- Brennende Kälte, alles wird Still -

Das Schicksal ist ein kleines verwöhntes Mädchen, dass immer alleine Zuhause ist. Wenn ihm langweilig ist, spielt es mit unseren Leben. Es ist ganz alleine in seinem Universum, ein unendliches Zimmer voller Spielsachen. Ein Raum ohne Fenster, ohne Türen in dem es weder Hell noch Dunkel gibt da Licht und Zeit in diesen unbegrenzten 4-Wänden nicht existieren können. Es gibt niemanden mit dem es reden kann deswegen ist es Stumm. Niemand hat ihm je Grenzen gesetzt, so ist es grausam und willkürlich geworden, ohne die Bedeutung der Worte zu kennen. An Orten an denen es kein Licht und keine Dunkelheit gibt, da verschmelzen Gut und Böse zu einer bedeutungslosen grauen Masse und es wird egal. Sie ist nur Staub der Geschichte der sich unter dem Bett des Mädchens ansammelt. Ihre Eltern werden nie Zeit haben. Ihre Mutter die Natur gebar sie, nach dem sie von den Menschen vergewaltigt wurde. Sie hat sich zurückgezogen und nie ein je Bindung aufgebaut. ( )
Es hat jedes Spielzeug und bekommt jeden Wunsch erfüllt so bald es ihn nur denkt, nur Zuneigung, Liebe und Geborgenheit wird es nie erhalten.

Als es eines Morgens auf wacht, emotional verhungert und materiell verwöhnt, verspürt es den Wunsch die Uhrheber ihres Leidens zu sehn. Es hob eine Schneekugel auf in der ein Engel selbst vergnügt und nach innen gekehrt tänzelte, in die andere Hand nahm sie eine gläserne Rose. Diese warf sie auf den Boden und sah mit glitzernden Augen zu als sie in tausend Teile zersprang. Behutsam hob es einen abgebrochenen Dorn auf und nahm sie zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Als dessen Spitze den linken Arm berührte, zögerte es einen Augenblick, doch dann durchstach es die weiße Haut und zog ihn langsam nach oben. Blut rann den Arm hinab und ein Tropfen klebte am Dorn. Es lächelte und ließ den Tropfen auf die Kugel fallen.

Der Engel erstarrte mitten in der Bewegung und seine Gesichtszüge änderten sich. Das lieblich unschuldige Antlitz versteinerte und sah für einen Moment wie mit Marmor überzogen aus, dann fängt er an zu schreien. Doch das stumme Mädchen kennt keine Töne, hört nichts. Das Gesicht des Engels fängt an zu bröckeln, aschfahle Haut kommt zum Vorschein. Zu einer schmerzverzehrten Grimasse verzogen, scheint das Gesicht für einen Moment in einem unheimlich blauen licht, die Augen scheinen nur noch weiße Löcher zu sein. Das Mädchen welches Farbe nicht kannte ist entzückt und kann sich gar nicht satt sehen. Auch seine Haut nimmt einen unnatürlichen Glanz an. Das Lächeln des nie gebrauchten Mundes verschwindet, seine Schleifen fallen herunter, das gelockte Haar entwindet sich und wird weiß. Es hält die Fäden der Menschen in der Hand, wie ein Puppenspieler. Der Engel reißt sich die Federn aus bis die Flügel sind nur noch blutige Stummel sind. Er zerkratzt sich die Arme, das Gesicht und schreit in einem Universum das den Ton verschluckt. Mir wird kalt. Der Engel sinkt ohnmächtig zu Boden und ein leuchtendes Wabern umhüllt ihn. Viele Bilder erscheinen, als würde das Schicksal durch die Jahrhunderte zappen. Ein Bild bleibt stehen und ich sehe mein Zimmer. Es blickt von der Kugel auf und sieht mich an. Durch den fehlenden Mund wirken seine Augen riesig, es sieht mir direkt in meine Augen. Das es mal ein Mädchen war sieht man kaum noch. Sein Kleid hat sich von ihm abgeschält. Vor mir kauert ein androgynes Wesen mit weißer Haut, langen weißen Haaren und sieht mich an. Die Neugier in seinem Blick wandelt sich und seine Augen schauen mich vorwurfsvoll an.
– Die Augen –
Ich verlier mich in ihnen, sie sind vorwurfsvoll und unendlich traurig. Es tut mir so unendlich Leid… In diesem Moment entflammt irgendetwas in seinen Augen, die Kälte weicht brennendem Hass. Es wirft den Kopf in den Nacken und will schreien. Oder lacht es hysterisch? Der fehlende Mund lässt es ein Rätsel bleiben. Seine Haut wird fahl, es kratzt sich die Arme auf, die Marmorhaut bekommt risse, zerspringt. Es wird grauer, älter und vom Hass verzehrt.
Ich will nicht sehn wie es unter seiner Maske aussieht, blinzel und dann ist alles weg. Ich liege auf meinem Bett, mit zerkratzten Armen. Wie immer seh ich die Raufasertapete an. Fluchend seh ich auf die Uhr, will nicht mehr einschlafen, nicht sehen was ich sehen würde. Kurz durchatmen. Ich herheb mich, schalte den Fernseher ein und Vergessen hüllt mich ein, nimmt mich in den Arm und lässt alles verschwinden. Irgendwo tief und fast vergessen hör ich das Schicksal flüstern „Auf wieder sehen“ und weiß das es Recht hat. Ich kann nicht ewig wach sein aber es kann warten, bis in alle Ewigkeit.