Regentropfen

Regentropfen halten sich am Glas
Klammern sich
Wollen nicht verfließen
Wollen bleiben

Am kalten Glas
Das keinen Halt gibt
Wissend das sie vergehen werden
Fallen werden
Aufschlagen werden

Aufgesogen vom gierigen Boden
Verbrannt von erbarmungslosen Sonnenstrahlen
Und doch halten sie fest

Am Glas das keinen Halt gibt
Das kalt ist
Sie abweist

Verzweifelte Hoffung
Kämpft mit dem Schicksal
Wissend der Verlierer zu sein
Vergebliche Liebesmüh

Sie träumen
Wenns doch nur Winter wäre
Würden sie als Schneeflocke hinunter schweben?
Eisblumen am Fenster malen?

Könnten glücklich sein
Könnten bleiben

Der Regenbogen grinst hämisch
Als der letzte Tropfen trocknet
Am Glas das er so geliebt
Einen hässlichen Fleck hinterlässt

Nicht mehr und nicht weniger

Mich zum Fensterputzen zwingt


*
*
*

Warum hält man krampfhaft an Sachen fest von denen man weiß das es einem selber nur runterzieht obwohl es eindeutig ist das es kein vorwärts mehr gibt? Manche Materie passt einfach nicht. Glase und Kristalle, fest und flüssig. Zu unterschiedlich und nicht füreinander gemacht.
Bleiben bedeutet vergehen.
Doch wofür und was hinterlässt man außer einen Schmutzfleck auf der glatten Oberfläche?
Der Tropfen kann nicht bleiben, das Glas sich nicht bewegen.
Können doch nie eins sein und vergessen.
Das Unvermeintliche und nur Herausgezögerte wird auf die ein oder andere Weise eintreten. Wieso von der Sonne verbrennen lassen wenn der Fluss doch so nah ist? Angst sich fallen zu lassen? Tausende Regentropfen fallen, bilden Pfützen und gehen wieder in den ewigen Kreislauf ein. Versickern aber nur um sich zu sammeln, gestärkt aus dem Boden hervorzukommen und die Sonne zu sehen. Als Wolke die Welt von oben sehen und auf den nächsten Regen warten. Irgendwann wird der Winter kommen und der Schnee wird weiß und rein liegen bleiben. Und auch wenn nicht jede neugeborene Schneeflocke auf Permafrostboden fällt so ist es doch der Moment und wenns nur eine Schneeballschlacht seien sollte, der zählt. Nicht der Gedanke an den Morgen, an Streusalz, schmutziger Schneematsch oder erste Sonnenstrahlen die mehr ändern als es ihnen lieb ist.
Auch der Frühling ist nicht das Ende denn was wär er ohne Aprilwetter? Was wär der Sommer ohne Sommerregen oder der Herbst ohne die prasselnden Schauer die mein Veluxfenster hinab rinnen?
Und doch klammern sich einige Tropfen am Glas so lange es geht.
Kleine Tränen einer großen Wolke, machen es sich unnötig schwer. Hinterlassen trotz aller Liebesmüh am Glas doch nicht mehr als einpaar unschöne Flecken. Wie eine kaum sichtbare Spur, eine Notiz „Ich war hier“.  Erinnerungen die Eindrücke hinterlassen.
Bis das nächsten Fensterputzen das Glas erstrahlen lässt.
Bis warmer Sommerregen die Spuren vom kalten Glas küsst, es wärmt. Bis zum nächsten Winter, der Eiskristalle aufs Glas zaubert, Blumen malt und die Elemente einen Moment der Zweisamkeit gönnt


 Wir wissen das wir alle einmal Sterben werden, ohne Ausnahme und trotzdem klammern wir uns ans Leben auch wenns noch so beschissen und der Kampf ausweglos ist. Dabei malen sich viele soviel aus. Was wäre wenn... Andere stürzen sich in Religionen, hoffen aufs Jenseits statt aus dem hier und jetzt das beste zu machen. So viele Menschen leben nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Wenn Zeit fiktiv ist sind sie die Verlierer denn sie haben nie wirklich gelebt. Haben sie je existiert oder waren sie nur Pappaufsteller die jeder Windstoß umwerfen kann? Sind wir nicht alle Spielbälle des Schicksals? Und wenn nicht jetzt wann dann? Denn dann ist es schon zu spät. Vorallem ist es ja nicht einfach so das man weg ist sondern das Sterben an sich ist meist schmerzhaft, plötzlich und ungerecht. Die wenigsten können nach einem gelebten Leben einschlafen. (Sei es weil das Altersheim auf Magensonden setzt oder sie zufrüh mitten aus dem Leben gerissen werden, was generell selten friedlich geschiet) Von uns bleibt nichts als eine Erinnerung die früher oder später auch verschwindet. Wie die Flecken die Regentropfen auf Fensterglas hinterlassen. Genau so nichtig und klein. Es bleiben Trauernde Menschen zurück so hat sogar das Ende noch einene negative Bedeutung. Irgendwie hörte es sich sehr negativ an und so lockert die letzte Zeile leicht auf wenn man nur kurz drüber liest. Wenn man länger drüber nach denkt ist aber grade das was schlimm ist. Weil selbst das unweigerliche Gehen für die Hinterbliebenen Kummer, Leiden und Schmerz bedeutet. Um so besser der Mensch war desto größer die Lücke die er hinterläßt. Dabei will man doch eigentlich in guter Erinnerung bleiben oder irgendwas positives hintzerlassen. Irgendwas was mehr bewirkt als ein vererbtes Giro-Konto. Das heißt nich das ich ne Granitstatur von mir in den Vorgarten stellen möchte oder würde damit ich in Gedanken bleib, dazu bin ich nicht selbstverliebt genug. Das Penecilin ist auch schon erfunden und irgendwie bleibt nix. Ich denke genau das ist unser Schicksal. Wir sind fehlbar und es ist Ok, egal. Mit der selben Gleichgültigkeit scheint aber auch unser Dasein gemessen.Religionen versprechen Belohnung, drohen Bestrafung und trotzdem kann ich mir nicht vorstellen das eine höhere Instanz ein Auge auf jeden von uns wirft und sich merkt wie die jeweiulige Lebensführung war. Ich kann mir einfach keinen Mann mit Rauschebart oder eine Energie vorstellen. Aus deren Perspektive müssen wir doch wie ein gigantischer Ameisenhaufen wirken. Mit dem Unterschied das wir nicht zusammen arbeiten und Stöcker herantragen sondern alles daran setzen uns gegenseitig möglichst grauenvoll zu töten und unseren Planeten ausbeuten und zerstören. Kein Ameisenvolk wär so dämlich ihren Bau zu zerstören doch wir Menschen fühlen uns trotzdem überlegen. Als Kleines Gedankenspiel, wenn die Ameisen denken wie wir und ein kleines Kind mit Brennglas setzt sich neben den Haufen um zu spielen, würden sie es für einen Gott halten? Und wäre Gott grausam oder wär es die gerechte Strafe für irgendwas, was was die betroffene Ameise nach ihren Werte und Normen eine Verfehlung darstellt? Ich wette irgendeine altkluge Ameise würde ungerührt zu sehn und zitieren : "Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort" Das Feuer wäscht die Seele rein und nun könne die Ameise rein ins Reich Gottes. Zum Glück denken Ameisen nicht wie Menschen sonst läge der Wald voller Kadaver da sie ihren Ameisenhaufen in der Annahme, irgendwelche armen Seelen vor den Fegefeuer zu retten, selbst angezündet hätten. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen und auch das Recht drauf. Wenn jemand seine Erfüllung im Glauben findet gönne ich es ihm, aber ich kann es nicht.

22.2.08 03:44

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen