Kapitel 9: Der Austausch

 Kapitel 9: Der Austausch

 

 

Die blonde Frau zog ihre Knie noch dichter an sich und fröstelte.
Ihr gegenüber knöpfte sich der Mann seinen Kittel auf und lehnte sich mit hochrotem Kopf zurück.

„Ähmmm, die Autoooheizung ist auf maximaaal eingestellt und wir haben hier tropische 25 Graaad, was verglichen mit der Durchschnittsteeemperatur in beheizten Räumeeen…“
“Mmmmir ist trotzzzdem kalt“ unterbrach die blonde Frau ihn zitternd „Vvverfflucht, ssso kann ich sssicher keine knnallharte Vverhandllung fführen. Ssoo nnehmen ddie mich ddoch übberhaupt nnicht ernst!“
Sie vergrub ihre Arme in die Ärmel des viel zu großen schwarzen Mantels und fluchte bibbernd weiter.
„Ähmmm, also medizinisch gesehen…“ setzte der schwitzende Mann wieder an.
„Ggibt, es ddafür kkeine Erklärung. Ich weiß. Ich seh kkomische Bbilder und mmeine Erinnerungen verbblassen. Ich glaub Sie stttirbt. Ich ssterbe! Wwir müsssen uns bbeeilen und ddie Üüberggabe schnell übber die Bbühne bbringen, ddann hhab ich vvielleicht noch eine Chance. Ddu musst die Vverhandlung fführen.“
Er kramte in seiner Arzttasche und zog eine metallischglenzende Plane hervor, die er ihr reichte.
“Ähhm.. ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Verhandlungstechnisch…“
“Bbist ddu im Mmoment auf jeden Ffall besser ddran als ich.“
“Verdammt, jetzt lass mich doch einmal ähhm… Ausreden! Wieso ähhm bist du dir eigentlich so sicher, dass das Mädchen noch lebt?“
„Weil ich nnoch Llebe. Nnoch, also seht zzzu!“
“Ähhm, wenn ich Anmerken darf… Wir sind bereits da.“
Sie stockte, sah sich um und nickte dem Fahrer des Autos zu. Dieser stieg aus, öffnete die Beifahrertür und schulterte die ihm entgegen fallende Person.
“Bbist du ssicher, dass er nnur schläft? Er ssieht zziemlich ffertig aus.“ Fragte die blonde Frau ihren Gegenüber skeptisch.
“Ähmmm ich befürchte die Tropfen in seinem Tee waren etwas stärker oder ich habe mich was die Dosierung angeht etwas… sagen wir mal vertan. Die Orientierung am Durchschnittsgewicht eines Mannes in seinem Alter war vielleicht ähmm nicht unbedingt das richtige Maß um…“ „Oder die Tatsache, dass er sein Frühstück nicht angerührt hat oder du dich bei den Tropfen verzählt hast?“ sie seufzte „Ist er Ok?“
“Ähhm… Also ich würde sagen in anbetracht der Lage und…“
“Ist er OK?“ wiederholte sie gereizt.
„Ja.  Würd ich es nicht besser wissen, würd ich sagen ähmmm du machst dir Sorgen.“
Sie funkelte ihn böse an. „Nein natürlich nicht, ich will nur keine beschädigte Ware abgeben!“
“Ähm… Wenn ich kürz anmerken dürfte…Du zitterst nicht mehr. Wie ist dein befinden?“
“Öhm… Ganz ok. Aber irgendwie werd ich… müde.“

*Klopf Klopf*

Der Fahrer, sah genervt durch die Scheibe und gestikulierte mit seiner freien Hand, mit der anderen hatte er den schlafenden Mann geschultert.
Er deutete auf die Lagerhalle vor ihnen.
“Wie ich seh, werden wir bereits erwartet. Wir wollen ja nicht unfreundlich sein und die Herren länger warten lassen als nötig. Dann mal auf in die Schlacht. Hast du alles?“ Nach einem kurzen nicken wurden die Autotüren energisch geöffnet.
Sie sah zum Dach und murmelte „Scharfschützen“

Die anderen beiden nickten.
“Ich denke nicht, dass sie uns das Mädchen überlassen werden. Vermutlich haben sie nicht mal vor, uns lebend aus der Halle gehen zu lassen. Die werden sich wundern.“ Sie lächelte.

Vorübergehend war der Kontakt zu ihrem Informanten abgebrochen gewesen, doch nun war sie wieder voll im Bilde und zuversichtlich die Nacht zu überleben.


Der bullige Kerl senkte das Funkgerät.
„Alle Männer sind auf ihrer Position. Es kann losgehen.“

Der hagere Mann lächelte ihm selbstzufrieden zu und betrachtete das bewusstlose Mädchen im Rollstuhl vor ihm.
Nach ihrem letzten aufeinander treffen hätte er erwartet, dass der Junge, der sich geweigert hatte von ihrer Seite zu weichen das Krankenhaus stürmen würde. Es war nicht passiert, was ihn insgeheim ärgerte.
Nach seiner Pleite im Polizeirevier hätte er seinem Konkurrenten ähnliches gegönnt. Er wäre vorbereitet gewesen, hätte die Flüchtigen in einen geplanten Hinterhalt gelockt und seinen Ruf wieder hergestellt.  Ein todsicherer Plan, vor allem für den Jungen der ihm schon einmal mit dem anderen Pack in die Quere gekommen war.
Nichts von dem war eingetroffen, stattdessen verschwand einer ihrer Männer. Zugegebener Maßen war ihr Schachzug, einen Austausch zu verlangen, taktisch besser. Aber nicht gut genug.
Natürlich würden die kriminellen Elemente niemals lebend diese Halle verlassen, dafür würde er schon sorgen. Sie hatte ihn bestohlen und damit die ganze Sache zu seiner privaten Racheangelegenheit erklärt, nun würden sie zahlen.

Wieder knarzte das Funkgerät des Bulligen, der immer noch glaubte er hätte das Kommando. Er war nur seine Marionette, aber solange er das nicht fühlte, war das Lenken leichter und sollte etwas schief gehen, würde die Verantwortung nicht auf ihn selber zurück fallen.

„Chef, es ist so eben ein Auto vorgefahren…“ meldete sich eine Stimme durchs Funkgerät.

Der bullige nickte ihm zu. Sie waren da, die Show begann.

 Er war etwas überrascht als nicht der Junge, sondern eine blonde Frau in Begleitung eines Manns im Kittel und einen Mann im Anzug mit Sonnenbrille eintrat. Der letztere hatte die Geisel geschultert. Die junge Frau deutete auf das Mädchen im Rollstuhl und der Mann im Kittel nickte wortlos, dann wandte sie sich an ihn.

„Wir haben unseren Teil der Abmachung eingehalten, ich bin über den Mangel an Vertrauen etwas betrübt, was sollen die ganzen Scharfschützen? Trauen sie uns wirklich genug Naivität zu, dass wir hier ungesichert rein marschieren?“
Er überlegte kurz, vermutlich hatten sie Sprengstoffgürtel mit Todmannschalter um. Er konnte zwar die Hände sehen, doch wahrscheinlich würde der Mechanismus ausgereifter sein.
Das war nicht gut, wer wusste schon, zu was diese Terroristen fähig waren?
“Niemand schießt auf die!“ raunte er seinem Kollegen zu, der missfällig eine Augenbraue hochzog.

Wieder tuschelte die blonde Frau mit dem Mann im Kittel.

„Ihr gebt uns das Mädchen und ihr bekommt euren Mann wieder“ sagte sie schließlich betont ruhig.
Der Hagere sah den bulligen Kerl kurz skeptisch an.

„Erst wollen wir einen Beweis, dass er noch lebt.“ Antwortete dieser.

„Das trifft sich gut, wir auch.“ Entgegnete die blonde Frau.

Hinter den Inspektoren tauchte Dr. Radke auf, der den bewusstlosen Mann besorgt musterte. Er ging auf den Fahrer zu und streckte langsam einen Arm aus.
„Darf ich?“ fragte er und deutete auf den bewusstlosen Mann.
Die blonde Frau nickte und er griff nach dem schlapp herunterhängendem Handgelenk, doch statt den Puls zu fühlen drückte er einen kleinen Apparat gegen den Daumen. Langsam fuhr er über die Haut und scannte den Fingerabdruck, dann trat eine winzige Nadel hervor und er entnahm einen Tropfen Blut aus der Fingerspitze.

„Es handelt sich in der Tat um die vermisste Person, zudem erfreut er sich bester Gesundheit wenn das Betäubungsmittel nachlässt, was bei der ermittelten Restmenge im Blut in ungefähr einer Viertelstunde der Fall sein sollte.“ Schloss der Arzt fachmännisch.
Nun machte der Mann im Kittel einen Schritt auf das Mädchen zu, dabei ignorierte er den roten Punkt der seiner Stirn folgte. Kaum stand er vor ihr, stutze er für einen Sekundenbruchteil, dann folgte er dem Beispiel des anderen Arztes und untersuchte das Mädchen auf dieselbe Weise. Als er seine Untersuchung beendet hatte, drehte er sich schweigend um und ging zurück. 
„Was ist denn nun?“ zischte die Frau ihm zu.

„Ähm also ich  würde sagen, wir haben unseren Dummie wieder…“ raunte der Mann im Kittel zurück.
„Fuck“ murmelte der Fahrer und die anderen schienen ihm zuzustimmen.
“Dann wird’s wohl Zeit für Plan B…“ seufzte die blonde Frau.

„Ähm wir haben einen Plan B?“

„Jetzt schon. Wie Plan A, nur ohne das Mädchen.“

 

Auf der anderen Seite der Halle wurden die Inspektoren sichtlich nervöser. Sie verstanden zwar kein Wort von dem, was die drei tuschelten, doch ihre Körpersprache war eindeutig. Etwas stimmt ganz und gar nicht.

„Ihr haltet ihn anscheinend für einen Schlüssel zu ihrem Unterbewusstsein.“ Sie deutete auf den bewusstlosen Mann. „ Daher hatte ich Zweifel ob ihr wirklich vorhattet, uns das Mädchen friedlich zu überlassen. Wozu den Schlüssel wenn ihr sie nicht mehr habt? Aber dass ihr denkt, wir würden den Unterschied zu einem Dummy nicht erkennen…“ Sie schüttelte fassungslos den Kopf.

„Einen Dummy?! Sie ist kein Dummy, dann hätte sie….“ Der bullige Kerl war aufgesprungen und zum Rollstuhl geeilt, doch als er ihre Locken im Nacken zur Seite strich und er einen Strichcode erblickte, sprach er nicht weiter. Dem Hageren dämmerte langsam was dass für ihn bedeutete und er fluchte leise. Das Mädchen musste kurz nach oder vor der inszenierten Entführung durch einen Dummy ausgetauscht worden sein. Aber wie konnte dass passieren?

Und wer war diese Frau, die nach seinem Geschmack viel zu viel wusste?

Mit dem geuploadeten linken Auge führte er kurz einen Scann durch, doch sie hatte kein holographisches Gesicht auf. Dafür war irgendwas an der Umgebung seltsam… Möglicherweise ein Softwareproblem, beruhigte er sich doch die Frau sah ihn zu siegessicher an.

„Ihr wisst, dass ihr hier nicht raus kommt, Mädchen hin oder her. Wir haben Scharfschützen und das Gelände ist gesichert, ihr seid auf euch allein gestellt. Tut euch selber einen Gefallen und ergebt euch.“
bluffte er und versuchte nicht überrascht auszusehen.
Sollten die doch denken, dass der Dummy zum Plan gehörte. Zwar hatte sie das Mädchen nicht, aber dasselbe schien für die drei Erpresser zu gelten.

„Auf der Suche nach dem Replikator seid ihr über ein paar Leichen zuviel gegangen. Pech für euch, Glück für mich. Denn ich traf vor kurzem einen Bekannten von uns der es eigentlich auf mich abgesehen hatte, doch wie sich rausstellte….“ Sie lächelte „war ihm ein Wiedersehen mit euch wichtiger als mein Tod. Wie ihr seht lebe ich noch und ratet mal wer zu Besuch ist?“ fragte sie ihn unschuldig.


Der Hintergrund flimmerte kurz auf und der Fear-Me Kerl tauchte bis an die Zähne bewaffnet auf. Er sah ziemlich ramponiert aus und einige Körperteile schienen ihm zufehlen. Die linke Hand hatte noch vor kurzem sichtlich mehr Finger gehabt, er trug eine Augenklappe und auch von der Ohrmuschel war nicht mehr viel vorhanden, von seiner Haut ganz zu schweigen. Die Verbände waren noch relativ frisch und mit dem unversehrten Auge starrte er den hageren Kerl voller Hass an. Dieser schluckte trocken, als er feststellte, dass der Fear-Me Kerl alles andere als allein war.

„Ich glaub der kennt dich…“ murmelte der Bullige, dem ziemlich unbehaglich wurde als er sich umsah.
Diese Chance ließen sich die blonde Frau und ihre Begleiter nicht entgehen. Während Fear-Me das Feuer eröffnete und die Scharfschützen verwirrt ihre Prioritäten änderten flohen die drei aus der Lagerhalle.

Der Fahrer riss die Hintertür des Wagens auf, warf den bewusstlosen Mann hinein und eilte zur Fahrertür.

„Wieso hast du IHN mitgenommen?“ fragte die blonde Frau die wie versteinert vor dem Auto stehen geblieben war.

„Frag nicht, steig ein!“ kommentierte der Fahrer und startete den Wagen.

„Ich setz mich garantiert nicht neben ihn!“ schrie die Frau empört gegen den Motorlärm an. Entschlossen schob der Mann im Kittel sie zur Beifahrertür öffnete sie und deutete ihr mit den Händen wedelnd an, sie solle endlich einsteigen. Er selbst nahm neben dem Bewusstlosen Platz und kaum hatte er beide Beine im Innenraum schoss das Auto bereits los.

Die Frau krallte sich mit beiden Händen an der Beifahrertür fest und als das Auto eine enge Kurve nahm und der Fahrer das Heck kontrolliert ausbrechen ließ, fluchte sie leise.

 

Die Kälte brannte mir auf der Haut. Ich hatte vergeblich alle Klingeln betätigt, doch nicht einmal eine Tür in eins der Treppenhäuser hatte sich geöffnet.. Mittlerweile war mir alles egal, Hauptsache die Kälte würde aufhören zu brennen. Ich hatte erwartet, dass sich irgendwann ein Taubes Gefühl einstellen würde doch der Schmerz wurde nur stechender. Vielleicht könnte ich mir irgendwie Zutritt zu einer der Garagen verschaffen. Ich sah mich um und ein Spaten lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Am Ende der Straße weckte eine Schrebergärtenanlage mein Interesse. Mit Glück hatten die Strom, Heizlüfter oder zumindest eine Wolldecke. Ich peilte die erstbeste Hütte an, die nur mit einem Vorhängeschloss gesichert war und versuchte dieses per Spatenschlag zu entfernen.
*Klong Klong Klong!*
In Filmen sah das irgendwie immer einfacher aus.
Es nützte nichts, die Tür blieb verschlossen. Während ich resignierend und frierend mit dem Spaten in der Hand vor der verschlossenen Tür stand, kam mir eine Idee. Warum so kompliziert?

*Klirr, Schepper*

Das war mal eine Scheibe gewesen, selbst zufrieden betrachtete ich mein Werk als plötzlich Ohrenbetäubendes Geheul ertönte.
Mist, Alarmanlage!

Egal, im Worst Case landete ich auf dem Polizeirevier und sogar dass war besser als langsam zu erfrieren. Ihm Wohnblock, wo mir noch vor kurzem niemand geöffnet hatte gingen Lichter an.

Mal sehen, ob sich daqss irgendwie ausstellen lässt, dachte ich mir und kletterte vorsichtig durch das zerbrochene Fenster. An der Türinnenseite war ein kleines weißes Gerät das blinkte und den Krach verursachte. Ich fand zwar keinen Ausschalter aber mit eins zwei Spatenschlägen hatte sich das Problem erledigt. Wie erhofft fand ich neben mehreren Sitzauflagen auch eine alte Wolldecke. Grade wollt ich es mir gemütlich machen und mich aufwärmen als ich das klicken des Vorhängeschlosses vernahm. Mit einem Ruck wurde die Tür aufgerissen und ein Mann, dessen Bierbauch nur knapp von einem Feinrippunterhemd und einem Goldkettchen bedecktwurde stand vor mir, eine Schrottflinte im Anschlag. Der Bademeisterverschnitt war allen Anschein nach der Besitzer.
„WER BIST DU? WAS MACHST DU HIER? HÄNDE HOCH!“ schrie er mich an.

Ich sprang auf, eine Hechtrolle durchs Fenster später stand ich draußen und sprintete los. Der Kerl sah mir zu irre aus, als dass ich auf eine Diskussion aus war. Ich hatte die vor mir liegende Straße fast überquert als ein Auto um die Ecke geschlingert kam und mich nur um haaresbreite verfehlte. Die blonde Beifahrerin gestikulierte heftig und schien den Fahrer anzuschreien. Dann war das Auto auch schon an mir vorbei geschossen. Plötzlich ging es in die Eisen und setzte zurück.
Nicht genug dass sie mich eben nur knapp verpasst haben, nun setzen sie zurück und probieren es noch mal. Was für eine beschissene Welt, ich will doch einfach nur meine Ruhe!

Doch statt weiter auf mich zuzuhalten lenkte der Fahrer leicht ein und blieb mit dem Fenster auf meiner Höhe stehen.

„Hey, suchst du ne Mitfahrgelegenheit?“ fragte er und sah zur anderen Straßenseite wo der bewaffnete Mann keuchend auftauchte.

Ich hatte die Wahl vor einem weiteren Polizeiaufenthalt, den bewaffneten Irren und diesen Unbekannten. Zumindest war hier eine Frau dabei.

„Ist es bei euch im Auto warm?“ fragte ich matt.

Der Fahrer nickte und die hintere Tür öffnete sich. Ein Mann im Kittel rückte in die Mitte um mir Platz zu machen. Ich stieg schnell ein, bevor mich der Schräbergartenbesitzer erreichen konnte, dieser schrie uns wütend hinterher. Doch da war das Auto schon aus seinem Sichtfeld verschwunden, denn der Fahrer heizte wie ein Besessener. In einer scharfen Linkskurve kippte ein schlafender Mann über den Kittelmman und lehnte mit der Stirn auf meinen Knien.

„Nimm IHN sofort von mir runter!“ zischte die Frau auf den Beifahrersitz, von der ich im schwachen Licht der Morgendämmerung nur helle kurze Haare erkennen konnte. Sie schien die Szene im Spiegel zu beobachten zu haben, doch ich verstand nicht wieso sie sich aufregte. Er berührte sie garnicht. Der Kittelmann richtete den Schlafenden eilig auf und schnallte ihn an. Ich musterte ihn genauer, das Lichte Haar, die Brille …. Trotz den schlechten Lichtverhältnissen erkannte ich ihn plötzlich und ich zuckte unwillkürlich zusammen. Was machte er hier? Hatte man ihn so schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen? Oder wichtiger, schlief er wirklich, war er bewusstlos oder….

„Was wollt ihr von mir? Werdet ihr mich töten?“ fragte ich grade hinaus. Das mir irgendwie alle in dieser Welt ans Leder wollten war mir nichts Neues, nur die Gründe waren mir noch nicht ganz klar.

Die blonde Frau wirkte amüsiert.
„Damit hab ich mein halbes Leben verbracht vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dir zur Abwechslung mal den Hintern zuretten. Und dies ist eine einmalige Gelegenheit.“

Doch statt weitere Erklärungen abzugeben drehte sie die Anlage auf.

 

Man müsste sich mal wieder selbst besuchen.
Doch man ist ja immer so gehetzt.
Ich habe neulich bei mir angerufen,
doch es war die ganze Zeit besetzt.

Man müsste sich viel öfter selber fragen:
"Alles klar? Das eine weiß ich ja:
Egal, was kommt, ich brauch es nur zu sagen,
und dann bin ich sofort für mich da".

Man müsste sich mal in 'ner Kneipe treffen,
auf ein Kölsch, so ganz für sich allein,
um dann in aller Ruhe zu besprechen:
"Bin ich glücklich?", und: "Wie wird es sein?".

Man hätte sich 'ne Menge zu erzählen.
Viele Dinge würd' man anders sehn.
Man würde ein paar harte Fragen stellen,
und man würde Fehler eingestehn.

Es gäbe Gründe, um sich aufzuregen:
"Ich bin nicht der Mensch, der ich mal war!
Und will ich dieses Leben weiter leben?
Wann seh ich die Dinge endlich klar?"

Man würde, um sich selber wachzurütteln,
lautstark viele Sachen kritisiern.
Die Leute würden mit den Köpfen schütteln.
Tja. Man würde sich wohl schwer blamiern.

 

Man konnte ihr Augenrollen fast spüren und ich dachte an mein iTunes, dass auch ein Eigenleben entwickelt hatte und teilweise echt immer passende bzw. eher unpassende Lieder spielte.

Wieder nahm der Fahrer eine Kurve im Halsbrecherischen Tempo und wir alle wurden nach rechts gedrückt.
„Verflucht, willst du uns alle umbringen? Du fährst wie der letzte Henker!“ fauchte die blonde Frau den Fahrer an.

„Dann fahr doch selber. Wir sind auf der Flucht, da kann ich nicht mit Schrittgeschwindigkeit durch die Gegend tuckern.“ Kommentierte dieser trocken. Die Frau schwieg und klammerte sich nur noch fester an die Tür.

Ich schloss die Augen, die Fahrt war alles andere als angenehm doch ich unterdrückte die Panik. Warum lief es denn immer wieder auf Verfolgungsjagden in Autos hinaus? Warum nicht einfach mal in U-Bahnen oder zu Fuß? Wäre sicher auch für die Umwelt viel besser. Meinetwegen auch Kickroller oder Motorräder aber nicht ständig Autos. Und wenn dass sich das schon nicht vermeiden ließ, warum mussten die Fahrer immer irgendwelche Adrenalinjunkies oder Möchtegernrennfahrer sein? Ich seufzte, zumindest war es hier warm.


„Wieso fahren sie dann nicht einfach?“ fragte ich sie.
„Magst du Fahren?“ entgegnete die blonde Frau.

„Nein!“ antwortete ich in aller Deutlichkeit und spürte trotz verschlossenen Augen, dass sich lächelte.
“Siehst du, ich auch nicht.“
Ich schlug die Augen auf und fuhr hoch. Trotz des spärlichen Lichts der an uns vorbeirasenden Straßenlaternen glaubte ich, dass mir ihre Umrisse vertraut vorkamen. Die blonde kurze Haare… Auf einmal hätte ich wetten können, dass ich braune Augen erkennen würde sobald sie sich umdrehen würde. Ich dachte an meinen kleinen Bruder und an Eis.

„Ich kenn dich!“ flüsterte ich.

„Und ich kenn dich besser“ sie lächelte und sie wandte den Blick von dem Spiegel in dem sie mich beobachtete hatte. Nach kurzem zögern drehte sie sich tatsächlich um und sah mir in die Augen. Sie waren braun.
Nichts passierte, kein Booom wie so oft in den letzten Tagen, kein Lichtblitz. Wir starben nicht und das Universum bestand weiter.

Wieder nahmen wir eine scharfe Kurve und man hörte einen dumpfen Aufschlag. Der hoffentlich bewusstlose Mann war mit dem Kopf gegen die Scheibe geknallt und blinzelte nun verwundert.

„Wo bin ich? Wer ist dafür verantwortlich? Dafür werdet ihr zur Rechenschaft gezogen!“
Er sah sich um und erkannte mich sofort wieder.
„DU?! Das hätte ich mir ja denken können, dass du dahinter steckst. Musst du wieder mal deine Egoshow abziehen ohne Rücksicht auf Verluste?“ er schnaubte verächtlich und ich verstand kein Wort.

„Ich hab keine Ahnung was hier läuft und warum du so sauer auf mich bist aber….“ Doch bevor ich meinen Satz beenden konnte unterbrach er mich.

„Ja, klar. Du bist natürlich wieder ahnungslos und die Unschuld in Person. Wie krank muss man sein um sich mit der Regierung anzulegen und sein komplettes Umfeld da mit rein zu ziehen. Hast du eigentlich auch nur einen Moment in deinem Leben an jemand anderen gedacht als dich selbst, während du permanent anderen von deinem Elfenbeinturm auf den Kopf scheißt? Tu uns allen einen Gefallen und verkriech dich in irgendeinem Loch und beende deine erbärmliche Existenz, dass wäre für alle besser.“ Ich sah ihn mit großen Augen an und schluckte. Das musste ein Klon sein oder jemand mit holographischen Gesicht.

„Es reicht! Halt an!“ knurrte die blonde Frau.

„Wir sind auf der Flucht, hast du das vergessen?“ fragte der Fahrer ungläubig.

„Ich hab gesagt halt an, SOFORT!“

Ihr Ton war unmissverständlich und der Fahrer bremste ruckartig, bevor sie ihm ins Gesicht sprang. Dann drehte sie sich zu ihm um und funkelte ihn böse an. Der Mann sah von ihr zu mir hin und her und schien die Verbindung zu erkennen.

„Du bist….“ Begann er doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen.

„Das war ein Fehler! Kannst du mir auch nur einen Grund nennen, warum ich dich nicht auf der Stelle umlegen sollte? Ich glaub damit würde ich uns allen einen großen Gefallen tun!“

„Du… Sie… Ihr“ stotterte er nur.

„Sie ist 20 Jahre alt und du mein Lieber hast grad sämtliche Chancen die du eh nie hattest bei ihr verspielt.
Weißt du, als ich Klein war habe ich mal mit meinen Großeltern Urlaub auf Grand Canaria gemacht.
Dort gab es viele Straßenhunde.
Die meisten waren krank und total verlaust, doch irgendwie hatte man doch Mitleid. Nicht genug um sie mit nachhause zunehmen aber in der Regel hat man ihnen dann doch einen Knochen oder ein Brötchen hingeworfen und wenn sie nicht zu heruntergekommen aussahen wurde auch der ein oder andere gestreichelt.
Ich habe immer zu hören bekommen, dass es nicht gut wäre sonst würde man sie anfüttern, sie könnten Krankheiten übertragen oder bissig sein. Heute verstehe ich was sie meinten.
Irgendwie ist das Mitleid trotzdem meist größer und man schlägt alle Warnungen in den Wind. Zum Glück gibt es hier Tierheime, in denen sogar Straßenköter ein Dach über dem Kopf und was zu fressen vorgesetzt bekommen und gegen Aufpreis auch die ein oder andere Streicheleinheit. Sonja hat die ausdrückliche Genehmigung, mich das nächste Mal mit einem stumpfen Gegenstand KO zuschlagen, wenn ich wieder alle Warnungen ignorier weil ich irgendwo einen guten Kern zu erkennen glaube. Das tut weniger weh und lieber eine Gehirnerschütterung als ne Bisswunde von einem räudigen Köter. Und jetzt RAUS!“
Sie war aufgesprungen und hatte seine Tür weit aufgerissen.

„Wenn du dich wie eine läufige Hündin benimmst…“ setzte er an.

Es klatschte einmal laut und er sah sie entsetzt an. Es schien seine erste Ohrfeige gewesen zu sein. Der Mann im Kittel betätigte den Anschnaller und der Gurt löste sich. Mit etwas anschieben kippte der perplexe Mann stumpf aus dem Auto, dann rappelte er sich auf.

„Das wirst du mir Büßen! Das war Körperverletzung, Beleidigung und nicht zu vergessen Freiheitsberaubung!!! Ich zeig dich an, darauf kannst du Gift nehmen!“

„Mach dich nicht lächerlich, wir werden weltweit gesucht.“ Kommentierte der Fahrer trocken. Er bedeutete der Frau wieder einzusteigen und sah über den Rand seiner Sonnenbrille den zeternden Mann genervt an.

„Ihr wollt mich einfach so zurück lassen? Da ist doch ein Haken ich glaub euch kein Wort!“

„Mach was du willst. Pflanz einen Baum, bau ein Haus find irgendeine Bekloppte die nicht sofort die Flucht ergreift und wird glücklich aber TRET MIR NIE WIEDER UNTER DIE AUGEN!!!“

Dann wandte sie sich an den Mann im Kittel.

„Ich will hinten sitzen!“

„Das heißt ich möchte. Nun seht zu!“ Sagte der Fahrer mit einem nervösen Blick in den Rückspiegel.

Schnell wurden die Plätze getauscht und nun saß ich neben ihr und konnte sie richtig sehen.  Das war die perfekte Gelegenheit für einen Informationsaustausch.

„Warum hasst er mich und warum war er überhaupt hier?“ fragte ich sie schließlich. Sie überlegte einen Augenblick.

„Er hasst dich nicht, sondern mich.  Wir kommen grad von einem geplatzten Geiselübergabe. Er war die Geisel.“

„Gegen wen oder was wolltet ihr ihn denn austauschen?“ fragte ich geschockt. Wieso sollte ich ihn ausliefern? Wobei… Eigentlich hatte er ja behauptet für die Regierung zu arbeiten.

„Gegen dich.“ War die knappe Antwort.
Dass hatte ich noch weniger erwartet.

„Gegen mich?!“

„Ja, wir wollten dich aus dem Krankenhaus rausholen und gegen einen Dummy ersetzen. Da war jedoch nur ein Hologramm von dir, also dachten wir die Inspektoren hätten sich über den ärztlichen Rat hinweg gesetzt und du wärst in deren Gewalt. Um in dein Unterbewusstsein einzudringen, brauchten sie jemanden der dich gut kennt und vorallem musste er es freiwillig tun. Sie wollten ihn benutzen um an relevante Informationen aus deinem Kurzzeitgedächtnis zu gelangen, also haben wir erstmal dafür gesorgt, dass er nicht in deine Nähe kommt. Um dich zu retten und ihn wieder loszuwerden war das die beste Möglichkeit. Doch statt dich erwartete uns ein Dummy am Übergabeort. Ich dachte eigentlich die Überraschung wäre gespielt und die Ermittler wollten uns linken, doch so wie es aussieht war das unser eigener Dummy. Also, wo hast du gesteckt?“

Ich überlegte einen Augenblick.

„Ein Kerl mit Retilienfimmel, ein Hausmeister, ein Vogelfreund und ein Fußballfan haben mich aus dem Krankenhaus geholt. Ich hab das Hologramm, das irgendein Kevin gebastelt hat zur Tarnung da gelassen. Bis vor kurzem war ich bei ihnen, dort war auch ein Gamer und wir haben alte South Park Folgen gesehen und Pizza gegessen. Ich bin pennen gegangen und konnte nicht einschlafen, dann war alles nur noch Chaos. Irgendwas lief in den Nachrichten und auf einmal dachten die ich wäre Jemand anderes und alles war total verwirrend. Dann bin ich abgehauen und hab mich verlaufen. Jetzt macht dass alles auch etwas mehr Sinn. Die haben dden Dummy im Fernsehen gesehen und gedacht ich wär ein Spion… Wie seit ihr eigentlich den Regierungsleuten wieder entkommen?“


„Der Fear-Me Kerl kümmert sich um sie.“

„ Der Fear-Me Kerl?!? Mich wollte er töten!“ staunte ich.
„Nein, MICH wollte er töten“ sie lachte.
“Aber warum? Was hast du ihn denn getan? Sie nannten mich Verräterin. Wieso und wie hast du sie denn verraten?“

„Verraten? Das trifft es nicht ganz. Eher verantwortungsvoller gehandelt, als es ihnen lieb war. Ich hab zusammen mit Fear-Me eine geheime Entwicklung … sagen wir mal denen wegorganisiert. In den richtigen Händen könnte es alle Probleme lösen, in den falschen ... Daran will ich gar nicht denken. Das Problem ist nur, dass ich auch die Fear-Me Kerle nicht für geeigneter gehalten hab und das zu viel Macht nie in guten Händen ist, egal in wessen.“

 

„Und was hast du damit zu tun? Karl und Rüdiger haben ein riesen Theater gemacht wegen irgendwelchen Genies…“

„Ich wollte mir Mikrowellenkartoffeln machen und hatte noch eine Gesteinsprobe in der anderen Hand, die ich noch analysieren wollte. Ich, also wir sind ja nicht unbedingt Multitaskingfähig…. Irgendwie hab ich da wohl nicht die Kartoffeln in die Mikrowelle gesteckt. Genie würde ich mich deswegen nicht nennen, eher verpeilt mit unerwarteten Folgen.

Das ist, wenn man genauer drüber nach denkt bei vielen Entdeckungen der Fall gewesen. Denk nur mal an Weißt du wie die Hintergrundstrahlung entdeckt wurde? Letztendlich trieb ein permanentes Rauschen ein p0aar Leute in einer Messstation fast zum Wahnsinn. Die haben sämtliches versucht und haben sogar sämtlichen Vogeldreck von ihren Satellitenschüsseln gekratzt. Letztendlich stellte sich raus, dass das Rauschen die kosmische Hintergrundstrahlung war. Angeblich haben die beiden ihre Entdeckung erst richtig verstanden, als sie einen Artikel über sich lasen. Bei der Entdeckung der Radioaktivität war es letztendlich ähnlich. Man packe die Platten beiseite und wundere sich später über das zufällige Ergebnis. Ich könnte die Liste noch Ewigkeiten weiter fortführen. Ich bin sicherlich kein Genie und würde mich nicht in einem Atemzug mit den Männern nennen. Wenn ich könnte würde ich die Entdeckung ungeschehen machen. Wie sich später rausstellte hatte ich damit eine riesige Energiequelle entdeckt die  zu einer rasanten Entwicklung der Technik führte. Und das wiederum war der Nährboden für den ganzen Mist der geschehen ist, das Chaos und die Kriege in neuen Dimensionen genauso wie die Korrupte Regierung, wenn man die Herrscher überhaupt so nennen kaqnn.“

 

Nun hatte ich nur noch eine Frage.

 

„Wer ist eigentlich Kevin?“ fragte ich und holte erstmal tief Luft.

„Chris“ murmelte sie.

„Chris? Achso Kevin ist sein Deckname. Jetzt versteh ich auch, warum die mich so komisch angesehen haben als ich nach ihm gefragt hab.
Ich will zu ihm, kannst du dass irgendwie organisieren?“

Sie stockte und sah betreten zu Boden.

„Ich befürchte ich muss dir was sagen… Vor ein paar Tagen hat er versucht in ein Regierungsgebäude zu gelangen, dabei gab es Komplikationen. Er hat wohl versucht aus dem Fenster in ein Fahrzeug zu springen und dabei… Er hat es nicht geschafft. Ich konnte es selber nicht glauben und dachte erst, er hätte seinen Tod inszeniert um seine Verfolger abzuschütteln. Es tut mir so Leid und ich weiß gar nicht was und wie ich es dir sagen soll…“ Sie legte mir tröstend ihre Hand auf die Schulter.

„Nein, ich war dabei. Ich meine…“ begann ich.

„Du warst dabei? Dann weißt du selber, dass ich dich nicht zu ihm bringen kann es sei denn… Aber ich war in der Leichenhalle, das war ER ohne Zweifel!“

„Halt, lass mich bitte kurz Ausreden. Ja, es stimmt leider. Aber vor ein paar Tagen ist er wieder aufgetaucht, jünger. Er sagt, er wäre mir durch die Zeit gefolgt.“

Ihre Augen fingen wieder an zu leuchten.

„Sein Vergangenheits-Ich ist hier? Dann gibt es noch Hoffnung!“

Ich überlegte wie ich ihr meine Theorie erklären sollte. Es klang alles komisch und so versuchte ich erstmal in Gedanken meine Sätze zuordnen bevor ich fort fuhr.

„Ich bin mir nicht sicher ob er dass ist. Also er ist natürlich er aber dass mit der Zeit ist unlogisch.

Ich glaube eigentlich nicht, dass du mein Zukunfts-Ich bist.
Überleg mal, ich bin in meiner Zeit schon einen ziemlichen Augenblick verschwunden und bis heute theoretisch nicht wieder aufgetaucht. Trotzdem konntest du ein unbekanntes Gestein in die Mikrowelle packen. Abgesehen davon, dass du nicht existieren würdest, hab ich ja kaum angefangen mit dem Studium.“ 
„Aber als du in der Kälte warst habe ich gedacht, ich erfriere. Dabei saß ich in einem Auto bei tropischen Temperaturen….“

„Dass geht Chris ähnlich, plötzlich hatte er Erinnerungen an ein Leben, dass er nie geführt hatte. Bevor er auftauchte, wollte ich ihn aus der Vergangenheit holen. Eigentlich recht überflüssig, weil ich auch einfach hätte zurückkehren können doch irgendwie wollte ich nicht. Ich hab viel über den Zukunftskram nachgedacht, außerdem waren wir in dem Ministerium und haben ein paar Akten in die Finger bekommen. Ich denke du bist eher ein etwas älterer Zwilling von mir in einem Paralleluniversum. Manchmal können eineiige Zwillinge doch auch für den anderen mitfühlen, teilweise sogar dasselbe denken.“

 

Unser Auto wurde langsamer und hielt am Straße3nrand. Der Fahrer ließ die Fensterscheibe runter und tippte in die Luft. Auf einmal senkte sich das Auto.

„Wo fahren wir eigentlich hin?“

„Zu mir. Ich bin nicht unbedingt so ein Technikfreak und mit Hologrammen komm ich auch nicht so gut klar. Ich hab es lieber solide. Hier sind überall unterirdische Karsthöhlen und als Geo kann man sich eigentlich kaum was besseres vorstellen als diese Gegend. Auf der Karte bin ich nicht auffndbar, Energie gewinn ich durch das fließende Wasser und ich hab sogar einen Gemüsegarten auf dem Dach.“

Unser Wagen hielt und ich erkannte einen Bauwagen, wie ihn Pweter Lustig in Löwenzahn gehabt hatte. Oben in der Decke war ein Loch durch dass die ersten Sonnenstrahlen des Tages drangen.

 

„Viele Menschen glauben, sie sammelten Dinge in ihrer Vergangenheit  oder häuften etwas in der Zukunft an, ich sag dir was. Es gibt nur die Gegenwart und du kannst weder immer in Erinnerungen schwelgen noch immer in der Zukunft bleiben. Du musst leben und das kannst du nur in der Gegenwart. Du musst zurück.“
Wortlos zog sie etwas aus der Tasche und ich hielt den Atem an.

„Eine Time Maschine Portable?“

Sie nickte kurz und drückte Sie mir in die Hand.

„Ich hab einen Replikator, ich kann alles anorganische vervielfältigen. Jetzt seh mich nicht so erstaunt an. Eigentlich wollte ich dich ja hier holen, so wie es aussieht hab ich stattdessen Chris die Pforten geöffnet. Ich muss ihn unbedingt treffen aber vorher will ich dich in Sicherheit wissen. Er wird sicher nachkommen, sobald wir hier einiges erledigt haben.“

Dann erklärte sie mir die Bedienung.

„Kannst du dich von den Blondis und dem Gamer von mir verabschieden? Es tut mir Leid, dass ich ihnen so viel ärger gemacht habe.“

Sie versprach es mir feierlich und dann erfasste mich ein Strudel.

 

Ich blinzelte und befand mich in einem hellen Raum, an den Wänden hingen Tierposter und in der linken Ecke befand sich eine Eckbank mit Tisch. Beides war am Boden festgeschraubt.
Die Tür öffnete sich und eine Schwester betrat den Raum.

Sie sah überhaupt nicht nach Manga aus. „Sie haben Besuch“ sagte sie mit ruhiger Stimme.
Dann kamen Sie herein und haben mich gefragt ob ich weiß was passiert ist. Natürlich halten sie mich für verrückt aber wenn mein Kumpel zurück ist, wird er ihnen alles bestätigen. Außerdem hab ich das….“

Ich öffnete die Hand, doch statt der Zeitmaschine hielt ich eine Kastanie in der Hand. Verwundert drehte ich die kleine braune Kugel und erinnerte mich, woher ich sie hatte.

Der Arzt sah mich mitfühlend an als er fragte „Und woher haben Sie die Information, was alles in ihrer Abwesenheit im Krankenhaus passiert ist?“

Ich überlegte einen Moment fieberhaft.
„Irgendwoher wusste ich es einfach. Vielleicht auf dieselbe Weise wie Chris die Gedanken seines Zukunfts- oder Parallel-Ich hören konnte.“

„Sie haben die letzten Jahre apatisch in diesem Raum verbracht. Seit dem Unfall….“ Entgegnete er mit einer ruhigen Stimme und beobachtete genau wie ich reagieren würde.

 

Ich betrachtete die zwei Kastanien in meiner Hand und dachte über Realitätsüberschreibende Hologramme nach.

„Kennen sie das Buch – Die Physiker?“

7.6.09 16:17

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