Kapitel 7: Keine Ruhe

Kapitel 7: Keine Ruhe

 

Ein ohrenbetäubender Knall und ein greller Lichtblitz erschienen und alles verschwand in einem weißen Schleier, trotzdem ließ ich meinen Kumpel und er mich nicht los. Ohne sonst meine Umgebung war zu nehmen, spürte ich plötzlich zwei Hände, die an mir rissen und versuchten mich von meinem Kumpel zu trennen. Dass wir uns wehrten gefiel den Leuten gar nicht und ohne Vorwarnung knallte etwas gegen meinen Hinterkopf. Bevor ich noch irgendwas sagen oder denken konnte trat ich in eine Dunkelheit ein.

 

Stimmengewirr. Ein Teppich von Geräuschen drang an mein Ohr, doch ich verstand nichts davon. Mein Kopf dröhnte gewaltig und pochte an der Stelle, an der mich etwas getroffen hatte. Ganz langsam öffnete ich die Augen und sah verschwommen Personen, die alle hektisch umher liefen. Irgendjemand hatte das Licht angemacht, denn alles war erhellt. Die Geräusche würden klarer und nun waren schon einzelne Stimmen auszumachen. Die einzelnen Worte, die langsam in meinen Kopf eindrangen, verstand ich zwar, doch deren Bedeutung blieben mir fern.
„Ihr Schweine... einfach ne wehrlose Frau zu schlagen. Helft ihr verdammt noch mal!“
Der Adressat der Wörter war mir zwar bekannt, jedoch fiel mir sein Name trotzdem nicht ein. Selbst mein eigener Name kam erst ganz schwer von weit hinten aus den Tiefen meiner Gedanken. Ruhig drehte ich meinen Kopf nach rechts und sah eine Person am Boden, die Hände gefesselt. Dahinter waren weitere Männer und Frauen, die alle sich auf den Knien befanden und die Hände hinter dem Rücken hatten. Erst jetzt bemerkte ich, dass Meine ebenfalls hinter meinen Rücken aneinander gebunden waren und mir es schwer machten mich zu wehren. Die Person direkt neben mir wurde von zwei großen Gestalten festgehalten und runtergedrückt, denn allem Anschein nach war sie es, die so schrie und dabei versuchte sich zu befreien. Selbst meine Augen schmerzten und so schloss ich sie wieder und konzentrierte mich ganz auf die Stimmen und Geräusche.
„Lasst mich zu ihr! Sie blutet verdammt noch mal!“
Die aufgebrachte Stimme stammte von meinem Kumpel, der genau die Person direkt neben mir war. Ich wollte ihm sagen, dass er mir einigermaßen gut ging und dass er sich keine Sorgen machen müsse, allerdings verließen die Worte nie meinen Mund, weil einfach nichts herauskam.
Von weiten hörte man Schreie von Frau Liebig und weitere aufgebrachte Stimmen von Karl, Rüdiger und Strecki, die ebenfalls besorgt um mich waren.

 

„Führt sie alle ab!“ kam es von einer kalten Stimme ganz in der Nähe „Und passt auf, dass sie keinen körperlichen Kontakt haben.“
Schritte kamen näher und wieder packten mich Hände und zogen mich hoch auf die Beine, die mich nur sehr ungern tragen wollten. Ohne Rücksicht wurde ich durch die Gegend geschupst und dabei bekam ich einen Blick auf den Leitenden, der sehr hager und groß wirkte. Seine Haare waren braun und sahen so aus als wenn sie mit Fett übergossen wurden. Außerdem erkannte ich das gesamte Ausmaß dieses nächtlichen Besuches der Polizei. Vielleicht hatten sie meinen Kumpel bis hierher beschattet, doch ich konnte ihm keine Vorwürfe machen, denn ich hätte genau so gehandelt. Den Anderen konnte ich währenddessen per Augenkontakt sagen, dass es mir gut ging, obwohl alles weh tat und nach deren Gesichtern ich wohl sehr schlimm aussah. Dieser kurze Kontakt beruhigte meinen Kumpel, der aufhörte sich zu wehren und wir alle abgeführt wurden. Ihm war ebenfalls etwas über den Kopf gezogen worden, denn seine eh schon kurzen Haare waren an einer Stelle rötlich gefärbt. Die anderen Fünf sahen alle ok aus, obwohl die Mädels etwas durcheinander schienen und Frau Liebig wohl geweint hatte. Emmas Laptop wurde konfisziert und weggebracht, genau so wie alle anderen persönlichen Sachen von uns. Auch die Zeitmaschine portable kam in eine Plastiktüte, doch allen Anschein nach wussten die Beamten nicht, um was es sich handelt, denn sie stritten darüber. Glück im Unglück, doch die Zeitmaschine war gerade das kleinste Problem im Gegensatz dazu, dass wir verhaftet wurden und es schwer haben werden einfach so zu fliehen. Immerhin gehören alle bis auf Emma und Frau Liebig der Terrororganisation E.R.D.N.Ü.S.S.E. an und mein Kumpel war der meistgesuchteste Mann weltweit. Auch wenn er eigentlich nicht die Person war, die sie suchten, genau so wie ich. Die Polizisten brachten uns nun durch den großen Raum und da fiel plötzlich der Groschen, wie sie uns finden konnten, als Strecki Eins an einer Wand gelehnt mit einem der Polizisten redete.
„Wir hätten ihn nicht so einfach mitnehmen sollen... verdammt!“ kam es von Karl wütend.
„Wer bist du überhaupt?“ kam es von mir, allerdings ehe er antworten konnte, waren wir schon aus dem Raum abgeführt worden und befanden uns nun auf der Straße.

 

Es war dunkel, das einzige Licht, was die sonst kleine Straße erleuchtete, waren die Straßenlaternen und die vielen Polizei-Blaulichter der Autos, die überall standen. Die komplette Presse stand hier im Regen hinter einer Absperrung und wartete um uns in den Morgennachrichten zu zeigen. Zwei große Transporter standen bereit um uns alle zur Polizeistation oder wo sie uns hinbringen wollten hinzufahren. Die Polizeibeamten brachten uns mit Absicht noch mal an den Journalisten vorbei, damit diese auch ordentliches Material von uns Sieben machen konnte, wie wir durchnässt, mit nur wenig Kleidung am Körper und dazu Blut an den Köpfen von meinem Kumpel und mir grimmig oder verängstigt in die Kamera guckten. Die drei Jungs Strecki, Rüdiger und Karl liefen tatsächlich noch in Boxershorts und T-Shirts durch die Gegen, während wir Mädels immerhin dazu noch Jogginghosen anhatten. Mein Kumpel war als Einziger in voller Montur, er hatte seine typischen Klamotten an, eine schwarze, dünne Jacke, ein Abi 007 T-Shirt, ne Jeans und silber-graue Sportschuhe. Alle vier Jungs versuchten sich zwischen uns und den Kameras zu stellen, doch die Polizisten versuchten das zu unterbinden. Nach dem ausreichend Fotos und Videos von uns allen aufgenommen wurden, ging es ab in die Transporter mit genügend Beamten, die auf uns aufpassen würden. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, Karl, Rüdiger und ich sollten in den linken Transporter und Emma, Frau Liebig, Strecki und mein Kumpel in den Rechten. Doch als wir dies bemerkten, wurde ich fuchsteufelswild und mein Kumpel fing sich auch an zu wehren um zu mir zu gelangen, doch sie schoben ihn zu Dritt in den Transporter. Ich biss dem Beamten, der mich festhielt in den Arm, wodurch er mich kurzzeitig los ließ und ich in den Transporter mit meinem Kumpel sprang. Der Beamte versuchte mich heraus zu ziehen und selbst als zwei Weitere ihm halfen, bekamen sie mich nicht aus dem Wagen. Mit allen Mitteln wehrte ich mich und trat den einem Mann ins Gesicht. Rücken an Rücken mit meinem Kumpel verschränkten wir die Arme und hielten uns so aneinander fest. Das Gerangel lockte auch die Presse an, die sofort anfing zu filmen und um das Gesicht der Polizei zu waren, beschloss Einer, dass ich in den Transporter bleiben konnte und dafür Frau Liebig in den Wagen zu Karl und Rüdiger kam. Der Letztere war ebenfalls sauer und wehrte sich, weil Emma in den anderen Transporter zu uns geschafft wurde, doch die Polizisten zeigten nun keine Gnade mehr und gaben ihm Einen mit dem Schlagstock mit. Emma fing an zu weinen und Strecki, der mit ihr auf der gegenüberliegenden Bank saß, nahm sie in den Arm um sie zu beruhigen. Mehrer Beamte setzten sich zu uns und warfen böse Blicke, das wir Kontakt untereinander hatten, doch beließen es dabei ohne einzugreifen.

 

Die beiden Autos fuhren los in Richtung Ungewissheit und wurden von ein paar Polizeiwagen eskortiert. Was sollen wir tun? Was können wir tun? Doch mir fielen keine Möglichkeiten ein um aus dieser Situation so ohne weiteres heil heraus zu kommen. Mein Kumpel und ich lehnten uns mit unseren Köpfen an den jeweils anderen und genossen den Ausblick aus dem kleinen Fenster, in dem es langsam heller wurde. Der Himmel, der noch zwischen den Häusern zu sehen war, färbte sich in einem unvorstellbaren, rötlichen Ton, der einen neuen Morgen einläutete. Ein neuer Morgen für uns alle, doch sollte dieser allen Anschein nach keine positiven Dinge bringen. Die ersten Sonnenstrahlen reichten über den Horizont und erleuchteten den Innenraum des Transporters in einem wunderschönen gelb-goldenen Schein. Plötzlich wurde es warm im Wagen und eine Atmosphäre des Friedens schien den Raum zu durchfluten. Es war ein schöner Moment der Ruhe, hier an meinen wiedergewonnenen Kumpel zu lehnen, Emma und Strecki zu sehen, die das Gleiche taten und die herrliche Natur, die sich trotz all der Technik immer noch unerreicht vom Menschen zeigte. Wir alle genossen die Strahlen, die einem irgendwie ein Gefühl der Sicherheit und Hoffnung vermittelten und uns alle ein wenig beruhigten in Anbetracht von dem, was kommen sollte. In der Ferne schob sich eine Häuserfront in den Weg der Sonne und der Transporter wurde wieder mit einer unheimlichen Kälte überzogen, die durch die kühle Beleuchtung an der Decke verstärkt wurde. Hoffnung und Sicherheit verschwanden und wurden durch Angst und Zukunftszweifel eingetauscht. Was würde uns erwarten? Der Wagen wurde langsamer und hielt vor einem größeren Gebäude an auf dem in riesigen Buchstaben „POLIZEI / POLICE“ stand und nebenan stand gleich ein Gefängnis. Es stand einfach so da als würde es sagen wollen „Wir sehen uns bald wieder.“ und ein kalter Schauer lief mir bei dem Gedanken den Rücken runter. Die Beamten scheuchten uns alle raus, jedoch konnten sie Strecki & Emma und mein Kumpel & mich nicht trennen. Karl, Rüdiger und Frau Liebig waren schon im Gebäude verschwunden und mit Sicherheit in ein der vielen Verhörräume gebracht. Draußen auf dem Fußgängerweg zeigte sich noch mal die komplette Größe der beiden Gebäude und ein flaues Gefühl im Magen machte sich breit. Angst durchflutete meinen Körper. Wie sollen wir da erst mal wieder rauskommen? Wir wurden in das Hochhaus geführt, jedoch nicht ohne vorher noch von der aufkreuzenden Presse fotografiert und gefilmt zu werden. Im Gebäude wurden wir direkt zu einem der Verhörraume gebracht, wo das Theater von Neuen begann, als sie Emma & Strecki und uns Beide trennen wollten. Strecki hatte die Aufgabe, die zierliche Emma zu schützen, angenommen so lange Rüdiger nicht da war, was man in seinem Gesicht ablesen konnte. Er kämpfte mit mehreren Beamten, die nun aber keine Vorsicht mehr nahmen, weil die Presse draußen geblieben war. Sie zückten die Schlagstöcke, doch bevor sie sie einsetzen schrie Emma auf, blickte Strecki tief in die Augen und ließ sich ohne Gegenwehr, aber mit einem verängstigten Gesicht in ein Verhörraum geleiten. Sie tat mir so leid, dass sie das alles durchmachen musste. Immerhin ist sie noch so jung und hatte eigentlich gar nicht mit der ganzen Sache zu tun, sondern ist nur irgendwie hinein gerutscht. Dann wollten die Polizisten uns trenne, doch wir machten ihnen es extrem schwer. Selbst als sie meinen Kumpel mit den Stück malträtierten, ließ er mich nicht los. Meine Schreie aufzuhören hallten durch den Flur, doch fanden kein Gehör. Erst als ich mich an meinen Kumpel schmiegte und somit mich zwischen ihm und den Beamten stellte, hörten sie auf. Gekrümmt und leicht blutend lag er am Boden, doch seine Hand umschloss immer noch Meine. Die Bullen wussten nicht mehr was sie machen sollten und so schmissen sie uns einfach zusammen in einen Raum. Die einzigen Sachen im Raum waren ein Stuhl, ein Tisch und eine verspiegelte Scheibe, hinter der weitere Leute uns beobachten.

„Mir geht es gut...“ kam es von meinem Kumpel zur Beruhigung, weil ich große Augen machte und sehr besorgt um ihn herum wuselte. Mein Kumpel ging langsam zum Stuhl und nahm darauf Platz. Die meisten Schläge gingen gegen Kopf und Brust, seine Nase blutete, genau so wie eine kleine Platzwunde an der Stirn – er sah beschissen aus. „Komm setz dich...“ bot er mir an und ich setzte mich vorsichtig auf seinen Schoss. „Geht schon...“ versicherte er mir.

Die Minuten verstrichen, in denen nicht passierte, außer das mein Puls langsam, aber stetig nach oben bewegte und ich schon rote Augen hinter der Scheibe zu sehen schien. Mein Kumpel versuchte mich im Gegensatz dazu zu beruhigen, in dem er immer wieder meinte, ich solle positive denken und wir alle würden schon irgendwie hier rauskommen. Die Worte waren zwar etwas Balsam für meine Seele, trotzdem macht ich mir große Sorgen. Nicht um mich, sondern um die Anderen und besonders Emma und Frau Liebig, die Beide alleine verhört wurden. Plötzlich kam ein Mann in besseren Klamotten herein und begutachtete uns, wie wir am Tisch saßen. Ohne darüber gesprochen zu haben, waren wir uns einig, dass wir nicht sagen würden, viel hätten wir auch nicht sagen können. Immerhin waren wir nicht die für die sie uns hielten und denen die gesamte Geschichte zu erklären war einfach schwachsinnig und würde zu nichts führen. Nach kurzer Zeit der Stille fing der Mann, der sehr nach FBI oder so aussah, an zu reden.
„Ich seh schon, sie Beide schweigen lieber. Aber das macht nichts, weil wir genug gegen sie in der Hand haben, dass sie das Tageslicht nie wieder sehen werden. Das Einzige was mich ärgert ist, dass mit höchster Wahrscheinlichkeit wir es nicht durchbringen können sie zum Tode zu verurteilen, was mir außerordentlichen Spaß gemacht hätte. All das was sie angerichtet haben. Wie sie die Regierung untergraben, die Wirtschaft der Welt geschadet, sich für solchen Quatsch wie Pressefreiheit, Menschenrechte und so weiter engagiert haben...“
 „Und für EMP-Sachen und das Recht schwarze Sachen mit Aufschriften zu tragen...“  funkte ich dazwischen.
„Unterbrechen sie mich nicht! Wo war ich... den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich im Fernsehen komplett blamiert zu haben, dass dieser nun psychologische Hilfe braucht und die Sachen, die die da drinnen...“ Er nickte kurz zur Glasscheibe. „nicht wissen müssen. Sie wissen was ich meine und ich würde ihnen raten, die Klappe zu halten, sonst...“
„Sie können mich nicht beeindrucken...“ kam es energisch von meinem Kumpel. „Die ganzen Straftaten durch sie und ihre Freunde müssen größte Konsequenzen nach sich tragen. Auch wenn wir wissen, dass sie der eigentlich Kopf sind, werden ihre Freunde das Selbe Schicksal erleiden und...“ Er kam näher und flüsterte mit einem wahnsinnigen Grinsen im Gesicht. „Für die kleine Emma, für die denken wir uns noch was ganz Besonderes aus.“ Bei diesen Worten verlor ich die Beherrschung und schrie ihn an. „Nein! Emma hat damit nichts zu tun!“ „Meinen sie... Aber irgendwie kann man da sicherlich was drehen, dass sie ebenfalls mit euch mit Gefängnis vergammeln wird...“ Ich fing an zu beben, dass mein Kumpel mich an den Armen packte, vor Sorge, dass ich dem Typen an den Hals springen würde. Seine Stimme wurde noch leiser, dass nur wir ihn hören konnten. „Allerdings... könnte sie auch einfach als freier Mensch das Gebäude verlassen, wenn sie mir das geben, was sie uns gestohlen haben.“ Mein Kumpel und ich schauten ihn verdutzt an. Meinte er die Zeitmaschine oder was ganz Anderes? Mein Kumpel führte das Gespräch weiter und erhoffte weitere Informationen zu bekommen.
„Gestohlen? Wir haben nichts gestohlen! Sie haben es der Öffentlichkeit vorenthalten...“
„Der Öffentlichkeit vorenthalten? Sie haben doch keine Ahnung!“ regte sich der Agent oder was er war mächtig auf, doch bevor er mehr verriet, kam es ihn in den Sinn, dass dies die Leuten hinter der Spiegelscheibe nichts anging. Das aufgesetzte, ratlose Gesicht meines Kumpels veranlasste ihn noch wütender zu werden und uns an zu schreien. „Wollen sie mich verarschen??? Sie wissen ganz genau von was ich spreche! Also verkaufen sie mich nicht für dumm!“ Seine Stimme wurde wieder ganz leise und sein Gesicht verzerrte sich zu seinem größten Grinsen, was mehr wie eine Grimasse aussah. „Übergeben sie es uns und ihr kleine Freundin Emma kommt frei, andernfalls hat sie sonst nachts mal im Gefängnis einen kleinen Besuch von ein paar guten Freunden von mir. Überlegen sie es sich wie wichtig Emma ist...“ Sofort drehte er sich um und stolzierte aus dem Raum und ließ uns planlos und besorgt zurück.

„Der will uns weich kochen...“ meinte mein Kumpel im Flüsterton zu mir um mich etwas zu beruhigen, doch seine Augen sprachen etwas anderes. Er hatte auch Angst um Emma, genau so wie ich, auch wenn er sie bis vor Kurzem nicht kannte, hatte er wohl direkt gemerkt, dass sie nicht so ein starkes Persönchen ist.

Ich hatte das Gefühl, es würde immer kälter im Raum werden. Vielleicht ein Mittel der psychologischen Kriegsführung, zugetrauen hätte ich es dem Typen schon. Als ich anfing zu zittern reichte mein Kumpel mir seine Jacke, die schön vorgewärmt war. Er hatte ja immerhin noch alle Klamotten an, ich hingegen immer noch meine Schlafklamotten, genau so wie alle Anderen von uns. „Danke“ grinste ich ihn an und er grinste mit einem „Bitte“ zurück. Ich starrte in seine braunen Augen und er in Meine. Minuten vergingen, in der wir regungslos uns gegenseitig bis in kleinste Teil begutachteten. Was hatte er schon alles für mich getan... Meine gefesselten Hände schlang ich um seinen Rücken und er um Meinen und wir drückten uns erneut aneinander. Es war ein beruhigendes Gefühl seine Körperwärme zu spüren, doch blieb die Magenverstimmung wegen Emma und den Anderen, die sicherlich auch irgendwo vernommen wurden, noch da. Plötzlich ertönte die Stimme des Beamten, der uns verhört hatte.
„Rede endlich! Wir wissen eh über dich bescheid! Du machst es durch dein Schweigen nur schlimmer!“
Wir schreckten hoch und sahen an der Scheibe die Kameraaufnahme aus dem Verhörraum, in dem Emma verängstigt auf einen Stuhl saß und schwieg. Mein Magen verkrampfte sich schlagartig und fast hätte ich kotzen können. Ein weiterer Versuch uns per psychologischen Mitteln unter Druck zu setzen. Erstarrt blickten wir beide auf den Bildschirm, auf dem der Beamte sich immer weiter über Emma beugte und sie anschrie, sie solle doch endlich was sagen. Sie versuchte ihm zu gestikulieren, dass sie nicht sprechen konnte und ihren Laptop brauchte, doch der Beamte winkte ab und verharrte darauf, dass sie etwas sagen solle. Ich wusste ja, dass sie sprechen kann, sie hatte mich ja damals im Versteck der Kumpels von Rüdiger angesprochen, doch, da war ich mir sicher, war ich die Einzige und vielleicht Rüdiger selbst, die wussten, dass sie sprechen kann. Mein Kumpel hielt mich fest und versuchte mich zu beruhigen, da ich anfing wild zu werden. Ein unglaublicher Hass durchströmte jede Faser meines Körpers gegenüber dem FBI- oder was er auch immer war, Typen. Dieser trieb mich immer weiter an, so dass die Beruhigungsversuche nutzlos waren.
„Ich bring ihn um!“ kam es aus mir heraus, dass mein Kumpel große Augen machte, weil er damit offensichtlich nicht gerechnet hatte.
„Beruhig dich! Der macht das doch nur mit Absicht... Du kannst dich irgendwann an ihm rächen, doch jetzt bringt das nichts! Maren! Schau mich an!“ Bei diesen Worten packte er mich am Kinn und drehte mein Gesicht, so dass ich ihm wieder direkt in die Augen sah. Tief in der Schwärze seiner Augen konnte ich das Feuer erkennen, welches mich gerade eingenommen hatte und diese Erkenntnis brachte mich wieder auf ein normales Level, dass ich den Stuhl nicht mehr durch die Scheibe werfen wollte.


In diesem Moment explodierte die Scheibe und die dazugehörige Wand mit einem lauten „WUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUM“.
Mein Kumpel und ich flogen vom Stuhl und knallten hart gegen die Wand hinter uns, ihn knockte der Aufprall mit dem Kopf komplett aus und er sackte zu Boden.
 „Sag was! Hey... aufwachen!“
Trotz Schüttelns meinerseits kam allerdings kein Lebenszeichen von ihm. Mir ging es den Umständen entsprechend gut, auch wenn die Kopfschmerzen immer noch da waren, doch das war gerade Nebensache.
Stimmen, aufgeregte, hysterische, schmerzerfüllte und wütende Stimmen überall. Die Wand mit der Scheibe war komplett weggesprengt, überall war Rauch und die Sicht war null. Die Schemen einer riesigen Person zeichnete sich im Rauch ab und der Mann schrie mit einer Spur von Vergnügen „Endlich hab ich euch... Ein zweites Mal entkommt ihr mir nicht!“ Die Stimme kam mir bekannt vor, jedoch verband ich damit nicht positive Erinnerungen. „Nein...“ kam es von mir erschreckt zurück „nicht FearMe...“ Es war der Typ, der mir am geheimen Ort gegen die Brust geschossen hatte und mir damit zwei Rippen brach. Er zückte eine riesige Waffe und richtete sie auf uns beide am Boden. „Auf diesem Moment hab ich mich schon so lange gefreut. Doch kommen wir direkt zum Ende!“

Ich war doch noch viel zu jung zum Sterben... So viele Dinge wollte ich noch erleben und ansehen... Der einzige Trost war, dass mein Kumpel neben mir war...  Ich drückte seine Hand so fest wie es ging. Es war vorbei...

PENG!

 

Der Wachmann der grade hinein gestürzt gekommen war sackte blutend zusammen.
„Damit kommen Sie nicht durch, das ist Wahnsinn! Dies ist eine der best bewachtesten Polizeistation überhaupt. Sie bräuchten eine ganze Armee um hier lebendig wieder raus zukommen“ keuchte er.
“Und warum glaubst du, die hätte ich nicht?“ hörte ich den FearMe.Kerl höhnisch lachen.

PENG
-Stille-

Ich öffnete die Augen und stellte erleichtert fest dass die Kugel weder Chris noch mich getroffen hatte. An die Wand gelehnt wartete ich ein erneutes Peng, dass diesmal nicht verfehlen würde. Doch statt des erwartetet Schusses drangen Worte aus der Mauer an mein Ohr. Leise und kaum verständlich doch es waren Worte. Ich konzentrierte mich. ..

“Was hat hier geknallt? Wo ist Uups?! Ihr solltet die Zeituhr doch auf 5 Minuten stellen.“
“Haben wir doch Chef aber… Wir können uns auch nicht erklären warum die jetzt schon hoch gegangen ist. Wir müssten noch genau 9, 8,7…“

Verwirrt sah auch der FearMe-Kerl sich um.
“Sichert das Gelände… Irgendwo haben sich hier noch ein paar Ratten in ihrem Loch verkrochen…“ brüllte er.
Also hatte ich mir die Stimmen nicht eingebildet!

Ein kurzer Blick zur Seite ließ mich einen, von der Explosion umgekippten Tisch erspähen.
Genau das was ich erhofft hatte.
Ich fasste meinen Kumpel im Rautegriff und versuchte ihn zwischen den umgekippten Tisch und die Wand zu schleifen.
Es war nicht weit doch er sah leichter aus als er war.
Ich hatte es fast geschafft… Nur noch ein kleines Stück…

Plötzlich blickte ich direkt in die Mündung einer Waffe.
“Nun zu dir meine Liebe…. Keine Sorge ich hab dich nicht vergessen“
Der FearMe-Kerl grinste breit als er mit der Waffe vor meiner Nase rumfuchtelte. Er schienen es zu genießen als der kalte Stahl meine Haut berührt und ich mit der Gewissheit sie nie wieder öffnen zu können, meine Augen schloss. Ich konnte mich nicht mal von Chris, der bewusstlos an mir lehnte verabschieden.

Ein ohrenbetäubender Knall ertönte.
Ich zuckte automatisch zusammen, nun war alles vorbei.
Ich hörte ein Surren und das dumpfe Aufschlagen eines Körpers auf den Boden. War das mein Körper?
Es tat mir gar nicht weh, gleich würde ich Tod sein.
So fühlt sich also sterben an… irgendwie nach gar nichts.
Meine Muskeln entspannten sich und…. Nichts geschah.
Ich spürte rein gar nichts.
Keinen pochenden Schmerz, kein warmes Blut oder irgendetwas anderes was ich erwartet hatte.
Ich wollte nicht wissen ob mein Gehirn an der Wand klebte, nicht mal drüber nachdenken….
Ich konnte noch denken, komisch.
Ich ließ es einfach geschehen, eine Wahl hatte ich ja nicht.
Doch es geschah immer noch nichts.

Dann vernahm ich ein leises Stöhnen vor mir.
Vorsichtig öffnete ich die Augen, wollte ich das wirklich sehen? Hatte er zuerst auf Chris geschossen?
Würde ich ihn sterben sehen?
“Chris?!“
Ich öffnete die Augen und sah ihn an.
Vorsichtig tastete ich seine Brust ab… Kein Blut!
Er war noch ganz, keine Löcher nichts.
Dann sah ich an mir herab, faste mir an die Stirn…
Kein Blut!
Kein Blut?!?


7.6.09 16:11

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