ich auf einmal Dinge... Dinge, die mir ganz neu, aber auch vertraut vorkamen... Keine Ahnung woher die kamen... Sie waren einfach da... Seitdem kann ich auch Sachen... Sachen, die ich nie zuvor getan habe, aber doch kann ich sie... instinktiv... Irgendwie ist das alles ziemlich unheimlich... aber auch verdammt cool.“ Keiner sagte was. War der Typ da vorne tatsächlich mein Kumpel? Oder schlimmer eine Art Doppelgänger, der uns ausspionieren sollte? Keiner im Auto war sich seiner Antwort sicher, außer mir. Tief in mir wusste ich, dass es mein Kumpel war, der da das Auto lenkte. Nur er konnte so was bringen als er so tat, als ob er ohnmächtig wäre und von mir weiter gestreichelt werden wollte. „Emma, bitte.“ kam es von ihm und Emma machte mit dem Tippen weiter.

 

Vor uns erstreckte sich eine riesige Straßensperre am Horizont, die alle Fahrspuren blockierte und wie eine Wand aus Autos aussah. Die letzten Autos, die noch durch die Sperre kamen, fuhren an uns vorbei und Chris musste handeln. Er riss das Lenkrad rum und fuhr wieder in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Alle Polizeiautos in der Nähe korrigierten den Kurs und folgten unseren Wagen mit genügend Abstand zu uns und den unbeteiligten Fahrzeugen. So langsam wurde es echt eng. „Wie weit bist du Emma?“ < Brauche nur noch die Polizeikamerafrequenz, doch die zu filtern dauert. > „1782.56“ Wieder Stille im Auto. „Keine Ahnung woher. Ich weiß ja nicht mal was das genau bedeutet.“ Emma tippte die Zahl ein und nach ihrem Grinsen zu urteilen, funktionierte es. < Einsatzbereit! > erschien auf dem Display. „Ok, wenn ich jetzt sage aktivierst du es.“ Und bestimmt mit einem Lächeln auf dem Lippen fragte er „Hast du auch an getönte Scheibe gedacht?“ < Jap. Grüne^^ > grinste Emma und mein Kumpel guckte kurz, mit tatsächlich einem Lächeln, auf uns, wie wir zu Dritt auf die Rückbank gequetscht waren. Fast erwischte er einen LKW beladen mit Tilsiterkäse, denn die Autos vor uns wurden langsamer, was bedeutet, dass die Polizei eine weitere Straßensperre errichtet hatte. Ohne zu zögern riss mein Kumpel das Lenkrad nach unten und wir durchbrachen die obere Fahrspur und somit aus der Autobahn. Sofort taten es alle anderen Verfolger uns gleich und verteilten sich hinter unserem Heck. Die Autobahn wurde durch die Heckscheibe immer kleiner, während durch die Frontscheibe dafür ein Hochhaus größer wurde. Als Emma und ich Menschen hinter einer der Fenster erkennen konnten, fingen wir an zu schreien und in diesen Moment drehte sich der Wagen, schoss knapp an der Hauswand vorbei und ging auf der Rückseite des Hauses in einen Sturzflug über. Die Polizisten waren dermaßen überrascht, dass sie der Abstand merklich vergrößerte, ehe sie ebenfalls im Sturzflug hinter uns her jagten. Die Geschwindigkeit nahm ein kritisches Maß an, ehe mein Kumpel das Lenkrad wieder auf Normalposition brachte und wir in eine Straße einbogen und dieser folgten. An der jeder Kreuzung änderten wir die Richtung, anscheint ohne ein richtiges Ziel zu haben und trotzdem wurden die Insassen in den Polizeiautos, die ich durch die Heckscheibe beobachtete, nicht kleiner. „Haltet euch gut fest“ meinte mein Kumpel vor einer erneuten Kreuzung und alle befolgten den Ratschlag und klammerten sich an etwas. Beim Abbiegen ging er in die Eisen, wodurch wir alle nach vorne gedrückt wurden und mir beinahe das letzte Essen entwich und fuhr rückwärts weiter. Die Bullen, die um die Ecke sausten, wichen so gut es ging aus. Durch die Heckscheibe guckend wurde das vorletzte Verfolgungsauto plötzlich riesig. Erst im allerletzten Moment hob sich die Motorhaube und ich konnte die Unterseite des Autos erkennen, die dann unser Dach mit einem lauten Knall berührte. Mein Herz sackte in die Hose, doch dafür war keine Zeit. Mit einer tollen Drehung waren wir wieder auf Kurs und nun war zu erkennen, dass das waghalsige Manöver uns etwas mehr Platz beschert hatte. Nach ein paar weiteren Kreuzungen kam es zuversichtlich von Chris „Emma, gleich geht’s los. Wenn ich um die nächste Häuserecke fahre und wir aus deren Sicht sind, veränderst du unser Aussehen und ich brems das Auto auf Normalgeschwindigkeit ab. Hoffe das klappt, da vorne müssten gleich mehrer Kreuzungen aufeinander folgen, was sie verwirren sollte. Bei jetzt aktivierst du das Ding.“ Spannung lag in der Luft und alle starrten auf die Häuserecke bei der Kreuzung vor uns. Wieder wurde das Auto herum geschleudert, ein „Jetzt!“ peitschte durch den Innenraum und gleichzeitig bremste es und wir alle wurden in unsere Gurte gepresst. Die Polizeiautos brausten an unseren Wagen vorbei und verteilten sich an den nächsten Kreuzungen in alle Richtungen. Erleichterung ersetzte die Spannung und die Angst, dass es nicht funktioniert hätte, im gesamten Auto und jeder atmete einmal tief durch. Gemächlich im Gegensatz zur vorherigen Durchschnittsgeschwindigkeit ging es direkt raus aus diesem Gebiet, aber nicht ohne weitere kurze Panikattacken, wenn die Polizei vorbeiflog, zu bekommen. Über eine andere Autobahn ging es weiter zu den Mädels, wo hoffentlich schon Strecki, Frau Liebig und die Mafiosi warteten. Die 30 Minuten Fahrzeit dahin nutzten alle um durchzuatmen und das eben Erlebte noch mal Revue passieren zu lassen und zu verarbeiten.

 

Das Hochhaus der beiden, ehemaligen Klassenkameradinnen erschien und wurde langsam größer, womit auch die Spannung, ob die Anderen es geschafft hatten, stieg. Nach zwei weiteren Kreuzungen waren wir angekommen, fuhren auf den Parkplatz auf der Rückseite des Gebäudes und bestaunten viele in der Luft schwebende Fahrzeuge. Langsam ging es durch die Masse hindurch während wir nach unseren Freunden suchten. Mein Kumpel hielt an, stieg aus und winkte in die Automenge. Auf einmal regte sich etwas und tatsächlich erschien das gesuchte Auto über uns und kam herunter. Karl, der nun ebenfalls ausgestiegen war, umschlang mit seiner Hand, genauso wie Chris, seine Waffe. Immerhin konnte dies auch eine Falle der Polizei sein und in diesen Zeiten war Vorsicht geboten. In der Zeit, in dem das schnittige Modell neben uns geparkt wurde, stiegen wir Drei auf der Rückbank ebenfalls aus und schauten angespannt auf die sich öffnenden Türen. Wäre Frau Liebig ne Polizistin gewesen, dann hätten wir keine Chance gehabt, so schnell wie sie aus dem Wagen sprang und mich anfiel. Wildes Gekreische kam von ihr, während sich mich in den Arm nahm und drückte. Tatenlos blieb ich stehen und lies mir das Ganze gefallen. An ihrem Kopf vorbei konnte ich sehen, wie Strecki und die Mafiosi ausstiegen, wobei Einer von ihnen verletzt schien und blutete. Erst jetzt fielen mir auch die Einschusslöcher und die zerbrochene Heckscheibe auf. Emma, bis eben noch neben mir, war mit Tränen in den Augen zu Strecki gerannt, der sie in den Arm nahm und etwas verwirrt dreinschaut. Frau Liebig ließ mich endlich los und fing an zu erzählen, wie sie die Polizei abgehängt hatten. Sie redete so schnell, dass ich nur die Hälfte verstand, doch mein Gespür sich in andere Personen hinein zu versetzen und für deren Sätze zu beenden half mir es zu verstehen. Die Kurzfassung war, dass die Mafiosi die Polizeiautos mit Sprengstoffbomben außer Gefecht setzen konnten und so so schnell entkommen konnten. Von meinem Kumpel kam der Vorschlag „Lasst uns ihn nach oben bringen, dort kann er verarztet werden und sofort danach sollten wir abtauchen und uns ein Versteck suchen. Ich weiß nicht, ob jemand das Gespräch abgehört und verstanden hat.“ Zu Zehnt gingen wir durch den Hintereingang ins Gebäude: Rüdiger und Karl schlenderten voraus. Strecki, immer noch mit einem Blick, wie er reagieren sollte, hielt Emma. Jenny, die das ganz interessant fand, quasselte mich dicht und mein Kumpel lief mit den Augen rollend neben mir her. Am Ende hielt Einer der Mafiosi den Anderen und Uups rannte verpeilt hinterher. Eine Tür knallte und ehe ich mich versah lag ich auf den Boden und mein Kumpel mit unsicheren Blick auf mir. Ein älterer Herr aus einem Nebenraum ging ohne uns eines Blickes zu würdigen vorbei. „Sorry.“ „Was ist denn in dir gefahren? Bist du mein Bodyguard? Ich kann schon auf mich selber aufpassen. Ich bin schon groß!” pampte ich meinen Kumpel etwas an. Letztendlich mochte ich seine Nähe, doch das ging eindeutig zu weit. „Ich bin hier her gekommen um dich zu retten und zurück zu holen und das in einem Stück und das habe ich immer noch vor.“ und Chris ging weiter. Seine Antwort verdeutlichte mir noch mal, was er schon alles für mich getan hatte. „Hab ich dir schon mal gedankt?“ Perplex blieb er wieder stehen und schaute mich verwundert an. „Ähmm...“ Doch bevor er weiter etwas sagen konnte, sprang ich auf und umarmte ihn so doll es ging. „Du erwürgst mich...“ „Oh...“ Ich ließ etwas lockerer und schaute ihm in die braunen Augen. Er war er, definitiv. Ohne zu zögern küsste ich ihm auf die Wange und ging weiter, er hatte es verdient. Die Anderen warteten im Aufzug auf uns und als die Türen sich verschlossen und direkt wieder im richtigen Stockwerk öffneten, war wieder das Gefühl des Beamens vorhanden. An der Tür angekommen klingelte mein Kumpel und schob mich vor die Türkamera, damit ich die anderen 9 Leute verdeckte und die Beiden nicht abgeschreckt wurden. Die Tür ging auf und leicht verschlafen guckte die Ärztin durch die Tür, doch bei unseren Anblick wurden ihr Augen ganz groß und wanderten umher. Erst blieben sie bei dem blutigen Mafiosi und dann an mir haften. „Wir brauchen deine Hilfe.“ fragte Chris. Anstatt einer Antwort wie „Ja“, „Nein“ oder „Kommt rein“ meinte sie immer noch mich anstarrend nur „Ich hab euch im Fernsehen gesehen.“ Schweigen von beiden Seiten. „Dürfen wir bitte rein?“ fragte mein Kumpel und brach die kurze Stille. Aus den Gedanken gerissen stürzte meine alte Freundin auf mich zu, umarmte mich und antwortete „Ja, klar, kommt rein.“ In mein Ohr flüsterte sie beim Hineingehen „Ich hab mir solche Sorgen gemacht.“ Komplett bevölkerten wie die kleine Wohnung und alle bis auf Rüdiger und die Mafiosi, die in Richtung Sonnen- bzw. Heilbank verschwanden, gingen in die kleine Küche. Miss Archäologin saß bereits am Küchentisch als wir den kleinen Raum befüllten und Frau Doktorin setzte sich daneben. Frau Liebig umarmte Beide, während Strecki nur kurz zu ihnen nickte und sie zurücknickten. Mit Tassen in den Händen bewaffnet standen wir den Beiden gegenüber und zusammen lauschten wir den Nachrichten, die über den Bildschirm flimmerten.

 

„Guten Tag meine Damen und Herren. Es ist 14Uhr.

Wie die Polizei eben in einer Pressekonferenz mitteilte konnten die Terroristen, die erst heute Morgen gefasst wurden, aus dem Polizeihauptrevier flüchten. Die Polizei warnt, dass die Personen bewaffnet und sehr gefährlich sind. Außerdem sollte man nicht versuchen auf eigene Faust sie zu stellen, sondern sofort den Notruf oder die nächste Polizeistation alarmieren. Folgende Personen befinden sich derzeitig auf der Flucht:

Der derzeitig meistgesuchteste Terrorist Chris Marquardt und seine Komplizen Karl Siebert, Rüdiger und Emma Holzmann, Maren Reese, Jennifer Liebig, Tom Strecki, Heinz Kranz, Henning Mathies und Prof. Alexander.“

Dabei erschien jeweils ein Bild von uns aus früheren Zeiten.

„Wie Augenzeugen berichteten, gab es mehrer Explosionen und Schüsse aus dem Gebäude der Polizei. Ob dabei Personen verletzt oder gar getötet wurden, ist noch unklar. Eine dieser Explosionen soll dabei angeblich ein Loch in die Außenwand des Gebäudes gerissen haben, wodurch die gesuchten Personen flüchten konnten. Weitere Augenzeugenberichte besagen, dass die Terroristen zwei Autos besetzten und sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd durch die Stadt leisteten, bei der sie entkommen konnten.

Weitere Informationen dazu erhalten sie sofort bei uns.

Die weiteren Nachrichten...“

Der Fernseher wurde auf stumm geschaltet und die Frage, was tatsächlich passiert war, schwebte förmlich im Raum. Etwas ernüchternd fragte Karl einfach heraus „Also, was wollt ihr wissen?“ Die Beiden guckten sich nur verblüfft an und schauten dann in meine Richtung „Können wir ihnen noch vertrauen?“ „Ja“ antwortete ich mit meiner überzeugensten Stimme. „Für alle würde ich meine Hand ins Feuer legen.“ Und das stimmt auch. Bei Karl, Rüdiger, Emma, Strecki, Frau Liebig und Chris ohne Frage und bei den anderen Dreien war ich mir auch ziemlich sicher, immerhin haben sie uns aus dem Revier geholt. „Ok, dann könnt ihr bleiben so lange ihr wollt. Aber Betten oder so haben wir nicht.“ „Danke, aber wir hauen so schnell wir möglich wieder ab, dann ist die Chance ungesehen wegzukommen größer und ihr seid auch nicht gefährdet. Eher früher als später werden sie oder Passanten das Auto erkennen und dann stürmt die Kavallerie hier rein. Ich schau mal nach, ob wir schon los können.“ Und mein Kumpel verschwand aus der Küche. Karl beobachtete den Fernseher nach weiteren Informationen, Frau Liebig fing an die Beiden über das Erlebte voll zu quatschen, Emma schmiegte sich noch immer an Strecki, dem das langsam gefiel und ich dachte nach. Darüber was passiert war und über das was noch kommen wird. Die mobile Zeitmaschine war nun im Polizeirevier und wenn wir tatsächlich noch zurückqueren wollen, dann müssten wir wieder zurück. Doch zu diesem Zeitpunkt fühlte ich einfach eine familiäre Geborgenheit. Irgendwie schien es, als ob wir eine große Familie wären und letztendlich hatte uns das alles auch sicher so zusammengeschweißt wie eine Richtige. Mein Kumpel kehrte mit der Nachricht, dass wir in spätestens einer viertel Stunde wieder abhauen würden, zurück und wie er so im Türrahmen da stand, nutzte ich die Gelegenheit es Emma gleich zu tun und lehnte mich mit geschlossenen Augen an ihm. Nur noch seinen Herzschlag spürend und seinem Atem hörend konnte ich für ein paar Minuten komplett entspannen und die Umgebung ausblenden. Geborgenheit durchfloss meinen gesamten Körper und alle meine Sinne. Emma fühlte sicherlich das Selbe als sie bei Strecki lehnte, immerhin hatte er sie beschützt. Irgendwie hatte Emma in ihm nen Beschützerinstinkt ausgelöst und wer weiß, ob da noch mehr wäre. Emma schien da gar nicht so abgeneigt zu sein, so wie es aussah.

 

Eine kleine Atempause bevor es wieder los ging, von A nach B zu rennen verfolgt von der halben Zukunft, mehr war es nicht, dass wusste ich.
Trotzdem war ich froh über diese kurze Auszeit, denn ich hatte sie bitter nötig. In den letzten Tagen hatte ich mehr erlebt als die meisten Menschen in ihrem Leben und die ständige Hetzjagd schaffte mich. 
Auch wenn in diesem Moment alles friedlich schien war uns allen klar dass der Schein trügt und es nur eine Frage der Zeit war wann es wieder weiter gehen würde.
“Nun ist aber genug gekuschelt, dass ist ja fast widerlich! Fehlt nur noch das ihr gleich aufeinander hängt.“ Unterbrach die Archäologin die Stille.
„Wer hängt aufeinander und Wo? Runter von meinem Sofa!!!!“ schrie die Frau mit Schlips in unsere Richtung als sie zur Tür hinein gestürzt kam.
“Jetzt regt euch mal wieder ab, Chris und ich machen doch gar nichts.“ Verteidigte ich mich.
“Hast du eben Chris gesagt?“ „Stimmt, Sie hat eben Chris gesagt. Da läuft doch was zwischen dir und deinem Kumpel!“ Rüdiger und Karl grinsten sich an.
<Blitzmerker *rolleyes*> kam es von Emma.
Chris lächelte mich verlegen an und amüsiert stellte ich fest dass er sogar leicht rot wurde.
„Möglich“ murmelte ich und schmiegte mich wieder an ihn.
“Sag mal hast du eine Ahnung was der Agent von uns wollte? Habt ihr denen irgendetwas... entwendet?“ fragt Chris mich mit geschlossenen Augen. „Du bist doch der mit den ungewöhnlichen Erinnerungen im Kopf, ich hab keine Ahnung. Die Zeitmaschine kann er nicht meinen, denn die wurde von der Polizei bereits beschlagnahmt.“ Murmelte ich ebenso müde und erschöpft zurück. „Ungewöhnliche Erinnerungen…“ er lächelte „… es sind in der Tat ungewöhnliche Erinnerungen. Wahrscheinlich bin ich übermüdet aber eben hatte ich Mac Piet vor Augen, der neben einem gigantischem Glas Red Sider Dudelsack spielte.“
„Das Glas war nicht groß und viel zu schnell leer.“ antwortete ich im Halbschlaf.
„Du hast das ganze Glas ausgetrunken? Das war fast so groß wie Mac Piet. Und warum bekommst du Red Sider und ich nicht?“ Sein Interesse schien geweckt, denn er öffnete wieder ein Auge.
„Ja, aber es war nicht groß sondern Mac Piet war winzig und du hattest auch n Glas.“ „Ich hatte kein Red Sider. Wovon sprichst du?“ wollte er wissen doch ich war bereits eingeschlafen. So blieb ihm nichts anderes über als verwirrt auf dem Sofa sitzen zu bleiben und die anderen fragend anzusehen.
Es herrschte betretendes Schweigen und allgemeines zu Boden starren.
“Springen ist nicht unbedingt deine Stärke oder?“ fragte Karl schließlich.

„Nicht besonders. Das scheiß Weitspringen hat mich beim Bund das deutsche Sportabzeichen gekostet.“ Rüdiger und Karl nickten zustimmend. „Lass es mich so sagen…. In der Zukunft wird sich das nicht wesentlich ändern. Daran solltest du beim nächsten Mal am Besten denken bevor du den Helden spielst.“

 

Komplette Verwirrung stand meinem Kumpel auf der Stirn geschrieben und bei seinem Gesichtsausdruck fingen Karl und Rüdiger an zu lachen, wodurch ich wieder wach wurde und verschlafen aufblickte. „Wie lang hab ich geschlafen?“ fragte ich Chris. „Ähmm… ungefähr ne Minute.“ kam zurück und nun wurde mein Gesichtsausdruck zur allgemeinen Belustigung missbraucht. Diese Minute Schlaf hatte neue Geister in mir freigesetzt und ich fühlte mich tatsächlich ausgeschlafen. Belebt sprang ich vom Sofa und fragte, was nun zu tun sei. Stille. „Erstmal verstecken würde ich sagen…“ meinte Rüdiger. „Und dann mal sehen… wenn sich alles beruhigt hat, dann… dann sollten wir uns ausdenken, wie wir wieder an die Zeitmaschine kommen, denk ich.“ Karl hingegen war etwas pessimistischer „Wie willst du denn da wieder reinkommen mit unseren Gesichtern?“ „Darum kümmern wir uns später.“ Nun war mein Kumpel an der Reihe. „Jetzt müssen wir erstmal weg von hier. Je länger wir hier bleiben, desto größer ist nicht nur die Gefahr, dass wir gefunden werden, sondern auch die, dass die Beiden hier mit hinein gezogen werden.“ Beide sagten nichts, doch irgendwie kam es mir so vor, als ob sie leicht rötlicher wurden. Die Mafiosi kamen wie aufs Stichwort in die Küche und sagten, sie wären bereit. Ohne zu zögern sprach Chris einen Dank an unsere Gastgeber aus und drehte sich um in Richtung Haustür.


Kapitel 8: Alte Rivalen und Freunde

 

Komplett versammelten wir uns noch einmal draußen vor der Tür und verabschiedeten uns in Kurzform von einander. Niemanden trafen wir auf dem Weg zum Parkplatz, was auch gut so war. „Und was nun?“ fragte ich in die Runde. „Wir hauen ab.“ meinte Karl knapp. „Ja, aber wohin? Und mit was?“ „Guck dich doch mal um, wir klauen einfach ein paar Autos.“ antwortete mein Kumpel und fügte hinzu „Das Wohin ist schon schwieriger, aber irgendwie seh ich die ganze Zeit vor meinem inneren Auge eine leer stehende Lagerhalle mit rotem Dach und einem Geheimgang zu eine Art Bunker. Karl, Rüdiger, weiß einer von euch, was ich da sehe?“
„Ja klar, das ist ein ideales Versteck. Wieso sind wir nicht selber darauf gekommen. Es ist zwar weiter weg, aber dafür schwer zu finden und außerdem auf keiner Karte verzeichnet, weil es einfach zu alt ist.“ erklärte Karl und Rüdiger zeigte Emma auf einer Karte, wo die Stelle sei.
Mein Kumpel machte weiter „Also gut, wir sollten uns am Besten wieder aufteilen. Ich denk, drei Gruppen sollte es schon sein, die unterschiedliche Routen nehmen und zu verschiedenen Zeiten dort ankommen. Sieht ja verdächtig aus wenn plötzlich drei Autos zu einer leeren Halle fahren.“

Kurze Zeit und vier aufgeknackte Autos später stiegen die Gruppen mit jeweils einer, von Emma gedruckten, Karte in die Wagen und verteilten sich in alle Richtungen. Die beiden Mafiosi und Uups fuhren in einem silbergrauen Kleinwagen davon, dicht gefolgt von einem Knallgelben, in dem ganz alleine Emma und Strecki saßen. Wir, das heißt Rüdiger, Frau Liebig und ich, hatten einen schwarzen Mittelwagen bevorzugt und schauten Fernsehen, in dem immer mehr Details über unsere Flucht bekannt gegeben wurde. Die Vorreiter mein Kumpel und Karl fuhren auf dem direkten Weg zum Versteck um gegebenenfalls uns zu warnen. Eigentlich wollte ich mit Chris ohne Karl mitfahren und mit ihm ein bisschen allein zu sein, doch obwohl er diesen Gedanken ebenfalls als sehr angenehm empfand, wollte er mich nicht in Gefahr bringen und Rüdiger hatte mich ins andere Auto gezogen. Männer, immer müssen sie den Helden spielen. Strecki fuhr auch alleine mit Emma durch die Gegend und ich muss nun das Gerede von Frau Liebig aushalten, die ganz besorgt wegen Strecki schien.
„Wer ist überhaupt diese Emma und wieso redet sie denn nie, sondern benutzt nur ihren komischen Computer?“
Rüdiger, der das Auto fuhr, umklammerte bei jedem weiteren Wort das Lenkrad fester. „Ähmm… Jennifer.“ „Ja?“ „Vergisst du nicht etwas?“
Auf dem Beifahrersitz drehte ich mich zu ihr um und zeigte auf Rüdiger. „Hmm? Was meinst du?“ Entweder sie hatte die Tatsache wieder vergessen, dass Rüdiger Emmas Bruder war oder aber sie wollte Rüdiger so sehr reizen, dass er ein paar Antworten auf ihre Fragen geben würde. Mir jedenfalls lag unsere aller Leben am Herzen und bei einem Wutausbruch von Rüdiger wäre dieses beim Fahren in Gefahr. „Jennifer… lass uns mal lieber wieder Fernsehen.“

 

Und mit einem Klick auf dem Fernseher brachte ich Frau Liebig tatsächlich zum Schweigen. Doch anstatt die Nachrichtenstimme zu hören drang kein einziges Geräusch an mein Ohr. Ich machte den Mund auf um was zu sagen, doch es kam nichts heraus. Erst jetzt bemerkte ich, dass Frau Liebig erstarrt war, genau so wie der Rest der Dinge um mich herum. Aus dem Fenster sah ich wie gerade eine Katze von einem Mülleimer zu Boden sprang und genau mitten in der Luft einfach angehalten war. Weiter sah ich einen Vogel, der wie am Himmel festgenagelt wirkte und die Autos auf der Straße um uns herum, die einfach so parkten. Und dann entdeckte ich das Gesicht eines Passanten auf der anderen Straßenseite, dass sie mir so vertraut war und doch wolle mir partout nicht einfallen, wer die Person war. Das Gesicht grinste unheilvoll in unsere Richtung und schien unser Auto genauestens zu beobachten und doch nicht zu auffällig zu wirken. Eine hohe Stirn, einen leichten Stoppelbart erkannte ich, sowie das Auffälligste an der Person – seine recht fortgeschrittene Glatze. An den Seiten waren nur noch kleine Büschel vom brauen, lockigen Haar zu erkennen, dass in vergangenen Zeiten kräftiger zu sein schien.

 

Mein Blickfeld veränderte sich, langsam schwebte ich wie ein Geist aus unseren Wagen und konnte mein Drücken auf den Fernseher und Karls Umklammern des Lenkrades erkennen. Dann sah ich unser Auto von außen und glitt weiter zu der Person, dessen Name mir immer noch nicht einfallen wollte. Ohne mein Zutun drehte ich mich in der Luft und plötzlich sah ich das Geschehen aus den Augen des Mannes.

 

„WUUMMM…“ Eine Explosion ertönte, doch mein Gastgeber schien nicht davon überrascht zu sein. Entsetzt musste ich mit Anblicken wie unser Auto spielzeugleicht durch die Luft gewirbelt wurde und hart auf den Asphalt knallte und liegen blieb. Stille, bevor aus heiterem Himmel überall Menschen anfingen zu schreien und in Richtung unseres Wagens rannten. Ohne Nachzudenken, was gerade passierte, ging ich mit dem Mann auf das Auto zu und konnte Frau Liebig mit einer Platzwunde im Auto liegen sehen. Mein Körper war durch die Wucht der Explosion aus dem Auto gerissen worden und lag rund 2 Meter weiter entfernt. Mein Gastgeber erkannte mich, lief auf mich zu und kniete sich neben mir. Ich sah schrecklich kaputt aus. Überall war Blut und mein Bein war in einem sehr unnatürlichen Winkel, doch meine Brust hob und senkte sich. Mein Gesicht war kreidebleich. Seine Hand streichelte mir kurz über die Wange und ich hörte ihn halb in Gedanken, halb tatsächlich aussprechen „Schade, dass es so kommen musste.“ sagen. Dann wurde es dunkel.

 

Schmerzen. Mein ganzer Körper schrie nach einem Ende. Ich konnte meine Augen, genau so wenig wie meine Hände bewegen und das Einzige was ich hörte was mein eigener schnell rasender Puls. Der Schmerz übernahm mich und ich fiel wieder in Ohnmacht.

 

Licht. Licht schien durch meine Augenlider. Die Schmerzen waren etwas gewichen und nun durchströmte ein Gefühl der Taubheit meinen ganzen Körper. Irgendwo sollte da mein Körper sein, aber ich spürte nur die Teile, die mir Schmerz verursachten. Bei jedem Herzschlag pochte es von meinem Kopf aus, die rechte Seite hinunter bis ins Bein und durchzog mich komplett mit Schmerz. Langsam trafen die Geräusche der Umgebung in mein Bewusstsein ein und durchzogen dieses wie Wellen, so dass alles ziemlich verzerrt klang. Meine Augenlieder waren so schwer wie Garagentore und ich schaffte es gerade einen kleinen Spalt zu öffnen. Weißes Licht blendete meine Sinne, die ganz langsam immer schärfer wurden und ich die Schemen des Bettes, in dem ich lag erkennen konnte. Mehrere Geräte standen neben meinem Bett und waren mit mir überall verkabelt. Ein Vorhang versperrte mir die Sicht auf den Rest des Raumes und in diesem Moment erfasste mich der Gedanke an Rüdiger und Frau Liebig, die es hoffentlich nicht so stark getroffen hatte wie mich. Weiter schweiften meine Gedanken zu den Anderen und was die wohl gerade taten. Ich versuchte auf mich aufmerksam zu machen, doch aus meiner Kehle kam kein Ton und meine Hand blieb stumm auf der Bettdecke liegen. Die Anstrengung war zu viel für mich und meine Augenlider schlossen sich unaufhaltsam und mein Bewusstsein hörte auf zu arbeiten.

 

Stimmen. Ich hörte Stimmen. Zwar waren sie undeutlich, doch konnte ich erkennen, dass sie von niemanden von unserer Truppe stammte und war leicht enttäuscht. Während meines letzten Schlafes hatte ich neue Kraft geschöpft und konnte dieses Mal problemlos meine Augen öffnen. Die beiden Stimmen erklangen hinter dem Vorhang, der mir die Sicht verbarg und nur zwei Schemen von Personen zeigte. Nach den Stimmen zu urteilen, waren es ein Mann und eine Frau, welche ziemlich aufgebracht stritten.
„Wann wird sie endlich aufwachen, dass wir sie vernehmen können?“
„Das wissen wir nicht! Und es kann sich noch Tage hinziehen. Außerdem, wenn sie aufwacht, braucht sie erstmal Ruhe und kein Verhör! Hat das ihnen Doktor Radke nicht schon zig Mal gesagt?“
„Sie ist halt wichtig. Als Einzige kennt sie den Aufenthaltsort von den schlimmsten Terroristen und umso mehr Zeit vergeht, desto kälter wird unsere Spur. Das müssen sie doch verstehen.“
„Aber aus ärztlicher Sicht kann das hier niemand verantworten und deshalb gehen sie jetzt wieder!“
Stille, anscheint schien der Mann darüber nach zu denken, was er tun würde. Nach kurzer Pause ging er wortlos aus dem Zimmer gefolgt von der Krankenschwester.

Ich bin die Einzige die den Aufenthaltsort kennt? Welcher Aufenthaltsort?
Die Bilder drängten sich wieder in mein Bewusstsein.
- Genau, wir wollten irgendwo hin und hatten einen Unfall, deswegen liege ich im Krankenhaus, dachte ich.
- War es ein Unfall?
Ich schloss die Augen und sah wieder denn Mann, wie er sich über mich beugte und mein Gesicht berührte, während ich bewusstlos in meinem eigenen Blut lag. Auf eine unheimliche Art und Weise kam es mir bekannt vor. Aber das Blut… Nein, irgendwas war verkehrt. Meine Gedanken stolperten über noch etwas, aber ich konnte es nicht definieren.

- Wo wollten wir hin?
Mein Kumpel, ich sah ihn förmlich vor mir, er hatte von einer Vision gesprochen. Eine verlassene Lagerhalle, sehr weit entfernt und auf keiner Karte verzeichnet, mehr Informationen hatte ich nicht. So wie ich meine Mitstreiter einschätzte, würde der Unterschlupf zudem gut getarnt sein.
Ich seufzte resignierend. Mit diesen wenigen Anhaltspunkten würde die Suche nach meinem Kumpel zu einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen werden. Falls ich hier überhaupt rauskomme, fügte der Pessimist in mir hinzu. Wenigstens konnte ich sicher sein, dass mein mir bevorstehendes Verhör die Ermittler enttäuschen würde. Mit mir als einzige Informationsquelle würden sie weiter im Dunkeln tappen.
Da viel es mir wie Schuppen von den Augen … Die Einzige! Ich schluckte.
Das hieß entweder, Fräulein Liebig und Rüdiger waren entkommen oder … Ich dachte kurz an das Bild der vollkommene Zerstörung, dass ich von meiner Außensicht gesehen hatte und schluckte noch einmal trocken.  
Nein daran wollte ich nicht denken, dass durfte einfach nicht sein.

Allein die Vorstellung versetzte mir einen tiefen Stich, gleichzeitig kam es mir unfassbar und unwirklich vor.

Ich war so in Gedankenvertieft, dass mir das Flackern der Neonröhre nicht auffiel. Doch als es plötzlich erlosch schrak ich hoch und blickte zur Decke. Auch meine Geräte schienen verrückt zu spielen, denn sämtliche Kontrolllampen blinkten durcheinander wie ein türkischer Tannenbaum.
So plötzlich wie es angefangen hatte, hörte es auch wieder auf nur die Lampe blieb defekt. Nichts passierte, also schenkte ich diesem kleinen Zwischenfall keine größere Beachtung. Beim Betrachten meiner kargen und steril gehaltenen Umgebung wunderte ich mich dennoch über die Maschinen. Auch wenn meine Medizinkenntnisse, von Hustentees abgesehen, gegen Null gingen, fiel sogar mir auf, dass etwas nicht stimmte. Ich fühlte meinen Puls und beobachtete die grünen Linien, danach konzentrierte ich mich auf meinen Herzschlag. Es passte nicht.
Doch bevor ich mir noch weiter den Kopf zerbrechen konnte, hörte ich wie jemand den Türgriff hinunter drückte. Für eine Schwester war das Tempo zu langsam und auch die rücksichtsvollste Schwester versuchte nicht, so leise zu sein. Es gab nur 2 Möglichkeiten entweder war dies ein gutes Zeichen und man versuchte, mich aus dem Krankenhaus zu bringen bevor die Ermittler Wind davon bekamen dass ich bei Bewusstsein war oder

vielleicht versuchten die Ermittler mich, trotz des ärztlichen Verbotes zu verhören.
Schnell schloss ich die Augen und versuchte flach zu atmen.

Der Unbekannte konnte höchstens ein  paar Schritte hinein geschafft haben, als die Stimme der Schwester ertönte.
„SIE schon wieder?! Hatte ich ihnen nicht ausdrücklich gesagt, dass niemand außer dem ärztlichen Personal zutritt bekommt? Nanu hier ist es ja duster.“ Dann stockte sie sie und nach einer kleinen Pause die, so wie es sich anhörte,  einem kleinen Gerätecheck beinhaltete, seufzte sie erleichtert. „Nur eine defekte Glühbirne, Die Maschinen arbeiten einwandfrei. Gott sei Dank, dass hätte uns grade noch gefehlt. Einen Geräteausfall hätte sie sicher nicht überlebt. Warten sie bitte draußen, in ihrem jetzigen Zustand brauch sie Ruhe. Ich werde den Hausmeister beauftragen, sich alles noch mal genau anzusehen und die Glühbirne zu wechseln. Wenn ihr Zustand in ein paar Stunden  immer noch nicht gebessert hat, dürfen sie rein. Aber solange wir noch die Hoffnung haben, dass sie aus dem Koma erwacht, bleiben sie bitte im Warteraum. Wir werden sie dann informieren.“
Sie schob den Unbekannten zur Tür hinaus.


Es machte keinen Sinn.
Ich lag nicht im Koma, und selbst wenn, warum durfte ich jetzt niemanden empfangen, aber wenn es keine Hoffnung auf Besserung gab?
Ich dachte an das Knochenheil-Solarium.
Wie matsch musste ein Mensch in dieser Zeit sein, dass er nicht wieder geflickt werden konnte? Ich schauderte. Und wie lange konnte man einen so gut wie toten Körper am Leben erhalten und warum sollte man das tun?
Die brauchen nicht mich, sondern nur mein Gehirn, schoss es mir durch den Kopf.
*Klick*
Schnell schloss ich die Augen.
Dass konnte doch nicht wahr sein, schon wieder trat jemand ins Zimmer.
Hoffentlich ist es niemand, der es auf mein Gehirn abgesehen hat, dachte ich verzweifelt und hatte mühe ruhig zu atmen.

„Hey Schlampe, wenn du die Augen noch mehr zukneifst und noch lauter atmest, nimmt man dir die Komapatientin fast ab“ sprach eine Stimme an mich gewannt.

Mist, meine Tarnung ist aufgeflogen, jetzt ist alles gelaufen, dachte ich und verkrampfte mich noch mehr.
“Ironie hattet ihr an eurer Schule auch nicht, oder? Jetzt hör mal kurz auf mit dem Theater, wir haben nicht viel Zeit.“ Sprach sie weiter.
Das hört sich ja fast so an, als wäre die Person auf meiner Seite, dachte ich und öffnete verwundert die Augen.

Vor meinem Bett stand ein Kerl im Blaumann auf einer Trittleiter und schraubte die Abdeckung der Lampe ab. Er erinnerte mich leicht an den Hausmeister von Scrubs, aber richtig einordnen konnte ich ihn nicht.
„Wer bist du?“ fragte ich ihn schließlich.

Er hörte mit seiner Arbeit auf und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.
“Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ er seufzte und sah mich an, als wär ich bekloppt.
„Wie alt bist du?“ fragte er mich nach einer Pause.

„ Bin im Sommer grad 20 geworden“ entgegnete ich und wartete auf eine Reaktion von ihm, aber es kam keine. Er schraubte weiter und schien zu überlegen.
„Wir haben nicht viel Zeit, dein komischer Freund kann hier jeden Moment wieder reingeschneit kommen. Also der Plan sieht folgendermaßen aus, die Geräte sind so präpariert, dass sie die Werte einer im Koma liegenden Person ausspucken. Du müsstest mittlerweile fit genug sein, hier allein raus zukommen…“ er sah in meine Richtung und wartete ein Nicken ab. Dann zog er einpaar Gegenstände aus der Lampe hervor und warf sie aufs Bett. Ich erkannte einen der Knöpfe, die einem ein anderes Gesicht gaben, weiße Kleidung und ein rundes Metallgerät.
Ich hob die kleine Metallkugel hoch und betrachtete sie von allen Seiten.
„Dieses kleine Wundergerät erstellt ein Hologramm von dir, damit niemanden auffällt, dass das Bett leer ist. Hat Kevin gebastelt.
Die Klamotten gehören einer Schwester, noch ein Grund warum wir hier schnell verschwinden sollten. Ich will nicht mehr hier sein, wenn ihr auffällt, dass ihr Schrank aufgebrochen ist. Ich wurde gründlich untersucht, bevor ich den Raum betreten konnte. Wir hatten schon damit gerechnet, dass die Sicherheitsmaßnahmen nicht grade gering ausfallen würden.
Zum Glück hatten wir Insiderinformationen und wussten, in welches Zimmer du verlegt werden würdest. Deswegen hab ich die Sachen heut morgen hier verstaut. Als du wieder so weit regeneriert warst, dass ärztliche Hilfe nicht mehr dringend erforderlich war, hat das kleine Wundergerät permanent Magnetwellen ausgesendet, die die Geräte entsprechend manipuliert hat. Im ganzen Krankenhaus gibt’s keinen Arzt, der bei diesen Werten davon aus geht, dass du ohne Hirnschäden davon gekommen bist, geschweige denn einen der glaubt, es bestände Fluchtgefahr. Deshalb ist die Bewachung reduziert worden und genau das ist unsere Chance.
Du legst du das Gerät mit dem roten Knopf nach oben und betätigst ihn zusammen mit dem blauen der Rückseite. Das Hologramm braucht einen Moment bis es hochgefahren ist.
Ich muss gleich verschwinden, wenn du zweimal den Schrei eines Teichhuhns hörst ist die Luft rein. Vorher solltest du aber deine Sachen wechseln. Ich denke Größe 44 passt dir oder?“ er grinste mich an und ich sah auf die Krankenschwesteruniform.
„Etwas klein aber wenn ich die Luft anhalte müsste es gehen.“ Gab ich säuerlich zurück.
„War das Ironie? Ich glaub ich bin bei der falschen Patientin“ er lachte hell. „Welchen komischen Freund meinst du und wie hört sich ein Teichhuhn an?“
„Ich mein den Kerl mit den… na, etwas lichteren Haar. Der könnte ein Problem werden, ein Hologramm kann man zwar sehen aber nicht anfassen.“
Ich erbleichte. „Anfassen, der hat mich während ich bewusstlos war…“ „Nein hat er nicht, ich hab doch gesagt die Sicherheitsvorkehrungen sind gut. Mit seinem Wisch kommt er zwar an den Polizisten vorbei, aber die Schwestern sind scharf wie Bluthunde. Ich muss jetzt weg, es ist nicht grad unverdächtig wenn ich hier beim Glühbirnenaustauschen Wurzeln schlag. Außerdem solltest du dich auch beeilen und ich bin nicht grad wild drauf noch im Raum zu  sein wenn du dich umziehst“
Er nahm mir die Metallkugel aus der  Hand drückte einen kleinen Knopf neben dem großen Roten und das Licht ging wieder an. Zufrieden warf er mir den Gegenstand wieder zu und räumte sein Werkzeug zusammen. „Und den Ruf eines Teichhuhn erkennst du, wenn du ihn hörst.“ Sagte er beim Gehen ohne sich noch einmal umzudrehen.

Nun befand ich mich wieder allein im Zimmer.
Ich drückte die Knöpfe der Metallkugel und sah dabei zu wie sich langsam Pixel für Pixel die Gestalt meines Oberkörpers im Bett aufbaute.
Schnell zog ich mich um und betrachtete die Sachen verwundert.
So groß sahen sie gar nicht aus und noch viel schlimmer, sie passten!
Ich reckte den Hals um das Etikett der Hose lesen zu können. Es war meine Größe, er hatte mich verarscht und ich hatte es ihm abgenommen.
Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es nicht das erste Mal gewesen war und dass er wusste, dass ich genau so reagieren würde. Trotzdem konnte ich mich nicht an ihn erinnern.
Er war definitiv kein Sozi und kein Öko, aber ein Techniker irgendwie auch nicht. Vielleicht hatte ich ihn an der Uni getroffen, aber in der kurzen Zeit die ich vor meiner Zeitreise dort hatte, konnte ich mir grade mal ein paar Namen merken und das waren hauptsächlich Mädels gewesen.
Selbst wenn ich ihn da flüchtig gesehen hätte, seit dem sind in dieser Zeit viele Jahre vergangen und die Menschen haben sich verändert.
Es machte keinen Sinn weiter zu grübeln, erstmal musste ich hier raus kommen und dass würde schon schwer genug werden.
Wenn ich das geschafft hatte, konnte ich ihn immer noch fragen.

Nach dem ich den Knopf hinterm Ohr befestigt und aktiviert hatte, war ich soweit startklar aber wo sollte ich die alten Kleidungsstücke lassen? Mein Blick fiel auf das Hologramm, das nun täuschend echt aussah. Es stellte meinen Oberkörper dar, meine holografischen Arme lagen auf der Bettdecke nur an den Beinen sah man den Unterschied.
Sie konnten nicht dargestellt werden, da sie ja auf der Oberfläche der Bettdecke gelegen hätten. So war ich bis zum Anfang der Bettdecke in 3D zu sehen und dann lag die Decke flach da. Das war die Lösung, ich nahm meine alten Klamotten und stopfte sie unter die Decke, so dass sich der Abdruck meines vermeintlichen Unterkörpers abzeichnete.
Ich war grade fertig als ich ein schnatterndes Geräusch vernahm.
Das Teichhuhn!
Ich lief zur Tür, öffnete sie leise und späte in den Flur. Niemand war zusehen also schlich ich aus dem Raum.
Der Flur war wie leergefegt, es fehlte nur noch das Zirpen von Grillen und man hat die perfekte Neuzeitkulisse einer verlassenen Geisterstadt.
Wie auf Abruf zirpten tatsächlich in der Ferne ein paar Grillen und ich erschauderte während ich in Gedanken bei Zombiefilmen war. Es fehlte nur noch der Schriftzug – Umbrella Cooperation- und das Horrorfilmszenarium  wäre komplett. Das Zirpen wurde lauter und vereinzelnd mischten sich Schrei unter die Geräuschkulisse.
„Sie kommen aus dem Lüftungsschacht! O mein Gott hier ist alles voll, ruft einen Kammerjäger!“
Plötzlich öffnete sich auf der linken Seite des Korridors eine Tür, allem Anschein nach die Herrentoilette, und einer der Wachmänner trat hinaus. Verwundert lauschte er dem Durcheinander von Geräuschen und dann sah er mich an.  Ich hoffte inständig dass meine Tarnung ausreichte und wollte einfach an ihm vorbei gehen. Ich hatte ihn bereits hinter mir gelassen als seine Stimme mir „Ahh Schwester….“ hinterher rief.

Ich drehte mich mit einem übertrieben-freundlichem Lächeln zu ihm um. „Ja?“ Er schielte auf mein Namensschild und setzte erneut an.
„Schwester Ahlers, wie ist ihr Zustand? Gehe ich Recht in der Annahme, dass sie eben bei der Patientin waren? Sobald sich ihr Zustand stabilisiert hat, werden sie uns doch unverzüglich benachrichtigen?“
“Schlecht, ja und natürlich wieder ja.“ Entgegnete ich knapp und setzte meinen Weg fort. Meine Finger hatten fast die Tür erreicht um sie aufzudrücken, als sie wie von Geisterhand aufschwang. Ein zweiter Wachmann mit einer Tasse Kaffee in der Hand erschien. Er öffnete den Mund und ich beantwortete ihm seine noch nicht gestellte Frage.
„Ihr Zustand ist immer noch unverändert, meine Herren.“
Verblufft sah mich der Kaffeeträger an, dann glitt sein Blick an mir vorbei  traf sich mit dem des ersten Beamten. Seine Miene verfinsterte sich und der Mann vor dem Klo schien es auf einmal eiliger zu haben.

„Kann ich mir nicht einmal einen Kaffee holen und mich darauf verlassen das du wache schiebst?“
Die Gelegenheit war günstig, also nutzte ich sie und drückte die Schwingtür des Korridors auf. Sie prallte gegen ein Hindernis und ich vernahm ein „Autsch!“
Ich drückte vorsichtiger gegen die Tür und diesmal war das Hindernis verschwunden.
„Ganz schön hektisch hier, nech“ hörte ich jemanden von der anderen Seite sprechen. Der Mann hielt mir die Tür auf, lächelte freundlich und wollte sich an mir vorbei schieben.

„Nur für Personal“ prangerte in Übergröße an der Tür, die sich von außen scheinbar nur mit einer entsprechenden Chipkarte öffnen ließ. Ich sah ihn an und erkannte den Mann, dem ich vor der Explosion gesehen hatte.

„Warum?!“ flüsterte ich fast, eher zu mir selbst als zu ihm.
Es machte keinen Sinn. Wieso? Wieso grade ER? Das konnte nicht sein! Das würde er nie tun, es musste eine andere Erklärung geben.“
„Warum? Na haben sie das nicht mitbekommen? Die scheinen hier n kleines Ungezieferproblem zu haben. Da hinten ist vielleicht ein Theater. Frauen halt, sehen ein Krabbelvieh und stellen sich gleich kreischend auf dem höchsten Stuhl.“
Er hatte mich nicht verstanden, wie auch, ich war ja perfekt getarnt.
Ich musste an die Worte des Hausmeisters denken.
- Ein Hologramm kann man zwar sehen aber nicht anfassen. -
Sicher war er krank vor Sorge. Aber ich musste ihn aufhalten denn, wenn er ins Krankenzimmer gelangen sollte und feststellt dass dort nur ein Hologramm lag, würde es sicher Probleme geben.
So Leid es mir tat, ich durfte ihm nicht sagen, dass ich munter vor ihm stand.
„Wo wollen sie denn hin?“
Ich war mir nicht sicher ob er mein Namensschild länger als nötig betrachtete, oder ob er eher an dem Inhalt meiner Bluse interessiert war, doch schließlich schaffte er es in Augenhöhe zu sehen.
„Ach Schwester Ahlers, nun sein sie doch nicht so.“
Es tat mir so Leid, aber ich durfte ihn nicht durchlassen. Vielleicht kann ich ihn wenigsten beruhigen, dachte ich und erwiderte sein Lächeln.
„Es geht wirklich nicht, glauben sie mir, ich würde sie gern gehen lassen aber ich habe meine Anordnungen. Aber falls es sie beruhigt, ihrer Freundin geht es schon wesentlich bessrer. Geben sie die Hoffnung nicht auf, vielleicht können sie bald mit ihr sprechen.“
Ich legte ihm aufmunternd meine Hand auf die Schulter.
Das Lächeln verschwand und sein Gesichtsausdruck wurde härter. Es schien ihn sehr getroffen zu haben, dass er mich nicht sehen durfte, dachte ich. Am liebsten hätte ich ihn in die Arme geschlossen und getröstet. Er machte sich ganz um sonst Sorgen und ich durfte ihm nicht helfen.
“Meine Freundin? Ich weiß ehrlich gesagt nicht woher sie diese Informationen haben, aber sie sind nicht korrekt. Ich kenne die Patientin in der Tat, aber ich bin nicht aus privaten Gründen hier. Das einzige was mich interessiert ist diese Ermittlung. Das die Patientin in naher Zukunft wieder in der Lage sein soll, zu sprechen bezweifle ich jedoch. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden müssen ich und mein Team zu ihr, bevor der Hirntod eintritt. Man hatte mich in Kenntnisse gesetzt, dass es in spätestens einer halben Stunde so weit wäre. Ich möchte keinen Datenverlust riskieren, darum verstehen sie bitte dass ich schnellstmöglich die Genehmigung zum Eingreifen benötige. Ich erledige nur meine Arbeit und dass sollten sie auch tun. Unnötig falsche Hoffnungen wecken hilft keinem.“
Ich sah ihn geschockt an und war mir nicht sicher, ob er gut Schauspielerte oder ob dass wirklich sein Ernst war.
“Ist noch etwas?“ fragte er mich, da ich immer noch mit weit aufgerissenen Augen und runter gefallener Kinnlade in der Tür stand.
Stumm schüttelte ich den Kopf, konnte den Blick aber nicht abwenden.

Ich war so baff, dass ich ihm wahrscheinlich sogar die Sicherheitstür aufgehalten hätte.

Manchmal, wenn alles total verrückt und sinnlos erscheint, sind es noch verrücktere Sachen die einem wieder zurückholen.
In diesem Fall der Ausruf: „Ist das ein Leguan?!“
Ich blinzelte und sah tatsächlich einen schuppigen grünen Kopf, der um die Ecke des Flures schaute. „Scheint so.“ antwortete ich ihm ungerührt.
“Die Hygienestandards scheinen ja hier nicht sonderlich hoch angesetzt zu sein. Nicht genug, das sie mit einer Insektenplage zu kämpfen haben, jetzt laufen hier auch noch Reptilien rum. Ich bin nur froh hier kein Patient zu sein, auf die Chitineinlage im Salat kann ich verzichten.“ empörte er sich. Ich sah erneut zur Ecke und stellte fest, dass keine Spur mehr von der Echse zu sehen war. Dafür könnte ich schwören, dass sich die Abdeckung des Lüftungsschachtes langsam senkte. Mittlerweile hatte mein Gegenüber deutlich an Lautstärke zugelegt. Jemand mit weißem Kittel mischte sich ein. „Kann ich ihnen behilflich sein?“ fragte er den Mann in der Tür.
“Dr. Radke, natürlich können sie das. Ich bräuchte nur eine kleine Unterschrift, dann kann ich endlich meiner Arbeit nachgehen.“

Der Mann mit Kittel seufzte laut.
„Darüber haben wir doch schon gesprochen. Ihr beruflicher Ergeiz in allen Ehren, aber ich gebe mein Einverständnis erst, wenn es medizinisch vertretbar ist“

„Nun hören sie mir mal gut zu, ich brauche die Genehmigung, sofort. Wissen sie eigentlich wen sie vor sich haben? Mit dem, was ich hier gesehen hab, könnte ich veranlassen die Klinik zu schließen! Die Insekten und erst die Reptilien hier!“
Der Arzt zog skeptisch eine Augenbraue hoch und fragte in einem fragenden Ton „Reptilien?“

„Ja, da drüben, der Leguan…“ er stockte kurz, als er bemerkte, dass an der Stelle wo sein ausgestreckter Zeigefinger hinwies kein Leguan zu sehen war. „Der Leguan, er ist bestimmt nur um die Ecke gekrochen.“
Schon war er um die Ecke gebogen, wo er gestikulierend stehen blieb.
„Hier war ein Leguan, ganz sicher. Sie hat ihn auch gesehen!“
Er deutete auf mich.

Ich lächelte verständnisvoll. „Natürlich, der Leguan. Wir sind auf ihrer Seite, alles wird gut.“ Er starrte mich entsetzt an. 
„Diese Stimme, die Sozistimme! Du bist nicht Tod! Das ist alles eine große Verschwörung!“
Ich wechselte einpaar viel sagende Blicke mit dem Arzt und dieser nickte kurz. „Natürlich ist sie nicht Tod, Schwester Ahlers geht es fantastisch. Ihnen würde es vielleicht auch gleich viel besser gehen, wenn sie sich etwas Ruhe gönnen. Haben sie überhaupt geschlafen, seit die Patientin eingeliefert wurde?“
„Natürlich nicht! Ich habe ihnen doch bereits gesagt, wie wichtig die Ermittlungen sind und das ich vermute, dass etwas nicht stimmt. Sie haben mir nicht geglaubt aber ich hatte Recht! Sie ist wach und steht direkt neben Ihnen.“ Er hatte immer noch den Finger auf mich gerichtet und funkelte mich mit zusammengekniffenen Augen böse an.
„Nein, dies ist Schwester Ahlers, nicht die Patientin. Ich kann verstehen, dass sie aufgebracht sind, weil sie Ihnen den Zutritt verweigert hat. Aber ich versichere Ihnen, dass sie nur das Beste der Patientin will.“
“Sie will nicht das Beste der Patientin, sie ist die Patientin. Nur getarnt! Ich habe ihre Stimme erkannt. Reden sie nicht mit mir, als wäre ich nicht ganz richtig im Kopf. Ich sehe glasklar was hier gespielt wird, leider scheine ich der einzige zu sein der nicht blind ist. Dann muss ich das wohl selber in die Hände nehmen…“ er trat einen Schritt auf mich zu.
Der Arzt schob sich schützend zwischen uns und ich dachte nur, wenn Blicke töten könnten läge ich jetzt wirklich auf der Intensivstation.
Woher kam nur der ganze Hass?
Durch die Abifahrt war alles etwas komplizierter geworden, aber das würde sich schon wieder legen. Die letzten Worte die ich mit ihm gewechselt hatte, waren die üblichen, Gute Nacht und *wink*.
Der Arzt hatte bereits seinen Pager in der Tasche betätigt und zwei Pfleger steuerten auf uns zu und positionierten sich neben ihm.
“Sie sollten sich wirklich etwas Ruhe gönnen, die beiden freundlichen Herren begleiten sie gerne.“ Setzte der Arzt wieder an, doch da schnellte der Mann schon nach vorne und packte mich am Ärmel. Noch bevor er mich an sich ran ziehen konnten stürzten die beiden Pfleger auf ihn und überwältigten ihn. Routiniert setzte einer der Pfleger dem, sich wehrenden Mann eine Spritze und schon wenig später wurde die Gegenwehr weniger.
“Es tut mir Leid, dass sie das gleich an ihrem ersten Arbeitstag erleben müssen. Normalerweise ist es bei uns etwas ruhiger, nur im Moment läuft alles schief.“ sprach der Arzt in einem entschuldigenden Tonfall zu mir.

„Ich glaube er kannte sie…“ murmelte ich.

„Das hab ich mir auch schon gedacht. Das würde auch seinen Übereifer erklären. Er verdrängt ihren Zustand und sieht sie in Ihnen, klare Abwehrreaktion. Wir haben hervorragende Leute auf diesem Gebiet, wenn er bereit ist mitzuarbeiten wird es ihm bald wieder besser gehen. Ich hoffe nur, dieser Zwischenfall handelt uns keinen Ärger mit den Ermittlern ein. Er scheint ein wichtiger Kontaktmann gewesen zu sein, zumindest hat er dass sämtlichen Schwestern und Praktikantinnen erzählt.“ Er lächelte.

„Wird sie durchkommen?“ fragte ich. Ich hatte die Frage grade ausgesprochen, da wurde mir bewusst wie dumm sie war. Natürlich wird sie durch kommen, schließlich ist die Rede ja von mir.
“Sie haben ihren Zustand ja selber gesehen. Natürlich können wir den Körper noch lange am Leben erhalten, doch ich denke damit tun wir niemanden einen Gefallen. Es ist fast aussichtslos, aber solange es nur fast aussichtslos ist, spaziert hier kein Ermittler rein und vergreift sich an meinen Patienten.“
Ich sah ihm an, wie ernst er das meinte und hatte plötzlich großen Respekt vor diesem Mann. Menschen mit so viel Courage sollte es viel mehr geben. Ich hoffte, dass er wegen meinem Verschwinden keinen Ärger bekommen würde.
„So, nun muss ich mich aber schleunigst wieder um meine Patienten kümmern.“ Sagte er schließlich, lächelte mir noch einmal zu  und verschwand mit eiligen Schritten um die Ecke.
Die Tarnung war perfekt gewesen, das Schlimmste überstanden und nun musste ich nur noch hier raus finden. Hört sich ganz einfach an, war es aber nicht. Mein Orientierungssinn ließ mich natürlich wieder völlig im Stich. Ein paar söße Neugeborene und gesprächige Alte später stand ich endlich vorm Fahrstuhl und konnte auf das lang ersehnte E drücken.
Im Erdgeschoss angekommen konnte ich die Freiheit fast riechen.

Ich schnupperte noch mal und kräuselte die Nase.  Ich war direkt in einen Häufen irgendwas getreten und was es auch war, es roch nicht gut.
Also verließ ich schnell das Gebäude und versuchte den Rest der braunen Masse im Gras abzuwischen. Wer lässt seinen dämlichen Köter in die Eingangshalle n Haufen machen, schimpfte ich mehr zu mir selber.
Ein heiseres Lachen ertönte. Im Baum über mir saß ein hünenhafter Mann, in einer Hand hielt er ein Bier im anderen Arm hielt er den Leguan und auf dem Rücken trug er einen Rucksack aus dem Blätter schauten.
„Von wegen Köter, du bist astrein in Iguana-Iguana- Scheiße gelatscht. Sei froh dass es der kleine Leguan war, die könne bis zu 2 Meter lang werden.“ Er grinste breit übers ganze Gesicht, sprang vom Ast und reichte mir seine riesige Hand. „Na wieder fit?“
Ich schüttelte seine Hand und nickte. Wer auch immer er war, alleine das Wacken T-Shirt machte ihm sympathisch.
„Hey Tarzan, warst du das im Lüftungsschacht?“
„Jo, einer musste ja auf dich aufpassen und etwas Verwirrung schaffen.“ „Du kennst mich?“
„Ich weiß zumindest wer da hinter der Maske sein sollte.“
„Und nun?“ fragte ich. Er warf mir ein Bier zu.
„Zu mir und n paar DVD´s schauen?“
Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, aber es hörte sich definitiv besser an, als alles andere was mir eingefallen wär.
“Okay“ antwortete ich ihm und schon ging´s los.

Eigentlich hatte ich erwartet dass wir in einen Jeep hüpfen und losrasen. Stattdessen deutete der Unbekannte auf einen Drahtesel, der am Krankenhauseingang lehnte.
„Auf dem Gepäckträger!?“ fragte ich unsicher.
„Klar, ich denke nicht das du lieber mich auf den Gepäckträger nehmen würdest, oder?“
Ich sah ihn abschätzend an. „Ne, ich befürchte dann kippen wir gnadenlos um. Also gut. Aber fahr vorsichtig.“
In den nächsten Minuten war ich damit beschäftigt, meine Augen zuzukneifen, mich am Sattel festzukrallen und zu hoffen, dass jene bunten Schemen die wir überholten nicht wirklich Autos waren. Wie durch ein Wunder, kamen wir heil bei ihm an. Als ich die Wohnung betrat, kam ich mir vor wie in einem Urwald. Überall wuchsen Pflanzen, hinter der Heizung zirpten Grillen und ein dutzend Reptilienaugen schienen einen zu beobachten.
„Wie heißt du eigentlich richtig?“ fragte ich ihn.
Erstaunt schaute er mich an. „Erst hast du mich noch erkannt und nun kannst du dich nicht mehr erinnern? Geil, hast du noch mehr Pillen aus dem Krankenhaus?“ wieder lachte er schallend.
Hinter einer Palme kam ein Sofa mit mehreren Gestalten zum Vorschein.

„Hey Schlampe, könntest du deinen Hintern etwas weiter zur Seite positionieren? Danke“ Ich drehte mich um, zwischen Farnwedeln schaute ein Fernseher hervor auf dem South Park lief.
Dort erkannte ich den Hausmeister, zwei blonde Männer, einer mit Snooker-Prince-delux Jacke und der andere mit einem HSV Schal.
“Hey Märään!“ begrüßte mich der Snooker-Jackenträger.
Eine 4. Person, die ich bisher von einer Bananenstaude verdeckt gewesen war, saß mit geöffneten Augen regungslos auf dem Sofa.
„Was ist mit ihm?“ wollte ich wissen.
„Pssst!“ kommentierte der Hausmeister.
„Ich wollte doch nur wissen was…“ „Pssst! Klappe!“
Als in der nächsten Werbepause das 5. Mal das Handy-Realklingeltonhologramm des rülpsenden Schmetterlings auftauchte, erwachte die Regungslose Statur neben mir zum Leben. Eine Stimme hallte hell durch den Raum.
„Laden sie bitte ihr Guthaben auf um weiterspielen zu können. Vielen Dank für ihren Besuch und bis bald. *piiiiiiep*.“
 „Mist!“ fluchte die 4. Person und sah sich um. „Naja, dann können wir ja jetzt los um…“ er schaute mich erstaunt an. „Öhm ja… Du bist ja schon hier?! Welcher Tag ist heute?“ fuhr er weiter fort.

„Dienstag, verdammt, es ist Dienstag!“ kam es vom Hausmeister.
„Du hast 3 Tage lang durchgezockt und das letzte was du gesagt hast, bevor du nicht mehr ansprechbar warst, war – Nur noch 5 Minuten-. Das ist jetzt zwei Tage her.“ Ergänze der Snooker-Prince-Delux-Jackenträger.
“Na dann. Wie lange bist du eigentlich schon hier?“ fragte er mich. „Ungefähr eine halbe South Park Folge“
“Die Alten“ mischte der Hausmeister sich ein.
“Die Alten?“ fragte ich. „Jo, die Neuen sind dermaßen zensiert, dass ihre Länge höchstens noch 10 Minuten beträgt. Das hat man dann natürlich mit Werbung ausgeglichen.“ Der HSV-Schalträger nickte traurig doch dann fing er an zu grinsen und deutete auf den Hausmeister.
„Oder dachtest du, er wäre wegen dir hier?“ fragte er mich.
Ich zuckte ratlos mit den Schultern. „Keine Ahnung, ich kenn euch nicht.“ Es herrschte Stille im Raum, bis der Hausmeister sie brach.
„Hab ich es nicht gesagt? Sie hat keine Ahnung.“ er lachte und zappte ohne aufzusehen weiter im Fernsehen.
„Und warum bist du dann mit Tarzan mitgegangen?“ wollte der Snooker-Prinz-Delux-Jackenträger wissen. Ich sah kurz zu dem hünenhaften Mann hinüber und zuckte wieder mit den Schultern.
„Er hatte n Wacken T-Shirt an und Bier dabei. Das machte ihn irgendwie sympathisch.“
„Oh Mann. Dich kann man auch mit nem Lolli entführen, oder?“
Der Jackenträger fasste sich mit der Hand an den Kopf und schüttelte diesen.
„Ich hab keine Ahnung was hier vor sich geht, wie ich ins Krankenhaus rein oder raus gekommen bin, warum oder wer ihr seit. Ich weiß nicht mal ob die anderen Autoinsassen überhaupt noch leben. Die Aussichten auf ein Bier und einen ruhigen Videoabend war besser, als alles andere was ich außerhalb des Gebäudes allein und ohne Plan hätte machen können. Es tut mir Leid, aber vielleicht versteht ihr dass ich im Moment einfach etwas überfordert und total verwirrt bin.“
„Das ist nix ja nix Neues.“ kommentierte der Hausmeister trocken.
„Also, dann lass mich mal Licht ins Dunkel bringen“ begann der grade erwachte Mann.  „Mit Autoinsassen meist du wahrscheinlich den leichtgläubigen Kerl und eine … etwas lautere Frau? Denen geht es den Umständen entsprechend Recht gut.“
Sie lebten, dass war eine fantastische Nachricht.
„Den Umständen entsprechend gut? Das ist ja mal ne eindeutige Antwort. Welche Umstände und wie gut denn?“
„Also dieser Rüdiger ist was zu Futtern besorgen. Mehr oder weniger freiwillig.“ 
„Mehr oder weniger freiwillig?“
„Sagen wir mal, die Münze hat entschieden.“ Er lachte heiser.
„Und Fräulein Liebig?“ fragte ich weiter.
“Also ich war ja dafür, sie in der Abstellkammer einzusperren.“ Warf der Hausmeister ein, er verstummte aber sofort wieder, als ihn die bitterbösen Blicke der anderen trafen. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie das Zusammentreffen der beiden ausgesehen hatte und war froh, nicht dabei gewesen zu sein.
„Ihr geht’s super, sie ist auf dem Weg zu den Anderen ein paar Sachen klären und dann bekommt sie eine neue Identität gebastelt um abzutauchen.“
“Apropos andere Identität, wie habt ihr dass eigentlich mit meiner Tarnung gemacht? Das war großartig.“
“Kevin hat sich in den Rechner der Verwaltung gehakt. Praktischerweise hätte heut eine neue Schwester angefangen. Sie wurde natürlich umgehend benachrichtigt, dass ihr erster Arbeitstag um eine Woche verschoben wurde. Anhand des gespeicherten Bewerbungsfotos konnte er das passende Gesicht konstruieren.
Guter Plan, nächste Woche würde es zwar definitiv Fragen aufwerfen, aber bis dahin hatten wir sicher ne Lösung oder waren über alle Berge, dachte ich anerkennend.
“Aber eins versteh ich nicht, wozu der Leguan und die anderen Viecher?“ wandte ich mich an Tarzan.
„Also der Leguan ist mir abgehauen.“ er lachte. „Die Insekten brauchten wir um etwas Verwirrung zu stiften. Als der Ruf nach Kammerjägern lauter wurde kamen wir grade Rechtzeitig mit unseren Männern inkognito. Wenig später waren sämtliche Kameralinsen im Eingangsbereich mit Chosen Few und HSV-Stickern bedeckt und im Rekorder des Überwachungsraumes lief ne Endlosschleife des gestrigen Tages.“ erläuterte er.
„Ein Glück, dass beide Beamten ihren Posten verlassen haben“ ergänzte ich, doch wieder wurde ich korrigiert.
„Glück? Das waren eher Tarzans Chemiebaukasten würde ich sagen.“ Der Gamer grinste. „Schon scheiße, wenn man als einziger am Posten Flitzekacke bekommt.“
„Was zum Henker ist….“
Ich überlegte einen Moment und entschied mich dafür, es gar nicht so genau wissen zu wolle, wenn es dass war, wonach es klang. Ein Themenwechsel war mehr als angebracht und da gab es immer noch dutzende von Fragen die mir unter den Nägeln brannten.
„Woher wusste der Hausmeister eigentlich, in welches Zimmer ich verlegt werden würde? Er meinte irgendwas von Insiderinformationen…“
Die Anderen brüllten los vor Lachen.
„Der Hausmeister? O man, ich hab doch gesagt die Tarnung ist perfekt!“ grölte der Schalträger. Der Nicht-Hausmeister schaltete den Fernseher aus und drehte sich betont ruhig um.
„Du hältst mich nicht im Ernst für den Hausmeister, oder?!“
Das Gelächter wurde noch Lauter und ich sah ihn unschlüssig an.
„Ich kenn weder euch noch eure Namen und fragen konnte ich bisher auch nicht, weil DU ja fernsehen musstest!“
„Ist das ein Problem?“ entgegnete er.
„Ja, ist es!“ warf ich sauer zurück.
„Oh man, großes Kino, alles wie früher! Dann ist unser Pärchen ja wieder vereint.“ Ich starrte den Schalträger an.
“Pärchen?“ fragte ich erschrocken.
Bisher hatte ich angenommen, dass zwischen mir und meinem Kumpel in der Zukunft was gelaufen war. Ich konnte zwar weder mein noch sein Zukunfts-Ich fragen, aber es sah alles danach aus.
Aber auch im hier und jetzt hatten uns die letzten Tage noch mehr zusammen geschweißt. Mittlerweile waren zumindest auf meiner Seite Gefühle, die über den Freundschaftsbegriff deutlich hinausgingen.

Mein Kumpel… Was er jetzt wohl machte.
“Wir hatte einfach Insiderinformationen.“ Gab der Nicht-Hausmeister von sich und verschwand ohne sich noch einmal um zu sehen das Zimmer. „Nimms nicht persönlich, er ist immer so.“ bemerkte der Schalträger. „Komischer Kerl, egal. Sagt mal, wer ist denn eigentlich dieser Kevin? Ihr habt ihn schon so oft erwähnt…“
Man hörte nur noch das Zirpen der Grillen und die Kerle standen mit offenem Mund da.

An einem anderen Ort, zur selben Zeit:

“Was soll das heißen, er ist WEG?“ der Arzt sah die Pfleger mit weit aufgerissenen Augen an.
“Keine Ahnung wie dass passieren konnte. Die Schwestern haben keinem Besucher geöffnet, wie sie wissen lassen sich die Fenster aus Selbstschutzgründen nicht öffnen und bestehen aus Panzerglas. Außerdem war der Patient nach seinem hysterischen Anfall ans Bett fixiert worden und so voller Beruhigungsmittel, dass er unmöglich selber verschwinden konnte. Weder im Zimmer noch außerhalb sind Gewaltspuren zu sehen. Es ist unmöglich aber leider eine Tatsache, er ist weg. Wie auch immer er dass geschafft hat.“
Der Arzt seufzte resignierend, heute verlief der Tag alles andere als geplant.
„Wurden die Überwachungsvideos bereits gesichtet?“
–Schweigen-
„Also nicht? Was machen sie dann noch hier?!“
Die Pfleger eilten davon und der Arzt wollte seine Mittagspause fortsetzen. Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten trat er in etwas Undefinierbares, Weiches. Unsicher sah er sich nach einem Hund und deren Halter um, doch wie erwartet war keiner zusehen. Skeptisch zog er seine rechte Augenbraue hoch und begutachtete die Masse genauer.
„Ungewöhnliche Farbe….“ 
Er fingerte einen Gummihandschuh aus der Tasche und fuhr mit dem Zeigefinger durch den bereits breit getretenen Haufen und schnupperte. „Ungewöhnliche Konsistenz… Eindeutig Iguana-Iguana Kot.“ flüsterte der Arzt und Reptilienfreund gedankenverloren. Seine Aufmerksamkeit galt nun besonders der Spur des Vortreters, die zum Ausgang führte. „Leguankot in der Eingangshalle?“
Plötzlich musste er an den kleinen Zwischenfall des Vormittags denken und sein Interesse an den Überwachungsvideos, die er eben noch gelangweilt an seinen Pflegern abgewälzt hatte, wuchs. Er sah abschätzend auf die Neontafel der Kantine, die Labskaus als Mittagsmenü ankündigte und beschloss auf seine Mittagspause zu verzichten. Kaum hatte er sich auf den Weg zum Fahrstuhl gemacht, um den kleinen Überwachungsraum für die Videoaufzeichnungen aufzusuchen, da piepte schon sein Pager. Verdammt, das riecht nicht nur nach Leguan sondern auch nach Ärger, dachte er. Er ignorierte es, kam aber keine 10 Schritte weit bis jemand hinter ihm zu brüllen anfing.
„SIE! Sie haben einen meiner wichtigsten Männer einliefern lassen! Können Sie mir bitte mal erklären warum sie nicht nur meine Ermittlungen behindern sondern nun sogar meine Männer einsperren?“ Dieser Tag verlief alles andere als gut, zumindest war nun das Rätsel um den verschwundenen Patienten geklärt.
“Ihr Mann war dermaßen überarbeitet, dass er halluzinierte und das Krankenhauspersonal angriff. Ich möchte ihnen mein aufrichtiges Bedauern aussprechen aber er ließ uns keine Wahl. Nun haben sie ihren Mann ja wieder. Ich möchte sie dennoch bitten ihr Vorgehen das nächstes Mal mit uns vorher abzusprechen, sofern es sich um Krankenhausangelegenheiten handelt. Meine halbe Abteilung war mit der Suche nach ihm beschäftigt. Dies hätte doch sicher vermieden werden können und meine Leute hätten sich wichtigeren Dingen widmen können, wie die Betreuung der übrigen Patienten.“
Der bullige Kerl in Uniform hinter ihm schien nachzudenken.
“Was zum Henker hätten wir mit Ihnen absprechen sollen und wen zum Teufel suchen Sie?“ Der Arzt erbleichte leicht.
„… Sie haben ihren Mann NICHT ohne vorheriger Absprache selbst aus der psychiatrischen Abteilung entlassen?!“
Der Arzt Stockte und auch der bullige Kerl schien beunruhigt.
“Sie haben ihn verloren? Wie kann man jemanden aus der Geschlossenen verlieren?!“
Beide Männer hatten schlagartig denselben Einfall.
 - Die Videoaufzeichnung! -

In dem kleinen stickigen Raum voller Monitore hatten die Pfleger kaum Platz. Als es an der Tür klopfte und eine bullige Gestalt durch die Tür schob hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Der Arzt lächelte entschuldigend während er den Pfleger zum Aufstehen bewegte und selber Platz nahm. Der verantwortliche Kontrolleur stand unglücklich mit verschränkten Armen vor dem Wasserspender und verteidigte sich.
“Es gab keine Auffälligkeiten, das habe ich ihnen bereits gesagt. Niemand hat das Zimmer verlassen.“
„Jemand muss das Zimmer aber verlassen haben“ antwortete der Arzt ruhig.
„Nein! Niemand konnte aus dem Zimmer gelangen, ganz einfach weil sich niemand in diesem Zimmer befand.“
“Es befand sich niemand im Zimmer?!“ raunten die anderen 4 Anwesenden wie aus einen Mund. Der Arzt sah die Pfleger ernst an.
„Meine Herren, sind sie sicher, dass sie den Patient im Zimmer 122007 untergebracht haben?“
„Ja Natürlich; ganz sicher“ bekräftigten die Beiden.
“Würden sie uns bitte das Zimmer 2007 im 12. Stock heute zwischen 12.30 und 12.45 Uhr zeigen?“ wandte er sich an den wachhabenden Kontrolleur. Dieser machte sich über das Schaltpult her und suchte die entsprechende Zeit und den Ort. Schließlich erschien ein leeres Zimmer auf einen der Bildschirme. Am Anfang des Zimmers war links eine kleine Sitzecke mit festgeschraubten Tisch zu erkennen, links und rechts an der Wand sah man zwei sterile Betten und an der Wand hingen Poster die an das Medizini-Magazin aus der Apotheke stammen könnten. Auf dem rechten schauten drei Dackelwelpen aus einem Korb und links räkelte sich ein gähnendes Kätzchen auf einer Hängematte. Auf dem ersten Blick hätte man es für ein Zimmer auf der Kinderstation halten können. Auf dem Zweiten Blick hatten die Fenster keine Griffe, die Steckdosen waren mit verschlossenen weißen Plastikabdeckungen versehen und auch an den gemachten Betten konnte man sehen, dass sich jemand die Enden von Lederriemen sorgfältig unter die Matratze gestopfte hatte. Die Kammara schwenkte und eine Tür mit Handtuch um den Griff wurde sichtbar. Es war definitiv keine Person in diesem Zimmer. Die Zeitanzeige raste und kam schließlich bei der aktuellen Zeit an.
“Danke. Und nun würde ich gern herausfinden wohin der Patient wirklich gebracht wurde. Würden sie bitte die Aufnahmen des Hauptflures im Sektor F gegen 12.31 Uhr vorführen?“ bat der Arzt.
Wieder setzte sich der Kontrolleur in Bewegung und Bilder flackerten über die Monitore.
„War das eben die Damenumkleide? Ich wusste gar nicht das wir die Zusatzgenehmigung zu deren Überwachung haben“ warf der Arzt bei einem der Bilder mit scharfen Tonfall ein. Der Kontrolleur wurde etwas kleiner und beeilte sich noch mehr, dann erschien das Bild eines Flures.
Der bullige Kerl beobachtete die aufgetauchte blonde Schwester, die an der Wand gelehnt da stand und einem Mann gelangweilt zuhörte.
„Was genau wollen sie mir mit diesem Videobeweis sagen?“ er spukte die Worte verächtlich aus.
“Ihr Mann hat eine Schwester und mich angegriffen, zwei Pfleger mussten eingreifen und ihn ruhig stellen. ES müsste jeden Moment soweit seien.“ Alle schauten gebannt auf die Szene doch nichts geschah.
„Könnten Sie bitte die nächsten Minuten im Schnelldurchlauf zeigen? Ich habe nicht ewig Zeit“ warf der bullige Kerl missmutig ein. Der Arzt nickte. Mittlerweile sah er den Kontrolleur eher hilflos an, während der Blondine auf dem Bildschirm die Augen zu vielen, sie zu kippen drohte, die Augen wieder auf riss und ihre Tasse Kaffee lehrte. Sie schaute mehrmals auf ihre Uhr und gestikulierte etwas aus dem sogar ohne Ton ersichtlich war, dass ihre Pause zu Ende war und sie keine Zeit mehr hatte. Die Bilder rasten weiter. –Stopp- Der Kontrolleur sah den Arzt fragend an, der zähneknirschend auf seine eigene Uhr sah. „Vielleicht noch ein paar Minuten länger….“ Das Bild setzte sich wieder in Bewegung und die Schwester verschwand eilig. Ihr Verschwinden kam eher einer Flucht gleich. Die Tür im Hintergrund öffnete sich und der Mann eilte hinzu, hielt der zum Vorschein kommenden Schwester die Tür auf und fing wieder an zu reden. Sie ergriff schlagartig die Flucht und er schob unbemerkt den Fuß in die Tür, während sie es sehr eilig hatte zum nächsten Patienten zu kommen. Unbemerkt betrat er, den dahinter liegenden Korridor. Wenig später kam er jedoch mit einer älteren Schwester, die ihm mit energischen Schritten folgte wieder hervor. Sie schien über sein Auftauchen alles andere als Erfreut und ließ ihm, ihrem Auftreten nach, die Leviten. Wieder stoppte die Aufnahme.
„Was in aller Welt soll dass? Ich sehe ein, dass unser Mann ihre Schwestern belästigt und sich unerlaubten Zutritt zu bestimmten Bereichen verschafft hat. Aber das rechtfertigt nicht im Geringsten eine Einweisung! Was genau wollen sie bezwecken?“ argwöhnte der bullige Kerl.
„Ich… Keine Ahnung… Ich habe keine Ahnung was hier läuft, aber es gefällt mir genau so wenig wie Ihnen.“
“Können sie noch einmal zur Anfangssequenz skippen?“ fragte einer der Pfleger so zaghaft. Alle Starten auf das gestoppte Bild bei 12.31 Uhr und 07 Sekunden bis plötzlich beide Pfleger aufsprangen. „Dass ist doch Monika! Die war bis gestern Praktikantin in unserem Haus...“
Der Arzt räusperte sich und klammerte sich an die Hoffnung, sie hätte dem Krankenhaus einen letzten Besuch abgestattet, vielleicht einen Kuchen in den Aufenthaltsraum gestellt und zufällig diesem Kerl über den Weg gelaufen. Warum eigentlich nicht…? Doch da waren noch mehr Ungereimtheiten…

„Den Eingangsbereich vor 20 Minuten bitte. Dann lassen sie die Aufnahme bitte bis zum jetzigen Zeitpunkt schnell durchlaufen.“ Sagte er trocken.
Viele Menschen eilten durch die saubere Eingangshalle. Er Arzt hielt insgeheim nach jemanden mit Reptil Ausschau, doch er wurde enttäuscht.
“Nun meine Herren, ich war bis vor kurzem mit dem hier anwesenden Arzt in der Eingangshalle, aber ich wette mit ihnen, wenn wir das Videomaterial ansehen wird keiner von uns beiden zu sehen sein.“ Schloss der bullige Kerl und sein vernarbtes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse bei der man nur hoffen konnte, dass es sich um ein Grinsen handelte statt Zähnefletschen.

Noch ein anderer Ort, immer noch dieselbe Zeit:

Eine blonde Frau mit kurzem abstehenden Haar und braunen Augen saß auf dem Rücksitz einer Limo und sah aus verdunkelten Scheiben. Ihr gegenüber befand sich ein Mann mit geöffneten Koffer. Er kramte mehrere Tabletten und Fläschchen hervor, überlegte kurz und packte sie dann unschlüssig zurück. Zwischen ihnen lag ein Mann in einer Lieb-hab-Jacke, der blinzelte und interessiert die Decke betrachtete. Er schien durch sie hindurch zublicken, dabei gab er Geräusche von sich die am ehesten mit häbbede häbbede umschrieben werden können.
“Verdammt, ich wollte doch nur wissen ob du etwas hast was ihn wieder zu sich kommen lässt, damit ich mit ihm reden kann. Nun ist er weiter weg als vorher!“ sie seufzte.
Der Mann kramte weiter in der Tasche und zog etwas hervor und versuchte das Etikett zu entziffern.
„Aaalsoo hier mit könnte es gehen, aaaalerdings besteht die Möglichkeit…“
“Nein! Wir brauchen ihn lebend. Dann müssen wir halt Geduld haben“ unterbrach ihn die Frau.
Sie zog die Beine zu sich ran, legte den Kopf auf Arme und Knie und schaute weiter aus dem Fenster.
“Das Mädchen, dass sie nach dem Verkehrsunfall aufgenommen haben, du sagst sie ist verschwunden?“ fragte sie, ohne ihn anzusehen.
“Jaaaa, ich wollte sie wie besprocheeen durch eine Erste-Hilfe-Puppe ersetzeen. Du weißt ja, wie täuschend echt die heutzutage sind. Wunderbare Technik. Sogar mit Puls und Herzschlag, auf die jeweilige Übung programmierbar…“
Sie hüstelte und sah auf.
“Ach jaaa…. Auf jeden Fall wollte ich grade die Puppe gegen den echten Körper tauschen…. Du hast ja keine Ahnung was dass für ein Akt war, die Puppe überhaupt durch die Sicherheitskontrolle zu bekommen…“
Sie räusperte sich erneut und wandte den Blick von der Scheibe ab um ihn direkt anzusehen.
„Ach ja…Da war kein Körper mehr, nur noch ein Hologramm“ beendete der Mann seinen Satz.
Sie überlegte kurz und seufzte.
„Ich dachte, man könnte die Ermittlerlänger hinhalten. So wie es aussieht, scheren sich die Mistkerle selber nicht um Gesetze und Anweisungen, wenn diese ihren eigenen Interessen im Weg stehen. Was hast du eigentlich mit den Dummy gemacht?“
Ihr Gegenüber wurde sichtlich nervöser.
“Najaaa ich hatte ja bereits angedeutet, wie schwer und gefääährlich es war ihn überhaupt einzuschleusen. Da er wie ihr perfektes Abbild aussah… habe ich ihn in das Krankenbett gelegt, das Hologramm deaktiviert und bin gegangen.“
Er sah sie unsicher an, doch sie hatte sich bereits wieder dem Fenster zu gewandt und lächelte Gedanken versunken.
“Gut. Wir wissen, dass sie das Mädchen haben, dann können sie auch ruhig erfahren, dass wir da waren. Zu dem können wir auf diesem Weg das Krankenhauspersonal rauslassen. Die haben einen komatös wirkenden Körper mit Schläuchen dran und stellen keine Fragen. Und Fragen werden durch unsere kleine Planänderung noch genug auftauchen, schließlich haben wir einen ihrer Männer.“
“Und du glaubst, sie stimmen einen Austausch zu? Wäre es nicht für uns besser ihn zu behalten, wenn er so wichtig ist?“ fragte der Mann skeptisch.
“Glauben…. Was bringt das schon? Ich hoffe sie gehen auf das Angebot ein. Keine Ahnung, wie wichtig er wirklich ist, aber ich häng nicht besonders an seiner Gesellschaft. Umso schneller wir ihn übergeben können desto besser. Etwas Besseres als sie werden wir kaum aushandeln können und selbst wenn, sie ist die einzige die mich im Moment interessiert. Ihr Ableben wäre mein Todesurteil.“

Mittlerweile im Krankenhaus…:

Im Krankenhaus herrschte ein Betrieb wie in einem Bienenstock. Mittendrin saß der bullige Kerl und trank betont ruhig einen Kaffee. Ihm gegenüber saß der Wachmann, der sein Darmproblem mittlerweile anscheinend überwunden hatte.
„Gab es irgendwelche Auffälligkeiten?“ brummte der bullige Kerl.
“Ne Chef, alles in Ordnung, es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse. Außer dem autorisierten Pflegepersonal, gab es nur zwei unplanmäßige Raumbetretungen, die Betten wurden neu bezogen und der Hausmeister musste die Lampe reparieren.“
Der bullige Kerl brummte etwas und trank weiter seinen Kaffee. Schließlich stellte er den leeren Becher geräuschvoll auf den Tisch und wartete. Beide Männer sahen sich erwartungsvoll an bis der Wachmann plötzlich aufsprang und die Tasse an sich riss.
„Tut mir Leid Boss, natürlich hole ich ihnen gleich einen Neuen. Ich war in Gedanken. Ich…“
“Setzen!“
Der Wachmann stellte die Tasse sofort wieder ab und gehorchte.
“Die Terroristen fühlen sich anscheinend bedroht. Sie muss wichtige Informationen haben, denn einer unserer Männer wurde entführt – aus diesem Gebäude.“
Sein Gegenüber schluckte.
“Warum haben sie einen unserer Männer entführt, statt das Mädchen rauszuholen?“ fragte er ungläubig.
„Vermutlich konnten sie unser wohldurchdachtes Sicherheitssystem nicht überwinden. Da es für sie unmöglich war sie herauszuholen haben sie sich einen unserer Männer geschnappt. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern bis sie Kontakt aufnehmen und einen Austausch fordern.“
Er machte eine bedeutsame Pause und sah sich im Raum um bevor er mit gesenkter Stimme fortfuhr.
„Wenn sie soweit gehen und auch noch Erfolg haben, dann stimmt hier etwas nicht. Sie müssen verbündete unter dem Krankenhauspersonal haben. Ich traue diesem Arzt…. Wie war noch mal sein Name?“
„ Dr. Radke“ warf der Wachmann ein.
“Ich traue diesem Radke nicht. Es wäre zu riskant das Mädchen weiter hier zu behalten, andererseits wird der Arzt ihre Verlegung niemals genehmigen bei dem Theater dass er bereits wegen der Untersuchung und anderen Kleinigkeiten veranstaltet hat. Und genau da kommen sie ins Spiel.“
Der Wachmann sah sich unsicher um, doch außer ihm saß niemand in der Nähe außerdem sah ihn der bullige Kerl direkt an.
- Verdammt, er meint wirklich mich, dachte er unglücklich.
“Ich?“ fragte er vorsichtig und wollte die Hoffnung nicht aufgeben.
„Ja, Sie. Um das Beweismaterial zu sichern müssen wir sie hier raus bringen. Möglichst unauffällig versteht sich.“
Der bullige Kerl hatte sich mittlerweile noch weiter vorgelehnt und der Wachmann konnte seinem Atem spüren. Es hatte Labskaus in der Kantine gegeben. Er wich millimeterweise dezent zurück und überlegte fieberhaft, wie er sich aus dieser Situation winden konnte doch es fiel ihm nichts ein. „Aber wie soll ich das anstellen? Ich kann sie mir ja schließlich nicht einfach über die Schulter werfen und raus tragen.“ Wandte er schließlich ein.
Der bullige Kerl grinste breit und holte etwas Graues aus seiner Jackentasche hervor. Im ersten Moment hielt der Wachmann es für eine der neuen Pudel-Chiwawa-Kreuzungen, doch es war beim besten Willen kein Vorne und hinten zu erkennen.
„Ein Hund?“ fragte er entgeistert.
Die Miene des bulligen Kerls verfinsterte sich.

„Nein, du Schwachkopf, eine Perücke. Wir melden für morgen Verwandtenbesuch an. Rollstühle stehen oft in den Gängen rum, niemand wird deswegen misstrauisch sein. Sobald die Luft rein ist wirst du angefunkt, dann setzt du ihr die Perücke auf. Mit dem holografischen Gesicht einer 8o jährigen ist die Tarnung dann perfekt. Mit Hilfe des Rollstuhls sollte es dir leicht fallen sie zu transportieren, außerdem kannst du die wichtigsten Geräte mitnehmen. Wenn euch jemand sieht, wird sie für ihre angekündigte Omi gehalten die sich grade auf dem Heimweg befindet.“
Der bullige Kerl grinste und war sichtlich Stolz auf seinen Plan. Er nahm seinen Becher in die Hand, wollte einen Schluck nehmen und erinnerte sich, dass sie bereits leer war. Unsanft stellte er den Becher wieder auf den Tisch zurück und wartete ab. Nichts geschah. Er sah seinen Gegenüber auffordernd an, dieser blinzelte neugierig zurück und wartete auf mehr Informationen.
“Verdammt, soll ich etwa selber laufen?!“ donnerte der bullige Kerl los. Der Wachmann zuckte zusammen, sah zum Becher und schaltete endlich. Er sprang auf und eilte mit dem Becher zum Kaffeeautomaten. Der bullige Kerl lehnte sich selbstzufrieden zurück, er hatte das Ruder wieder in der Hand. Die Terroristen hatten ihm geholfen einen Grund zu finden, die Regeln nach seinen Vorstellungen zu verschieben. Die perfekte Legitimation für sein weiteres Vorgehen. Er lächelte, als der Wachmann um die Ecke kam und ihm der Kaffeeduft in die Nase stieg. Er war zurück.

Ortswechsel:

„Er müsste wieder ansprechbar und bei Sinne sein.“
Die blonde Frau zögerte kurz und ihren gegenüber mit der Arzttasche an. „Ich will allein mit ihm reden, hol mich in 15 Minuten raus. Ich denke nicht, dass er Schwierigkeiten machen wird.  Falls ich mich irre, weißt du, was zu tun ist. Sollte ich auf unerklärliche Weise verschwunden sein, lasst ihn gehen.“
Dann betrat sie ohne ihn den Raum.
“Wer auch immer Sie sind, dafür werden Sie zur Rechenschaft gezogen! Ich kenne ein paar sehr einflussreiche Männer, für die ich äußerst wichtig bin.“ wetterte der Mann, der immer noch die Zwangsjacke trug.
Die blonde Frau rollte mit den Augen.
„Ich weiß, deswegen bist du ja hier.“
Sie sah ihn abschätzend an bevor sie weiter sprach.
„Wenn du still hältst und mit dem Theater aufhörst befrei ich dich erstmal aus dem Ding, dass muss doch unbequem sein.“ Sie wies auf seine Zwangsjacke.
“Das ist jawohl das Mindeste!“ schimpfte er weiter.
“Nein, ist es nicht. Schließlich bist du meine Geisel. Ich hoffe für dich, dass du keine Dummheiten vorhast, ich würde dich nicht töten. Wenn ich nicht mehr bin, werden einige Leute nicht sonderlich erfreut sein und rate mal an wen die sich wenden werden. Er befindet sich in diesem Raum und ich bin es nicht.“
Er schwieg und sie machte sich an den Verschlüssen zu schaffen. Als alle offen waren und er seine Arme wieder bewegen konnte, holte sie plötzlich einen silbernen Armreif hervor, packte sein Handgelenk und legte es ihm um.
„Hey, was soll denn dass jetzt?!“ beschwerte er sich.
„Das ist meine kleine Lebensversicherung. Du hast einmal versucht mich zu töten und ich bezweifle nicht, dass du es wieder tun würdest.“
Er sah sie verblüfft an.
„Ich hab versucht Sie zu töten? Wer bist du? Zeig dein wahres Gesicht!“ Ihr war nicht entgangen das er aufgehört hatte sie zu siezen.
Sie lächelte matt.
„Du erkennst mich wirklich nicht, oder? Du solltest dich weniger mit Oberflächlichkeiten aufhalten. Welch Ironie, dass ich das zu dir sage.“
Sie drehte ihren Kopf nach links und rechts. Er konnte sehen dass sich hinter ihren Ohren keine Knöpfe für holografische Gesichter verborgen waren. Es war ihr echtes Gesicht.
“Es ist egal wer ich bin. Ich bin hier weil ich Antworten will.“

“Dann solltest du anfangen zu fragen.“ Konterte er.
“Touche´ Nun dann. Was hattest du mit dem Unfall in dem das Mädchen verwickelt war zu tun?“
„Mädchen? Ich weiß nicht wen du meinst. Es gibt viele Mädchen im Krankenhaus, die Unfälle hatten, vor allem auf der Kinderstation.“
„Du weist wen ich meine. Wir können jetzt weiter deine Spielchen spielen, ich übernehme auch gern den Part der Bösen. Dann wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, dich darauf aufmerksam machen, dass dein neues Schmuckstück wunderbar leitet und ich ein Gerät mit Regler in der Tasche hab. Die Alternative würde für dich bedeuten nach meinen Regeln ein kleines Frage und Antwortspiel mit mir zu spielen. Es liegt ganz bei dir.“ antwortete sie ungerührt.
„Das wagst du nicht!“
“Das war weder eine Frage noch eine Antwort und da du mich nicht kennst, würde ich es an deiner Stelle nicht drauf ankommen lassen.“
Sie versuchte ein Pokerface aufzusetzen und wartete auf eine Antwort, doch diese blieb aus. Der Mann mit lichterem Haar fummelte stattdessen Armreif und versuchte ihn abzustreifen.
„An deiner Stelle würde ich dass lassen!“
„Du bist aber nicht an meiner Stelle. Vielleicht solltest du dir lieber mal Gedanken machen, was du an deiner Stelle machen könntest, statt mir dauernd zu erzählen, was deiner Meinung nach das Beste für mich ist. Vielleicht würde ein tieferer Ausschnitt positivere Wirkung auf unser Gespräch haben als irgendeine Waffenertrappe aus der Cornflakespackung.“ er sah ihr NICHT in die Augen als er stoppte, „Vielleicht irre ich mich aber auch.“
“Ziemlich viele Vielleichts, findest du nicht? Natürlich irrst du dich. Von wegen Cornflakespackung, dass ist die neuste Technologie, sie ist nur noch in der Probephase. Wegen ein paar hässlichen Unfällen wurde die Zulassung verschoben. Du kannst dir gar nicht vorstellen was das für eine Sauerei gewesen sein muss. Irgendwie wurde der Maximalwert um ein vielfaches überschritten und das Blut des Trägers hat zu kochen angefangen…“
„Meine Zweifel waren nicht auf dieses lächerliche Ding bezogen, da bin ich mir sicher. Wie alt bist du?“
Sie sah ihn verblufft an und stemmte die Hände in die Hüfte.
„Hey, ich übernehme den Fragenpart und du sollst Antworten liefern.“ „Ich glaub du wärst mir zu alt.“ Beantwortete er knapp seine eigene Frage bevor er die nächste hatte. „Bist du Single?“
„Waaaas?!  Hallooo? Nein! Was geht dich dass überhaupt an?“
„Nicht? Das wunder mich zwar etwas, macht die Sache aber wesentlich interessanter.“
Er grinste triumphierend während sie nach Luft schnappte. Ihre Augen verengten sich und sie begann in ihrer Handtasche zu kramen. Eine Handcreme, Labello und ein Feuerzeug, um das Panzertape gewickelt war, landeten auf dem Boden bis schließlich etwas Graues mit Knöpfen zum Vorschein kam.
„Mal sehen ob du nun immer noch so große Sprüche klopfst.“
„Du bist absolute Amateurin und falls dies ein Verhör sein sollte ist es dir schon längst aus den Händen geglitten. Ich denke nicht das von deiner Fernbedienung eine Gefahr ausgeht, es sei denn du wirfst sie mir gegen den Kopf oder schaltest Volksmusik an.“
„Das klingt als wärst du selber schon bei Verhören dabei gewesen, dass ist sicher spannend.“
Sie machte extra erstaunt große Augen und er schluckte den Köder.
“So spannend ist das nun auch wieder nicht. Halt Arbeit die hin und wieder zum Wohle der Allgemeinheit getan werden muss, nech?“
Die Frau verzichtete darauf zustimmend zu nicken, war allerdings bedacht darauf sich ihren Unmut nicht anmerken zu lassen.
„Und genau deswegen warst du im Krankenhaus? Ich kann mir gut vorstellen, dass es manchmal eine ziemlich kniffelige Aufgabe ist. Grade wenn jemand nicht ansprechbar ist aber Informationen dringend gebraucht werden…“
 Er überhörte ihre Frage und nickte zustimmend.
“Das kannst du laut sagen, aber zum Glück gibt’s ja Mittel und Wege.“
“Und die wären? Hattet ihr den wenigstens Erfolg und habt eure Informationen erhalten?“ wollte sie wissen.
Der Mann trat von einem Fuß auf den Anderen, “Schon möglich.“ antwortete er zögerlich.
“Weißt du was ich glaube? Das wichtigste an einem Verhör ist nicht jemanden zum Reden zu bekommen sondern die richtigen Informationen zu erhalten. Ich kenn dich, deinen Lebenslauf und jede einzelne elektronisch verfügbare Kleinigkeit über dich. Du warst noch nie bei einem Verhör. Warum ziehst du hier ne Show ab? Wenn du mich beeindrucken willst, solltest du ne andere Schiene fahren. Die Menschen von denen du redest waren Freunde, Weggefährten oder zumindest Menschen die für dieselben Sachen eingetreten sind, wie ich.“
“Machen wir uns nichts vor. Ich hab keine Chance hier lebend raus zu kommen. Du brauchst nicht zu antworten, es ist egal was du sagst, ich glaube dir kein Wort. Wie kannst du mir da vorwerfen, dass ich versuche zu überleben oder zumindest etwas Zeit zu schinden?“
“O nein, jetzt fang nicht so an! Soll ich dir sagen was ich glaube?“
Seinem Gesichtsausdruck nach wollte er nein sagen, doch sie war schneller.
„Genau aus demselben Grund liegt das Mädel im Koma, weil du alles tun würdest um deinen eigenen Hintern zu retten, selbst wenn er gar nicht in wirklicher Gefahr war. Du bist davon ausgegangen, dass sie sterben wird. Da dir dass unausweichlich vorkam, wolltest du dich selber durch widerstand nicht in Gefahr bringen und hast mitgearbeitet, hab ich Recht?“
“Was wissen Sie schon?“
“Jetzt sind wir plötzlich wieder beim Sie?“
“Wieso nicht? Ich habe keine Ahnung wer Sie sind und bezweifele das Sie mich kennen. Die alte Bekannte spielen ist ne uralte Taktik. Aber wenn DU drauf bestehst, können wir gern so tun als ob und nicht vergessen, immer schön oberflächlich bleiben. By the way, dein aufgesetztes Lächeln bröckelt. Wie kommst du überhaupt darauf ich könnte die Kleine kennen?“
“Seh mir in die Augen und sag, dass du weder sie noch mich kennst!“
“Ich kenne dich nicht und du scheinst mich auch nicht zu kennen, sonst würdest du nicht annehmen, ich hätte nur versucht mich selber zu retten. Was weißt du schon von mir außer einpaar schlichten Daten? Nichts! Und es ist mir völlig egal, was du von mir denken oder zu wissen glauben.“
Sie hatte mittlerweile das graue Ding nicht mehr auf ihn gerichtet. Ungläubig schüttelte sie den Kopf öffnete den Mund um etwas zu sagen und schloss ihn dann wieder unvollrichteter Dinge. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte denn die richtigen Worte gab es nicht. Oder zumindest nicht mehr. Das ganze Verhör, wenn man es überhaupt so nennen konnte, war Ergebnislos geblieben und sie hatte keine Lust mehr sich weiter verleugnen und beleidigen zulassen. Sie fasste einen Entschluss, drehte sich um und ließ ihn einfach stehen während sie die Tür ansteuerte.
“Hey, wo willst du hin?“ fragte der Mann sie verwirrt.
“Ich gehe. Was soll ich denn noch hier? Wenn ich dir sage, ich sorge dafür, dass du nicht getötet wirst und nennst du mich eine Lügnerin. Ich stelle dir eine einfache Frage – Was ist mit dem Mädchen passiert? - und eine Antwort bist du mir immer noch schuldig. Ich habe keine Lust mehr mich von dir beleidigt oder noch schlimmer, angebaggert zu werden.“

Er sah ihr nach und fragte ob sie nur bluffte. Sie hatte sich nicht mal umgedreht und stand mit dem Rücken zu ihm vor der Tür. Bei den letzten Sätzen klang ihre Stimme höher, aber dennoch abwertend. Leise Zweifel stiegen in ihm auf und er war sich plötzlich nicht mehr so sicher ob er mit seinen Vermutungen richtig lag. Und noch etwas mischte sich unter die Zweifel, ein ungutes Gefühl und eine brennende Frage.
“Und was wird jetzt mit mir?“, platze es aus ihm heraus als sie schon ihre Hand auf den Scanner gelegt hatte um die Tür zu öffnen.
“Was glaubst du denn was mit dir ist? Na komm, zumindest eine ehrliche Antwort bist du mir für heute schuldig.“
Ihre Stimme klang immer noch irgendwie schräg, doch sie hatte sich wieder im Griff. Er musste sich eingestehen dass er ihr nicht so viel Taktik zugetraut hatte. Die Rolle der verletzten Bekannten hatte sie definitiv drauf. Er überlegte wie oft sie diese Nummer wohl schon abgezogen hatte, aber letztendlich war es ihm egal. Nachdem er einen Augenblick nach einer passenden Antwort gesucht hatte entschied er sich für die Wahrheit.
“Ich denke du wirst dich gleich umdrehen und verkünden, dass jemand anders das Verhör weiter führt. Dann wirst du behaupten, dieser Jemand würde mich nicht mit Samthandschuhen anfassen und ich hätte meine Chance gehabt. Damit willst du Druck aufbauen und hoffst, ich überleg es mir anders und erzähl dir alles was du wissen willst. Sei jetzt bitte nicht enttäuscht, wenn ich dich nicht auf Knien anflehe zu bleiben, aber das ist nicht mein Stil.“
Er wartete gespannt auf ihre Reaktion und hoffte, dass sie sich noch einmal umdrehte. Es interessierte ihn, wie gut sie ihre Rolle spielte und wirklich weinte, doch sie tat ihm den Gefallen nicht.
“Wenn es mir möglich wäre, würd ich dich an der nächsten Ecke aussetzen lassen. Ich habe dir gesagt, dass ich deinen Tod nicht will. Rachegedanken haben mir schon lang genug mein Karma versaut und ich hasse diese verbitterte oberflächliche Person zu der sie mich gemacht haben.“
Ihm war die Kinnlade runter gefallen. Eine Drohung, einen Vorwurf oder zumindest eine tränenreiche Schauspieleinlage hätte er erwartet, aber nicht diese Antwort. Es passte nicht.
“Du meinst ich kann einfach gehen?“ fragte er misstrauisch.
Der Scanner hatte begonnen ihren Fingerabdruck zu überprüfen und er befürchtete schon, die junge Frau würde den Raum verlassen ohne ihm zu antworten. Einfach gehen, das erschien ihm zu einfach im wahr zu sein. Irgendwo musste es einen Haken geben, vermutlich würde man ihm in dem Glauben lassen er wär frei um ihn dann umzulegen bevor er die Zivilisation erreicht oder ein Telefon gefunden hatte.
“Nein. Leider bist du nicht der Einzige, der auf kosten von jemand anderes sein Leben retten kann und vor der Wahl steht zu leben oder zu sterben. Du hast mich geopfert, wär es da nicht nur gerecht wenn ich dich zum Ausgleich benutze um am Leben zu bleiben? Wie du erst schon so schön festgestellt hast, es ist schwer jemanden vorzuwerfen um sein Leben zu kämpfen, selbst wenn man nur etwas Zeit schinden kann. Ich sterbe lieber morgen als heute, dass müsstest grade du gut verstehen. Ich hoffe für dich, du bist für deine Leute, wie du sie nennst,“ sie schauderte angewidert „wirklich so wichtig wie du behauptest. Dann steht dem Austausch gegen das Mädel nichts mehr im Wege. Du bist wieder frei und ich hab ne Chance weiter zu leben.“
Der Scanner piepte zweimal kurz und eine grüne Hand auf dem Bildschirm signalisierte einen erfolgreichen Login. Die Tür öffnete sich…
“Hey warte!!!“
“Ich hab gedacht das wär nicht dein Stil? Du überrascht mich immer wieder, mein Lieber.“ Entgegnete sie ihm während sie durch die, sich schließende Tür schritt. Er rief ihr etwas hinterher doch die Tür hatte sich bereits geschlossen und der Stahl war zu dick, als dass die Worte durch drangen die er rief. So entging ihr die wichtige Information, dass das Mädchen längst nicht mehr in den Händen der Ermittler war.

- Szenenwechsel-

An einem weit entfernten Ort in einer getarnten Lagerhallehalle, die auf keiner Karte verzeichnet war, flimmerten die Spätnachrichten über den Bildschirm.
„Diese Bilder der Überwachungskamera zeigen die im Koma liegende Terrorismusverdächtige noch bei einer Untersuchung ein paar Stunden vor ihrem Verschwinden…“

„Stopp!!!“
Das Bild fror ein und mein Kumpel sprang auf. Er sah unschlüssig vom Bildschirm zu seinen Begleitern und wieder zurück.

„Seht ihrs nicht?!“
“Ähmm… Sie sieht eigentlich gar nicht so schlimm aus wie wir dachten. Wenn man die Art des Sprengsatzes bedenkt, der im Fernseher versteckt war…“ Karl stockte als Strecki ebenfalls aufstand.
“Nein, die Aufnahmen sind erst einpaar Stunden alt. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits nicht mehr im Krankenhaus und ein Hologramm müsste in diesem Bett liegen.“ Strecki sah zu meinem Kumpel und beide nickten stumm.
„Ja aber dass ist doch gut. Dass man ihr Verschwinden bemerken würde, war uns doch klar.“ Warf Karl ein.

<Siehst du, was er da tut?> tippte Emma.

„Natürlich, ich bin doch nicht blind. Er gibt ihr anscheinend eine Spritze.“
<Genau, er gibt dem HOLOGRAMM eine Spritze…>

„Ich dachte, die Zeit hätte für Modifikationen nicht gereicht…“
<Bingo!>
Was keiner aussprechen wollte blinkte nun schwarz auf weiß auf Emmas Laptop. <Da ist was faul!>
Alle sahen betreten zu Boden bis Strecki meinen Kumpel die Hand auf die Schulter legte und dass Wort ergriff.

„Chris, dass ist jetzt vielleicht schwer für dich, aber wir müssen die Geos erreichen. Wenn die Person die sich als Maren ausgibt, eine Ermittlerin ist, sind sie in Gefahr. Ein zweiter Anruf ist zwar eine Risikoerhöhung aber in diesem Fall notwendig. Ich geh und versuch eine sichere Verbindung aufzubauen.“
“Sie wollten doch alte aufnahmen in die Überwachungszentrale schleusen. Vielleicht stammen die Bilder noch von vor dem Austausch.“ Versuchte Karl meinen Kumpel aufzumuntern, doch dieser Schüttelte traurig den Kopf.
„Sieh genau hin, auf dem Fensterbrett liegt Schnee… Der erste dies Jahr, hat in der Stadt ziemliches Chaos angerichtet weil der Streudienst nicht mit einem so frühen Wintereinbruch gerechnet hat. Schaut den Spot vor diesem hier. Die Aufnahmen sind keine alten, sie stammen von heute Nachmittag“ er sah mit müden Augen auf seine Uhr und verbesserte sich „oder genau genommen gestern Nachmittag.“
Wieder herrschte betretenes Schweigen. Strecki und Emma verkrochen sich hinter dem Laptop, Karl legte sich aufs Sofa und die Mafiosi waren erst gar nicht wach geworden.

„So, wir müssten relativ sicher sein selbst wenn sie uns abpeilen brauchen sie mindestens 5 Minuten um uns zurück zu verfolgen. Willst du anrufen oder sollte ich dass lieber übernehmen?“
Mein Kumpel zögerte kurz, dann streckte er die Hand aus und verlangte nach dem Headset.

< Die Einwahl beginnt ich stell auf Lautsprecher>
Ein Counter begann von 5 Minuten rückwärts zu zählen.

 


- „Hey Kevin what´s up!?!”

Die überraschte Stimme des Snooker-Prince-Delux-Jackenträgers ertönte. Alle zuckten zusammen und Emma regulierte sanft die Lautstärke etwas nach unten. Mein Kumpel verharrte einen Moment verwirrt bevor er sich an etwas zu erinnern schien.

 

„Chris“ sagte er schließlich.

 

- „Was?“

 

„Nenn mich nicht Kevin!“ er seufzte und sah zum Counter.
„Wir haben nicht viel Zeit. Wer hat Maren das Hologramm gegeben?“

 

- „Das müsste Flachzange gewesen sein.“

 

Wieder huschten Erinnerungen am geistigen Auge meines Kumpels vorbei.

 

„Gib in mir mal schnell.“

 

- „Ähm… Der sieht grad fern und ich glaub…“

 

„Sofort!“

 

Im Hintergrund entbrannte eine kurze Diskussion während die Zeit weiter lief und man ein allgemeines *rolleyes* fast spüren konnte.

 

- “WAS?“ meldete sich schließlich die Stimme des Nicht-Hausmeisters.

 

„Hast du ihr, dass Hologramm gegeben?“

 

- „Schlampe? Jo!“

“Hat sie sich komisch verhalten?“

 

- „Das ist jetzt nicht dein Ernst oder? Sie verhält sich ständig komisch, jetzt sag nich ich verpass die Folge mit den Rotschöpfen nur weil du mit mir über ihre geistige Verfassung quatschen möchtest“

 

„Ich mein noch komischer. Habt ihr schon die Nachrichtenspots aktualisiert?“

 

„Ne, wir sitzen hier seit Wochen und schauen nur South Park und futtern Pizza!“

 

„Ich hoffe das war Ironie, ansonsten solltet ihr dass mal tun.“

 

- „Kannst du nicht einpennen und willst mit mir übers Wetter reden? Hör mal zu, die Telefonseelsorge hat 24/7 ein offenes Ohr für dich. Ich würd gern wieder zum TV und den Pizzen zurück. Natürlich war das Ironie und wir wissen was so los war. Ironie…“

Er stockte und schien zu überlegen.

- „Doch sie verhält sich anders. Sie VERSTEHT Ironie.
Und sie kennt dich nicht...“

 

„War sie schon so, als du ihr das Hologramm ausgehändigt hast?“

 

- „…Ja…“

 

„Vielleicht solltest du dir die Nachrichten noch mal ansehen und drauf achten, was man mit einem Hologramm alles nicht machen kann. Es sind keine alten aufnahmen. Sie hat panische Angst vor Spritzen und würde niemals so still halten wenn sie bei Bewusstsein wäre und auf dem Fensterbrett liegt Schnee...“

 

“Dann haben wir hier ne Agentin am Hals?! Na Klasse und alles nur, weil Schlampe wieder mal aus der Reihe tanzen musste.“ Er seufzte.

„Was sollen wir denn jetzt machen?!“

 

„Ich hab keine Ahnung. Sie loszuwerden, sollte nicht dass größte Problem sein, aber wie retten wir Maren? Im Krankenhaus ist sie auf jeden Fall nicht mehr…“

 

„Wir haben ne Agentin am Arsch weil wir ihr helfen wollten. Bevor wir die nächsten Rettungspläne schmieden sollten wir vielleicht erstmal unsere eigenen Hinterteile in Sicherheit bringen.“
Er Stockte.
“Dieses Telefon wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verwanzt sein!“

 

„Das ist mir bewusst. Wir haben noch ungefähr für eine halbe Minute eine abhörsichere Leitung, danach kann ich für nichts mehr garantieren. Ist noch was wichtiges?“

 

STILLE

“Hallo bist du noch dran? 20 Sekunden, Junge!“

 

„… Ich denke nicht“

 

„Schläft sie?“

 

„Ich denk schon…“

 

„Ich hoffe, du hast Recht. Verschwindet sofort von da, bevor sie euch hochnehmen und…*düüüt düt düt*“

 

 

„Hey was soll dass? Ich war noch nicht fertig!“ empörte sich mein Kumpel über den abrupten Verbindungsabbruch.
Emma deutete auf den Counter der bei 00:00:01 eingefroren war.

- Szenenwechsel –

 

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ganz andere Probleme und wusste von alle dem noch nichts. Ich lag wach auf einer viel zu dünnen Matratze, starrte genervt die Decke an und versuchte mir mit dem Kissen die Ohren zu zuhalten. Das Grillengezirpe ging mir so auf die Nerven und zu allem Überfluss fühlte ich mich von den ganzen Reptilien beobachtet. Von den stickig-tropischen Temperaturen ganz zu schweigen. Kurz gesagt, ich war hundemüde aber konnte nicht mal ansatzweise einschlafen.
Ich seufzte und beschloss mich doch zu den Kerlen vor den Fernseher zusetzen. Schlechtgelaunt stand ich auf, schnappte mir die Decke und Tapste ins Wohnzimmer. Mental bereitete ich mich auf eine Fortsetzung des South-Park-Marathons vor. Ich betrat den Raum und blieb erstmal überrascht im Türrahmen stehen. Die Blondis und der Gamer sahen sich Nachrichten an und stritten während Tarzan Futter und Wasser in den Terrarien nachfüllte. An dem alten Sofa lehnten gepackte Reisetaschen.


„Und was sagt deine Informatiuonsquelle?“

„Sie hat morgen Frühschicht, wenn ich sie noch einmal um diese Uhrzeit aus dem Bett klingel versohlt sie mir beim nächsten Treffen den Hintern.“ Entgegnete der Nicht-Hausmeister grinsend.
“Ich will keine Details aus deinem Sexualleben, sonder wissen was im Krankenhaus vor sich geht“ der Snooker-Prince-Delux-Jackenträger grinste zurück.
“Die Ermittler stellen merkwürdig wenig Fragen und sorgen dafür, dass es auch kein anderer tut. Die Nachrichten verschweigen einige wichtige Details. Wäre das Hologramm aufgeflogen oder entdeckt worden, hätte es sicher andere Reaktionen gegeben, aber so wie es aus sieht ist sie mit allen wichtigen Geräten verschwunden. Ausgerechnet an dem Tag,, an dem ihre Großmutter sie Besuchen wollte. Die Ermittler haben peinlich genau drauf geachtet, dass niemand außer dem Krankenhauspersonal zutritt zu ihrem Zimmer bekommt und selbst für deren Personal…“
„und den HAUSMEISTER!“ der Schalträger grinste und bekam sofort den Ellenbogen des Nicht-Hausmeisters zu spüren.

“Ok, lass mich mal zusammenfassen. Das Überwachungsvideo ist definitiv nach ihrer Befreiung aufgenommen und um ein Hologramm handelt es sich nicht. Angenommen, dass“ der Gamer deutete auf den Monitor „ist ihr Körper und nun ist er mit den Geräten verschwunden, dann hat irgendjemand anderes sie entführt. Ich tippe auf die Ermittler, es würde deren Verhalten erklären. Sie wollten mit dem Verhör nicht länger warten und inszenieren deswegen dieses Theater. Die Frage ist jetzt aber, wenn sie heute Nachmittag noch im Krankenhaus lag, wen haben wir dann heute Mittag befreit?“

„Oder noch wichtiger, was machen wir nun mit unserem Gast?“ fügte der Nicht-Hausmeister hinzu.

 

- Schweigen –

 

Reden die etwa über mich? Nicht gut! Überhaupt nicht gut! Meine Gedanken überschlugen sich fast. Was auch immer hier vor sich ging, ich sollte verschwinden bevor die Kerle eine Antwort auf ihre letzte Frage gefunden hatten. Langsam wich ich zurück. Dabei stieß ich gegen etwas Hölzernes, dass nachgab. Noch bevor ich irgendwie reagieren konnte wars auch schon zu spät, die Yuka-Palme neigte sich und viel mit dumpfen krachen von der Kommode.
*RUMMMS*

Ich spürte wie sämtliche Augenpaare ihren Blick von der Mattscheibe lösten und ihn auf mich richteten. Ich starrte die Kerle an und diese starrten mit weit aufgerissenen Augen zurück.

Mist! Ich löste mich aus der Starre, schnappte mir das erstbeste paar Schuhe und rannte zur Tür raus.

Draußen lag immer noch Schnee und ich verfluchte die vorher tropischen Temperaturen noch mehr. Hätte ich doch wenigstens langärmeliges Nachtzeug angezogen! Stattdessen trug ich ein Hemd des Reptilienfreundes und eine Jogginghose. Ich hatte nicht mal Zeit mir die geklauten Schuhe anzuziehen, also hüpfte ich barfuss durch die Vorgärten und versuchte möglichst kreuz und quer von einer Häuserecke zur nächsten zu laufen um nicht gesehen zu werden. Schließlich erreichte ich eine größere Schneewehe hinter der ich mich duckte. Meine Füße brannten von der Kälte und ich begutachtete die Schuhe in meiner Hand. Das ist ja mindestens Schuhgröße 50, stellte ich verwundert fest. Da meine Füße taub waren, stellte sich das als großer Vorteil da, sonst hätte ich die niemals anbekommen.
Ich wickelte mich, so gut es ging, in das riesige Hemd und lauschte.
Es waren keine Stimmen zu hören.  Verwundert späte ich über die Schneewehe, bereit mich sofort wieder zu ducken und mit zusammengebissenen Zähnen um nicht mit lauten klappern auf mich aufmerksam zu machen.  Außer meine Fußabdrücke im Schnee, die langsam von neuen Schneeflocken zugedeckt wurden, war nichts zu sehen. Keine Spur von irgendwelchen Verfolgern.
Die Kälte brannte aber wo sollte ich um diese Uhrzeit und in diesem Aufzug hin? Die fremden Häuser sahen alle verschlossen aus.
Kein Wunder, dass ich nicht verfolgt wurde. Die wissen genau so gut wie ich, dass ich nirgendwo großartig hin kann und wenn ich nicht erfrieren wollte musste ich zurück oder einen guten Plan B entwickeln.
Vielleicht hatte ich ja Glück und konnte in irgendeinen Hausflur gelangen. Unsicher stapfte ich zu erstbesten Tür und ruckelte dran. Verschlossen.

Auch bei den nächsten sollte ich kein Glück haben. Die Schuhe fühlten sich wie Gewichte an meinen taub gewordenen Beinen und ich beschloss, mich erstmal vor einen der verschlossenen Eingänge zu setzen. Die Häuserwand schützte vor dem schneidenden Wind und ich kuschelte mich in das riesige Hemd. Nur ganz kurz, sagte ich mir selbst doch der Krankenhausaufenthalt steckte mir immer noch in den Knochen und mein Körper war müde. Ich sah Chris vor mir der meinen Namen rief. Ich blinzelte, ich muss kurz weggenickt sein.
Es ist kalt, so kalt.
Nein, wenn du hier sitzen bleibst erfrierst du! schrie mich mein Schädel an doch die Taubheit griff vom Körper über meinen Verstand über und flüsterte mir zu: Nur einen Augenblick noch, einen ganz kurzen Augenblick noch ausruhen. Die kalte Glasscheibe kam mir garnicht mehr so kalt vor, sie brannte nicht wie die Luft sondern war einfach nur glatt. Ich kuschelte mich an sie und zog die Beine noch Fester an mich.
“Verdammt steh auf!“
„Chris?“ Erschrocken fuhr ich hoch, nur ein Traum.
Zitternd stand ich auf, mein Körper fühlte sich so steif und schwer an.
Meine Spuren waren längst leise von neuen Schneeflocken zugedeckt worden. Wenn ich irgendwo klingel, wird es nicht lange dauern bis jemand die Polizei anruft.
Ich dachte an meinen letzten kurzen Besuch im Revier und schüttelte entschlossen den Kopf. Dann lieber bei den Blondis und den Gamern. Selbst wenn die mich für jemand anderen halten, kennen sie meinen Kumpel. Wie auch immer ihre Antwort ausgefallen war, schlimmer könnte es nicht sein.
Irgendwie werde ich sie schon überzeugen können oder er regelt dass.
Alles war besser, als noch einmal den Ermittlern in die Hände zufallen. Wirklich ALLES? fragte ich mich, als ich mich umsah und überlegte, aus welcher Richtung ich gekommen war. Unsicher stapfte ich los.
Nachts sehen alle Katzen grau und alle Schneehaufen gleich aus.

Szenenwechsel

Zur selben Zeit, stand der bullige Kerl vor den geschlossenen Rollläden der Krankenhauskantine. Sie hatte seit ein paar Minuten geschlossen. Den Geräuschen nach zu urteilen, wurde grade fleißig sauber gemacht. Nachdem auch brüllen und gegen die Scheibe donnern nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte schnappte sich der bullige Kerl sein Funkgerät und ließ seinen Zorn freien lauf.
„Wo zum Teufel bleibt mein Kaffee?! Wenn sie grad dabei sind, ich hab Hunger! Und besorgen sie mir gefälligst etwas Anständiges!“
„Ähm sofort Boss.“
„Wo zur Hölle stecken sie? Es kann doch nicht so schwer sein einen verdammten Kaffeeautomaten zu bedienen!“
„Es gibt ein kleines Problem mit den Leuten von der Presse, aber ich kümmer mich bereits darum. Bin fast fertig und gleich mit dem Kaffee bei ihnen“
„Presse? PRESSE?!? Waren meine Anweisungen nicht eindeutig? Die offizielle Stellungsnahme ist draußen mehr gibt es nichts zu sagen. Sind sie noch im 11. Stock? Ich komm zu ihnen. Wehe mein Kaffee ist kalt! Sollte ich auf dem Weg oder bei ihnen irgendeinen Pressefutzi sehen, kann der sich nen neuen Job suchen! Wenn man mir auch nur noch ein Mikro unter die Nase hält passiert hier ein Unglück! Haben sie dass verstanden?!“

„Ja, Boss“
der bullige Kerl glaubte, neben dem normalen Rauschen eine hektische Betriebsamkeit gehört zu haben. Er grinste und beschleunigte, vor den Fahrstühlen blieb er stehen. Der Mittlere hielt grad im 11. und kam herunter gefahren.
“Wie´s aussieht brauch ich weder drücken noch mir die Mühe machen, hoch zu fahren.“ Murmelte er mehr zu sich selbst und verzog sein Gesicht zu einem kalten lächeln.
Die Fahrstuhltür öffnete sich und ein junger Mann mit Kamera wollte hinaus stürzen. Er prallte gegen den bulligen Kerl stolperte zurück und verlor das Gleichgewicht. Beim Anblick des bulligen Kerls waren die anderen Fahrstuhlfahrer automatisch zurück gewichen, so war trotz vollem Fahrstuhl voller Menschen und Geräte eine Lücke entstanden. In diese viel der Junge Mann, die Kamera schlug dumpf auf und der Mann landete auf seinem Hinterteil.
Der bullige Kerl streckte ihm seine Hand entgegen doch der junge Mann rappelte sich mit weit aufgerissenen Augen selbst auf und stammelte Entschuldigungen.
“Wie seltsam“ sprach der bullige Kerl ruhig und lächelte. „ So viele Menschen mit Fotoapparaten und Kameras… Hätte ich dies Krankenhaus nicht höchstpersönlich zur pressefreien Zone erklärt, würde ich doch tatsächlich glauben ich hab hier einen Fahrstuhl voller Reporter vor mir. Reporter die sich polizeilichen Anweisungen und meine Ermittlungen behindern“ Er machte eine kurze Pause und sah aus den Augenwinkeln wie eine größere Menschengruppe die Treppen herunter eilten. „Aber ich denke, kein Reporter würde so leichtfertig seine Lizenz aufs Spiel setzen. Vor allem da eine komplette Stellungsnahme, für alle Sender frei zur Verfügung steht.“ Er zog die Augen braun etwas hör stieg in den Fahrstuhl und drückte die 11. Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung und fuhr nach oben. Die restlichen Menschen waren so perplex, dass keiner auf die Idee gekommen war, auszusteigen. Als der Fahrstuhl hielt, drehte sich der bullige Kerl noch einmal um und wünschte ihnen noch einen guten Abend bevor er ging.
Selbstzufrieden schlenderte er den Gang entlang und betrat schließlich ein kleines Zimmer.
„Na, wo ist mein Kaffee? Ich hoffe er ist noch…“ er stockte und seine gute Laune verschwand schlagartig.
“Hallo Bruno. Wie laufen die Ermittlungen?“
Der hagere Kerl mit braunen, streng zurück gegeelten Haaren hielt eine Kaffeetasse in der Hand und trank seelenruhig davon. Es war die einzige Tasse Kaffee im Raum. Der Wachmann war beim eintreten seines Bosses aufgesprungen und stand nun nervös in der Gegend rum.
„Gut. Ist dass MEIN Kaffee?“ „Oh entschuldige bitte, der stand hier so rum und bevor er kalt wird. Wäre schade drum, er schmeckt fantastisch. Ich glaub ich hab in der Eingangshalle einen Kaffeeautomaten gesehen. Wenn du dir auch einen holst, bring mir bitte einen mit. Aber bitte ohne Zucker und ohne Milch, schwarz wie meine Seele.“ Er lachte über seinen Scherz und wandte sich wieder an den Wachmann. „Sie sagen es gab keine Auffälligkeiten? Laut Schwesternaussage mussten die Leuchtelemente ausgetauscht werden, ich habe das Videomaterial bereits gesichtet und konnte keinen Hausmeister entdecken. Wie erklären sie sich dass?“
Der Wachmann schluckte und sah zwischen dem hageren und den bulligen Kerl hin und her.
„Es gab einige Probleme mit….“ Begann der bullige Kerl. „Ich habe diesen jungen Mann gefragt. Wolltest du dir nicht grad einen Kaffee holen?“
Der bullige ballte die Fäuste und sein Gesicht nahm langsam die Farbe eines gekochten Hummers an. Er biss sich auf die Zunge und blieb stumm. „Hier meine Tasse kannst du gleich mit nehmen und nicht vergessen, weder Milch noch Zucker.“ Als ihm der hagere Mann die Tasse unter die Nase hielt reichte es und der Bullige explodierte.
“WAS BILDEST DU DIR EIN? Wenn du glaubst du könntest hier einfach so reinschneien, mit deinem Wisch wedeln und alle springen, dann hast du dich geschnitten! Das ist immer noch MEIN Fall!“
Der Hagere lächelte ungerührt. „Die Frage, die du dir stellen solltest ist nur, wie lange noch. Ach Bruno, mein Lieber, da sind mir einige zu Ohren gekommen, die sich gar nicht gut anhören.“ Er seufzte. „Das Mädchen ist hier trotz intensiver Überwachung verschwunden und das Videomaterial ist mehr als dürftig.“

Der bullige Kerl schnaubte verächtlich. „Ja, mir ist die Verdächtige entwischt oder sie ist entführt worden, wir untersuchen noch die Fakten. Aber dass du die Nerven hasst hier aufzukreuzen! Du hattest deine Chance sie zu vernehmen und du hast auf ganzer Linie versagt. Mir ist vielleicht ein komatöses Mädchen in einem mittelmäßig überwachten Krankenhaus durch die Lappen gegangen, dir ist die ganze Horde aus einem, der am best bewachtesten Polizeireviere, entkommen. Dabei wurde selbiges in Schutt und Asche gelegt. Bis heute konnte nicht geklärt werden, welche Organisation für die Befreiung verantwortlich war, wenn ich mich nicht irre. Du solltest mir nicht drohen und dich um deinen eigenen Kram kümmern. Hab gehört, du stehst auf dünnen Eis und ein netter Schreibtischjob irgendwo auf dem Lande wartet auf dich wenn du dir auch nur noch ein Falschparkerticket zu Schulden kommen lässt.“

 Der Hagere Kerl lächelte unsicher. Die Gespächswendung schien er nicht erwartet zu haben.
“Mal ganz unter uns, ich bin nicht hier um irgendwelche Meldungen zu machen, sondern um dich zu warnen. Du unterschätzt Sie. Durch meine laufenden Ermittlungen hatte ich das Vergnügen“ er grinste viel sagend „mich mit den netten Herren von FearMe ausführlich zu unterhalten. Die haben das Mädchen nicht angerührt.“
„FearMe? Denen glauben sie? Einfach mal angenommen, ihre Informationen sind richtig, dann gibt es immer noch jede Menge verdächtige Gruppierungen die ein Motiv hätten sie zu entführen.“ „Hätte mein…. Gesprächspartner irgendwelche Informationen gehabt, dann hätte er sie mir gegeben, da bin ich mir sicher. Todsicher.“ Der Hagere lächelte kalt „Welche andere Gruppierung hätte denn deiner Meinung nach noch ein Motiv? Die E.R.D.N.Ü.S.S.E. gehen davon aus, dass sie noch in unserer Obhut ist.“ Der hagere Kerl machte eine Pause und musterte den Bulligen ausgiebig. „Du weißt nicht zufällig warum?“
Der Wachmann sah wieder unsicher zwischen den beiden Männern hin und her, dich sich ausdruckslos in die Augen sahen. „Also ich geh dann mal Kaffee besorgen, einmal schwarz und für sie, Boss, wie immer?“
Der Bullige nickte schweigend und der Wachmann eilte, erleichtert der Situation endlich zu entkommen, raus.
Dabei stieß er fast mit einer blonden Schwester zusammen. „Na, dass ist mal eine stürmische Begrüßung. Lassen sie mich raten, wieder einmal ein Kaffee-Notfall?“ sie lächelte.
“So in der Art, ich hasse die Nachtschichten. Da ist er noch übler drauf als sonst, und dass will was heißen. Der geheimnisvolle Besucher hat seine Laune auf ein neues Rekordminus katapultiert, da brennt die Luft. Ich hoffe die Gespräche der beiden sind unter 4 Augen geplant“
Er seufzte und sie klopfte ihn tröstend auf die Schulter.
Dabei entfernte sie blitzschnell einen kleinen Gegenstand aus seinem Kragen.
„Ich weiß, was du meinst. Hier ist manchmal auch die Hölle los. Weißt du was, ich wollte auch grad zum Kaffeeautomaten. Was hältst du davon, wenn ich dich begleite? Kannst dich gern auf dem Weg dahin bei mir ausheulen.“
Er errötete leicht. „Danke, ich weiß das Angebot wirklich zu schätzen aber ich befürchte ich muss ablehnen. Wenn sie mir einen Gefallen tun möchten…“ er drückte ihr den Becher in die Hand „dann gehen sie schon Mal vor. Ich muss noch mal kurz für Königstiger“ Er deutete Richtung Herrentoilette.
„Für den Inspektor einen Kaffe mit so viel Zucker, dass der Teelöffel fast stehen bleibt und für seinen Besucher?“.
„Schwarz, ohne alles. Danke, bis gleich.“ Er verschwand und sie machte sich auf zum nächsten Kaffeeautomaten. Alles lief wie geplant. Eilig klebte sie die Wanzen unter die Tassen und ließ sie vollaufen. Sie war gespannt, was die beiden Herren wohl zu besprechen hatten. Als der Wachmann immer noch nicht zu sehen war, gönnte sie sich erstmal selber eine Tasse Cappuccino. Als er immer noch nicht auftauchte, bekam sie ein schlechtes Gewissen. Das Glaubersalz schien bei ihm eine wesentlich stärkere Wirkung zu haben, als gedacht. Aber irgendwer musste ja dafür Sorgen, dass die Beamten ihren Posten verließen. Sie seufzte und sah mitleidig zu den beiden kälter werdenden Kaffeebechern und leerte ihren eigenen. Kurzerhand machte sie sich noch einen Cappuccino, sie hatte wesentlich weniger Schlaf gehabt als geplant und ihre Frühschicht hatte grade erst begonnen. Gähnend wünschte sie den Durchfall jenen Kerlen an den Hals, die sie viel zu früh geweckt hatten. Müde sah sie auf die Uhr, wenn der Wachmann nicht bald wieder auftauchte würden die Kaffees eiskalt sein. Dann konnte sie das mit dem Abhören knicken.
Sie wusste dass die beiden Männer wichtige Informationen austauschten, während sie hier zum warten verdammt war. Also schnappte sie sich die beiden Becher und ging ihm schon mal entgegen. Nach dem sie 5 Minuten vor der Tür gewartet hatte, faste sie einen Entschluss.

*klopf klopf* „Alles OK, da drinnen?“
“Bin top fit, styl mich grad nur nach“ wimmerte es hinter der verschlossenen Tür. Sie durchkramte ihre Tasche bis sie eine kleine Packung gefunden hatte dann öffnete sie die Tür einen Spalt und warf sie hinein.
„Vielleicht hilft dir dass, ich bring deinem Chef schon mal seinen heiß geliebten Kaffee“ bot sie an und verschwand bevor er protestieren konnte.
Wenig später, hatte sie die beiden Kaffeebecher ausgehändigt, einen Arzt gefunden der sich um den Beamten kümmerte und saß mit Ohrstöpsel und aufgeklappten Laptop in einer abgeschlossenen Duschkabine und lauschte.

„Einem Austausch zuzustimmen ohne auch nur eine Ahnung zu haben, wo die geforderte Person ist nenn ich Wahnsinn“ knarzte die Stimme des bulligen durch die Kopfhörer.

„Du tust so als wäre das etwas Schlechtes. Genie und Wahnsinn liegen dicht bei einander. Ob jetzt eine Falle mit oder ohne echten Köder, wo ist da schon der Unterschied. Du hattest doch auch nicht vor Ihnen das Mädchen zu überlassen. Ohne Schloss, bringt dir der Schlüssel auch nichts.“
Das war eindeutig die Stimme des hageren, aber es machte keinen Sinn. Was für einen Austausch? Schlüssel und Schloss? Sie fragte sich, ob er den bulligen Kerl grade etwas zeigte und nahm Verbindung mit den Überwachungsmonitoren auf. Praktischerweise hatten die Kammerjäger incognito nicht nur das Videomaterial manipuliert sonder sich auch die Sendefrequenz gemerkt.
Sie skippte durch die Räume und erstarrte. War das die Frauendusche?
Sie schluckte, als sie ihre Schuhe in der hinteren Kabine erkannte. Zum Glück hatte der Einrichter der Kamera sein Hauptaugenmerk auf die Gemeinschaftskabine gelenkt, dachte sie und lehnte sich an die Wand. Nun waren keine Schuhe mehr auf dem Bildschirm zu erkennen und vermutlich würde es nicht mal Aufmerksamen Beobachtern auffallen. Wieder einmal zweifelte sie, ob die Toilette nicht ein besserer Ort gewesen wäre. Da dieser Ort aber öfter aufgesucht wurde und das Tippen nicht unbedingt unverdächtig klang hatte sie sich dagegen entschieden.
Sie beschloss, den Kontrolleuren im Überwachungsraum mal einen speziellen Kaffee zu spendieren und bei nächster Gelegenheit mal ein gut gezieltes Kaugummi in der Dusche anzubringen.
Aber zurzeit hatte sie keine Zeit sich auf die Suche nach Spannern und Kameras zu machen.
Sie skippte weiter durch die Räume und hatte endlich den Richtigen gefunden. Grade eben hatte der bullige Kerl den Hageren gefragt, warum ihm ihn die Ermittlungen, die gar nicht seine waren, so wichtig seien.
Eine Pause folgte, in der die junge Schwester schon befürchtete, die Mikros wären aufgeflogen.
Nun starrte sie auf den Monitor.
Der Hagere Kerl hielt ein Büschel brauner glatter Haare in der Hand und roch dran. Dann sah er den ebenfalls erschrocken wirkenden bulligen Kerl an und flüsterte mehr zu sich selber:
„Persönliche Gründe. Mir wurde etwas gestohlen, das ich gern wieder haben würde. Außerdem wurde ich bei meiner Unterhaltung mit einer jungen Dame rüde unterbrochen. Ein stummer Engel. Ich würde nur zu gern ihre Stimme hören, wenn sie schreit.“

 

Szenenwechsel

 

Die blonde Frau zog nie Knie dichter an sich und fröstelte.
Ihr gegenüber knöpfte sich der Mann seinen Kittel auf und lehnte sich mit hochrotem Kopf zurück.

„Ähmmm, die Autoooheizung ist auf maximaaal eingestellt und wir haben hier tropische 25 Graaad, was verglichen mit der Durchschnittsteeemperatur in beheizten Räumeeen…“
“Mmmmir ist trotzzzdem kalt“ unterbrach die blonde Frau ihn zitternd „Vvverfflucht, ssso kann ich sssicher keine knnallharte Vverhandllung fführen. Ssoo nnehmen ddie mich ddoch übberhaupt nnicht ernst!“
Sie vergrub ihre Arme in die Ärmel des viel zu großen schwarzen Mantels und fluchte bibbernd weiter.
„Ähmmm, also medizinisch gesehen…“ setzte der schwitzende Mann wieder an.
„Ggibt, es ddafür kkeine Erklärung. Ich weiß. Ich seh kkomische Bbilder und mmeine Erinnerungen verbblassen. Ich glaub Sie stttirbt. Ich ssterbe! Wwir müsssen uns bbeeilen und ddie Üüberggabe schnell übber die Bbühne bbringen, ddann hhab ich vvielleicht noch eine Chance. Ddu musst die Vverhandlung fführen.“
Er kramte in seiner Arzttasche und zog eine metallischglenzende Plane hervor, die er ihr reichte.
“Ähhm.. ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Verhandlungstechnisch…“
“Bbist ddu im Mmoment auf jeden Ffall besser ddran als ich.“
“Verdammt, jetzt lass mich doch einmal ähhm… Ausreden! Wieso ähhm bist du dir eigentlich so sicher, dass das Mädchen noch lebt?“
„Weil ich nnoch Llebe. Nnoch, also seht zzzu!“
“Ähhm, wenn ich Anmerken darf… Wir sind bereits da.“
Sie stockte, sah sich um und nickte dem Fahrer des Autos zu. Dieser stieg aus, öffnete die Beifahrertür und schulterte die ihm entgegen fallende Person.
“Bbist du ssicher, dass er nnur schläft? Er ssieht zziemlich ffertig aus.“ Fragte die blonde Frau ihren Gegenüber skeptisch.
“Ähmmm ich befürchte die Tropfen in seinem Tee waren etwas stärker oder ich habe mich was die Dosierung angeht etwas… sagen wir mal vertan. Die Orientierung am Durchschnittsgewicht eines Mannes in seinem Alter war vielleicht ähmm nicht unbedingt das richtige Maß um…“ „Oder die Tatsache, dass er sein Frühstück nicht angerührt hat oder du dich bei den Tropfen verzählt hast?“ sie seufzte „Ist er Ok?“
“Ähhm… Also ich würde sagen in anbetracht der Lage und…“
“Ist er OK?“ wiederholte sie gereizt.
„Ja.  Würd ich es nicht besser wissen, würd ich sagen ähmmm du machst dir Sorgen.“
Sie funkelte ihn böse an. „Nein natürlich nicht, ich will nur keine beschädigte Ware abgeben!“
“Ähm… Wenn ich kürz anmerken dürfte…Du zitterst nicht mehr. Wie ist dein befinden?“
“Öhm… Ganz ok. Aber irgendwie wird ich… müde.“
*Klopf Klopf*
Der Fahrer, sah genervt durch die Scheibe und gestikulierte mit seiner freien Hand, mit der anderen hatte er den schlafenden Mann geschultert.
Er deutete auf die Lagerhalle vor ihnen.
“Wie ich seh, werden wir bereits erwartet. Wir wollen ja nicht unfreundlich sein und die Herren länger warten lassen als nötig. Dann mal auf in die Schlacht. Hast du alles?“ Nach einem kurzen nicken wurden die Autotüren energisch geöffnet.