Die Maske 


Wer bin ich fragte das Mädchen sich, doch sie hatte sich schon solange verstellt dass sie vergeblich nach der richtigen Maske. So behielt sie ihre lächelnde Fassade bei, denn sie konnte die richtige Maske die sie suchte, die welche sie wirklich war nicht finden. Sie fragte alle die sie traf ob sie ihr nicht helfen könnten und wissen welche die richtige sein, doch dass konnte ihr niemand beantworten. Aber alle waren sich einig dass die lächelnde Maske ihr sehr gut stand und sie machte ihr auch am wenigsten Probleme. Doch es fühlte sich falsch an.

Eines Tages kam sie beim einkaufen an einem Geschäft mit Spiegeln vorbei und sah hinein. Doch da stand jemand anderes und lächelte. Sie war verwirrt, ging einen Schritt zurück und hob die hand. Auch die Person im Spiegel hob die Hand und lächelte weiter, doch die Augen veränderten sich und wurden schwarz und leer. „ Du willst also wissen welches die richtige Maske ist?“ fragte das Spiegelbild und das Lächeln verzerrte sich zu einer hässlichen Grimasse. Das Mädchen erschrak als es bemerkte, dass ihre schöne Porzellanhaut Risse bekam. Als die Maske zu bröckeln begann bekam das Mädchen Panik, das sich nicht nackt fühlen wollte. Schnell suchte sie eine neue Maske die des noch freundlichen Lächelns. Kaum hatte sie diese aufgesetzt bekam auch die Maske erste Risse. Vor Angst wollte sie nach Hilfe rufen doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Sie sah die Leute in der Fußgängerzone verzweifelt an und diese grüßten das freundlich lächelnde Mädchen und gingen nichtsahnend weiter, als sähen sie die Risse nicht. Sie übersahen diese aus Höflichkeit. Keine Maske wollte dem Mädchen mehr passen und sie fing an zu weinen doch niemand sah es hinter ihrer Maske. Ich muss nur die richtige finden, die wird passen, dachte das Mädchen und verließ das Schaufenster des Spiegelgeschäftes vor dem sie gestanden hatte. Doch das Spiegelbild schien zu bleiben. Das andere Ich im Spiegel schien dem Mädchen amüsiert hinterher zu winken. „Ich habe was du brauchst“ flüsterte es ihr mit dem Wind hinterher. „Du kannst nicht vor mir weglaufen denn ich bin du….“

Das Mädchen rannte ins nächste Maskengeschäft und kaufte sich das neuste Model von „Super-glücklich-Lächeln“, die bekanntlich aus strapazierfähigem Silikon gefertigt waren. Der Verkäufer versicherte ihr, das die Probleme, die es bei den alten Keramikmodellen gab (seien es Zerbrechen oder das Absplittern des Lackes) hier nicht mehr geben würde. Professionell beseitigte er die Reste der Alten und gab dem peinlich berührten Mädchen, dass ihr Gesicht mit den Händen verdeckte ein Exemplar mit dezenter Schminke und überglücklichen Lächeln. Dankend und sichtlich erleichtert verließ es den Laden und ging Nach hause denn es Dämmerte bereits. Dort angekommen beschloss es nach der ganzen Aufregung früh ins Bett zu gehen, denn sie fühlte sich erschöpft und ihr Gesicht schmerzte denn ihre Muskeln waren an das überglückliche Lächeln noch nicht gewöhnt. Irgendwie gestaltete es sich jedoch schwierig das Abendessen mit der winzigen Mundöffnung zu essen den das Lächeln ihr ließ. Die Maske verhinderte ein weiteres öffnen des Mundes, aber daran würde sie sich auch noch gewöhnen. Leicht frustriert beschloss es zur Entspannung ein Schaumbad zunehmen und dann schlafen zu gehen. Während es das Badewasser einlaufen ließ stand es nackt im Badezimmer und putzte sich die Zähne. Auch dies war schwieriger als gedacht. Als es in den Badezimmerspiegel blickte, lächelte das Fremde Mädchen zurück. „Warum nimmst du die Maske nicht einfach ab?“ fragte es. Das Mädchen nuschelte mit dem Mund voll Zahnpasta zurück das sich so was nicht gehöre. Was sollten die Leute von ihr denken wenn sie einfach ohne Maske herum lief?! „Aber hier bist du Zuhause, außer dir ist hier niemand…..“ sprach das Spiegelmädchen scheinheilig. Das Mädchen war genervt und warf den Spiegelbild böse Blicke durch ihre freundlich grinsende Maske zu, denn es wollte nicht weiter mit ihrem Spiegelbild diskutieren. “Verschwinde“ nuschelte es, doch als sie in die Augen des Spiegelbildes, das sich immer noch erdreistete einfach so und nicht mal mit einem Lächeln auf den Lippen zu existieren, wurde es auf einmal ganz traurig.. Tief in ihrem inneren spürte ess einen Stich, doch sie wusste nicht warum. Traurigkeit ist gesellschaftlich nicht erwünscht, das wusste es. Es war böse auf ihr Spiegelbild das Unanständiges von ihr forderte und sie Sachen fühlken ließ die sie nich fühlen durfte. Als sie feststellte das auch noch ihre „Glücklich-Lollis“, die sie für solche Fälle bekommen hatte alle waren verlor es die Beherrschung und warf den Kristall-Seifenspender gegen den Spiegel und dieser zerbrach mit samt dem Spiegelbild. Sie lachte triumphierend, soweit das der kleine Spalt ihres Masken-Mundes und die Zahnpasta für brillant weiße Zähne die sie immer noch im Mund hatte es zuließen. Dabei verschluckte es sich an der Zahnpasta. Sie prustete und hustete und Zahnpasta quoll aus ihrer kleinen Mundöffnung und zwischen ihre Haut und der Maske. Durch den kleinen Spalt voller Schaum konnte sie nicht genug Pasta ausspucken und nicht atmen. Panisch versuchte sie die Maske vom Gesicht zu reißen, doch das Spezial-Silikon hatte sich mit der Zahnpasta chemisch zu einer klebrigen Masse verbunden. Das Mädchen röchelte und viel um sich schlagend auf die Spiegelscherben, die ihren ganzen Körper zerschnitten. Es raffte sich mit letzter Kraft auf und sprang in die Badewanne um die klebrige Masse aus ihrem Gesicht zu waschen. Blind vor Panik kratzte sie sich Silikonschicht für Silikonschicht vom Gesicht doch es war nicht schnell genug und erstickte. Als man ihre aufgequollene Leiche nach einer Woche in der Wanne fand wunderten sich die Leute dass sich das Mädchen die Pulsadern aufgeschnitten hatte. Es hatte doch immer so glücklich gewirkt. Eine Obduktion schien überflüssig, denn alles schien eindeutig, sogar eine der Scherben mit denen die Verletzungen herbeigeführt worden waren hielt es noch in der Hand. Damit hatte es sich vor ihrem Tod noch das schöne Gesicht verstümmelt. Einige Leute waren empört, über ihren feigen Ausstieg aus dem Leben aber auch über die Ermittler die die Leiche offen durch das Treppenhaus schleiften. Eine Mutter hielt ihrem Kind die Augen zu, als es die Prozedur se4lber neugierig verfolgte. Die Nacktheit oder der Tod störte die Menschen die alle Kabelempfang hatten schon lange nicht mehr, denn das konnten sie täglich 24 Stunden am Tag auf über 3000 Kanälen verfolgen. Doch die Maske des Mädchens hatte sich im lauwarmen Badewasser vom toten Gesicht gelöst und einen Menschen ohne Maske hatten viele noch nie gesehen. Einige aus der älteren Generation erzählten oft vom verdorbenen Früher, als Menschen noch keine Masken trugen, doch mehr als Geschichten waren von damals nicht geblieben und die Menschen waren stolz auf ihre Zivilisation und den Fortschritt.