Kapitel 6: Überraschungen

Kapitel 6: Überraschungen

 

Endlich kamen wir der Rückkehr meines Kumpels ein Stückchen näher. Ich wusste nur nicht, wie ich die anderen Überzeugen sollte ihn zurück zuholen statt mich zurück zu schicken. Aber bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche müssten wir ja erstmal die Technologie in den Händen halten. Jetzt gab es erstmal wichtigere Probleme zu lösen. Das Auto bog nach rechts ab und das Gebäude welches ich damals aus dem schmutzigen Fenster des Appartements gesehen hatte tauchte auf. Ein stählerner kalter Klotz der die Wolken durchschnitt und in ihnen verschwand. Ich suchte mit den Augen DAS Fenster und fand es. Es war viel Höher als ich es in Erinnerung gehabt hatte, aber nicht mal annährend so unendlich wie in meinem Traum. Langsam folgten meine Augen dem Weg nach unten und es war mir als könnt ich seinen Schatten an der alten Fassade entlang fallen sehen. Auf dem Bürgersteig verharrte mein Blick einen Moment.
Ich sah sie. Vom Regen der Nacht verwaschen und vom Wind verwischt, nur groben Umrisse als Kennzeichen des Unaussprechlichen.
Kreidestriche, dass letzte was von meinem Kumpel über geblieben war.

Wieder musste ich schlucken und gegen die Tränen kämpfen. <*stubs*> kam es von Emma und dann tippte sie <Du hast wunderbare Erinnerungen an ihm und wenn alles gut läuft kannst du ihn schon bald wieder in die Arme schließen>. Da standen wir also, 4 Rebellen vor dem Gebäude, die Machtzentrale eines Systems, das ich nicht mal kannte und trotzdem bekämpfen musste um an die benötigte Technologie zukommen. Der Eingang wirkte riesig und ich kam mir auf einmal sehr klein vor. Leise kamen die ersten Selbstzweifel auf und ich fragt mich auf was ich mich da eingelassen hatte. Ich könnte sterben, wenn ich Glück hatte aber nach allem was ich gehört hatte stand mir wesentlich schlimmeres bevor falls sie mich schnappen sollten. Aber es musste sein, denn eine andere Möglichkeit gab es nicht. Wieder stupste mich jemand in die Seite.
<Kannste sicherlich brauchen, verschafft dir nen blenden Auftritt wenn du in Schwierigkeiten bist. Damit kannste die Kerle erst mal verwirren.> Emma zwinkerte und drückte mir einen pinken Lippenstift und einen Schminkspiegel in die Hand. Ich sah sie komisch an und stellte mir vor von Sicherheitspersonal umstellt zu sein und das einzige was ich tun konnte war mich schminken. Auf diese Art und weise wollte ich meine Verfolger eigentlich nicht abschütteln. Als mein verständnisloser Blick sie traf fügte sie hinzu:
< Hab ich beim Proff mitgehen lassen.>
Dann summte sie eine mir bekannte Melodie aber ich konnte sie nicht zuordnen. Sie lächelte und ließ meine nicht gestellte Frage unbeantwortet.
„Das Gebäude wird sicher gut überwacht und wenn wir Kontakt aufnehmen müssen, wirkt es vermutlich verdächtig wenn du mit dir selber redest. Der Spiegel überträgt dein Bild und da ihr Frauen beim schminken sowieso immer so komische Grimassen zieht…. Außerdem kann ich seit der großen letzten großen Energiekrise wunderbar Lippen lesen.“ Fügte Rüdiger mit einem Zwinkern in Emmas Richtung hinzu. Sie lächelte zurück und strich behutsam über ihr Laptop. Verwundert stellte ich fest dass weder sie noch ihr Bruder bisher Gebärdensprache benutzt hatten und fragte mich wie sie sich wohl als Kinder verständigt hatte, bevor sie schreiben konnte. Doch als ich die Frage gedanklich grade möglichst sensibel formuliert hatte hielt unsere Auto an.
„Na bist du bereit?“ meldete sich Karl zu Wort. Ich seufzte. „Natürlich bin ich bereit! Wir haben das alles bis ins Kleinste Detail durchgesprochen und zwar mehr als einmal. Ich soll einfach nur mit dem versteckten Mini-Scanner durch die relevanten Stockwerke laufen und dabei möglichst kein Aufsehen erregen. Die Daten wertet ihr hier aus um einen Überblick über Fluchtmöglichkeiten Wachpersonal und weiß der Teufel was, habt und wenn ich am richtigen Raum vorbei bin, gebt ihr mir das Zeichen und ich zieh mich zurück. Hab ich was vergessen? Ach ja und nicht auf Alleingängerin machen und das Ding selber stürmen“ Beide starrten mich fassungslos an. „Ich würd nie auf den Gedanken kommen das alleine durchziehen zu wollen. Außerdem weiß ich ja nicht mal wie die Zeitmaschine aussieht und wie man sie bedient.“ „Das ist eigentlich gar nicht so schwer…“ begann Rüdiger.
 „Aber auch gar nicht so wichtig also halt dich an unsere Abmachung. Wir übernehmen den Rest.  Du verschwindest erstmal von der Bildfläche. Verbarrikadier dich im Frauenklo, such n Kaffeeautomat und trink n Cappuccino oder mach sonst was aber komm uns nicht in die Quere. Es wird definitiv scharf geschossen. Wir dringen ins Stockwerk ein, schalten die Wächter aus, Emma kümmert sich um die aufgespürten Kameras und Co. Durch den Scanner kann Sie deinen Aufenthaltsort ausfindig machen. Dann nehmen wir dich und ein paar andere, damit es nicht so auffällt, als Geisel. In der Zeit hat Emma sicher die Zugangscodes für den relevanten Raum geknackt. Wir stecken dich da rein, du kehrst in deine Zeit zurück und wir erledigen hier noch ein paar wichtige Sachen. Wenns klappt ist wieder alles paletti.“

„Ich will aber nicht zurück, ich will hier bleiben und ihn retten!“ protestierte ich Lautstark. Die beiden Kerle sahen sich genervt an. „Geht das schon wieder los? Du gehörst in deine Zeit und kannst dort ohne Zeitmaschine alles ändern was in der Zukunft, also jetzt hier, geschieht. Er lebt in der Zeit noch und falls du in der Zukunft wieder vor einem Fenster mit ihm stehst, erinnern ihn dran weiter zu springen, dann klappt das schon.“

Er hörte sich fast wie mein Kumpel an, der ewige Optimist. Eigentlich wusste ich dass die beiden Recht hatten aber ich wollte ihn zurückholen und hier bleiben. Hier schien so viel mehr möglich zu sein als in meiner Zeit. Auch wenn mir mein Studium viel Bedeutet hat konnte eine Kristallographievorlesung über diese verdammten Bravais-Gitter dem Rebellendasein und dem Kampf gegen ein anscheinend böses System, nicht das Wasser reichen. Es war alles so unwirklich und eben nicht dieser immer gleiche Alltag in dem man ständig nur aufs nächste Wochenende wartete.
Aber jetzt mit den beiden weiter zu diskutieren hatte keinen Sinn. Erstmal mussten wir die Technologie in unseren Händen haben und bis dahin wär mir sicher auch was eingefallen. Bevor ich ging drückten die beiden mir noch einen Knopf in die Hand. "Hiermit kannst du unsere Antworten hören, aber da wir nicht sicher sind ob Funk abgefangen wird oder diese leisen Geräusche vielleicht auch aufgezeichnet werden können, ist er nur für den absoluten Notfall." bekam ich noch zu hören als ob mir das nicht selber klar gewesen wäre.
Unser Parkplatz war nicht weit entfernt vom Eingang trotzdem kamen mir die Meter wie Kilometer vor. Meiner Meinung nach wären meine ausgelatschten Stiefel keine Gefahr für meine Tarnung gewesen aber ich wurde einstimmig überstimmt. Ich hasste diese Klamotten schon jetzt, besonders die Schuhe. Hohe Absätze wären ja kein Problem gewesen aber die Pfennigabsätze die dauernd in den Fugen des Gehweges hängen blieben waren ätzend. Dazu dieser graue Anzug mit Schulterpolstern *würg*. Kein wunder das Emma auf die Schuhe bestanden hatte ich sollte ja unscheinbar aber nicht wie ein Kerl aussehen, was dann ja schon wieder auffällig gewesen wäre. Fluchend stolperte ich zum Eingang und mit einem surrenden Geräusch schaltete sich der, an der Schutzweste befestigte Mini-Scanner ein. Als ich grade die Eingangstür öffnen wollte kam mir ein junger Mann der grad das Gebäude verlassen wollte zuvor. Ich bedankte mich fürs Tür aufhalten und wollte eintreten als er plötzlich meinte „Hören Sie auch dieses surrende Geräusch?“ Ich stotterte „Ähmmm mein Handy, wo hab ich es denn…“ und wollte so tun als suchte ich danach. Doch da musste ich feststellen dass mein Anzug nur die eine Tasche hatte, in der ich den mysteriösen Lippenstift samt Schminkspiegel aufbewahrte, die sich natürlich auch noch gut abzeichneten und nicht wirklich nach Handy aussahen.. Ich trug auch keine Handtasche bei mir und. lief knall rot an. Der verwirrte Gesichtsausdruck seinerseits verwandelte sich in ein Grinsen. Als er verschwand wünschte er mir noch einen angenehmen Tag und konnte sich das Lachen dabei kaum verkneifen. Kaum war er weg wurde der Scanner auch leise. Von wegen der ist nur für ein paar Sekunden hörbar und bis ich bei der Tür bin sicher im Normalbetrieb! Ich hoffte das würde der einzige Fehler der beiden bleiben. Alles in diesem Gebäude schien überdimensional groß zu sein, die Decke im Eingangsbereich war in Form einer Kuppel, mindestens 8 m hoch und erinnerte eher an eine Kirche als an ein Regierungsgebäude und stellte einen absoluten Kontrast zu dem eckigen erscheinen des Äußeren da. Haben sicher  enorme Heizkosten, dachte ich während ich mich auf die Suche nach einem Fahrstuhl machte. Ich musste in den 707 Stock und schauderte als mir bewusst wurde das der Taipei mit seinen 101 Stockwerken in meiner Zeit so weit ich mich erinnern konnte der weltgrößte Wolkenkratzer war. Wie konnte es sein das die Technologie in so kurzer Zeit solche Sprünge gemacht hatte? Eigentlich müsste das Gebäude damals schon lange im Bau gewesen sein, sonst wär das schlichtweg nicht möglich. Auch das Tempo der Fahrstühle überraschte mich aufs Neue, denn kaum hatte sich die Tür geschlossen und sich in Bewegung gesetzt, da stoppte er auch wieder. Ein lautes *pling* ertönte und vor mir lag das Stockwerk 707. So unauffällig wie möglich schritt ich den Gang entlang. Mit dem bloßen Augen konnte ich weder Kameras noch Sicherheitsleute erkennen. Einfach nur den Gang abzulaufen sollte nicht so schwer sein, also stöckelte ich so selbstsicher wie möglich los. Der Flur schien endlos lang zu sein und ich vermisste meine Stiefel mit jedem Meter mehr. Als ich das Ende des Ganges erreicht hatte erhob sich eine breite Stahltür vor mir. Ein kurzer Blick auf den Irisscanner genügte und ich wusste bevor das verabredete Signal kam, das es sich im die richtige Tür handelt. Ein Irisscanner, mist! Passwörter knacken wär für Emma ein leichtes gewesen, aber wo her sollten wir nun ein passendes Auge bekommen. Meine Verbündeten auf dem Parkplatz hatten die Daten sicher auch grad bekommen und standen wahrscheinlich grad vor demselben Rätsel. Ausnahmsweise wollte ich mich jedoch mal an den Plan halten und mich erstmal zurückziehen. Ich hatte bereits umgedreht und war auf dem Weg zum Fahrstuhl als mir der Mann vom Eingang begegnete. „Was machen Sie denn hier und was haben sie da in der Tasche?!“ Ich umschloss den Lippenstift und hoffte Emmas Versprechungen würden im Notfall helfen. „Ach das ist nur Schminkkram. Ich wollte zu… *aufs Namensschild an der Tür vor mir schiel* … Herren Spakowski. Vorher nur noch kurz Make-up auffrischen.“ Ich schraubte den Stift auf und lächelte ihn demonstrativ an. „Das ist ja höchst interessant… Darf ich vorstellen, mein Name ist René, René Spakowsky und von einem Termin mit ihnen würde ich wissen. Können sie mir einen guten Grund nennen nicht den Sicherheitsdienst zu rufen?“ Mein aufgesetztes Lächeln verschwand sofort und meine Gedanken begannen zu rasen. In diesem Moment kam mir die Melodie wieder in den Sinn und ich hatte die Lösung. Ich lächelte ihn an, setzte den Lippenstift an und schloss die Augen. Trotz der geschlossenen Augenlieder merkte ich wie es um mich rum verdammt hell wurde. Als ich sie wieder öffnete lag der Mann bewusstlos auf dem Boden. Im Ohr hörte ich ein knarzendes Geräusch und Rüdigers Stimme ertönte. „WAS IST BEI DIR LOS?!“ Wortlos klappte ich den Spiegel auf und richtete ihn auf den bewusstlosen Herrn Spakowsky dann auf den Irisscanner. Zum Schluss grinste ich hinein, nun hatten wir das benötigte Auge, samt lebenden Besitzer der vielleicht auch noch die ein oder andere, wichtige Information für uns haben könnte.

 

Es sollte wohl nicht lange dauern bis die Anderen kommen würden, doch bis dahin sah es mit dem bewusstlosen Spakowsky am Boden sehr verdächtig aus, also musste ich ihn irgendwie wegschaffen. Sein Büro war natürlich der beste Platz und so zog ich ihn sehr langsam zur Tür, er war schwerer als er aussah und da ich nun ja nicht gerade sehr muskulös bin, war der Erfolg groß als ich ihn endlich an der Tür hatte. Sie war verschlossen, Mist! Doch den Schlüssel wird er sicherlich am Mann haben, also rann ans Werk und die Taschen durchwühlen. Hosentaschen… nichts. Jackentaschen… nichts. Das kann doch nicht sein, wo sind die verdammten Schlüssel?! Ich wurde leicht nervös. Es blieb nur noch das Hemd… wieder nichts! Verdammt!

In diesem Moment kam ein weiterer Mitarbeiter um die Ecke. Das wird ja immer besser! Verärgert, aber mehr durch die Situation beängstigt, stieg mein Stresspegel in luftige Höhen. Was soll ich machen??? Der Mitarbeiter kam näher und erkannte den bewusstlosen Spakowsky und mich. „Ist ihm was passiert? Kann ich helfen?“ „Nein… Nein… Danke. Ihm ist nur kurz schwindelig geworden und umgekippt, steht gleich wieder auf.“ versuchte ich nervös ihm klar zu machen und dabei die Sicht auf den Bewusstlosen zu verdecken. „Brauch nur ne kurze Pause.“ „Sicher?“ „Sicher.“ Er schien es geschluckt zu haben. Puuuh. Er setzte sich wieder auf und ging weiter, doch nach nur drei Schritten blieb er zu meinem Erschrecken wieder stehen und drehte sich um. „Ist das sein Koffer?“ und er deutete auf einen braunen Kasten am Boden neben der Wand. „Ähhh… ja.“ Er nahm den Koffer und überreichte ihn mir. „Er sieht aber wirklich nicht gut aus. Soll ich nicht jemanden rufen?“ „Nein, nein. Das mach ich schon.“ Ich versuchte zu lächeln, doch es gelang bei einem Puls jenseits von 180 nicht wirklich und wirkte wohl eher wie eine Grimasse. Leicht misstrauisch verließ der Mitarbeiter aber zum Glück uns beide und ich war wieder alleine mit dem Bewusstlosen im Flur.

Der Koffer! Da musste der Schlüssel drinnen sein! Kein Zahlenschloss oder so, welch Glück. In dem Koffer befand sich allerhand Papierkram, mancher sogar mit einem „Streng Geheim“-Aufdruck, doch waren mir Schlüssel gerade lieber. Schon fast am Aufgeben fand ich im Deckelfach ein Schlüsselbund mit fünf Schlüsseln. Mit zitternden Händen versuchte ich einen nach den Anderen auszuprobieren, der Vierte wars. Puuuuh. Das Büro war klein, doch durch die perfekte Raumeinteilung wurde jeder Quadratzentimeter optimal genutzt. An Pflanzen gab es nur eine kleine Jukkapalme, die neben dem Aktenvernichter stand. Jetzt musste der Kerl nur noch hinein. Wieder ging es nur langsam voran,  kurze Zeit später ging die Bürotür mit einem leisen Klicken zu und niemand würde erstmal den Verlust merken, zumindest hoffte ich das. Mein Puls senkte sich wieder in gesundere Bereiche und ich konnte ein bisschen Durchatmen. Für einen Blick in die geheimen Unterlagen müsste ich noch Zeit haben und so öffnete ich erneut den Koffer, setzte mich auf den kleinen Sessel, der hinter dem aufgeräumten Schreibtisch stand und nahm die Papiere heraus.

„Projekt: Z-317. Leiter: René Spakowsky. Das Projekt Z-317 wurde wieder aufgenommen und es gab neue Erkenntnisse über das Raum-Zeit-Kontinuum. 

Durch die Versuchsreiche T-3 konnte bestätigt werden, dass es keine Veränderungen an der heutigen Welt entstehen beim Eingriff in die Vergangenheit. Des Weiteren konnte bestätigt werden, dass die Zeit in der Vergangenheit genau so schnell verläuft, wie in der normalen Zeit. Durch diesen Fakt spielt die Zeit beim Betreten der Vergangenheit die Schlüsselrolle bei dem Wiedereintritt.

Dadurch ist zu vermuten, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, die alle gleichzeitig verlaufen, aber um jeweils eine Millisekunde verschoben sind. Die Theorie besagt auch, dass der Urknall jede Millisekunde in einem anderen Paralleluniversum erneut passiert und damit dieses Universum erschafft.

 Allerdings wurde noch nicht geklärt, ob diese Paralleluniversen alle gleich sind oder Abweichungen aufweisen. Außerdem ist es uns nicht gelungen in die Zukunft zu springen, was vielleicht daraufhin deutet, dass dieses Universum, das Erste ist, was aber bei der theoretischen Unendlichkeit der Universen unrealistisch erscheint. Deswegen entstand eine zweite Theorie, die besagt, dass durch die Zeitmaschine erst andere Paralleluniversen entstehen, doch auch hier grenzt die Vorstellung  schier ans Unmögliche.

Weitere Tests sollen folgen um diese Frage zu klären, die Versuchreihe T-4 ist dabei schon in Planung.“

Irgendwie verstand ich im ersten Moment nur Bahnhof, doch schien die Möglichkeit meinen Kumpel zurückzuholen und in dieser Zeit zu bleiben nicht gestorben. Vielleicht würde Rüdiger mehr aus diesen Sätzen lesen können und deshalb sollte ich den Koffer lieber behalten bis die Drei endlich antanzen würden. Ich schaute auf die Uhr, es waren schon gute 20 Minuten vergangen und eigentlich sollten sie schon längst da sein. Wieder ein leichtes Nervösitätsgefühl übernahm mich. Warum brauchten sie so lange? Was hat das zu bedeuten? Wurden sie erwischt? War vielleicht deshalb noch kein Alarm ausgelöst? Immerhin wollten sie sich den Weg mehr oder weniger frei schießen und der Alarm schien unausweichlich gewesen zu sein. Doch nun fehlte er. Aber vielleicht gab es ja einen stillen Alarm und deswegen hörte man nichts. Ich hatte immer noch den Spiegel in der Tasche, doch schien es für zu riskant zu sein, den zu aktivieren. Wenn sie gefangen genommen wurden, dann würde ich entdeckt werden oder sonst würden sie vielleicht durch mich entdeckt werden. So oder so schien der Spiegel gerade nutzlos. Doch was nun tun? Warten? Handeln? Irgendwann würde Spakowsky wach werden uns bis dahin wollte ich mit den Anderen schon längst woanders sein. Einen Blick auf den Bewusstlosen ließ mich allerdings wieder etwas positiv stimmen. Der wird nicht so schnell aufstehen, dem Prof sein Werk sei dank. Das Zeug des Profs war zwar gefährlich, doch es erfüllte seinen Zweck meist besser als erwartet.

Es klopfte.

Sofort war ich aus meinen Gedanken wieder herausgerissen und in dem kleinen Büro mit dem bewusstlosen Spakowsky, dem Koffer mit den geheimen Informationen und der Jukka-Palme neben dem Aktenvernichter. Was sollte ich tun???

Es klopfte erneut.

Bevor ich überhaupt den Gedanken fassen konnte vom Sessel aufzustehen und noch irgendwie irgendwas unternehmen zu können, wurde auch schon die Türklinke wie in Zeitlupe heruntergedrückt. Atemlos sah ich zu wie die Tür aufging und in dem Türrahmen der Mitarbeiter von vorhin auftauchte. Sehr träge kamen die Worte „Na, geht’s dir besser? Wer war das denn? …“ an mein Ohr und als er abrupt endete und sein Gesicht einen erschreckten Ausdruck annahm, wurde mir bewusst, dass es jetzt zu spät für irgendwelche herbeigezogenen Erklärungen war. Es sah ja auch sehr verdächtig aus, ein bewusstloser Mann am Boden und eine Frau vor einem geöffneten Koffer mit geheimen Informationen in einem Sessel sitzend, die nicht danach aussieht als ob sie etwas rechtens macht. Bevor ich ihm etwas sagen und eine scheinheilige Lüge auftischen konnte, drehte er sich um und rannte los. Geschockt blieb ich sitzen. Es war vorbei! Alles! Er würde den Sicherheitsdienst rufen und die würden mich und wahrscheinlich auch Emma, Rüdiger und Karl festnehmen. Alle Pläne mit meinem Kumpel wieder zusammen zu kommen zerplatzten wie Seifenblasen. Wahrscheinlich würden wir den Rest unserer Leben in einer Zelle in dieser Zeit verbringen, wenn nicht gar Schlimmeres auf uns wartet. In meinen Gedanken gefangen, bekam ich nicht den Tumult im Flur mit, nicht das Geräusch eines auf den Bonden aufschlagenden Körpers und das Schleifen jenes Objektes über den Teppichboden. Erst als die Silhouetten von zwei größeren und einer kleineren, zierlichen Person im Türrahmen erschienen, erwachte ich aus meinen Gedanken über düstere Zellen und anderen unbehaglichen Orten und kehrte in die Realität zurück, in der Rüdiger, Karl und Emma vor mir standen und mich anlächelten. Ohne darüber nach zu denken was ich sagte, kam aus meinem Mund „Ging das nicht schneller?“ heraus. Tränen schossen mir ganz leicht in die Augen, die ich versuchte nicht zu zeigen. Rüdigers Lächeln verschwand „Das war schon schwer genug hier rein zu kommen, da brauchst du dich nicht auch noch beschweren!“ und er betrat den Raum und begutachtete Spakowsky. Karl indessen schleifte den anderen Mitarbeiter, dem etwas Blut durchs Gesicht lief und ausgeknockt wirkte, in das Büro hinein und verschloss die Tür. Emma mit dem Laptop auf dem Arm tippte und beobachtete anhand der Sicherheitskameras die Flure, ihre Fähigkeiten waren wirklich beeindruckend. Sie drehte sich leicht und ich konnte zwischen den einzelnen Bildern der Kameras ein < Gut gemacht! *THUMBS UP* > lesen. Rüdiger fing an zu erzählen was passiert war, während er das Büro begutachtete. „Also… es gab eine kleine Planänderung, dank Emma.“ Er schenkte ihr ein Lächeln. „Zu Karl Verärgernis…“ Dieser brummte kurz. „gab es kein Blutvergießen wie geplant, weil Emma einen Hintereingang entdeckt hatte, der nur durch eine Wache und mehreren Sicherheitskameras bewacht wurde. Emma konnte diese für kurze Zeit so manipulieren, dass wir die Wache einfach K.O. schlagen und eindringen konnten. Von dort an war es relativ leicht bis zum Fahrstuhl zu gelangen, Emma hatte die Kameras im Blick und so wichen wir allen anderen Leuten einfach aus, was aber Zeit kostete. Jedenfalls… nun sind wir hier.“  Und mit einem argwöhnischen Blick zum Boden fügte er hinzu „Und wer ist das hier?“ „René Spakowsky“ antwortete ich „Der Leiter des Projekts über die Zeitmaschine. Hier in seinem Koffer sind Berichte über Versuchsreihen, die sie durchgeführt haben.“ und zeigte ihm die Sachen, die sich im Koffer befanden. Er las die Blätter durch, doch nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, erzählten sie ihm nicht Neues. „Soweit wissen wir auch alles, wir sind auf ähnliche Theorien gekommen. Doch sind sie uns meilenweit hinterher.“ „Warum das denn?“ fragte ich mit einem verblüfften Gesicht. „Nun ja, schau dich an.“ und er lächelte leicht. „Du bist der lebende Beweis. Du existierst in diesem Universum zwei Mal und bis die so was testen werden vergehen Jahre, weil sie sich nicht trauen, dass etwas passieren könnte wie ein großer Knall und das war’s mit allem. Worüber ich mir gerade Sorgen mache ist, dass es schwierig werden könnte, dein Paralleluniversum wieder zu finden. Wir waren ja nur einmal in deiner Zeit, Karl und ich haben sie zwischen deinen Entführungen nicht verlassen, das Portal war die ganze Zeit versteckt geöffnet. Ich hoffe nur, dass die Daten von unserer Zeitreise sich noch im Speicher befinden, allerdings müsste dann die Regierung von deiner Zeit wissen und das bereitet mir auch Kopfzerbrechen. Immerhin könnten sie in deine Zeit eingedrungen sein um die Tests durchzuführen und haben dabei etwas verändert. Nachher haben sie deine Zeit komplett umgestaltet… Aber nein, ich denke zu negativ. Nach den Berichten waren es nur kleine Veränderungen in der Zeit und wer weiß, ob sie überhaupt in deine Zeit gereist sind und nicht in eine Andere. Also keine Sorge. Positiv denken.“

Wie Rüdiger die letzten Worte sagte, wurde mir ganz unheimlich, die Worte waren mir einfach zu bekannt und normalerweise hörte ich sie von meinem Kumpel. Es schien als hätte er kurz Rüdiger übernommen gehabt. Vielleicht hatte aber auch einfach nur sein Denken auf Rüdiger in den letzten Jahren abgefärbt, dennoch war es unheimlich und ein kalter Schauer zog über meinen Rücken. Trotzdem beruhigten mich die Worte ungemein und das Denken an die nähere Zukunft fiel wieder leichter. Ein Gefühl, dass wir es schaffen würden stellte sich in der Nähe der Drei ein, obwohl mir mein Kumpel unheimlich fehlte fühlte ich mich gleichzeitig geborgen und sicher. Irgendwie verformten sich meine Gedanken über Emma, Rüdiger und Karl in ein Bild meines Kumpels, es schien als wären sie alle ein Teil von ihm gewesen und er wäre gar nicht gestorben, sondern hatte sich nur in drei Personen aufgeteilt. Das Bild verflog langsam wieder und es kamen neue Gedanken dazu, die meinen Kumpel komplett verschwinden ließen. Nun waren Taten gefragt. So kurz vor dem Ziel konnten wir uns keine Pause für komische Gedanken leisten, die uns nachher noch aufdecken würde. Doch was tun? Spakowsky wecken und weitere Informationen aus ihm herausholen? Oder einfach loslegen, uns Zugang zur Maschine verschaffen und ab in die Vergangenheit? Innerlich wusste ich die Antwort, sie war die ganze Zeit da und in diesem Moment erschien sie so klar wie nie, dass es überhaupt keine Zweifel gab, was zu tun war.

Kurzerhand übernahm ich das Heft in die Hand und fing an Befehle zu verteilen. „Auf geht’s! Emma, ist der Weg sicher?“ Sie nickte überrascht. „Gut. Karl, nimm du Spakowsky über die Schulter!“ Ebenfalls etwas überrascht kam ein leises „Jawohl.“ zurück. „Und Rüdiger, nimm du den Koffer mit, vielleicht sind noch andere wertvolle Informationen drin. Ok…“ Ich holte kurz Luft. „Dann los!“ Rüdiger öffnete mit dem Koffer in der Hand die Tür zum Flur und luckte in diesen hinein, vielleicht wurden ja die Kameras von der Regierung manipuliert, doch allem Anschein nach, war dem nicht so, denn niemand befand sich im Flur. Rüdiger ging los und Emma, ich und zuletzt Karl mit Spakowsky folgten ihm bis zur Stahltür. Dem armen Karl musste es schwer getroffen haben, denn selbst als Karl ihm gewaltsam das Augenlied hochzog, zeigte er keine Regung. Es funktionierte, ein *Pling* ertönte von der Stahltür aus und eine grüne Lampe über dem Augenscanner signalisierte ebenfalls, dass es geklappt hatte. Doch die Stahltür bewegte sich kein Stück, stattdessen fuhr eine Tastatur aus, die sich vor uns ausklappte und auf eine Eingabe wartete. Jetzt war Emma gefragt. Während Karl Spakowsky wieder zurück in sein Büro brachte, hackte Emma sich in das System ein und versuchte einen Weg drum herum zu finden. Der angestrengte Blick ihrerseits ließ allerdings nichts Gutes verheißen, Rüdiger beugte sich ebenfalls über den Laptop und wortlos kommunizierten beide über das Problem, was sich vor ihnen auf dem Bildschirm ausbreitete. Auch Rüdigers Miene wurde ernster, indessen kam Karl zurück und er wirkte genau so hilflos wie ich in dieser Situation; die wir keine Ahnung davon hatten wie man überhaupt ein Passwort beziehungsweise ein System versucht zu hacken. Die Zeit verrann Sekunde um Sekunde, das Ticken meiner Uhr am Handgelenk schallte schwer durch den Flur, in dem sonst nichts anderes außer das Hämmern von Emmas Fingern auf die Laptoptastatur zu hören war. Die einzelnen Tippgeräusche verschwammen zu einem perfekten Geräuschteppich. Nach gefühlten Stunden der Spannung, zwei Minuten waren es eher, fingen Rüdiger und Emma an zu grinsen und man konnte das Gefühl der Erleichterung, welches von ihnen ausging, beinahe greifen. *Pling* und erneut leuchtete die grüne Lampe kurz auf und die Tastatur klappte wieder zusammen und verschwand in der Wand. Doch die Stahltür blieb immer noch verschlossen und stand unzerstörbar wirkend vor uns Vier und der Zeitmaschine.

Nichts passierte.

Gespannt warteten und warteten wir auf etwas, was nicht eintraf. Die Tür öffnete sich nicht und wir hatten keinen blassen Dunst, was wir nun machen mussten, damit sie die Zeitmaschine preisgeben würde. Emma konnte auch nichts herausfinden und so war der Einzige, der wusste was zu tun war, Spakowsky, der bewusstlos im Büro lag und den Anschein machte, dass er nicht in den nächsten 5 Minuten aufwachen würde, geschweige denn in den nächsten Tagen.

In dem Moment fiel mein Blick wieder auf den Koffer, der immer noch in Rüdigers Hand war und ohne zu zögern entriss ich ihm das Ding, kniete mich auf den Boden und durchwühlte alles nach irgendetwas, was uns helfen könnte. Doch außer den Papieren und zwei Kullis war nicht enthalten, enttäuscht knallte ich den Deckel zu. Emma hingegen schien etwas entdeckt zu haben und kniete sich zu mir hin, nach einem kurzen Blick in den Koffer nahm die zielstrebig das Blatt Papier mit der Aufschrift „Sicherheit im Gebäude“ in die Hand und betrachtete es mit argwöhnischen Augen. Doch ihr Blick galt nicht dem Text, sondern etwas, was ich entweder nicht sehen konnte oder einfach nicht erkannte. Umso länger sie das Blatt ansah, desto zuversichtlicher wurde sie. Mit dem Papier in der Hand setzte sie sich auf und drückte es zur Verwunderung von uns allen an die Stahltür.

Nichts passierte.

Vielleicht hatte sich Emma geirrt und das, was sie gesehen hatte, war für etwas anderes… *Pling*, erneut grün. Ein fernes Klicken ertönte aus der Richtung der Tür und sie glitt ganz behutsam auf und offenbarte den Blick auf einen größeren Raum, der die Ausmaße einer Lagerhalle hatte, was ziemlich ungewöhnlich war, so etwas mitten in einem Regierungsgebäude an zu treffen und nun mit Licht geflutet wurde. Und genau in der Mitte stand seelenruhig die Zeitmaschine, wobei sie nicht direkt wie eine Maschine aussahen, sondern eher wie ein überdimensionaler Spiegel, dessen Fläche allerdings gerade komplett schwarz war. An den Seiten waren mehrere Kabel angeschlossen, die in einem Steuerpult, rund 10 Meter vor dem Spiegel entfernt, endeten.

Es war geschafft! Wir waren so weit gekommen und nun endlich am Ziel, jetzt konnte nichts mehr schief gehen…

WUUUUUUUUUUUUUUUUUM.

Mir wurde schwarz vor Augen, das Letzte was ich sah war wie ich kopfüber durch die Luft in Richtung Boden flog. Alle Luft war aus meinen Lungen gepresst und die Geräusche der Umgebung erklangen dumpf, verzerrt und schienen weit entfernt zu sein. Stimmen - da waren Stimmen, aber ich konnte sie nicht verstehen. War das nun das Ende?

Nein! Ich wollte und konnte einfach nicht so sterben! Und ich würde auch nicht so sterben!

Ich öffnete die Augen und sah Karl und Rüdiger verschwommen auf irgendetwas schießen, Emma hingegen schaute mich mit großen angsterfüllten Augen an, in denen sich schon Tränen gesammelt hatten. Langsam glitt wieder Luft in meine Lungen und mit jedem Atemzug wurde die Sicht klarer und die Stimmen und Geräusche normaler. „In Deckung mit euch Beiden!“ hörte ich Rüdiger schreien, dessen Stimme panisch über die Schüsse herüberflog. Emma schleifte sich mich zu einer Wand, durch die Explosion oder was es war, bin ich wohl in den Raum geflogen und richtete mich halbwegs auf, da ich selbst mich nicht bewegen konnte. „Geht’s dir gut?“ flüsterte sie leise. Knapp antwortete ich nur mit „Ja.“, obwohl es sich anders anfühlte. Sie schaute mir tief in die Augen und dabei entfachte sich in mir eine Art Feuer, was langsam anfing meinen Körper zu übernehmen und mir Kraft verlieh. Emma zog ihren Laptop zu sich und tippte wild drauf ein, anscheint übernahm sie nun die Kontrolle über Selbstschußanlagen und allen anderen, wichtigen Systemen und veranstaltete einen Schlag gegen die bis jetzt noch unbekannten Feinde. Das Feuer übernahm mich nun komplett und ich verfiel in eine Art Raserei. Das Feuer in Verbindung mit den ganzen Gefühlen an meinen Kumpel bildete eine explosive Mischung, die raus musste. Nicht mehr weglaufen, sondern zurückschlagen. Ohne zu wissen, was passierte, richtete ich mich auf und schrie aus voller Seele Karl an, er solle mir eine Waffe geben. Mit einem erschreckten Gesicht, wie laut ich werden konnte, versuchte er nicht mal zu wieder sprechen und warf mir stattdessen eine Waffe zu. Noch im Flug erfasste ich sie und fing an auf die unbekannten Feinde zu feuern, die sich in dem Flur befanden. Ein unendlicher Hass gegenüber diesen Leuten durchströmte jeden Fitzel meines Körpers und ich würde nicht eher ruhen, so lange nicht alle tot wären. Doch bevor ich meinen Hass komplett ausleben konnte, wurde ich zu Boden gerissen und festgehalten. Ich schrei, biss, kratzte und strampelte mit all meiner Kraft wild umher, doch die Person ließ mich einfach nicht los, egal wie viel sie einstecken musste.

 

Langsam zog sich das Feuer zurück und die ersten klaren Gedanken strömten wie kaltes Wasser in mich hinein. Ich hörte auf zu zappeln und sah mich um.
Ich befand mich im Mittelpunkt eines blutigen Schlachtfelds. Auch wenn ich meine Rachegedanken nicht komplett ausleben konnte war der Anblick grauenvoll. Der Teil unserer Feinde, der nicht geflohen war lag mehr oder weniger lebendig in der Gegend rum. Einer der Angreifer der offensichtlich seine Beine nicht mehr bewegen konnte schliff sich keuchend über den Boden Richtung Ausgang und hinterließ eine Blutspur. Als er meine Blicke spürte drehte er sich wimmernd um und sah mir in die Augen.
„Bitte…. Ich hab eine Frau und zwei kleine Kinder…“ Überall roch es nach Blut und eine Frage bohrte sich scharf wie ein Skalpell in mein Bewusstsein. War ich das gewesen? Ich kannte die Antwort wollte sie aber nicht hören. In dem Moment erstarrte meine Umgebung. Ich sah Emma vor dem Laptop knien, Rüdiger der mit der Hand auf ihrer Schulter hinter ihr stand und Karls entsetzte Augen die auf mich gerichtet waren. Eine Stimme hinter mir riss mich aus meiner Starre. „Ist es das was du willst? Rache führt nur zu noch mehr Leid.“ Langsam drehte ich mich um und sah was ich mir nicht zu hoffen getraut hatte. Behutsam strich meine Hand über seine Wange. „Ich hab dich soooo sehr vermisst“ stammelte ich schluchzend und schloss ihn in die Arme. Es tat so gut seine Wärme zu spüren und seine Stimme zu hören. „Ich dich auch und ich verspreche dir das wir uns wieder sehen werden“ flüsterte er in mein Ohr als er verschwand.

 

Ich blinzelte und meine Umgebung löste sich aus der Starre die sie gefangen gehalten hatte. Ich schaute mich um doch nirgends war eine Spur von ihm und ich schluckte trocken um die Tränen zu unterdrücken. Doch nicht nur von ihm fehlte jede Spur sondern auch von meinem Vernichtungsschlag. „Wo sind all die Leichen hin?“ fragte ich mit noch leicht schwankender Stimme in den Raum hinein. „Das ist ne gute Frage. Ich würd vorschlagen du sorgst für ein paar es sei denn du bevorzugst Einzelbetten mit Deckel und nen Zettel am Fuß als nettes Accessoire.“ antwortete mir Karl verständnislos und warf mir eine Waffe zu. Ungeschickt fing ich sie und schauderte als sie schwer in meinen Händen lag.

„Ich hab die Steuerung geknackt“ triumphierte eine PC-Stimme und die Eingangstür begann sich zu senken. „Und die Kontrolle über die Selbstschussanlage habe ich auch erlangt muhahaha“ dröhnte es aus den internen Lautsprechern. Als sich tatsächlich eine der Anlagen drehte und auf unsere Angreifer zu schwenkte sahen die sich kurz an und ergriffen die Flucht. Als die Tür fast unten war schlitterte eine Person auf den Knien durch den letzten offenen Spalt und mein Herz machte einen Sprung.

 

Doch als ich grade auf sie zu stürmen wollte richtete sich die Gestalt auf und ich musste einsehen dass ich mich geirrt hatte..

„Strecki?!“ Ich blieb wie versteinert stehen.

“Jaaa? Ich seh schon absolute Wiedersehensfreude….“ Er klopfte sich den Staub von der Hose schüttelte sein Haar zurecht und schaute uns erwartungsvoll an. „Doch ich hab dich nur im ersten Moment für jemand anderes gehalten…“ gab ich kleinlaut von mir.

„Moment mal! Glaubt ihm kein Wort! Und ähm sichert am besten auch den Hintereingang“ kam es aus dem Selbigen. „Strecki?!?! Aber wie….“ Verwirrt sahen wir von Strecki 1 vor uns und Strecki 2 der im Türrahmen des Hinterausganges stand und ebenfalls dabei war sein Haar nach hinten zu werfen, hin und her. „Ich bin der GUTE Strecki“ versicherte uns Strecki 1. „Das kann ja jeder behaupten“ konterte Strecki 2 und plötzlich standen sich die beiden Streckis mit erhobenen Waffen gegenüber. Beide trugen ein Unkopierbar-T-Shirt und die identischen Trinkhörner am Gürtel halfen auch nicht wirklich beim unterscheiden. Unsicher auf wen er zielen sollte nahm sogar Karl seine Waffe runter. *KLACK KLACK KLACK KLACK* Etwas nährte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. Was war das, fragte ich mich. Eine moderne Waffe oder hatten wir ein Sicherheitssystem übersehen? Würde sich gleich der Fußboden in eine riesige Falltür verwandeln und uns mit samt den Streckis verschlucken? Doch noch bevor meine Spekulationen aussprechreif waren hatte das klacken die Hintertür erreicht und eine junge Frau mit spitzen Schuhen erschien.

„Till sag mal TÜDELLÜ!“ Der zweite Strecki rollte nur mit den Augen.

„Tüdeldidü?!“ kam es unsicher vom ersten Strecki.

*BOOOM*

Strecki der Zweite sah verwundert zur Frau im Türrahmen während der erste langsam zusammen sackte.

“Hallo?! Einfach dein Tüdellü zu kopieren… damit ist er zu weit gegangen.“ rechtfertigte diese sich und fügte nach einer kurzen Pause „Huh is mir warm!“ hinzu. “FENSTER AUF!!!“ schrie der übergebliebene Strecki panisch.

Nach dem ein Fenster geöffnet war und Karl an der Hintertür Position bezogen hatte sahen alle mit Sorgenvoller Miene auf Strecki eins hinab.

„Fräulein Liebig, musste das sein?!“

„Er hat das Tüdellü kopiert, dass ist unverzeihlich! Außerdem schläft er nur, noch nie was von Non-Lethal Weapons gehört? So Kiddings und nun erklärt mir erst mal einer von euch was das hier alles soll?“ Ein Räuspern ging durch unsere größer gewordene Gruppe. „Das ist eine laaaange Geschichte….“

“Ich habe Zeit“ antwortete sie ruhig.

„Wir aber nicht, da draußen sind sicher noch einige Wachleute die uns an den Kragen wollen. Sorry Lady aber wenn sie quatschen möchten ist dies ein denkbar schlechter Zeitpunkt.“ bemerkte Karl. „Ihr steht hier vor einer Zeitmaschine und wollt mir ernsthaft erzählen ihr habt keine Zeit für Erklärungen?“ sie lachte herzhaft, setzte sich seitlich aufs Schaltpult und überschlug die Beine. „Man könnt ja fast glauben möchtet nicht mit mir reden. Ich denk wir haben alle Zeit der Welt. Zumindest….“ Sie zauberte eine kleine CD aus ihrem Täschchen „mit der richtigen Software.“

Nun war ich wirklich baff. „Du weißt wie das funktioniert?!“

“Wieso ich? Hallo?!“ *Fingerzeig auf Karl und Rüdiger* „Das sind doch die Experten was Zeitreisen angeht. Sonst packt den Kram einfach ein und wir zerbrechen uns nachher den Kopf“

Ratlos musterte ich den überdimensional großen Spiegel der die halbe Lagerhalle einzunehmen schien. “Wie sollen wir den denn MITNEHMEN?“ fragte ich erstaunt. Das allgemeine Grinsen sagte mir das ich anscheinend irgendwas sehr dummes gesagt hatte, doch ich verstand den Witz nicht, denn im Anbetracht unserer Lage und dem me3hr als vollbesetzten Auto schien meine Frage sehr berechtigt zu sein. „Naja…. Am besten du lässt den Prototypen einfach hier und nimmst dafür das kleine unscheinbare Ding dort drüben mit. Darf ich vorstellen die Time-maschine portable“ verkündete Rüdiger vor einem Regal mit einem kleinen Geräten drauf. „Die ist ja söööß! Dachte das Gerät wär gigantisch?“ staunte ich.

“Wie kommste denn darauf?“ fragte Fräulein Liebig mich lachend und als sie meine auf Rüdiger u Karl gerichtete Blicke auffing schnappte sie ihnen das Gerät vor der Nase weg und meinte zwinkernd „Die haben doch keine Ahnung.“

„Eben waren wir noch DIE EXPERTEN…“ gab Karl geknickt von sich.

„Ja und jetzt wurdet ihr zu Tüten degradiert“ beendete sie den Satz und marschierte mit energischen Schritten auf den Hintereingang zu. Rüdiger stieß mich wütend an und zischte „Wer ist die, wie kommt die hier her und wo läuft sie mit der Zeitmaschine hin? Ich versteh grad nur Bahnhof“

„Und ich versteh nur Tüte, was zum Teufel ist eine Tüte?“

„Du bist eine Tüte!“ schallte es vom Hinterausgang, denn Karl hatte nicht grade geflüstert. “Okay… Ich bin eine Tüte. Ist das nun gut oder schlecht?“ bohrte er weiter. „Kommt ganz auf deinen Standpunkt an“ gab Strecki leise und breit grinsend von sich.“ Fräulein Liebig hatte bereits in der Tür Stellung bezogen und trommelte nervös mit den Fingern gegen den Türrahmen. „Hallo?! Kommt ihr jetzt?“

“Und wer hat dir bitte schön das Kommando übertragen? Wir haben uns hier reingekämpft und nun wo wir am Ziel sind bringst du einfach alles durcheinander!“ maulte Rüdiger der seine Führungsposition in Gefahr sah.

“Naja, ich habe die Software, die Zeitmaschine und gute Argumente. Ihr nicht mal einen ausgereiften Plan und in Anbetracht des Aufsehen, das ihr erregt habt…“sie sah sich im Raum oder besser gesagt, dass was davon übergeblieben war, um „...ist es vielleicht ratsam hier zu verschwinden. Möglichst unauffällig versteht sich und da würde sich diese Tür doch glatt anbieten“ Sie schenkte Rüdiger ein Lächeln und verschwand durch die Tür. Mehr oder weniger erfreut folgt man ihr. Karl schob sich an ihr vorbei und sicherte den Weg, Strecki warf sich seinen Zwilling über die Schulter, Emma klappte ihr Laptop zu und auch ich und Rüdiger machten uns auf den Weg. Plötzlich fanden wir uns in einer Abstellkammer voller Putzutensilien wieder. „Soll das n schlechter Witz sein?“ Karl schaute argwöhnisch an einem Wischmopp vorbei und wurde von Emma in die Seite geknufft. Eine 180 Grad Drehung des Meister Propper Bergfrühlings reichte und unsere Zweifel waren beseitigt. Ein Geheimgang öffnete sich vor uns und wir traten ein. Mein Kumpel schien von der Existenz des Ganges nichts gewusst zu haben, denn sonst wäre die ganze Wohnungssuchaktion auf der anderen Straßenseite sinnlos gewesen. Und er wäre noch bei mir. Ich seufzte und die Traumsequenz kam mir wieder in den Sinn und es schmerzte als ich erkannte dass ich vermutlich nur ohnmächtig gewesen war und phantasiert hatte. Ich versuchte die Gedanken beiseite zu schieben doch es gelang mir kaum. „Wenn ihr die ganze Zeit einen Zugang zu der Zeitmaschine hattet, warum habt ihr sie denn nicht vorher schon geholt?“ wendete ich mich an Strecki. „Drei mal darfst du raten wie du hier her gekommen bist.^^ Aber ich bin Ingenieur und kein Physiker. Solange wir die Teile nur ausleihen forschen die da oben sozusagen für uns weiter und merzen die Bugs aus. Würden wir, so wie ihr es getan habt, da mit Gewalt eindringen könnten wir möglicherweise die Zeitmaschine kurz in unserem Besitz bringen, würden jedoch gejagt, könnten sie nicht selber reparieren und Weiterentwicklungen wären auch abgeschrieben.“ Wir betraten einen größeren Raum und Streckie schloss die Tür hinter uns und schien einige Sicherheitssysteme für draußen an und andere im Inneren auszuschalten. „Und hier wohnt ihr im Moment?“ Fragte ich staunend als ich eine Sammlung von Äxten an der Wand sah. „Nein, wir wohnen hier nicht. Ich wohne hier und die da….ach egal“ Strecki winkte ab.

“Hey Mädels, kommt ihr mit n paar Tüten aufreißen?“ Emma und ich gingen grinsend mit ihr mit und ließen den rätselnden Karl stehen. „Ich glaub das mit den Tüten macht ihn echt fertig“ amüsierte ich mich und füllte die Packung Chips die mir Fräulein Liebig gereicht hatte in eine Schüssel um. „Was der sich wohl grad zusammen reimt? Wenn Strecki ihm steckt das das Wort ursprünglich nicht Tüten sondern Typen war…“ ich musste bei der Vorstellung laut los lachen. Chipsvernichtend begaben wir uns wieder zu den anderen. „Wo wart ihr denn plötzlich abgeblieben?“ wollte Rüdiger wissen. „Hier gibt’s ganz tolle Tüten, wir haben eine aufgerissen und vernascht. Ist nun völlig leer aber wir Mädels waren ja auch zu dritt“ Ich zwinkerte Emma und Fräulein Liebig zu und diese ergänzte „War ganz schön scharf“ Als auf Emmas Bildschirm <und lecker!> aufblinkte fiel Karls Kinnlade gänzlich runter. Rüdiger der sich eher für unsere Schüssel interessiert hatte stellte fest dass bereits alle der extra scharfen Chips den Weg in unseren Magen gefunden hatten. Als er die Hand enttäuscht aus der Schüssel zog lächelte ihn Fräulein Liebig an. „Ja tut mir Leid Jungs aber für euch ist nichts mehr da zum vernaschen, obwohl, wenn ihr in die Küche kommt ich glaub da wartet noch ne zweite Tüte auf euch… Haben wir extra für euch aufgehoben, genießt sie“ Mittlerweile hatte Karls Kopf die Farbe einer reifen Tomate angenommen und es war ziemlich offensichtlich das er über die Herkunft des Wortes bescheid wusste. „Ok, dann geh ich mal suchen“ verkündete Rüdiger der wie wir von Chips redete. „Wollt ihrs scharf und soll ich für etwas Dipp sorgen?“

“Verflucht was ist los mit euch, bin ich hier der einzig normale oder was?“ brüllte Karl Rüdiger an der die Welt nicht mehr verstand. Emma stellte Demonstrativ die leere Schüssel auf dem Tisch, tippte kurz und zeigte dem verdutzten Karl ein Foto der extra scharfen Chips und neben der Tüte war gut sichtbar eine Schale mit Salsa Dip. Beim vorbei gehen klopfte sie ihm auf die Schulter. „Was war denn eben los mit dir? „ erkundigte sich Rüdiger vorsichtig. „Ähmmm vergiss es, ist nicht so wichtig“ murmelte er zurück und ließ sich aufs Sofa fallen. „An was du gleich wieder denkst! Typisch Kerl“ lachten wir Mädels und ernteten bitterböse Blicke.

 

Ein großer Gähner von mir läutete das Ende des Tages ein. „Sie hat Recht, wir sollten alle ins Bett. Es war ein langer aufregender Tag... Strecki? Hast du Betten oder so etwas?“ fragte Rüdiger. Als hätte es Strecki gewusst, war er gerade dabei in einem Nebenzimmer Decken zu suchen und auf die Betten und Sofas zu legen, die als Einziges sich in diesem Raum befanden, der wohl nur explizit zum Schlafen gedacht war. „Kommt rüber...“ wies Strecki uns an und wir folgten alle Rüdiger ins Zimmer. Insgesamt waren genau zwei Betten und ein Sofa aufgestellt, also 4 Möglichkeiten zum Schlafen. Doch bevor auch nur Einer fragen konnte, wo der Rest pennen sollte, öffnete Strecki eine weitere Tür, in dessen Raum sich noch mal zwei Sofas befanden. „Hier können die Mädels schlafen, falls jemand uns überraschen sollte, müssen die erst bei uns durch.“ erklärte Strecki. „Und bevor ihr fragt...“ er schaute in die Richtung von uns Mädels „das Bad ist im großen Raum neben der Küche. Ihr könnt euch ja schon mal umziehen und euch zu waschen. Frau Liebig hat sicherlich noch genug an Klamotten dabei, oder?“ Ein leicht verlegendes Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen. „Ein bisschen hab ich noch dabei.“ „N bisschen mehr...“ korrigierte Strecki sie und rollte dabei mit den Augen in Richtung der Jungs.

 

Wir drei Mädels begaben uns dann zum Bad um uns in den Schlafanzug zu hüllen und um Zähne zu putzen. Frau Liebig hatte sehr viele Klamotten dabei die reichten vollkommen für Emma und mich. Wir beide zogen jeweils ein T-Shirt und eine Jogginghose an, ihre Klamotten hatten dabei ein Teddymuster, während meine komplett schwarz waren. Zurück ins Schlafzimmer angekommen waren die Jungs schon in Boxershorts und bereit für die Betten. Anscheint hatten sie auf uns gewartet und dabei über die Ereignisse der Tage geredet. „Dann war sein Tod vielleicht um-... oh... das seit ihr ja wieder.“ Meinte Rüdiger mit einem leicht traurigen Blick. Emma und ich hielten den Mund, doch Frau Liebigs Interesse war plötzlich komplett geweckt. „Wessen Tod? Wer ist gestorben?“ Ich konnte ihr es einfach nicht sagen, zu tief war das Loch in mir, was durch seinen Tod herausgerissen wurde. Stattdessen leuchtete Emmas Laptop auf < Erzähl ich dir gleich... >, diesen hatte sie wirklich überall mit dabei, selbst im Bad lag er auf dem Waschbecken bereit zum Einsatz. Mehrere „Gute Nachts“ wurden ausgetauscht bevor wir die Tür zu unserem Zimmer schlossen und dann in die Betten glitten. Zum Glück musste ich nicht mit anhören wie Emma Frau Liebig alles erzählte, dass hätte ich nicht überstanden. So hörte ich nur die Reaktionen von ihr auf die Textnachrichten, die aufleuchteten und den Raum mit wenig Licht durchfluteten.

 

Ich schlug die Bettdecke fest um mich und starrte in die Dunkelheit hinein, in der ich noch mal die Gestalt meines Kumpels sah. Wieder musste ich schlucken als seine Worte
„Ich dich auch und ich versprech dir, dass wir uns wiedersehen werden.“ in meinen Ohren klangen und er verschwand. Sollte sein Tod tatsächlich umsonst sein, schoss es mir wieder durch den Kopf und nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Leise heulte ich in meine Bettdecke und hoffte, dass die anderen Beiden davon nichts mitkriegen würden.
„Warum heulst du?“ Doch es war nicht die Stimme von einer der Mädels. „Weine nicht, ich bin schneller da als du denkst.“ Flüsterte eine leise Stimme in mein Ohr, die von sehr weit weg zu stammen scheint, während ein Bild von meinem zwinkernden Freund vor meinem inneren Auge erschien. Langsam beruhigte ich mich wieder, in dem ich mich an die Worte klammerte, die mir irgendwie Hoffnung gaben. Stunden vergingen während ich wach im Bett lag und diese eine Stelle der Wand anstarrte, die eine innere Leinwand mit Bildern der vergangenen Tage darstellte. Frau Liebig und Emma schliefen längst, was ich an deren ruhiger Atmung feststellen konnte.

 

Ein leichtes Klicken war zu vernehmen, doch es stammte nicht von den Mädels, sondern von der Tür, die nun leise aufgeschoben wurde. Ich schloss die Augen tat so als ob ich ruhig schlafen würde. Gespannt wartete ich auf weitere Geräusche, die mir etwas über die Person verraten würde, die gerade versuchte unbemerkt bei uns einzudringen. Ganz leise waren Schritte zu hören, die sich um alle Betten bewegten und bei mir direkt vor meinem Gesicht stehen blieben. Die Atmung der Person wurde zu mal schneller. „Ich habe sie gefunden.“ kam es ganz leise, aber erfreut wirkend von ihr. Die Stimme war allerdings so leise, dass ich sie niemanden zuordnen konnte. Wer ist das, fragte ich mich angestrengt, doch die Augen wollte ich lieber nicht öffnen. Sie beugte sich zurück, doch anstatt weiter zu gehen, legte sie sich ohne Bettdecke auf den Boden hin. Ich zuckte als ihre Hand sich auf Meine legte und leicht festhielt. Sie war angenehm warm und das unangenehme Gefühl gegenüber dieser unbekannten Person war ohne wirklichen Grund verflogen. Es dauerte nicht sehr lange bis sie eingeschlafen war, doch ihre Hand war noch immer um Meine und ehrlich gesagt, sollte sie auch nicht weg. Jetzt war die Frage was ich machen sollte. Ich öffnete also vorsichtig die Augen, doch obwohl sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich nur eine eingerollte, dunkle Gestalt am Boden erkennen, die sich nicht bewegte. Umso länger ich ihn ansah, desto mehr stellte sich ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit ein, als ob ich die Person schon länger kennen würde. Konnte es vielleicht tatsächlich mein Kumpel sein, der da so lag, schoss es mir durch den Kopf. Mein Herz fing an zu rasen, dass ich Angst bekam, es könnte die Person aufwecken. Ganz darauf bedacht kein lautes Geräusch zu machen hielt ich den Atem an, zog die Bettdecke nach unten und stand auf. Es schauderte mir bei den kalten Boden unter meinen blanken Füßen. Das war doch viel zu kalt um auf den nackten Stein ohne ne Decke oder so zu pennen, aber der Gestalt war es wohl egal. Aufmerksam umrundete ich ihn, doch noch immer konnte ich niemanden erkennen und der Gedanke es könnte mein Kumpel sein hielt sich am seidenen Faden der Hoffnung. Dieser riss, als ich erkannte, dass die Person ganz kurze Haare hatte und somit nicht er sein kann. Leicht geschockt hielt ich inne, doch warum war ich geschockt? Immerhin war mein Kumpel tot und kann es gar nicht sein, dennoch war da dieses Gefühl als ob er irgendwie da wäre. Vorsichtig darauf bedacht ihn nicht zu berühren, schlich ich mich um ihn herum und sein Gesicht wurde wie von einem Schein sichtbar.

 

Mein Herz machte einen riesigen Hüpfer, ohne darüber nachzudenken sprang ich ihn regelrecht an und nahm ihn in den Arm. Freudentränen kullerten mir über die Wangen und prasselten auf meinen Kumpel nieder. Er wachte auf und als er realisierte wer ihn umarmte, drückte er ebenfalls zu und streichelte meinen Kopf. „Wie kann das sein? Ich dachte du bist tot...“ schluchzte ich in seine Schulter. „Tot? Ich bin dir durch die Zeit gefolgt und nun habe ich dich endlich gefunden.“ „Durch die Zeit?“ Erst jetzt verstand ich, dass es mein Kumpel aus meiner Gegenwart war, den ich festhielt. „Du bist mir sogar durch die Zeit gefolgt um mich zu retten...“ Und nun wurde es erst recht schlimm, denn die Tränen flossen nur so dahin. Er hatte mich nie aufgegeben und suchte schon die ganze Zeit nach mir. Ich drückte so fest wie es nur ging und wollte ihn nie wieder loslassen. All die Zeit wollte ich meinen Kumpel der Zukunft retten, dass ich dabei meinen wirklichen Kumpel ganz vergessen hatte. Sicherlich hatte er sich große Sorgen gemacht, als ich plötzlich verschwand. „Es tut mir so Leid...“ schluchzte ich noch weiter in seinen Arm hinein. „Was tut dir Leid?“ fragte mein Kumpel, dem allen Anschein nach ebenfalls Tränen über die Wangen kullerten und mein T-Shirt benässte. „Einfach alles...“ antwortet ich und durch meine wässrigen Augen sah ich Emma und Frau Liebig, die durch mein Schluchzen und Weinen aufgewacht waren und nun nicht wussten wie sie reagieren sollten. Ein „Ist schon gut...“ brachte ich noch in deren Richtung hervor, bevor meine Stimme fast komplett versagte. Aber das war unwichtig, alles was zählte war, dass wir wieder zusammen waren und wir uns nie wieder trennen würden. Als ob mein Kumpel meine Gedanken gelesen hatte, meinte er „Ich werde dich nie wieder verlassen. Ich hatte mir solche Sorgen gemacht. Irgendwie bin ich hier in die Zukunft gelangt und suchte dich...“ Währenddessen waren auch die Jungs wach geworden, standen im Türrahmen und beobachteten uns beim Umarmen, nachdem Emma sie erst zurückgehalten hat. Die Minuten verrannen während wir nur einfach auf dem Boden saßen und uns aneinander drückten.

 

WUUMMMMMMMMMMMMMMMMM...

7.6.09 16:08

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